Samstag, 25. Februar 2012

Endlich Saison: Erdbeeren und Winterlinge


Endlich Saison: Erdbeeren und Winterlinge

Winterling - was für träumerisches Märchendichterwort. Verwandt mit Klabautermann, mit Däumeling und Klingeling, ein lustig Ding.

Ortsbegehung. Gang über die Parzelle, auf der Kinder und Jugendliche Bäume für eine Streuobstwiese gepflanzt haben. Apfelbäume, Vogelkirsche, Aprikose, alle noch im Winterschlaf. Die Wiese: struppigbraune Grasbüschel, beim Gehen spürt man die Winterfeuchte im Boden. Zwischen den Gräsern trotziggelbe Tupfen: Die Winterlinge beginnen zu blühen.

Wohl noch aus dem Vorgängergarten hinübergerettet in den entstehenden Obstgarten trieben sie ihre Blattschöpfe und Blütenköpfe durch die Grasnabe. Ich schau sie an, und sofort wird mir fröhlich ums Herz, unwillkürlich muss ich lächeln. Winterlinge, ein sicheres Zeichen, dass die Macht des Winters gebrochen ist, und wie zum Beweis ist es heut ein milder, sonniger Tag. Wie ich mich freue auf das neue Gartenjahr!

Wie ich mich freue auf Dichternarzissen, auf Pfingstrosen, auf Maienflieder, auf Damaszenerrosen und auf Erdbeeren! 
 

Ortswechsel. Einkauf im nahen Supermarkt. Gleich im Eingangsbereich platziert lockt ein Obststand mit Beerenobst. Frische Erdbeeren, biozertifiziert, groß und prall unter Folie verpackt. Sie wirken, als hätte sie ein geschickter Designer naturgetreu aus Plastik nachgestellt, und in meiner Vorstellung schmecken sie auch so. Hier ist ein anderer Traum vom Paradies ausgestellt als der aus dem vorhin durchschrittenen Obstgarten. Immerwährende Fruchtfülle, Erdbeeren aus Marokko neben Blaubeeren, Himbeeren von Irgendwo, dazu, noch exotischer, Mangos, Litschis, Granatäpfel. Hier verschwimmen Jahreszeiten und Orte, hier ist jederzeit Frühling und Sommer.

Mir sind diese Erdbeeren zu früh, sie sind außerhalb der Kinderzeit, wo alles zu seiner Zeit am Ort war, und die Osterhasen nicht schon im Januar in den Läden standen. Ich bin da altmodisch. Auch letztes Jahr hatte ich es geschafft trotz aller Verlockungen zu warten, bis die ersten Erdbeeren in meinem Garten knallereif waren, dunkelrot und nicht mehr transportfähig über große Strecken. Die erste Erdbeere im Jahr, sonnenwarm und duftend, wird mir dann zu einem Fest. Mein Paradies ist ein sehr temporäres.

Alles hat seine Zeit, und jetzt ist hier die Zeit der Winterlinge und der Vorfreude. Und Erdbeeren im Februar? Ich öffne ein Glas Fruchtmus aus dem letzten Sommer, hergestellt aus frischgepflückten, vollreifen Erdbeeren, verfeinert mit Rosenblättern der Rose de Resht. Ein köstlicher Duft steigt nach dem Öffnen des Glases auf, und ich spüre, wie mich eine Ahnung des Sommers anweht. . .

Freitag, 24. Februar 2012

Aussaattage - Oder: Glaubst du daran?


Glaubenssachen

Noch einmal zur Vorgeschichte: Wir haben zwei Gartenkalender: einen von "kraut & rüben" (Wolfram Franke: Gartenjahrbuch 2012) und einen, als Geschenk vom Gartenverein, aus dem Ulmer-Verlag: "Gartenkalender 2012".

In beiden sind enthalten die Aussaattabellen für Aussaaten nach dem Mondstand. Was sind, astrologisch gesehen, die besten Aussaattage für Blatt-, Frucht-, Blüten-, und Wurzelgewächse?

Meine Liebste und ich kamen überein, diese einfachen Tabellen und Hinweise als kleine Strukturierungshilfe für unsere Aussaaten zu nehmen. Also: Nach dem Kalender aus dem Ulmer-Verlag wäre der 16. 2. der Fruchttag für die Andenbeere.

Kompliziert wurde es erst, als wir in den anderen Kalender (kraut & rüben) schauten: Da ist der 16. ein "Blatttag" (Salat wollen wir aber noch nicht aussäen) und der Sonntag gehört der Frucht, bzw. der Wurzel. Hätten jetzt unsere Lobelien Rüben statt Blütenfülle bekommen? fragen wir erschrocken.

Also, recherchiert: Der kraut & rüben - Kalender richtet sich nach den Aussaattagen von Maria Thun. Maria Thun ist eine sehr energische Dame, sie hat dieses Thema als erste bearbeitet, und nach ihren Forschungen richtet sich das Ganze. Nun erstellt Frau Thun ihren Kalender nicht nach den Mondphasen im Tierkreiszeichen, sondern nach denen im realen Sternbild. Die Sternbilder haben nicht immer diese 30-Grad-Einteilung, sie sind verschieden groß. Kam uns die Idee, dass der Ulmer-Kalender vielleicht die Mondstände nach den Tierkreiszeichen berechnet, und es dadurch zu diesen Divergenzen kommt. Das ist eine Vermutung.

Da die Aussaattermine jetzt näher rücken, haben meine Liebste und ich beschlossen, ein Experiment zu machen: Wir säten zu Vergleichszwecken an beiden empfohlenen Tagen aus.

Also:

Am Donnerstag (16.2) war laut dem Kalender aus dem Ulmerverlag Fruchttag (bei Kraut & Rüben ist es ein Blattag): Da säten wir eine Partie Andenbeeren aus.

Am Freitag (17. 2.) war beim Kraut & Rüben - Kalender Fruchttag (bei dem Kalender aus dem Ulmer-Verlag ist dann Wurzeltag): Da säten wir die zweite Partie Andenbeeren.

Alles unter gleichen Bedingungen: Standart-Aussaaterde, gesät wurde in kleine Plastikschälchen, es wurde gewässert und die Aussaatschalen auf die Heizung gestellt. 

Links ist das Schälchen, in dem am 16. 2. ausgesät wurde, rechts das Schälchen mit dem einen Tag späteren Aussaatdatum. Die Aufnahme wurde am 24. 2. gemacht. Am 22. 2. zeigten sich im rechten Schälchen schon grüne Keimlinge, während sich im Schälchen, in das ein Tag früher ausgesät wurde, nur gerade kleine Würzelchen hervorlugten. Die später ausgesäten Pflänzchen sind eindeutig weiter, was sich auch weiterhin bestätigt.

Liegt das nun am "richtigen" Aussaattag? Mit einem Versuch lassen sich natürlich keine Aussagen treffen. Dazu waren, wie sich später heraus stellte, die Bedingungen doch nicht gleich. Meine Liebste hatte das Gießwasser mittels eines Dejavals gestrudelt, "energetisiert". Das hatte ich bei den früher ausgesäten nicht gemacht.

Der Einfachheit halber stelle ich jetzt hier einen Bericht ein, den ich über "Glauben" und "Nichtglauben" über die Wirkung von gestrudelten Wasser geschrieben habe. Meine Einstellung zu den Aussaattagen und dem Glauben ist sehr ähnlich. 

Weitere Rückschlüsse überlasse ich erst einmal den geneigten Leserinnen und Lesern. Über einen Austausch würde ich mich freuen.

 
Glaubst du daran?

Glaubst du daran?“ Wie oft wurde mir bei bestimmten Gelegenheiten diese Frage gestellt. So oft, dass ich sie mir schließlich selber stellte. Zum Beispiel habe ich in meiner Küche ein hübsches Spielzeug: Einen Devajal. Das ist ein Plastikadapter, den man auf Flaschengewinde schrauben kann, so, dass zwei Mineralwasserflaschen miteinander verbunden sind. Wenn die eine der beiden nun annähernd mit Wasser gefüllt ist, dann kann diese, durch einen kurzen Ruck in Bewegung gesetzt, das Wasser von oben nach unten in einer schönen Trichterspirale in die zweite Flasche abfließen lassen. Dieser Vorgang lässt sich beliebig wiederholen, indem man die mit einander verbundenen Flaschen umdreht und wieder den Trichter in Bewegung versetzt. Dieser Vorgang verlebendigt das Wasser, energetisiert es. Es ist ähnlich, wie mit dem sogenannten levitierten Wasser.

Der Adapter ist von blauer Farbe und trägt, in zig verschiedenen Sprachen aufgedruckt, als einzige Beschriftung das Wort Liebe. Der Hersteller geht davon aus, dass das Wasser so aufnahmefähig ist, dass es im Verlebendigungsprozess etwas von der aufgeschriebenen Liebe aufnimmt. Ich habe einmal einen selbsternannten „Lichtarbeiter“ gekannt, der Wasser in einem Glas auf ein mit salbungsvollen Worten beschriebenen Papier stellte, mit ähnlicher Zielrichtung: Das Wasser zu energetisieren, ein anderer Wassergläubiger stelle seine Wasserflasche vor ein Foto von einem blühenden Lavendelfeld in der Provence. Beide teilten mir mit, das Wasser würde die Information aufnehmen. „Glaubst du daran?“ Das gestrudelte Wasser schmeckt auf alle Fälle weicher, wie unbefangene Testtrinker mir bestätigten.

Der Hersteller des Devajal „beweist“ diese Vorgänge durch wunderschöne Kristallbilder harmonischer Art, die durch Wasser von heiligen Quellen, oder eben von durch den Devajal levitiertem Wasser entstammen. Daneben sind Kristallbilder von unglücklichem Leitungswasser gestellt. Mir selber macht der Vorgang des Strudelns von Wasser in Handarbeit Spaß, ich schaue mir gerne die entstandenen Trichterspiralen an. Außerdem erlaube ich mir ein Zahlenspiel, wenn ich zum Beispiel Wasser für zu kochende Früchte für meine Fruchtmuse vorbereite: Der Apfel, quer aufgeschnitten, zeigt ein Kerngehäuse in Fünfzahl, eine Venussignatur. Also strudel ich das Wasser für mein Crabappel-Mus fünf mal, für den Walnuss-Ansatz sieben mal, für den der Schwarznuss sogar neun mal. Auch mein Rosenblütengelee wird durch die Fünfzahl begleitet. Besonders hübsch finde ich in diesem Zusammenhang, dass der Adapter in seiner Bezeichnung die Devas beinhaltet, die Pflanzenelfen.

Ich habe beim Strudeln meine linke Hand als die Führungshand fest umschlossen um den mit Liebe in allen Sprachen bedruckten Devajal. Dabei gebe ich mir Mühe, eine besonders formschöne Trichterspirale zu entwickeln, und diese mit Genuss und Freude anzuschauen. Ich glaube nicht, dass das Wasser lesen kann. Obwohl der Verdacht nahe liegt, dass dieses doch möglich sei: Vielleicht ist mancher Weiher im Walde nur von den hineingeworfenen Zeitungen umgekippt. Wer weiß? Der Beobachter ist Teil des Experiments. Wenn ich etwas beobachte, dann beeinflusse ich das Beobachtete. Pawlow entsinnlichte seine Beobachtungsgabe bis zu einem Punkt, ab dem er einen Hund nur noch als Ablauf mechanischer Gesetzmäßigkeiten erkennen konnte. So hatte per Beobachtung der Hund seinen Beobachter dressiert. Heraus kam Verhaltenstherapie.

Wenn ich in diesem offenen, heiteren, gelösten Zustand mein Wasser strudel, in Erwartung auf hochwertige gesundheitsfördernde fünfmal, siebenmal, neunmal, dabei an die Liebe in so vielen Sprachen denke, sagt, kann da das Wasser anders, als weicher werden? Kann es anderes tun, als in besonders harmonischen Gebilden zu kristallisieren? Ich glaube, und das ist mein Glaube, dass hier wirklich alles mit allem zusammenhängt. Das Wasser und ich, wir sind in einer angenehmen Kommunikation.

Eine Besucherin, ganz dem Pendel verschworen, pendelte einmal eine meiner Marmeladen, ein winterliches Fruchtmus aus Mandarinen, aus. Sie legte dabei eine halbkreisförmige Skala auf den Tisch, stellte das Marmeladengläschen darauf und ließ das Pendel schwingen. Es schwang immer hin zu dem höheren bis höchsten Ende der Skala, worauf sie meiner Marmelade ein hohes Energiepotential bescheinigte. Das hätte ich ihr auch ohne Pendel sagen können. Als ich letztens wählen musste zwischen einem kleinen Glas Tannenhonig und einem ebenso großen Gläschen Waldhonig, welches weitaus weniger teuer war, suchte mein Geldbeutel die Entscheidung zugunsten des Waldhonigs. Aber der Tannenhonig ließ meine Handfläche geradezu kribbeln, in seiner tiefdunklen Färbung war ein tiefes Goldgelb versteckt, so wie in diesen Halbedelsteinen, den Tigeraugen. Letztlich entschied ich mich doch für den Tannenhonig. Der war weitaus energetischer. Um den gleichen körperlichen Wohlfühleffekt zu bekommen, brauche ich davon sicherlich weniger, gerade wenn ich mein hochsommerliches Fruchtfasten tätige, in welchen Honig meine einzige Nahrung außer Sommerfrüchten ist. „Glaubst du daran?“

Ich bin in den Schulen und Gemeindehäusern und Wohnstätten dieser Gesellschaft sozialisiert worden. Da ist kaum bis kein Platz für den Glauben. Höchstens der eine oder andere Pastor spricht vom Glauben, dann aber an einen nicht sinnlich erfassbaren Gott. Den meisten dieser Pastoren nehme ich es nicht ab, dass sie „glauben“, es scheint mir, als wollten sie durch andauerndes Erwähnen des Mantrams „Glauben“ sich selber davon überzeugen, dass es ihren Gott gibt. Dadurch überzeugen, dass sie möglichst viele Menschen dazu verleiten, mit zu glauben. Wo so viele Menschen glauben, kann letztlich kein Irrtum sein.

Während ich die Früchte und Blütenblätter sammle, ist meine Seele ganz leicht, ich bin ganz mit mir im reinen, während ich mein Wasser verwirbel, fühlt sich alles in mir gut an.Es macht Spaß, dem verschwindendem Wasser zuzuschauen. Morgens nach der Morgenmeditation solch ein Fruchtmus zusammen mit Haferflocken und Joghurt zu einem Müsli zu verrühren, ist ein stilles Gebet. Eine Vorfreude auf einen unverstellten Genuss. Es schmeckt. Es fühlt sich gut an. Es richt gut. Es macht die Hand warm. Es macht mich fröhlich. Daran glaube ich. Denn es wird mir direkt und ohne Umweg zuteil. Ob ich an das Pendel glaube, oder an das lesende Wasser, diese Frage kann ich niemanden beantworten. Ich stelle sie mir nicht mehr. Ich brauche dort nicht zu glauben, wo ich selbst erspüren kann. Will heißen: Für diejenigen, für die es notwendig ist, beim Strudeln an die Liebe erinnert zu werden, ist die Aufschrift auf dem Devajal sicherlich hilfreich. Auch daran glaube ich.


Hier der link zum Dejaval: http://www.wasser-hilft.de/devajal.htm

Mittwoch, 22. Februar 2012

Bald ist Frühling. . .







Ich werde den Frühling trinken, fürwahr, mit einer Seligkeit,
so grün und bunt und hold wie die Küsse der Jugend,
ich werde taumelselig das erste grüne Blatt besingen, mit Liedern,
die der Winter nie vernommen,
ich werde jeden neuen Vogel begrüßen, werde jede neue Blüte überschütten
mit dem Glanz meiner Freude, so wie mein Garten
überschüttet ist mit Blüten,
mein Himmel überschüttet mit Gesang.

Donnerstag, 16. Februar 2012

Mond erleben

Mondrhythmen


Die Erde ist zwar keine Scheibe, und sie ist ein unbedeutender Planet am Rande des Universums, aber andererseits ist sie auch der Mittelpunkt von allem, und Sonne, Mond und Sterne drehen sich nur um sie. Und ich bin der Mittelpunkt der Erde, der Betrachter des Himmels und des Mondes und der Sterne, und alles dreht sich um mich. Frau Mond ist auch ein Wandelstern. Ich freue mich, dass sie so gut zu betrachten ist. Selbst hier, in Meinem Avalon, wo die Nächte durch die nahe Stadt niemals wirklich dunkel werden, und die Sterne häufig kaum sichtbar sind, selbst hier lächelt sie mir zu, wenn der Himmel unbedeckt ist.
Ich habe mir einen Kalender erstellt, in dem die Mondphasen vermerkt sind. Die Vollmonde, die Neumonde, die Viertelmonde. „Viertelmond“ ist mein Terminus für Halbmond. Ich wählte ihn, oder er wählte mich, um mich immer an die vier Mondphasen zu erinnern. Dieser Kalender richtet sich nach dem, was beobachtbar ist, und er ist ein Mondkalender. Unser moderner Kalender ist ein Sonnenkalender, er orientiert sich an dem Sonnenjahr. Außerdem hat er merkwürdig verschobene Rhythmen: So beginnt bei ihm das neue Jahr am Ende der Rauhnächte. Sicherlich ist hier ein Fest wie Silvester sicherlich berechtigt, und auch das Reinigen durch Böllerei, das Böse-Geister-Vertreiben, hat hier einen guten Zeitpunkt gefunden, so wie das Gute-Vorsätze-Machen. Nur ist dieses Datum kein Jahresanfang. Das Keltische Jahr beginnt am ersten November, es gibt auch Überlieferungen, dass das Jahr zum Frühjahrsbeginn anfängt, zur Frühjahrs-Tag-und-Nachtgleiche. Dann gibt es noch das Mondjahr, welches mit dem Vollmond vor dem ersten November beginnt. Der erste Januar ist da recht willkürlich gewählt.

Um es gleich vorweg zu sagen: Mein Sonnenjahr beginnt mit dem Frühlingsbeginn, mein Mondenjahr mit dem Vollmond vor Allerheiligen und das Ende der Rauhnächte begehe ich in der Sylvesternacht. So hat das für mich seine Richtigkeit.

Der Mond lebt und webt nicht nur in einem Rhythmus, er hat seine Rhythmen. Diese sind geeignet, jeden Kalender schon zu Beginn seiner Aufzeichnung obsolet werden zu lassen. Es ist kein Ticktack-Takt der Uhr, welcher sich da am Himmel abspielt. Wenn es in Zahlen aufgeschrieben wird, sind das alles krumme Zahlen. Sogar der herkömmliche Sonnenkalender spiegelt diesen Sachverhalt, indem alle vier Jahre ein Tag im Februar hinzugefügt wird.

Das heißt, auch mein Kalendarium ist alles andere als ein korrektes Kompendium stetig wiederkehrender Geschehnisse in einem Kreislauf. Zum einen läuft in unserem Sonnensystem alles in einer Spiralbahn, da sich die Sonne selbst bewegt, zum anderen sind die Konstellationen so vielfältig, dass keine jemals einer vorangegangenen gleich ist. Es ist schließlich auch kein Blatt an einem Baume dem anderen gleich, und keine noch so kleine Welle im Ozean gleicht einer anderen. Schließlich kommt es noch darauf an, wann, wie und warum ich in den Himmel schaue. Das wissen auch schon die Physiker, dass der Betrachter Teil des Experimentes ist.

Die Planeten, und damit auch der Mond, bewegen sich entlang der Sonnenbahn. Dort sind sie beobachtbar. Sie bewegen sich entgegen dem Uhrzeigersinn, sind aber manchmal rückläufig, dann bewegen sie sich mit der Uhr. Im Hintergrund der Bewegungen sind die fixierten Sterne, die Fixsterne. Zur leichteren Orientierung sind sie in Sternbildern zusammengefasst, den Tierkreisbildern. Diese sind verschieden groß, es sind zwölf, nach anderer Lesart dreizehn, an denen die Wandelsterne vorüberziehen.

Für das Sonnenjahr mit seinen zwölf Monaten ist der Kreis dieser Bewegung in zwölf Regionen unterteilt, von jeweils 30 Grad, die jeweils einem Tierkreisbild entsprechen.
Das Himmelszelt als Ganzes dreht sich täglich von Ost nach West in Uhrzeigerrichtung komplett um seine Achse, dem Nordstern. Die Sonne macht ihre Wanderung durch den gesamten Tierkreis in annähernd 365 Tagen. Genauer: 365,242 Tage. Der sonnennächste Planet, Merkur, braucht für diese Reise ca. 88 Tage, Venus 225 Tage. diese beiden sehen wir als Morgen- oder Abendstern immer in der Nähe der Sonne. Zusammen mit dem Mond, bilden diese drei die sogenannten untersonnigen Planeten, das heißt, ihre Laufbahn findet sich unterhalb der Sonnenlaufbahn. Die weiteren Planeten sind Mars, der fast zwei Jahre für einen Umlauf benötigt, Jupiter mit annähernd zwölf Jahren und Saturn mit fast dreißig Jahren. Diese drei bewegen sich oberhalb der Sonnenbahn, sie werden daher obersonnige Planeten genannt. Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn sind zudem zuweilen rückläufig. Auch dieses drückt sich in bestimmten Rhythmen aus.

Der Mond wandert durch den Tierkreis in 27,32 Tagen. Das sind 27 Tage, 7 Stunden und vier Minuten. In einem Sonnenjahr durchmisst er das Firmament 13, 139 mal. So hat das Sonnenjahr dreizehn Mondjahre. Daher gibt es auch Berechnungen, die mit dreizehn Sternbildern rechnen. Dieser Mondumlauf ist der siderische Umlauf.

Der Rhythmus der Mondphasen ist abweichend von der siderischen Mondreise. Von Vollmond zu Vollmond vergehen 29,531Tage. Bei Vollmond steht der Mond in Opposition zur Sonne, und diese hat sich in den Reisetagen des Mondes auch weiter bewegt. So habe ich annähernd alle 7,38 Tage eine neue Mondphase: Vollmond, abnehmender Viertelmond, Neumond, zunehmender Viertelmond. Es gibt Sonnenjahre, in denen erscheint dreizehn mal der Vollmond am Nachthimmel.

Der abnehmende Mond schaut nach links, der zunehmende nach rechts. So ist das in der Region, die ich hier und jetzt bewohne. In dem annähernd halben Jahr, in dem ich auf Teneriffa weilte, war die Mondsichel eine längere Zeit eine nach oben geöffnete Schale. Besonders schön war das, als sich zwei Planeten glitzernd dazu gesellten und sich im kurzem Abstand über der geöffneten Schale platzierten. Wir saßen lange Nächte, vom Orangenblütenduft umweht, und konnten uns an diesem Schauspiel nicht satt sehen.

Die Sonne steigt von der Wintersonnenwende an mit jedem Tag höher an den Scheitelpunkt ihrer Laufbahn, um ab der Sommersonnenwende wieder eine täglich flachere Bahn einzunehmen. Diese Bewegung tätigen auch die Planeten und der Mond. Es gibt den absteigenden und den aufsteigenden Mond. Schließlich gibt es noch den Drachenschwanz und den Drachenkopf. Wenn der Mond die Sonnenbahn nach oben durchschreitet, spricht man von ersterem, wenn er die Bahn nach unten hin kreuzt, von letzterem. Dieser Zyklus beträgt 27,212 Tage. Auch ist der Mond, da er nicht in einer Kreisbahn, sondern in einer elliptischen Bahn um die Erde kreist, der Erde mal näher, mal ferner. Es sind immerhin ungefähr 40000 km Unterschied von der nahesten zur fernsten Stellung. Dieser Rhythmus beträgt ca. 27,555 Tage.

Die einzelnen Rhythmen sind nur ungefähr gleich, sie divergieren. Dadurch gibt es allein beim Mond so viele Möglichkeiten und Zyklen, dass es dort keinmal den gleichen Mond am Himmel zu sehen gibt. Die Rhythmen sind so bunt wie das Leben selbst. Sie spiegeln das Leben. Anhand dieser Zyklen lassen sich keine Quantitäten, wie bei der Uhr, messen, es sind Qualitäten, die hier ihren Ausdruck finden. Diese Qualitäten lassen sich nicht wiederholen. Anders als in der Naturwissenschaft gibt es hier keine wiederholbaren Experimente. So ist denn auch Misstrauen allen schematischen Aussagen angebracht. Es ist nicht wie bei einer zu plumpen Astrologie: Du bist Löwe oder Fisch, dann bist du soundso und passt mit dem oder mit der zusammen, und in naher Zukunft wird dir dieses und jenes begegnen. So hätten es viele Menschen gerne. Eine Astrologie, die wie eine exakte Wissenschaft funktioniert, und bei Kopfschmerz hilft ganz sicher Aspirin.

Sicher, es lassen sich auch Qualitäten benennen, und auch der Mond findet sich immer wieder am Abendhimmel. Es macht einen großen Unterschied, ob ich um den Zeitpunkt der Frühjahrstagundnachtgleiche oder in den Hundstagen geboren wurde. Ich beginne mehr und mehr damit, mich darauf zu verlassen, dass ich die Qualitätsrhythmen nicht nur errechne, sondern auch erspüre. Ich lasse mich ein. Oft hilft mir dabei noch der Blick auf den Kalender, in dem ich die mir wichtigen Mondphasen eingetragen habe, es ist aber immer häufiger ein bestätigender Blick.

Gerne schaue ich mir an, was sich am Himmel abspielt, was ich beobachten kann. Ob der Mond weit oben steht oder tief hängt, in welcher Phase er sich befindet, wo ich ihn finde, welche Farbe er hat, ob er einen Hof hat. Manchen Morgen sehe ich beide, Sonne und Mond am Himmel in trauter Eintracht, an einem Morgen wanderte ich zwischen den beiden einher, und in mir webte das Bewusstsein, selber auf einem wandelnden Stern zu leben, selber ein Teil dieses wandelnden Sternes zu sein, so groß die Welt! - so fühlte ich und mir wurde leicht ums Herz. Ein kleines einzelliges Wesen reichte, welches sich teilen konnte, immerdar teilen. War dieser eine Keim gegeben, egal was sonst war, so vermehrte er sich unaufhörlich, expotenziell, sich teilend, sich teilend, die Teile sich teilend, sich verändernd, sich einstellend, anpassend an Möglichkeiten, sich teilend, sich teilend, die Teile sich teilend, sich verbindend, sich zusammenfügend mit anderen, sich teilend, sich anpassend, sich verändernd, sich umgestalten, Metamorphose, welche die Umwelt mitriss, die Mitwelt zur eigenen Welt gestaltete, die eigene Welt, die wieder formte, formte und teilte, immer neue Gestalten gebar, ergrünte, jagte, Männlein und Weiblein gebar, sich teilte und teilte. . .
Letztendlich kommt der Baum, unter welchem ich wandle aus der gleichen Zelle wie ich selber, aus der gleichen Zelle wie der Eichelhäher, der die Samen verteilt und den Wald hütet, wie das Pilzgeflecht, das hektarweit unterirdisch die Wurzeln verbindet. . .

Das alles erfuhr ich in einer Unmittelbarkeit jenseits des Intellekts, derweil ich meiner Wege ging, die Kugelgestalt der Erde, der Mutter Erde erspürend, während über mir die Sonne und der zunehmende Viertelmond standen. Das sind die Wanderungen, auf denen ich der Innenseite der Welt ganz nah bin, und ganz nah bei den Ahnen, deren Blut in mir webt, deren Wissen in mir lebt, unteilbar mit-geteilt.

Einmal auch, noch wesentlich länger her, als die Kinder eines Freundes bei einem Brand umgekommen waren, am Ende einer Zeit, wir zu vielen in einem Bauernhause wohnend, Lydia, oder war es Bea, hatte im I-Ging „Verfinsterung des Lichtes“ gelegt. Es war das Jahr der Todesfälle im Freundeskreis, und der Tod der beiden Kinder bildete den dunklen Abschluss. Ein Schmerz eilte durch meinen Körper und meine Seele, dem ich keinen Namen geben konnte. Am Abend dann zog es mich fort vom Hof, ich ging wie von einem Sog gezogen querfeldein, über die Moorweiden. Der Mond ging tieforange dunkel groß und drohend über dem Erlengehölz auf. Er stieg auf, kaum kleiner werdend, und ich hielt inne, mitten auf der Moorweide. Leichter Bodennebel war da, kaum wahrnehmbar, nur ein Hauch. Im Innehalten setzte ich mich auf die Knie und schaute den aufsteigenden Mond an, der immer noch orange flammte, mit leicht vom Dunst verwaschenen Rändern. In dem Augenblick, in dem aus meinem Munde ein hoher klarer vibrierender nicht enden wollender Ton kam, schob sich der Schatten der Sonne vor den Mond, und die angekündigte Mondfinsternis begann. Wie ein Wolf heulte ich mit lautschrillem aber klarem Ton dem verdunkeltem Monde zu, der schließlich nur noch schmutzigorangener Halo um eine dunkle Scheibe war. Es war fühlbar dunkel um mich herum, und mein Ton endete schließlich und verlor sich ohne Echo in der Dunkelheit. Dennoch hallte er in meinem Inneren nach, es fühlte sich an wie nach einem heftigem Schreck, ich zitterte leicht. Als der Mond, gereinigt, wieder aus dem Schatten der Sonne auftauchte, stand ich auf und ging zurück auf den Hof. So nahm das dunkle Jahr für mich ein Ende. Zum Segen aller wurde ich trotz großer Trauer handlungsfähig. Es war ein spontanes Ritual, das ich so niemals hätte planen können und wollen.




Montag, 13. Februar 2012

Welchen Mond hätten Sie denn gerne?

Das Frühjahr und damit die Gartensaison rückt näher. Eines Abends mit der Liebsten das nächstgelegene Geschäft gestürmt und für knapp 70 Euro viele, viele bunte Samentütchen gekauft. Das wie Weihnachten und Geburtstag auf einmal.

Dann haben wir sortiert. Die Lobelien und die Andenbeeren sollen schon im Februar ausgesät werden. Aha. Wir haben zwei Gartenkalender: einen von "kraut & rüben" (Wolfram Franke: Gartenjahrbuch 2012) und einen, als Geschenk vom Gartenverein, aus dem Ulmer-Verlag: "Gartenkalender 2012".


In beiden sind enthalten die Aussaattabellen für Aussaaten nach dem Mondstand. Was sind, astrologisch gesehen, die besten Aussaattage für Blatt-, Frucht-, Blüten-, und Wurzelgewächse?


Meine Liebste und ich kamen überein, diese einfachen Tabellen und Hinweise als kleine Strukturierungshilfe für unsere Aussaaten zu nehmen. Also: Nach dem Kalender aus dem Ulmer-Verlag wäre der 16. 2. der Fruchttag für die Andenbeere, und Sonntag der 19. 2. ideal für die üppig blühenden Lobelien.


Kompliziert wurde es erst, als wir in den anderen Kalender (kraut & rüben) schauten: Da ist der 16. ein "Blatttag" (Salat wollen wir aber noch nicht aussäen) und der Sonntag gehört der Frucht, bzw. der Wurzel. Hätten jetzt unsere Lobelien Rüben statt Blütenfülle bekommen? fragen wir erschrocken.


Also, recherchiert: Der kraut & rüben - Kalender richtet sich nach den Aussaattagen von Maria Thun. Maria Thun ist eine sehr energische Dame, sie hat dieses Thema als erste bearbeitet, und nach ihren Forschungen richtet sich das Ganze. Nun erstellt Frau Thun ihren Kalender nicht nach den Mondphasen im Tierkreiszeichen, sondern nach denen im realen Sternbild. Die Sternbilder haben nicht immer diese 30-Grad-Einteilung, sie sind verschieden groß. Kam uns die Idee, dass der Ulmer-Kalender vielleicht die Mondstände nach den Tierkreiszeichen berechnet, und es dadurch zu diesen Divergenzen kommt. Erst einmal ein Vermutung.


Stellt sich für und die Frage: Wann säen wir denn nun unsere Andenbeeren und Lobelien aus?

Sonntag, 12. Februar 2012

Ode an die Winterdepression





O fatal vertaner Tag!
O holde Winterdepression!
Lichtmess liegt schon
hinter uns, und doch vermag

in mir kein Licht erstehn.
Ich brauch im Februar nur Matscheschnee zu sehn
fällt meine Temperatur auf sechunddreißigzehn.
So kann´s, so wird’s nicht weitergehn.

Draußen grau. Drinnen irgendwie steckengeblieben.
Februar null neun null zwei null sieben.
(Nun ist es soweit:
es beichten Männer ab 12. 2. im Magazin der ZEIT
Wir haben abgetrieben.“
So trägt jeder sein Leid.
O holde Winterdepression!
Heut ist Freitag der 13. 02. schon!)




p. s. Dieses Werk ist nun schon sechs Jahre alt,
und sicher gibt es heutzutage andere Schlagzeilen
wie "Wir sind nicht mehr Papst", doch an der 
Stimmung als solcher Mitte Februar andert das
nichts. (Aktualisiert 13. 02. 2013)




Freitag, 10. Februar 2012

Das begab sich im Sommer: "Aber die Autobahn. . ."

Besuch in meinem Avalon. Nicht nur mein Sohn, der sich hier schon zu hause fühlt, auch eine liebe Freundin, Künstlerin, Gartenvernarrte. Wir haben zu dritt einen schönen Nachmittag, gemeinsames Spiel, gemeinsames Kochen, gemeinsames Essen, viel zu reden. Als ich meinen Wunschplan für mein Avalon offenbare, möglichst viel der eigenen Nahrung dort zu gewinnen, ja, sogar auf den zwei, drei direkten Nachbarinseln, die unbewohnt sind und bleiben, in Absprache mit dem Verein dort Naschgärten für Kinder anzulegen, einen Marmeladenhimmel zu schaffen, inklusive Sudhaus und Laufentenstall, ja, mitten in diese Träume und das Reden darüber der Einwand: Aber die Autobahn. . .

Luftlinie 150 Meter entfernt, ca., zwischen meinem Avalon und ihr zusätzlich Lärmschutzwand, Gehölzstreifen, doch wenn das Wort fällt „Autobahn“, ganz nahe ist sie dann, quer durch die Parzelle rauscht sie. Schnell fallen die angstmachenden Stichworte: „Reifenabrieb“, „Schwermetalle“. Wie oft wird durch die freie Landschaft karriolt, vorbei an Getreidefeldern, Erdbeerplantagen, Obstflächen, Grünkohlpflanzungen, immer direkt an den viel befahrenen Straßen, oft nicht einmal eine Feldhecke dazwischen. . . eingekauft wird im Laden. Aber die Autobahn. . .


Kaum ist sie hörbar, ist die Angst mit. Dieses Land ist so überbevölkert wie Bangladesh, wo finde ich dort noch die lupenreinen Anbauflächen für mein Gesundheitsgemüse. Die Zugspitze eignet sich kaum für den Anbau. Es wird eingekauft und nicht gefragt, auch Biobetriebe sind oft gezwungen, neben Straßen anzubauen, und nicht nur neben Nebenstraßen, doch die hört man im Laden nicht. Aber die Autobahn. . .


Ich kann es niemanden verübeln, wenn er oder sie ins Grübeln kommt. Ich habe mir nicht den Standort ausgesucht, erhat mich gefunden. Es passt. Ich lebe gerne hier. Mein Sohn fühlt sich wohl. Wir beide hatten Spaß beim Grünkohlpflanzen, Spaß beim Aussäen des späten Dills, des Herbstspinates, des Feldsalates, Genuss und Freude beim Verköstigen der Äpfel, die beginnen nach und nach zu reifen. Aber die Autobahn. . .


Ich schaffe es nicht, darüber ins Grübeln zu kommen. Ich denke aber über die Geisteshaltung nach, die Menschen hegen müssen, die erst dann ins Nachdenken kommen, wenn sie die Autobahn hören. Tagtäglich durch die Stadt gehen, fahren, radeln, dabei atmen, schlucken, was kommt. Dann die so ganz andere Atmosphäre in meinem Avalon, paradieseinladend, und mit einem male ist die Schlange da, und schon ist diese Idylle eine überaus brüchige, nicht mehr im Einklang. Gerade als Idylle nicht mehr im Einklang. Es wird unbewusst der Satz zum Mantra: „Es gibt kein richtiges Leben im Falschem.“ Aber die Autobahn. . .


Wenn ich nicht hier damit beginne, meine Vorstellung einer Welt von Morgen, eine Welt für meinen Sohn zu verwirklichen, wo dann?


(Wenn nicht ich, wer dann? Wenn nicht jetzt, wann dann?)

Am Anfang war der Wald

Am Anfang war der Wald

Mein Avalon, die aus dem Nebel zurückgekehrte Insel, und die Autobahn: Zwei von Menschenhand geschaffene Gebilde in ein und derselben Landschaft. Der Autobahn zu verdanken ist der Waller Feldmarksee, ein Baggersee, aus dem Sand für die Aufschüttung des Autobahndammes gewonnen wurde. Dieser See ist gefällig, und ich habe diesen Sommer einige Male darin gebadet.


Wenn heute die Autobahn aus der Nutzung genommen würde, aus welchen Gründen auch immer, begänne auf der Stelle eine Sukzession, welche nur durch das stetige menschliche Eingreifen unterbrochen wird. Zuerst am Rand- und Mittelstreifen würde Buschwerk entstehen, Brombeeren und Holunder würden sich ansiedeln, die ersten Birken- und Erlensamen würden anfliegen und keimen. Nach und nach würde der Bewuchs höher, Eschen und Ahorne dazukommen, deren Wurzeln nach und nach den Belag der Straße unterhöhlen und durch den Wurzeldruck darin erste Risse entstehen lassen. Schließlich würde in unseren Breiten dort wieder Wald entstehen. Es braucht dazu nur eine gewisse Unberührtheit und Zeit.


Was würde mit meinem Avalon geschehen? Wenn heute dieser Garten aus der Nutzung genommen würde, aus welchen Gründen auch immer, begänne auf der Stelle eine Sukzession, welche nur durch das stetige menschliche Eingreifen unterbrochen wird. Im Gemüsegarten würden als erstes einjährige Pflanzen das Regiment übernehmen, Disteln, Vogelmiere, Franzosenkraut. Sie sind die erste Sukzessionsstufe, und es sind viele Bodenheilkräuter unter ihnen, wie zum Beispiel die Kamille, welche den Boden für die nächste Pflanzendecke vorbereiten.


Die mehrjährigen Stauden würden folgen, Giersch und Brennessel, Ackerwinde und Ackerschachtelhalm, Huflattich und Quecke. Sie würden den Boden mit ihrem Wurzelwerk durchqueren, bis er fast nur noch Wurzelmasse ist, und sie würden, wie zum Beispiel die Brennessel, die reichhaltigen Stickstoffverbindungen im Boden, die unerwünschten Stoffe verarbeiten. Dann kämen die Brombeeren und der Holunder, und. . . Siehe oben.


Der Garten und die Autobahn, sie tun mit der Landschaft beide das Gleiche: Sie verhindern die Entstehung von Wald. Am Anfang war der Wald, er kam nach der Eiszeit hierher, schickte Hasel und Birken voraus, später dann Eichen und Buchen. Die Menschen, welche als erste hier siedelten, konnten mit dem Wald gut leben. Sie ernteten die Nüsse und Samen, lernten es, die Eicheln zu entbittern, siedelten schließlich auf den Geesthügeln rund um die Marsch, da das Land fruchtbar genug war, um Siedler zu ernähren. Im Weserdelta waren die teilweise undurchdringlichen Auwälder, waren die durch stete Überflutung entstandenen Marschwiesen. Tausende Wasservögel lärmten hier und Fische gab es im Überfluss.


Erst später kamen Siedler von weiter her, welche nicht mit dieser Landschaft verwurzelt waren, und die den Ackerbau und die Viehzucht mitbrachten. Für ihre Lebensweise mit dem Feldbau von Getreide war der Wald ein Hindernis. Auch waren sie kriegerisch gestimmt, sie verdrängten die ursprüngliche Bevölkerung, und es wurden immer mehr. Schließlich besiedelten sie auch die von der Urbevölkerung zum Wohnen gemiedenen Gebiete, die Marschen. Dabei lernten sie auch, die kultivierten Wiesen und Äcker einzudeichen.


Ob mein Avalon oder ob Autobahn, wir sind hier die Nachfahren des Eroberervolkes, welches mit dem Wald nichts anderes anfangen konnte, als ihn abzuholzen. Es brauchte ungeheure Mengen Holz als Brennmaterial, zum Brennen von Ziegeln, zum Verhütten von Erzen, es brauchte Holz als Baumaterial, zum Beispiel, um mit großen hölzernen Schiffen auf den Meeren zu expandieren.


Uns heutigen kommt der Waller Feldmarschsee und seine Umgebung mit Baum- und Buschbeständen, Kanälen und Gräben, Weiden und Wiesen, wie Natur vor. Im Vergleich zu den innerstädtischen Gebieten, welche von Stein, Zement und Beton dominiert werden, ist das sicherlich richtig. Nichtsdestotrotz ist es eine ausgeklügelte Kulturlandschaft, die es in dieser Form ohne menschliches Zutun nicht gäbe. Hamme und Wümme, die beiden Flüsse, welche die Landschaft zur Weser hin durchziehen, würden sie regelmäßig überschwemmen, wenn die Deiche nicht wären, und sie würden nichts anderes dulden als Auwälder und Überschwemmungswiesen.


Die Ökotope „Autobahn“ und „Garten Avalon“ sind ohne den Menschen ohne Bestand. Es liegt in unserer Hand, in unserem Ermessen, welche Gestalt die Welt hat, in der wir wohnen. Wir bestimmen durch unsere Nutzung die Form der uns umgebenden Landschaft. Der gesamte Kleingartenpark in der Waller Marsch mit seinen vielen kleinen Inseln und Traumgestaden ist ein vorübergehendes Gebilde. Schon werden erste Parzellen nicht mehr besiedelt, werden Schreberhäuschen und Wilhelm-Kaisen-Häuser abgerissen. Die Wilhelm-Kaisen-Häuser sind eine Bremer Besonderheit. Der damalige Bremer Bürgermeister Kaisen genehmigte ob der großen Wohnungsnot nach dem Krieg das Wohnen in Behelfshäusern in den Kleingartengebieten. Diese Häuser werden jetzt nach und nach abgerissen, sobald die Altbewohner ausgezogen oder verstorben sind. Es soll niemand in den Parzellengebieten wohnen. Eine Verschärfung der Auflagen für neue Stromanschlüsse gibt es darüber hinaus. Wenn auf einer Parzelle ein Neuanschluss benötigt wird, dann kostet dieser dreitausend Euro. Er ist mithin teurer als Gartenhäuschen, Bepflanzung und Gewächshaus zusammen.


Dieser Kleingartenpark liegt günstig. Für etwaige Industrieansiedlungen. Da sind die Autobahn und die Eisenbahn, da ist die nahe Mülldeponie, da ist ein vorhandenes Stromnetz. Wenn eines Tages Erweiterungsland für Industrie benötigt wird, dann ist es ein Leichtes, dieses Gelände umzuwidmen. Wenn dort keine Menschen fest wohnen. Die Siedler, die wollen, bekommen dann irgendwo anders Ausgleichsflächen, und ruckzuck sind die Trauminseln, Gemüseäcker und Gartenzwergidyllen nur noch Erinnerungen. Der Vorsitzende des Vereins, unter dessen Fittichen mein Avalon ist, nimmt die Sache gelassen: Die nächsten zwanzig Jahre wird das nichts, und dann bin ich nicht mehr. Vorsichtshalber will er sich trotzdem in den Bauausschuss wählen lassen.


Im Anfang war der Wald. Mit seinen Pflanzen und Tieren, mit den Menschen, die sich dem Leben im Walde angepasst hatten. Wenn die Menschen, die den Wald verschwinden ließen, selber verschwinden, wird der Wald wieder sein. Wenn die Menschen bleiben, liegt es mit an ihnen, was sein wird. Nun bin auch ich Mensch. Also liegt es auch an mir, was sein wird. Ich habe mich für mein Avalon entschieden.



Donnerstag, 9. Februar 2012

Grünkohl? Palmkohl? Bremer Scherkohl? Alles eine Suppe!


Palmkohlsuppe (Das Rezept kann auch für Grünkohl und Bremer Scherkohl verwendet werden)


Bremer Scherkohl
Bedingt durch den milden Winter 06/07 gab es im Frühjahr im Bauerngarten noch toskanischen Palmkohl, eine edlere, aber frostempfindlichere Variante des Grünkohls mit glatten Blättern. Wir ernteten den Palmkohl, als er schon zu „schießen“ begann, d. h. er hatte schon Blütenknospen. Diese haben wir einfach mitverwendet, sie schmecken wie milder Brokkoli.
Das Gewürz-Dreigestirn für diese wirklich leckere Suppe: Korianderkörner, gemörsert, Ingwer, immer frisch, Gelbwurzel, möglichst frisch. Die Menge des Korianders und des Ingwers wird nach Geschmack gewählt, der
Ingwer darf ruhig eine leichte, wärmende Schärfe geben, die Größe einer Walnuss sollte das Stück mindestens haben. Die Suppe soll aber nicht nach Ingwer schmecken! Die Gelbwurzelmenge sollte so dosiert sein, dass die Suppe einen leichten sommerlichen Teint bekommt. Ein Teelöffel voll Pulver sollten ausreichen, frisch halb soviel wie der Ingwer.
Dann stellen wir das Suppengrün zusammen: Eine große Petersilienwurzel, zwei Möhren, eine große Stange Lauch, davon nur das weiße, eine (sehr) kleine Sellerieknolle. Petersilienwurzel darf gerne etwas mehr sein, Sellerie nicht. 
 
Außerdem brauchen wir noch drei bis vier möglichst dicke Möhren, die werden im Extratopf bissfest gekocht. 
 
Was jetzt noch fehlt sind ein mittelgroßer, süßer Apfel, 1 kg Kartoffeln (Gerne Rosella, vorwiegend festkochend) 250 g Schmand, Butterschmalz, Salz, Zucker und natürlich eine gehörige Menge Palmkohl.

Die gemörserten Korianderkörner, den geschälten und in (sehr) kleine Würfelchen geschnittenen Ingwer, die ebenso behandelte Gelbwurzel (wenn frisch) kommen zusammen mit dem geschälten und gewürfelten Äpfeln in einen Suppentopf, in dem vorher das Butterschmalz (ca. 40 g) heiß wurde.

Wenn die Gewürze zwei, drei Minuten angedünstet sind, und die Küche lecker duftet, kommt das kleingeschnittene Suppengrün hinzu. Solange dünsten, bis der Porree glasig wird, dann die geschälten und in Stücke geschnittenen Kartoffeln hinzu. Noch eine Weile weiterdünsten und unter stetigem Rühren soviel kochendes Wasser aufgießen, bis das Gemüse gerade bedeckt ist. Hitze runter, Deckel drauf, vor sich hin simmern lassen.

Während der Topf für eine Zeit in Ruhe gelassen werden darf, knöpfen wir uns die drei bis vier dicken, ganz und ungeschält gekochten Möhren vor. Wenn alles gut gegangen ist, sind sie noch nicht zu weich. Die Möhren in ca. 3 mm dicke Scheiben schneiden, dabei die Schale entfernen. Dann brauchen wir kleine Ausstechformen aus Blech, ca. 1 ½ cm Durchmesser: Sternchen, Herzen usw. 
 
Während also die Suppe so vor sich hin blubbert, stechen wir inbrünstig unsere Herzchen und Sternchen aus den Möhrenscheiben, sie werden beiseite gestellt, die Möhrenreste wandern in den Suppentopf.

Ist das Gemüse weich, bekommt der Pürierstab seinen Auftritt. Im Idealfalle ist die Suppe nach dem pürieren schön sämig, ansonsten noch etwas Wasser dazu. Den Schmand unterrühren, mit Salz und Zucker abschmecken (die Suppe darf ruhig kräftig schmecken, allein der Schmand und die Kartoffeln verlangen viel Salz). Suppe warm stellen.

Jetzt ist der Palmkohl dran: Er muss von allen gröberen Stielen befreit sein und wird mit dem Küchenmesser auf einem großen Brett sehr fein gehackt. Ab damit in die Suppe, drei Minuten ziehen lassen. Die Suppe darf jetzt nicht mehr kochen!

Die Suppe auf vorgewärmten Tellern anrichten, jeweils eine kleine Handvoll Möhrensternchen und - herzchen hinein, und ab auf den Tisch. Wenn dort nach dem Servieren ehrfurchtsvolles Schweigen herrscht, begleitet von ein paar Ahs und Ohs, dann haben Sie alles richtig gemacht: Die Suppe ist wundervoll sämig, mit leichtem pastelligen Karottenton, der Palmkohl knatschegrün wie eine Sommerwiese mit Laubfröschen, betupft mit orangenen Sternchen und Herzchen der Möhren. 
 
Der Kniff dieses Farbspektakels liegt darin, den Palmkohl wirklich sehr fein zu schneiden und wirklich nur sehr kurz mitziehen zu lassen. Schon der Nachschlag, der sicher gewünscht wird, hat nicht mehr diese schöne, froschgrüne Farbe. 
 
Sollte ausnahmsweise kein Palmkohl zur Hand sein, dann kann man auch Grünkohl nehmen. Und wenn man dann noch Würfel vom frischen Lachs (ca. 2 cm) mitziehen lässt, hat man wirklich eine Festtagssuppe.

Noch ein Wort zum Grünkohl: Der Grünkohl muss Frost bekommen haben, um wirklich wohlschmeckend zu sein. Er wird durch die Frosteinwirkung süßer, weniger bitter. Wenn er noch nicht Minustemperaturen ausgesetzt war, wird empfohlen, ihn in das Gefrierfach zu legen. Unserer Meinung nach ist das aber nur die zweitbeste Lösung. Wird der Grünkohl unter natürlichen Bedingungen dem Frost ausgesetzt, z. B. während eines sonnigen Winterhochs, dann kann es passieren, dass er tagsüber antaut oder gar ganz auftaut und nachts wieder gefriert. Eine Art rhythmischer Behandlung. Dieser Grünkohl ist dann zarter und süßer als der, der nur die Tiefkühltruhe erfuhr. Leider war der sogenannte Winter 2006/07 der Versüßung des Grünkohls nicht förderlich. Er hatte einfach weniger Aroma. 
 
Für Bremer sei angemerkt: Selbstverständlich kann diese Suppe auch mit Bremer Scherkohl zubereitet werden!
Kostet acht Euro, kann bei mir bestellt werden: http://www.dingefinder.de/
Die Erlöse kommen unserem Gemeinschaftsgarten in  Bremen Gröpelingen zugute und werden ausschließlich für Sachmittel verwendet.








Mittwoch, 1. Februar 2012

Aus Dingefinders Literarischer Wundertüte

 Taschengedichte


Die Taschengedichte sind entstanden aus den Dingzetteln, kleine kryptische Papierchen, die ich auf meinen Wanderungen fand und die ich mir in Reimform übersetzte. Diese und andere Reime finden sich jetzt auf den Kärtchen mit den Taschengedichten wieder. Taschengedichte heißen sie, da sie als kleine gedruckte Erinnerung, dass es noch eine andere Welt gibt, in jeder Geldbörse mitgenommen werden können. Wie Kredit-  und Visitenkarten nehmen sie kaum Platz weg. Anders aber als die ersten beiden, nimmt man sie jederzeit gern zur Hand. Mittlerweile gibt es 99 leichtfüßige Texte, und es werden fast täglich mehr.

Sie können die Taschengedichte selbstverständlich auch als ihr tägliches Handorakel nutzen, daher habe ich auch immer Kärtchen mit Bildern von gefundenen Dingen und ähnliches beigelegt. Anders als beim Tarot, wo die Deutungen durch Jahrhunderte langen Gebrauch vorgegeben sind, brauchen sie bei den Taschengedichten und Dingefinderbildchen nur schauen, lesen, staunen, und die Deutung oder Antwort auf eine gestellte Frage ergibt sich von selbst.

Sollten sie in einer Ihrer Wundertüten ein Kärtchen mit folgendem Aufdruck finden, dann dürfen sie sich eine zweite Wundertüte aussuchen. Ihre Händlerin oder ihr Händler wird dieses Kärtchen dann mit einer dezenten Signatur versehen.



         

 Heute habe ich den Mut.
       Ich schaue mich im Spiegel an
       und sage mir sodann:
       Ich bin gut!

       Ich lebe – lebe! – einfach nur!
       Das aber pur!


Als die Mäuse kamen,
kannten die kein Erbarmen,
nach verhältnismäßig kurzer Zeit,
gabs keinen Käse mehr,
         nur Löcher weit und breit. . .



Ich trage ein Geheimnis in mir.
Das Geheimnis bist Du.
Alles, was ich tu
lockt das Geheimnis in Dir.



Eine Bratwurst aus Hessen
wurde nicht gegessen,
weil der Hungrige
sehr gläubig war.
„Schwein gehabt!“
sagte sie da.



Das Sich-Einlassen
nie seinlassen
(Mit beiden Händen
                   ins Sein fassen).







    Die Taschengedichte lassen sich in Dingefinders Literarischen Wundertüten finden:
 
Dingefinders Literarische Wundertüten kosten 9,50 € zuzüglich Versand

Auf Wunsch auch handsigniert 

Sie können bei mir bestellt werden: 


Jörg Krüger c/o Alte Schule Fredelsloh
Am Nonnenbach
37186 Moringen