Freitag, 15. August 2014

21. 9. in Bremen im Steinreich: . . . die Seele auf die Haut malen



Am 21. 9. 2014 bin ich eingeladen worden, die Ausstellung ". . .die Seele auf die Haut malen" von Maria Dorogi in Bremen im SteinReich mit Texten und Tönen zu unterstützen. Ich bin dieser Einladung gerne gefolgt und freue mich auf diese Veranstaltung




Mehr über Maria hier:

Dienstag, 12. August 2014

Fundstücke: Doppelgänger und andere Pilze

Der leckere Perlpilz und der giftige Verwandte, der Pantherpilz. Letzterer ist links zu sehen, sein Hut hat eher graue Farbtöne (doch Vorsicht, das kann beim Perlpilz auch vorkommen), sein Fleisch ist reinweiß. Das Fleisch des Perlpilzes rötet bei Verletzungen. Das ist ein untrügliches Zeichen. Leider zeigt sich diese Rötung am besten, wenn der Pilz madig ist. Ein Beispiel für: Nur sammeln, was gekannt wird! Und: Das Foto möge nicht der Identifizierung dienen (wie alle Fotos hier).


Pfifferlinge und ein Perlpilz
Mein Sohn und ich in den Ferien auf dem Lande. Heute, es ist der letzteTag unseres Beisammenseins, sind wir noch einmal „in die Pilze“. Der Wald beschenkt uns reichlich. An „unserer“ Pfifferlingsstelle ist reichlich Nachwuchs gekommen, es hatte geregnet und es war warm gewesen. Von dort aus dringen wir tiefer in den Wald, in die Buchenräume, durchsetzt mit Fichten und einigen Lärchen, und im samtig grünen Moos wachsen die Steinpilze in Mengen. Leider kamen wir für viele große und alte Exemplare zu spät, doch es ist trotzdem noch genügend zu ernten. Dazu Maronen, Perlpilze, Goldröhrlinge. Zuhause gibt es eine reiche Mahlzeit, eine Art Waldpilz-Kartoffel- Gulasch.

Als mein Sohn ganz klein  war (zwischen zwei und vier Jahren), aß er gerne Pilze. Dann legte sich das, und eine Zeit lang mochte er sie überhaupt nicht. Was seine Sammelleidenschaft nicht schmälerte. Jetzt ist er dreizehn und nun isst er Pilze wieder gerne. Besonders selbstverständlich die Selbstgesammelten. Auch bekommt er mehr und mehr „Pilzaugen“, findet auch die verborgeneren Schätze im Moos und feinen Gras auf dem Waldboden, erkennt die Zusammenhänge aus Bewuchs und möglicher Pilzbeute, und er legt eine überraschende Unermüdlichkeit an den Tag. 

Hier wird eine Leidenschaft durch die Generationen getragen, und obwohl mein Sohn, nach eigener Aussage, nur in der Stadt leben könnte, die Pilzsuche packt ihn, so, wie sie mich in meiner Kindheit gepackt hatte, und wie sie meine Eltern in ihrer Kindheit gepackt hatte, wie sie wiederum diese Leidenschaft von ihren Eltern übernommen hatten.

Meine Großmutter mütterlicherseits war eine Kräutersammlerin, eine Pilz- und Beerenvernarrte, die im Sommer eher im Wald als in der Kleinstadt zu finden war. Und selbst dort fröhnte sie ihrer Leidenschaft, und sogar ihren Mann, meinem Großvater, ergriff diese. Ich erinnere mich, wie ich mit ihm als Kind durch die Parkanlagen ging, und er mit dem geschwungenen Ende seines Krückstockes die Zweige der Linden herunter zog, damit ich die Blüten pflücken konnte.


 

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Hexenröhrlinge
Ein anderer Tag. Schon auf einer Wiese unter Linden im Ort noch werden wir fündig: Hexenröhrlinge. Die sehen so finster aus mit ihrer graubraunen bauchigen Kappe und ihren orangeroten Röhren, außerdem laufen sie sofort knalleblau an, wenn sie nur ein bisschen verletzt werden. Daher halten sie viele Leute für einen entfernten Verwandten, den Satanspilz, der arges Bauchgrimmen verusachen kann. Doch der läuft nich so schön blau an, dazu riecht er schlecht, gar nicht zu vergleichen mit dem würzigen Waldaroma der Hexenröhrlinge. Diese wollen übrigens gut durchgegart werden, roh sind sie unbekömmlich bis giftig, wie Perlpilz,  Hallimasch und andere auch.

 Im Wald wurden noch Pfifferlinge, Maronenröhrlinge und Steinpilze dazu gefunden. Dass es von ersteren auch einen "falschen" Vertreter gibt, der allerdings keine Leisten, wie die "echten" haben, sondern Lamellen, hat sich hoffentlich schon herum gesprochen. Die falschen Pfifferlinge sind nicht unbedingt giftig, aber so nichtssagend im Geschmack, dass sie ein Pilzgericht verderben können. Manche Menschen reagieren auch empfindlich auf sie. Sie sind sozusagen "keinen Pfifferling wert", leider wuchsen diese Anschauungsobjekte nicht in dem von uns besuchten Pilzwald.


Steinpilz. . .
Dafür fanden wir Steinpilze. Zuerst einen alten, madigen, dann mehr und mehr junge Exemplare. Eigentlich ist es eine Schande, die Steinpilze frisch in ein Mischpilzgericht zu geben, auch wenn darin so edle Begleiter wie die Pfifferlinge sind. Steinpilze gehören eigentlich getrocknet, dann entfalten sie ihre richtige Würze und geben so vielen dunklen vegetarischen Saucen den letzten Schliff allein durch ihr Einweichwasser. Frisch in ein Waldpilzgericht gehören unbedingt Maronenröhrlinge, sie erkenntlich am kastanienbraunen Hut und den gelben Röhren, die bei Berührung blauen. Ihr Duft und Aroma ist einzigartig und überträgt sich auch bei frischen Pilzen in die Sauce.

. . . Gallenröhrlinge
Auch der Steinpilz hat einen nahen Verwandten, der, bresonders wenn die Fruchtkörper noch klein und jung sind, durchaus schon einmal durchrutschen und im Essen landen kann. Das wäre fatal, denn der Doppelgänger ist der Gallenröhrling oder Bitterpilz, und ein Pilzchen davon kann eine ganze Mahlzeit verderben, indem er sie regelrecht "verbittert". Er ist zwar nicht giftig, doch das ist egal, denn so bitter, wie er ist, würde ihn sowieso niemand essen. Zu erkennen ist er an den hellen im Älterwerden leicht rosa gefärbten Röhren. Auch ist die Färbung seines Hutes grauer als die der Steinpilze. Meist auch der Stiel schlanker. Doch sicher hilft bei Verwechslungsgefahr die Geschmacksprobe. Ein kleines Stück auf die Zunge legen. Die Bitternis teilt sich sofort mit. Auch der Geruch ist ein sicheres Zeichen, beim Steinpilz ist er mildwürzig, angenehm, beim Gallenröhrling nichtssagend. Doch das Aroma entfaltet sich erst ab einem gewissen Altersstadium. 

Wenn alle Pilze nun gesammelt und gesäubert sind und keine Doppelgänger datunter, dann stellt sich die Frage nach der Zudereitung. Übrigens: Gesäubert und nicht gewaschen. Das heißt, mit einem Pilzpinsel wird der Fruchtkörper gesäubert, schadhafte Stellen herausgeschnitten. Ich säubere Pilze schon im Wald mit dem Messer. Wenn sie mit Wasser gewaschen werden, dann saugen sie sich ganz schnell voll, nicht umsonst heißen sie in Bayern "Schwammerl". Einzig Pfifferlinge sind so festfleischig, dass sie eine Dusche abkönnen. Meist brauchen sie die auch. Zurück zur Zubereitung. Viel brauchen Waldpilze eigentlich nicht, um eine schmackhafte Sauce abzugeben. Die leidige Frage, ob eher in Olivenöl oder in Butter gedünstet, umgehe ich diplomatisch, indem ich eine Mischung von beiden in einen Topf gebe. Es darf ruhig etwas mehr von beidem sein.

Wenn das Fett simmert, kommen fein gewürfelte Knoblauchzehen und Schalotten darein, letztere nur wenig im Verhälnis zu den Pilzen, ersterer darf ruhig üppiger dazu. Mehr an Gewürzen sollte nicht sein, kein Pfeffer, keine Petersilie und anderes. Waldpilze haben genügend Aroma, um geschnacklich zu glänzen.

Wenn sie Schalottenwürfelchen glasig werden, kommen die Pilzstücke dazu. Die Flamme sollte auf mittlerer bis kleiner Stufe stehen, der Topf offen bleiben. Zuerst nehmen die Pilzstücke etwas von dem Öl auf, dann schwitzen sie. Das ist erwünscht, un bei kleinerer Flamme verdunstet das "Schwitzwasser" nicht. Wenn die Pilze fast gar sind wird gesalzen, Schmand untergerührt und gegebenfalls noch einmal nachgesalzen. Als Clou dann zwei Esslöffel Holunderblütengelee in die Pilzsauce einrühren, das passt excellent. Wer es etwas mehr in die deftigere Richtung mag, rühre greibenen Parmesan mit ein und streue dann trocken geröstete Pinienkerne darüber. Dazu Spaghetti, mehr braucht es nicht, um glücklich zu sein. 



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Hier noch ein paar Pilzkobolde, die wir auch fanden, jedoch stehen ließen. Sie erfreuten unsere Augen, auch wenn wir ihre genauen Namen nicht wussten.


Orangerote Porlinge


Ein kleiner Ziegenbart rund um einen Fichtenzapfen

Montag, 11. August 2014

Die Beherrschung verlieren


Undeutlich erinnere ich mich noch an diese Jesu-Geschichte aus dem Konfirmandenunterricht: Es ging um das Zahlen von Steuern, und um Jesus´ Haltung dazu. Er ließ sich eine Münze geben, drehte sie auf die Kopfseite und ließ sie herumreichen mit der Frage dazu, welches Konterfei dort abgebildet sei. Der Kopf des Kaisers sei zu sehen: „Also gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.“ 

 Eine der vielen Jesu-Geschichten, die mich in ihrer Schlichtheit beeindruckten. Mehr als das „Auf dem Wasser gehen“ oder die Wiedererweckung des Lazarus. Dass Jesus vom Gelde einigermaßen unabhängig war, hatte er ja schon darin bewiesen, dass er die Speisung der Fünftausend arrangierte. Wie groß seine Unabhängigkeit wirklich war,  zeigte mir dieser kleine Satz: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.“




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"Die Welt"  -  Welche Welt?

 

 

„Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, sicher, dieser Satz kann auf das Himmelreich, das, je nachdem, paradiesische oder höllische Jenseits verweisen. Doch hat das Wörtchen „Welt“ noch eine zweite Bedeutung als die der „Welt an sich“, also dem Universum, dem All und Alles. Letzterem zu entsagen hieße, aus der Welt flüchten, heim in des Vaters Schoß. Wie solle das gehen, wo wir doch aus der Mutter Schoß geboren sind?

Die andere Bedeutung des Wortes Welt ist die der weltlichen Mächte in ihrem gesamten Umfang, die Mächte des Feudalismus, die Kaiser und Könige, die Herzoge, Grafen, Barone und ihre Vasallen; dazu noch die Welt der Städte mit dem ihnen eigenen dazugehörigen Leben . Diese gilt es für mich zu verlassen, und dazu gehört: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.“

Die andere Welt ist die schöne Welt, dieser blaue, grüne Planet, unsere Mutter Erde. Sie ist weiblich, und sie ist nicht „Fraw Welt“, die es zu verlassen gilt. Sie ist die Heimat, zu der wir gerne zurück kehren, auch wenn sie temporär uns unwirtlich erscheint, da die „weltliche Welt“ zu sehr von ihr Besitz ergriffen hat. Die für mich zu verlassende Welt ist die, welche ich zurück gebe, da sie „des Kaisers“ ist.

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Nun befindet sich auf unseren Münzen nicht mehr das Antlitz des Kaisers, doch es steht „Deutschland“ darauf. Dahin also gebe ich das zurück, was mir nicht gehört. Im Geldkreislauf bin ich diesem imaginären Gebilde verhaftet, und so nehme ich mit einem Anteil der zu mir kommenden Materie daran teil: Dem Gelde. Nun kann ich mich davon nicht ganz lösen, bin ich doch Teil sowohl dieser als auch jener Welt. Doch eines vermag ich zu tun: Dem Staate (dem Kaiser) dass zu geben, was des Staates ist. Mich aus der Magie des Geldes lösen, und mich der Magie der „anderen Welt“ zuwenden. Diesem schönen, blauen, grünen Planeten, der Mutter Erde, auch wenn diese Welt tief verwundet ist.

Dieses vermag ich nicht „draußen“, in der Welt, denn dort bin ich zu vielfältig verstrickt. Die wenigsten wissen, dass die Welt auch eine Innenseite hat, die zu ihr gehört wie der Schatten zum Licht. „Das ist meines!“, sagte ich. „Schließe die Augen, und alles was du dann siehst, ist deines“, antwortete der Freund scherzhaft darauf. Nun, nicht nur die Acidheads wissen, was alles hinter den geschlossenen Augenlidern stattfinden kann, und was somit „meines“ ist. Ein großes, quasi immaterielles Reich erwartet uns dort. Ein Reich der Gefühle, Gedanken, Bilder, Träume, alle Liebe findet zum Beispiel dort statt, auch alle Wahrnehmung der Qualität im Gegensatze zur materiellen Quantität.

Selbst wenn die Augen geöffnet sind, ist die qualitative Seite von Welt und Leben wahrnehmbar, auch wenn es dann schwieriger ist. Der Augenschein stellt sich oft vor die Filigranität der qualitativen Wahrnehmung. Nicht umsonst schließen Genießerinnen und Genießer oft die Augen, wenn sie Wein verköstigen, wenn sie der Musik lauschen, wenn sie die oder den Liebste/n sanft berühren.

Des Kaisers Welt ist die da draußen, die unbeseelte Goldwelt, wo in den Gold- und in andere Räusche gekommen werden kann, und wo den Indianern Glasperlen „angedreht“ werden, zum Tausch gegen das Gold. Nun, ich habe es bei meinem Sohn gesehen: Jedes Kind (auch ich großes Kind) ist fasziniert von wunderschönen, in allen Farben funkelnden Glasperlen, und durchaus bereit, dagegen das Gold, „Götterdreck“, wie die Indianer es nannten, weg zu geben. Gegen die Schönheit der Glasperlen ist die Schönheit des Goldes eher eine imaginäre, die auf der Vorstellung des Wertes beruht, mithin auf Magie, auf „Rausch“. „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder. . .“, auch so ein Heiligenwort. Es ließe sich ergänzen mit: „. . . dann werdet ihr nicht Gold gegen Glasperlen tauschen“. (Und zum Kamel werden, welches am Nadelöhr verzweifeln muss, während das Dingefinderkind sich an einem bunten Kiesel erfreut. Diese Freude ist ganz innerlich).

Je mehr ich damit beginne, mich von dem zu lösen, was des Kaisers (oder Deutschlands) ist, dem Gelde, um so mehr beginne ich mich der anderen Welt zu zuwenden. „Sichlösen“ findet nicht in der materiellen Welt statt, dort brauche ich die Münze des Landes, in dem ich wohne. Ich werde weiterhin tauschen mittels des Tauschmittels Geld, da ich nicht vermag, alles Lebensnotwendige und alles Schöne, welches ich um mich wissen möchte, selbst herzustellen. Das ist auch gar nicht mein Begehr, bin ich als Mensch doch ein soziales Wesen. Doch wenn ich es vermag, mich im Inneren, in meinem Reiche der Liebe und der Qualität, der Träume und Bilder, mich davon zu lösen, wenn ich die magische Bindung kappe, dann, ja dann löse ich einen Teil meiner Verstrickung mit Kaiser und Staat. Ich werde weniger beherrschbar. Ich verliere die Beherrschung. Ich bin ein Verlorener den Herrschenden.



 

                                      Unabhängigkeitserklärung



Manche Revolutionen beginnen leise.
Ich erkläre mich selbst zu meinem eigenen Staat.
Ich lebe auf meine eigene Weise
Und ziehe keinen neuen Stacheldraht.

Ich fürchte nicht, mich quer zu stellen
Zu den Geistern der Zeit.
Das Werden der Welt verläuft in Wellen.
Ich halte mich für die nächste bereit.

Kennst Du das Land, wo die Zitronen blühn?
Vielleicht ist es mein Wintergarten.
Ich kann dort alles, auch Petersilie ziehn.
Nur keine Diplomaten.



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„Fraw Welt, ich muss entsagen, es ist Zeit“, sang Walther von der Vogelweide. Die „Fraw Welt“, der hier entsagt wird, ist die Frau mit der verführerischen Vorderseite, glänzende, nardenduftende Hure Babylon; doch ihre Rückseite ist Moder, Grauen und Zerfall  -  „Fraw Welt“, das ist die Frau, der sich der Mann mit Geilheit nähert, jedoch: „Nach dem Beischlaf ist jedes Lebewesen traurig“.
Doch möchte ich diese Geilheit nicht mit Sinnlichkeit zu verwechseln. Die Bindung an die Frau, nicht an die „Fraw Welt“, sondern an die reale Frau, welche in der Gegenwart bei mir liegt in ihrer Nacktheit und lustvollen Hingabe, ist Liebe. Liebe, einerlei und unabhängig von der Dauer der Begegnung, sei es die eine selige Nacht, sei es für längere, lange Zeit. Die Gegenwart weiß davon nichts, ebenso wenig wie die Liebe. „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“? Es gibt nur ein Ewiges: Die heilige Gegenwart. Darum prüfe ich: Ist Liebe und Respekt darin? Dann gibt es kein trauriges Ende nach dem Beischlaf. Es gibt Intimität.
Am Rande bemerkt: Wo ist „Herr Welt“?  -  „Herr Welt, ich muss entsagen, es ist Zeit“. Ich muss entsagen den Vaterländern, den Stechschrittmännern, den männertümelnden Soldatenhorden. „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“. Der Dichter in mir mag die Muttersprache lieber als die Vaterländer.
Wenn ich mich innerlich nicht mehr beherrschen lasse, dann verliere ich sie, die Beherrschung.


                                 Gebet



 Göttin, lass den Wohlgeschmack der reifen Früchte
 meine Askese sein,
 trage die Süße Deiner ambrosischen Kräutersäfte
 in jedes Glied meines Körpers.
 Wie erfreue ich mich der Zärtlichkeit
 und Wärme Deiner Töchter, Göttin,
 Hand auf Haut, Haut an Haut. Wie liebe und genieße ich
 all Deine irdischen Ausformungen.
 Deine freigiebige Welt so wunderbar eingerichtet, Göttin,
 die Morgenklänge der Amsel, das überwältigende Gelb
 löwenzahntragender Frühjahrswiesen,
 das Salz der schwingenden Meereswellen,
 das satte Gesicht des Säuglings.

 Wer sich in die Himmel sehnt, den halte nicht, Göttin.
 Die blasphemischen Priester der dreiunddreißig Himmel
 und die Verächter der Erde und ihrer Gunst:
 Sollen die doch dahinziehen,
 wenn sie Deine Gaben nicht schätzen.
 Sollen sie ihre Astral- und Kausal- und was weiß ich -Körper nehmen
 und die ihnen zugeordneten Gefilde beziehen.
 Ich aber will hier unten mit meiner Geliebten und meinen Kindern
 die strahlende Lust des Lebens feiern, im Kreise der Freunde,
 in der wärmenden Sonne des Sommerabends
 und lachend und selig Deine Gaben genießen, Göttin.

 Soll mein Genuss meine Anbetung sein!




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