Sonntag, 22. Januar 2017

Der Garten liegt noch unter Schnee (Abendgedanken eines Gärtners)





                               Abendgedanken eines Gärtners


Was soll ich große Worte finden?
Ich weiß, wie hierzulande jedermann und jede Frau,
was besser wär für Staat und Welt.
Wir alle wissen´s, wissen´s ganz genau.

Der eine stirbt am gebrochnen Herzen,
der andere kommt, ernst gemahnt, davon.
Niemand sollte sein Glück mit dummen Scherzen
aus dem Hause treiben. Das wär´s dann schon.

Der Garten liegt noch unter Schnee
und träumt von Duft und Sommerblüten.
Die weiße Zärtlichkeit bedeckt das Land,
als gäbe es Geheimnisse zu hüten.

Demnächst werden wir die jungen Hähne schlachten.
Das Leben auf dem Hof ist kein Idyll.
Dann ist es März, geboren werden Lämmer,
und fröhlich springen sie in den April.

Meine Lehre für die Welt ist sehr banal, nur zu  -
Deshalb fallen mir keine großen Worte ein.
Auf Regen, da folgt Sonnenschein.
Banal, nicht wahr? Oder, was meinst Du?



Sonntag, 8. Januar 2017

Ich bin kein Held in diesem Leben





                                     Ich bin kein Held in diesem Leben

Ich bin kein Held in diesem Leben.
Ich trage Sternenstaub als Souvenir.
Manche Stelle ist vergeben.
Ich bin schon lange hier.

Sich all die großen Worte einzuscannen,
um mitzureden von den großen Dingen dieser Welt,
um all die Täter zu benennen,
das liegt mir nicht, ich bin kein Held.

Der kleine Laden an der Ecke ist längst pleite.
„Wirtschaftskrise“ nennt sich das.
Wer da noch was Verstand hat, sucht das Weite.
Und findet es vielleicht. Das wär doch was.

Die Zeit der Zärtlichkeit ist längst zu Ende.
Ein rauher Wind ists, der um Ecken weht.
Es ist, als wenn der Mond am Firmament verschwände,
und Dunkelheit sich leise über alle Stätten legt.

Wenn das Neue nur das Alte wäre,
das wäre wunderbar bequem.
Doch das Leichte ist gewiss das Schwere,
und zu verharren, das bleibt angenehm.

Gehalten werden wollen wir doch alle. Es lohnt,
     dafür so viel wie möglich loszulassen,
auch wenn die Taschen gut gefüllt mit Schätzen sind.
Auch wenn wir uns manchmal dafür hassen,
es gibt Zeiten, da wären wir gerne wieder Kind.

Es ist dann, als ob sich eine unsichtbare Hand
auf deinen Scheitel legt,
sie ruht dort warm und unverwandt,
und du stehst staunend herzbewegt.

Ich bin kein Held in diesem Leben.
Und doch bin ich kein Untertan.
Man kann genüsslich am Entsetzen kleben.
Man kann. Man. . .





Sonntag, 1. Januar 2017

Ich verschenke mich




                                                     Ich verschenke mich!

                                                     Ich biete mich nicht feil,
                                                     nicht für Geld,
                                                     für Liebe nicht,
                                                     für nichts und gar nichts
                                                     auf der Welt,
                                                     alldieweil
                                                     ein großes Herz
                                                     die Welt umfängt,
                                                     ein Herz,
                                                     das nicht an Dingen hängt,
                                                     ich biete mich nicht feil.

                                                     Ich verschenke mich!

                                                     . . . und wenn ich mich einmal verneige,
                                                     dann neige ich mein Haupt
                                                     vor Lebenslust, vor Kinderlachen,
                                                     und ich schweige
                                                     von den Dingen,
                                                     die mir heilig sind,
                                                     und im Erwachen
                                                     bin ich selber Kind.

                                                     Ich verschenke mich!

                                                     Ich verschenk mein Herz
                                                     in aller Offenheit
                                                     und träume himmelwärts
                                                     und manchmal
                                                     tu ich weinen, weinen, weinen
                                                     vor lauter Glück,
                                                     von aller Angst befreit,
                                                     und aller Herzen Du
                                                     begegnen mir in Einem.

                                                     Ich verschenke mich!