Sonntag, 27. Oktober 2013

Als Erinnerung an einen schönen Sommer: Knickgeflüster

Für die nicht im hohen Norden Deutschlands wohnenden unter meinen Leserinnen und Lesern, also all diejenigen, die dort zuhause sind, wo man nicht den lieben langen Tag "Moin" oder "MoinMoin" sagt, eine kurze Erklärung zu dem Wort "Knick". Es bezeichnet bei uns nicht etwa den berühmten Knick in der Optik, sondern um die Feldhecken, meist bestehend aus Weißdorn, Schlehdorn, Krieten und anderen strauchigen Gewächsen, welche hier früher die Felder und Weiden umgaben. Leider ist zu sagen "früher", denn sie wurden weitestgehend abgeschafft. 

Doch an einigen Orten gibt es sie noch, die Knicks. Dort laufen dann alle sieben Jahre die Telefone der unteren Naturschutzbehörde heiß. Denn die fachgerechte Pflege eines Knicks besteht darin, sie alle sieben Jahre "auf Stock" zu setzten. Das heißt, sie dreißig Zentimeter über dem Boden abzusägen. Das sieht martialisch aus und wird auch von der natürlichen Landwirtschaft entfremdeten Menschen so wahrgenommen. Doch die Feldhecken wachsen durch diese Maßnahme um so dichter wieder nach und bieten so einer schutzsuchenden Fauna Obdach. Das Knickholz wurde übrigens früher nicht einfach gehäckselt, sondern die dickeren Aststücke wurden auf Länge gesägt und kamen nach dem Trocknen in den Küchenofen und das Reisig in den Lehmbackofen zum Befeuern für das Brotbacken.

Wenn ich denn als Dingefinder im Sommer und im Herbst die Knicks entlang gehe, um Beeren für leckere Marmeladen zu sammeln, kann es geschehen, dass ich etwas außerhalb der Zeit gerate. Dann höre ich das Knickgeflüster. . .



 
                                            Knickgeflüster


                                         Beere Brom
                                         sagte zu Beere Him:
                                         "Wenn ich
                                           in den Himmel komm,
                                           dann sing ich 
                                           all die frommen Lieder
                                           und komm
                                           als Erdbeere wieder!"

                                       Sagte Beere Him
                                       zu Beere Brom:
                                       "Du weißt,
                                        dass es Himmel
                                        und nicht Brommel heißt!"




 

Kommentare:

  1. Und wieder was gelernt. Den Ausdruck Knick kannte ich jedenfalls nicht.
    Dir einen schönen Sonntag. Hier scheint kräftig die Sonne.
    Gruß vonner Grete

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  2. :-) Ein Lern-Blog sozusagen. Dass ich das noch erleben darf!

    Wir haben heute morgen draußen auf der Terasse gefrühstückt. Also doch noch Sommerzeit.

    Liebe Grüße, Dingefinder Jörg

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  3. Krieten sind eine Art kleiner süßer Pflaumen, welche den Schlehen ähnlich sind, jedoch etwas größer. Eine Spezialität aus Schleswig - Holstein.

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  4. Hm - darunter kann ich mir keine konkrete Pflanze vorstellen. Schlehen-ähnlich - Schlehen sind sauer und haben mit Pflaumen eigentlich kaum etwas gemein, jedenfalls nicht im Habitus und Geschmack und reifen wann anders. Auch sind sie (fast) kugelrund. Weißt Du zu "Krieten" einen möglichen wissenschaftlichen Namen? Das würde mich echt interessieren, was sich dahinter verbirgt.
    Lieben Gruß C.

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  5. Ich habe die Antwort glaube ich gefunden:
    Die Kriechen-Pflaume (Prunus domestica subsp. insititia), auch Hafer-Pflaume genannt,[1] ist eine Unterart der Pflaume (Prunus domestica). Sie wird in Europa, Westasien, Indien, Nordafrika und Nordamerika kultiviert. ...Weitere deutsche Namen für die Kriechen-Pflaume sind Eigentliche Krieche, Kritzschken, Krellen, Kricke, Kreke (Niederdeutsch), Weinkrieche(rle) oder Weinkrüglein, Schwein- oder Saukrieche, Kriacherl, Cypern oder Ziper(le), Ziparte, Ziegfarze, Bocks- oder Geißhoden, Maroncken oder Malo(n)cken, Tornigel, Tarrnickel, Ross-, Scheiß-, Wein-, Haber-, Hafer- oder Au(g)stpflaume, Pflaumenschlehe, Aug(u)stkirsche, Fluder, Flüder, Pfluder, Priester, Schlupfen, Schlupfer, Weinling und (besonders für die getrockneten Früchte) Prunellen, Brunellen, Brinellen, Brigniolen, Prünellen oder Brugnolen. ... Die Kriechen-Pflaume wird vor allem zur Produktion von Samenöl (Speise- und Brennöl) und Baumgummi genutzt, in geringerem Umfange auch zur Herstellung von Schnaps[4]. Daneben findet sie als Unterlage für edle Pflaumensorten (Saint-Julien-Pflaume) und als Heckenpflanze Verwendung. [1]

    Da das blaue Kriacherl seit Generationen in der Steiermark als Grundlage zur Herstellung von Pflaumenbrand dient wurde es in Österreich in das Register der Traditionellen Lebenmittel aufgenommen.[5]. Auch im niederösterreichischen Waldviertel hat das gelbgrüne Kriecherl die Chance, Bedeutung als Grundlage für eine Genuss Region Österreich zu erlangen.[6]

    ...Einer Ahnung folgend in Wiki gefunden...

    Danke für die Anregung! C.

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  6. :-) Danke für Deine Recherche. Ich bin das erste Mal über eine Zeitschrift darauf gestoßen, in Schleswig-Holstein gibt es einen Menschen, der sich für den Erhalt dieser Sorte einsetzt. Er vermehrt auch die Pflanzen weiter. Da die Knicks alle sieben Jahre auf Stock gesetzt werden, kommen die Pfläumchen dort oft nicht zum Tragen und werden quasi übersehen.

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