Donnerstag, 19. Januar 2012

Das Glossar des Dingefinders

                         Dingefinder-Glossar




Dingefinder, der (w. Dingefinderin, die) Eine zeitgemäße urbane Version der Sammlerinnen und Jäger. Der/die Dingefinder/innen gehen und finden Dinge, Reime und Klänge und sammeln Beeren, Kräuter, Sterne und Fahrradklingeldeckel. Dingefinder wird man nicht, man ist es irgendwann geworden.


Dingefinder, Bureau für Dingefind und Zeithabe, das   Konspirativer Versammlungsort für Textrevuen (siehe dort), Brutstätte für alle Ausgaben des Eigenverlages der Dingefindermappenpapper und der stellaria media publikationen. Angesiedelt in den Räumen für freie Lebensgestaltung.


Dingefinders Sohn, der  Die jüngere Ausgabe des D.  Findet, sammelt, reimt und kocht mittlerweile schon seit fünf äh sechs äh sieben äh elf Jahren. 



Dingmusik, die  Gefundene Musik, die unter anderem auf Fundstücken gespielt wird. Bestandteil der Textrevue (siehe dort)


Fahrradklingeldeckelxylophon, das  Der Gemeine Bremer Radfahrer (siehe dort) ist so mit dem gemeinen Bremer Radfahren beschäftigt, dass er nicht einmal das spontane Sichlösen seines Fahrradklingeldeckels und dessen Aufschlagen auf den Gehwegplatten hört (pingpadaping pada pingpingping) Diese Dissoziation ermöglicht es dem Dingefinder genügend Fahrradklingeldeckel einzusammeln, um daraus ein mehrstimmiges Idiophon zu bauen, ohne dem Drang nachgehen zu müssen, sich einfach Fahrradklingeldeckel von rastenden Drahteseln zu schrauben.


Gefundene Buch, das Eine neue Mode unter Städtern: Bücher in einen Karton packen, vor die Haustür stellen und ein Schild „Zu verschenken“ dazu legen. Diese Kartons sind die Hausbibliothek eines Dingefinders.


Grüne Lampe, die  Leuchtendes Bestandteil der Dingmusik.


Heesenknest, W.  Spirituelles Alter Ego des Dingefinders, lebt meist in irgendeinem Ashram oder sitzt auf  irgendeiner Wolke und meditiert. Hat verschiedene heilige Namen: Swami Barni, Ma Panka, Bum Shankar. Schüler von Meister Laya (siehe dort). Channelt ab und an ein paar gereimte Weisheiten. Satsang! 


Knisterknack, DJ, der  Die geheime zweite Seele in der Brust des D.  Untermalt die Textrevuen des D.´s  mit adäquaten Klängen.
 

Literarische Wundertüte, die  Verlegerisches Werk des D. im Zeitalter von Computerdrucker und  Fotokopierer. Käuflich zu erwerben bei den Textrevuen des D.


Luftmaultrommel – Contest, der  Wettbewerb im Rahmen einer Dingefinder-Veranstaltung. Der beste Luftmaultrommel-Spieler erhält als Preis zwei Luftmaulschellen. Der Dingefinder ist der Jimi Hendrix der Luftmaultrommel.


Meister Laya, der Geheimnisvoller Weiser, der im Himalaja leben soll. Oder in den Alpen. Oder auf einer Wanderdüne. Durch langjähriges meditieren auf den Meister wird man irgendwann sein inneres Lied hören:

„Ich tanz durch meine Orbitale
 von der einen auf die andre Schale:
 Quantensprung, Quantensprung,
 Quantensprung hält ewig jung!“

Meister Laya lehrt zwei Grundsätze:

„Wollen wir mal gucken, dann werden wir schon sehen“ und
„Immer noch ein Brikett nachlegen“


Montag, der blaue Das Pedant zum grünen Freitag. Ein gelber Mittwoch ist aber auch nicht zu verachten. Feiertag(e) des Dingefinders.

 

Neue vom Tage, das  Frischgefundenes Werk oder Ding bei einer Textrevue (siehe dort)


Radfahrer, der Gemeine Bremer (Siehe auch Fahrradklingeldeckelxylophon) Ärgster Feind und Störenfried des urbanen Dingefinders. Fährt immer auf dem Bürgersteig. Erfordert so gesteigerte Aufmerksamkeit und stört das meditierende, bodenblickende Gehen eines Dingefinders. Beschleunigt auf diese Weise die Zeit fußwandelnder Menschen. Fährt mit Vorliebe Kinder um, die gerade gehen lernen.
 

Satsang, der Dingefinder-  Die stille Stunde einer Textrevue. 

 

Textrevue, die  Wenn der D. genügend Dinge, Reime und Klänge gefunden hat, stellt er diese geneigtem Publikum in neuen Textrevuen vor. Vorher weiß man nicht was in einer Textrevue passiert. Hinterher weiß man nicht, was in einer Textrevue passiert ist.


Eine Textrevue besteht aus folgenden Bausteinen:

-          Vorstellung der neuesten (oder der allerältesten) gefunden Reime mit Dingmusik
-          Das gefundene Buch
-          Neues aus den Briefen von W. Heesenknest incl. Dingefinder-Satsang
-          Das Neue vom Tage
-          Lecker Imbiss
-          Ausklang di wang




Zeithaberin, die (m. Zeithaber, der) Der Luxus, Zeit zu haben, ist zum Dingefinden unerlässlich.
Ein Dingefinder, eine Dingefinderin, ist erst komplett, wenn er/sie ihre inneren Zeithaber gefunden haben.

Mir ist noch nie ein Kind begegnet, welches aus freien Stücken hässliches Plastikspielzeug herstellt. All das Zeug wird von Erwachsenen produziert, die ob dieser „produktiven“ Tätigkeit keine Zeit mehr haben, die kleinen Dinge zu sehen, welche Kinder immer noch begeistern können: Steine, Federn, Muschelschalen, Glasscherben. Natürlich wollen die Kinder auch den bunten Plastiknippes besitzen. Dass er Geld kostet, und nur dazu gemacht ist, den Leuten Geld aus den Taschen zu ziehen, dafür können sie nichts. Oft werden sie aber von den Erwachsenen dafür gerügt, dass sie den Talmi haben wollen, den die Erwachsenen extra für sie hergestellt haben.

Kinder erfreuen sich an Erwachsenen, die Zeit haben und Dinge finden können. Seligkeit.

  

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