Sonntag, 29. Dezember 2013

Pilzpirsch zum Jahresschluss


Wolkenohrpilze auf Holunder
„Die stille Jagd“ nennt Antonio Carluccio in seinem kurz „Pilze“ betitelten Buch die Pilzpirsch. „Jedes Jahr warte ich ungeduldig wie ein Kind auf den Beginn der Pilzsaison“, heißt es da im Kapitel „Pilze sammeln“. Oh, wie kommt mir das bekannt vor. Wenn es im März wieder los geht, um an warmen Tagen die Morchelplätze abzusuchen, dann die Vorfreude auf den Mai auszukosten, wenn die Mairitterlinge allerorten „blühen“. Es ist wirklich eine „stille Jagd“, durch das Gehölz zu streifen und nach den Pilzen Ausschau zu halten. 

Als ich vor ein paar Tagen am Straßenrand, leider sehr dicht an der Straße, daher unsammelbar, Winterrüblinge entdeckte, diese leckeren Winzlinge, von denen nur die Hüte genommen werden, entschloss ich mich heute am Tag des Herrn meinen Sonntagsspaziergang in das nahe Augebüsch aus Erlen, Birken, Pappeln und Holunder zu verlegen. Heuer ist der Dezember ausgesprochen mild, und so packte ich in weiser Voraussicht Stoffbeutel und Gartenmesser ein. 

Austernseitlinge
Zuerst wurde ich dann bei den abgestorbenen Holunderästen fündig: Wolkenohren, auch Chinesische Morcheln genannt, in wunderbar frischer Qualität zu Hauf. Glatt und kalt und etwas glibberig fühlten sie sich in den Händen an beim Sammeln. Es kam eine erkleckliche Portion zustande, die nun für eine chinesisch angehauchte Pilzsuppe an Sylvester gedacht sind.
Doch es sollte nicht dabei bleiben. An einem Baumstamm wurde ich dann fündig: Austernseitlinge, etwas weiter dann noch andere Seitlinge und wieder Stockschwämmchen. Der Leinenbeutel wurde schwerer und schwerer und die Pilzsuppe nahm beim Heimgang vor den inneren Augen Form an. Ingwer werde ich dazu tun und Zwiebeln, Porree und Sellerie aus dem Suppengrün, vielleicht eine kleine nicht zu scharfe Chilischote und eine gute Portion glatte Petersilie. Und dazu die Pilze. Nicht angebraten sollen sie in der Brühe mitköcheln und sie winterlich gehaltvoller machen. Zum Schluss wird mit etwas Sojasauce abgeschmeckt. 

Winterrübling
Die Wolkenohrpilze sollte man frisch übrigens besser nicht nicht in heißem Fett braten, schreibt Antonio Carluccio, denn: „Vorsichtig müssen sie sein, wenn sie die Pilze in heißem Öl braten, denn sie können buchstäblich explodieren, dadurch spritzt das heiße Fett und kann zu brennen beginnen:“ Eine Küche mit Knalleffekt, das wäre zu Sylvester ja mal etwas. Weiter: „Ich koche die Pilze meist in Brühe, um ihnen Geschmack zu verleihen, und verwende sie zusammen mit anderen Pilzen in Eintöpfen und Suppen. Man kann sie auch in feine Streifen schneiden und über Salate streuen“. 

Nun, ich habe mich für die Suppenvariante entschieden. Eine exotische Vorsuppe für einen guten Jahresabschluss.

Doch nicht alles an Pilzen, was gefunden werden kann, wird auch gesammelt. Manche schaue ich "nur" an und staune über diese Gebilde. Daher noch einige Pilzimpressionen:









Montag, 9. Dezember 2013

Das Beste verwerten

Oben die getrockneten Mandarinenschalen, links die eingezuckerten Zesten, rechts der Zestenschneider


Vorweihnachtszeit  -  Mandarinenzeit. Wenn dann die Mandarinen geschält sind, dann liegt mindestens die Hälfte des Gewichtes vor uns. Als Schalen, Abfall, als Reste.

Meine Liebste legt die Schalen von den Orangen, die sie in der dunklen Jahreszeit verzehrt, immer auf die Heizkörper, wegen des schönen Duftes, den sie, erwärmt, in der Wohnung verbreiten. Ich selber habe in dieser Jahreszeit Citrusmarmeladenzeit, da dann die Früchte am Besten sind. Ich schneide dazu auch immer schmale Streifen mit dem Zestenschneider von den Schalen der Früchte, die dann, eingezuckert, der Marmelade ihr Aroma geben.

Irgendwann hatte ich auch damit begonnen, von den Zitronen und anderen Zitrusfrüchten, von denen ich nur den Saft oder das Fruchtfleisch brauche, vorher Schalenstreifen abzuziehen. Da wir nur Bioobst verwenden, brauche ich die Früchte nur lauwarm abzuwaschen und kann die Zesten verwerten. Diese werden eingezuckert, und so halten sie sich jahrelang (wenn sie nicht vorher gebraucht werden). Vor Gebrauch werden sie dann mitsamt dem Zucker in einer dieser altmodischen elektrischen Kaffeemühlen zu aromatischen Puderzucker verarbeitet. Dieser gibt dann Griespudding oder Quarkspeisen ein unvergleichliches Aroma. So verfahre ich mit Zitronen, Orangen und Grapefruit, und nun auch mit Mandarinen.

Meine Liebste schälte die Mandarinen nun akurat so, dass vier annähernd rhombische Schalenstücke verblieben. Durch das vorherige Abziehen der Zesten haben diese ein hübsches Streifenmuster. Nach dem Trocknen auf dem Heizkörper zum vorweihnachtlichen Beduften der Küche sind diese Schalenstücke jetzt auf unserem Adventsgesteck zur Zierde gelandet. Das nenne ich optimale Verwertung. 

Ach ja, die Mandarinenstücke haben auch lecker geschmeckt. . .






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Freitag, 6. Dezember 2013

Manchmal



Manchmal zieht das "Draußen" einfach an mir vorüber. Ich bin dann im KleinHäuschen, es bläst ein Wind draußen, Flocken wirbeln, doch ist es, als wirble alles an mir vorbei, und die Seele ist ruhig. Eine Kerze brennt, in der Hand vielleicht ein gutes Buch, es duftet die Hütte nach Gewürztee. Mehr gibt es dann nicht zu berichten. . .


Manchmal

Manchmal
finde ich meine Insel,
mitten im Getriebe
der Welt.

Ich schaue dann
sinnend um mich,
wie aus einem
langen Traume
erwachend.



- Die anderen Seiten 105 -

Dieses Jahr / Nach dem Sturm

Nikobär im Grün

     
Dieses Jahr

Der Nikolaus
fährt dieses Jahr nicht aus.
Er hat die Stiefel ausgezogen,
dieses Jahr wird nicht geflogen,
und er ergeht sich ganz dem Wunsch
nach warmen Winterpunsch.

Nun hört er nachts den Osterhasen
auf der Tuba blasen
und das Rentier mit der roten Nasen
sitzt dabei
auf einem Riesenosterei,
verzückt,
beglückt,
entrückt.



Nach dem Sturm

Der Sturm hat mein Gedicht durcheinander gewirbelt.
Nun purzeln die Stabuchen umher..
Mir fürchtet gar grauserlich,
ich erkenne mein eigenes Gedicht nicht mehr.

Wo eben noch Baum stand, da steht jetzt Haus,
und es autet ein Wirbel vorbei,
der Stühnerhall ist nach oben offen,
das Vederfieh legt nur noch Spiegelei.

Und was ich von der Schriebe lieb,
das klingt mit einem Mal so sonderbar,
und dass von der Trauer nur das "T" verblieb
gervärgert mich sogar.

Ich hätte so gern wieder Schonnensein
und möchte es schreu neiben,
doch immernoch wirbeln die Zöen die Beilen,
- so lass ich es bleiben.

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Der andere Tod



Als ich alleine durch die Neumondnacht des diesjährigen Dezembers ging begegnete mir so einiges. Nicht im Außen, es begegnete mir im Inneren, oder anders, im inneren Außen. Es gibt eine fröhliche Dunkelheit, es gibt eine melancholische, und es gibt eine verstörende Dunkelheit. Dann gibt es noch eine lastende Dunkelheit, und diese traf mich unvorbereitet in dieser Nacht. Unvorbereitet, da doch der vorhergehende Tag ein sonniger war, ein sonnenheiterer, der mich die kommende Neumondnacht vergessen ließ.

Zu der lastenden Dunkelheit der Nacht gesellte sich Nebel, und ich empfand diesen Nebel als "stickig". Dieses Empfinden lag vielleicht auch daran, dass die Geräusche der nahen Autobahn so aufdringlich wurden. In der Regel sind sie verhalten und gewöhnbar wie ein fernes Rauschen. Doch in der stickigen Luftfeuchte waren die Motorengeräusche, die rastloses Rasen und Hetzen verbreiteten, körpernah zu spüren.

So kam eines zum anderen, und zu mir kamen die Gedanken an den Tod. Die lastende Dunkelheit, die stickigkühle geräuschschwangere Feuchte, es war, als würde der Tod nach mir greifen, nach mir und meinen Gedanken. Und: Es war nicht der freundliche Tod, den es auch gibt, welcher da nach mir griff. Es war der andere Tod, der unfriedliche, vorzeitige, oft gewalttätige Tod, der, welchen wir Menschen des 21. Jahrhunderts so viel produzieren.

Es war eine Verzweiflung in mir, denn ich fühlte es, ich spürte und hörte es, dass es so vielen Menschen egal ist, dass dieser Tod in unserem Leben umgeht. Ja, dass sie Thriller und Krimis und Spiele suchen, die angefüllt sind von Bildern und Schilderungen dieses Todes. Und diese Bilder und Schilderungen geben den ermatteten Nerven wohl etwas Kitzel. So dass die groben Reize dieses unfriedlichen, vorzeitigen, gewalttätigen Tod für so viele wichtig sind, als Darstellung, Bild, Spiel, eben als Nervenkitzel, wohl um noch etwas Lebendigsein in einem gewissen Grusel zu erspüren. Sich selbst wenigstens dort noch einmal wahrnehmen.

So raste und hetzte dieser andere, dieser unfriedliche Tod durch diese Nacht und ließ meine Seele erkalten. Dass ich sterben werde, weiß ich, und ich bin einverstanden mit diesem Sterben. Ich hatte bis jetzt ein Leben, das mit vielen guten Ereignissen gesegnet war, neben den unvermeidlichen weniger erfreulichen. Ich bin´s zufrieden.

Auch dass mein Sohn einst sterben wird, weiß ich, und ich weiß, dass das zu den Bedingungen gehört, an der Schönheit dieser Welt teilzuhaben. Ich hoffe, dass er nach mir stirbt, und dass ich bis dahin mit ihm genügend glückliche Ereignisse erleben durfte, dass auch er sagen kann trotz aller Trauer: "Ich bin´s zufrieden!"

Auch diese Welt stirbt einst. Das ist nichts Schreckenerregendes für mich, sah ich doch als Gärtner genug Werden und Vergehen, im Kleinen wie im Großen. Es ist ein Pulsierendes, und nach einer Zeit blühen wieder die neuen Blüten und glänzen wieder die neuen Sterne. Und ich höre die Göttin, die dreigestaltige Göttin von Werden, Sein und Vergehen, und sie sagt: "Ich bin´s zufrieden!"

Das alles können die heiteren Tode sein, und man trifft sich zur Trauerfeier und speist und trinkit und gedenkt mit einem Lächeln über die Freude an dem Gehabten und mit einer Träne über die Trauer am Verlorenen.

Doch was mich in dieser Nacht anwehte, war der andere Tod, der unfriedliche, vorzeitige, gewalttätige. Er trat mit einer Macht und einer Vielzahl an mich heran, dass es mich würgte, mir Herz und Wärme verschlug.

Höhnisch rief mir dieser andere Tod zu: "Ich komme, wenn ihr nicht an mich denkt!". Dabei ist er doch allgegenwärtig in diesen Zeiten, er kommt als unsichtbare Strahlung an die Küsten, kommt als Plastikbrühe in unseren Speisen zu uns, als unmerkbares Gift in Luft und Wasser und allem Nährenden, er kommt auch ganz handfest aus Gewehrläufen, Geschützen, unbemannten Flugbomben, kommt als Schläger in der Nacht.

In dieser Nacht war er bei mir und zeigte sich, als Ahnung, als Druck in der Brust, als lastende Dunkelheit, als klaftertiefe Traurigkeit über das vielfältige Sterben in der Welt. Wie froh und glücklich war ich, als diese Nacht zu Ende ging. Müde, matt und traurig, und mit Nachtschwärze in der Seele ging ich am folgenden Tag zu einer Freundin, und eine Weile schwieg ich, bis ich endlich erzählen konnte über diese Nacht.

Es dauerte dann einen Tag und noch eine Nacht, dieses Erzählen, denn auch bei einer Freundin hatte der andere Tod vorbei geschaut, wir sind oft wie eines im Empfinden. Vor unserer Gemeinsamkeit im Erzählen und im Ernstnehmen dessen, was geschah, und auch in den gemeinsam verrichteten Tätigkeiten des Alltags wich schließlich die Beklemmung, welche die Begegnung mit dem anderen Tod bei uns ausgelöst hatte. auch wenn wir immer wieder die ferne drohende Stimme hören: "Ich komme, wenn ihr nicht an mich denkt!"

Wir wissen um ihn. Und wir fragen uns: "Wie können wir ihm begegnen, dass er keine Macht über uns hat?"

p. s. Nachdem ich ihr den obigen Text vorgelesen hatte sagte eine Freundin dazu: "Es geht um Wahrhaftigkeit, um als Mensch mit Seele zu leben. Alles andere raubt uns die Kraft und führt zum Verlust von Nähe und Geborgenheit in sich selbst und in unseren Beziehungen."


- Die anderen Seiten 104 -

Montag, 2. Dezember 2013

Ein Wanderer begegnet Kalindi, der Nachtweberin

Es war die samtene Schwärze ihrer Augen, es war das Singen ihrer nachtschwarzen Stimme, es waren die Milchstraßen, welche in ihre Brauen geflochten, er stand und schaute und lauschte. 

Und sie nahm seine Waffen und seine Rüstungen und seine eisernen Panzer und all die Spielzeuge der Männer und sagte: Diese brauchst Du nicht mehr. Wo aber das Vertrauen klein ist, ist gar kein Vertrauen. Und sie gab ihm den dreifach gewundenen Stab in die Hand. 

Und er blickte in die samtene Schwärze ihrer Augen, und er lauschte dem Singen ihrer nachtschwarzen Stimme, und es waren die Regenbögen, welche in ihre Brauen geflochten. 





"Ich webe das Jetzt in die Zeit,
 ich webe Frau Welt ein neues Gewand,
 ich webe der Mutter ein farbiges Kleid,
 ich nehme die Kinder bei der Hand,
 ich webe das Jetzt in die Zeit"

Und sie nahm seine fein gewirkten Kleider und seine zierlichen Schuh und gab ihm dafür die Kleider der einfachen Leute. Und er griff in die Tasche, und fand darin drei Kupfermünzen. Und sie sagte ihm: Nun gehe, dir Fischlein zu kaufen.

Und er blickte in die samtene Schwärze ihrer Augen, und alle Nacht war darinnen, und ein Spiegel war darinnen, und er lauschte dem Singen ihrer nachtschwarzen Stimme, und alle Flüsse der Welt waren in ihre Brauen geflochten.

Und er schaute in den Spiegel, und er erblickte das Antlitz des Vaters, und es war ein trauriges Antlitz, gebeugt in Schmerz und Gram. Und er schaute in den Spiegel, und er erblickte das Antlitz seines Sohnes, und es war ein wissendes Antlitz.

"Ich webe das Jetzt in die Zeit,
 ich webe Frau Welt ein neues Gewand,
 ich webe der Mutter ihr farbiges Kleid,
 ich halte darüber die schützende Hand,
 ich webe das Jetzt in die Zeit"

Und sie sagte zu ihm: Wem ich Schmerz schenke, dem schenke ich auch die Kraft und die Würde diesen zu tragen. Und sie legte die Hand auf das Traumsiegel auf seiner Stirne, und es war eine wissende und wärmende Hand. Eine nährende Hand.

Und in ihm waren all die sterbenden Wesen, und sie klagten die Totenklage, und es war eine große Trauer in ihm. Und er blickte in die samtene Schwärze ihrer Augen, und alle Nacht war darinnen, und ein Weiher im Mondenlichte war darinnen, und ein verschwiegener Waldpfad war in ihre Brauen geflochten, und als seine Füße den Pfad begingen, hörte er das Singen ihrer nachtschwarzen Stimme.
 



-  Die anderen Seiten  101  -

Sonntag, 1. Dezember 2013

Unsere "kleine Tradition"

Wann ist etwas Tradition? Hatte nicht jede Tradition einmal begonnen? So haben mein Sohn und ich auch unsere Tradition. Seit er fünf Jahre alt ist, stellen wir in der Vorweihnachtszeit Orangenmarmelade her. Das sind mithin mittlerweile sieben Jahre, und nur ein Jahr hatten wir ausgesetzt. 

Wir machen es dabei auf unsere Art, und lassen uns Zeit dabei. Gespannt bin ich, wie weit es wohl reichen wird, das gemeinsame Zelebrieren dieser Produktion. Doch erst einmal bin ich glücklich darüber, dass es noch geht. Auch wenn zwischendrin schon einmal "gemault" wird, Orangen sorfältig schälen und all das Weiße unter der Schale sorgsam von den Stücken entfernen, dafür braucht es schon Geduld. So gehört ein bisschen Jammern unbedingt mit dazu.

Wir hatten als Kinder Plätzchen gebacken. Auch das wollte ich wieder einführen, doch bin ich nicht so der Bäcker. So bleiben wir bei unserem Ritual und kochen Papalade. Sie heißt so, da sie ja mit Papa und nicht mit Mama gemacht wird. Es ist keine Mamalade (und keine Tantelade). 

Die Küche duftet jetzt hinreißend. Das stimmt heiter. Und so kommt etwas Sonniges in diesen trüben Tag. Auch das ist Tradition. Vielleicht wird sich mein Sohn eines Tages an den Duft der Kindheit erinnern und dabei lächeln.


Hier geht es übrigens zu unseren Rezepten:

-  Die anderen Seiten  100  -

Freitag, 29. November 2013

Aus dem Tierleben: Vom Elefanten zum Maulwurf.



Der Elefant scheint unsensibel,
dabei ist er sehr penibel,
wenn er in den Laden kommt,
wo man den Geschirren frommt,
die so sehr zerbrechlich sind,
da benimmt
er sich mit großer Umsicht. . .

und darum klirrt es nicht. . .

* * * 


I - Aaah sind deine Worte,
I - Aaah geht dein Gedicht,
mancher verbohrte
Ästhet hört es
und versteht es nicht,
I - Aaah I - Aaah,
weil es nicht gleich
verständlich ist.
Bruder Esel,
bist
mir lieber
als mancher Künstler,
der humorlos ist.

* * *

Ein Maulwurf,
der kein Maul mehr wirft
und nicht nach tief´ren
Dingen schürft,
der hat,
das sei hier nicht verhehlt,
ganz einfach
seinen Job verfehlt.

Die Blaumeise,
diese Schlaumeise,
sagt dazu nur:
Tieferschürfen
ist wider
meiner Natur!




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Dienstag, 26. November 2013

Aus dem Tierleben: Schmetterling und Käng Guru


 
Weder Schmetterling noch Käng Guru: Das Grind



Es war einmal ein Schmetterling,
so ein wundervolles buntes Flatterding,
der die andren Schmetterdinger überraschte,
weil er nur an Gorgonzola naschte.

Seinen Ringelrüssel senkte er nie
in Nektar und Ambrosia,
das hielt er, kurz gesagt, für ordinär.
Seine Meinung: der Süßkram
wäre nur für die Proleten da,
während er ein Geisteswesen wär.

Er handelte nach folgender Philòssophie:
Zuckerzeug, das mache Karies.
(das hatt er irgendwo gelesen), und nie
hinterfrug er dieses Axiom,
da handelte er prinzipiensatt,
auch wenn ein Rüssel keine Zähne hat.

Er wusste alles dies
aus einem Buch, das ein kluger Doktor schrieb
und er sagte sich (und vor allen Dingen andren):
Hier geht es ums Prinzip.

Nur eines machte ihn verdrießlich,
es war wie verhext,
er wurde dünn und dünner schließlich,
da auf Blütenbüschen kein Gorgonzola wächst.


* * *


Der Käng-Guru vor seine Herde trat
und Stille sich erbat.

Er legte sittsam Pfote über Pfote,
das gab ihm eine feierliche Note.

Dann hob er zu sprechen an:
"Ich spreche heute über Frau und Mann!

Ihr wisst, ich bin ein Beuteltier,
doch, habe ich einen Beutel hier?

Es ist so, wie es sein solle,
Frauen haben die tragende Rolle!

Und stimmst du überein mit mir,
bist auch du ein Beuteltier!"

Darauf der Nasenbär: "Mir ist das einerlei!
Ich trete einer andren Sekte bei!"



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Wechselwarm

Nein, ich bin nicht zum Reptil mutiert, nicht ich bin wechselwarm, sondern meine häusliche Umgebung  -  In den Fällen, wo ich "draußen" übernachte, im kleinen weißen Haus. 

Es hat einen Ofen. Der ist etwas mächtig ausgelegt für die Größe des Raumes, und so muss ich achtgeben, dass ich ihn des Abends nicht zu sehr füttere. Ein Holzscheit zu viel, und im kleinen weißen Haus wird es tropisch. 

Das ist jedoch immer nur temporär. Am Morgen ist es wieder kühl. Kühl genug, dass ich am Morgen gerne noch eine Weile unter der Decke bleibe, solange es denn geht. Kühl genug auch, um morgens wirklich munter zu werden, noch vor dem ersten Kaffee. 

Wenn es wirklich knackig kalt in der Nacht wird draußen, dann gibt es am Morgen sogar Eisblumen auf den Fensterscheiben. Eisblumen! Da werden Kindheitserinnerungen wach. Die frühen Jahre, in denen die Familie noch in einem mehrstöckigen Mietshaus wohnte, mit Ofenheizung. 

Wir Kinder staunten an den Wintermorgenden über die Eisblumen, zärtlich-zerbrechliche Gebilde, die sich in floralen Formen über die Scheiben zogen, und die beim Anhauch verblassten und dann verschwanden. 

Auch wenn es in Zeiten gleichmäßiger Wärme in den Innenräumen altmodisch sein mag. Ich liebe das Wechselwarme. 


Das kleine weiße Haus im Winter





-   Die anderen Seiten  97  - 

Montag, 25. November 2013

Möglichkeiten

 "Sie (die Seminolen, ein nordamerikanischer Indianerstamm) scheinen frei von Wünschen und Begehren zu sein. Kein grausamer Feind zum Fürchten; nichts, das ihnen Beunruhigung bereiten könnte, außer den allmählich zunehmenden Übergriffen der Weißen. Solcherart sich behauptend und ungestört, erscheinen sie munter und frei wie die Vögel in der Luft, und wie diese fröhlich und tatendurstig, harmonisch und lärmend. Der Anblick, die Bewegungen und das Verhalten der Seminolen stellen das meist beeindruckende Bild von Glücklichsein in diesem Leben dar; Vergnügen, Lebenssinn, Liebe und Freundschaft, ohne Tücke oder Erregungszustände, scheinen ihnen angeboren oder in ihrer lebendigen Geisteshaltung vorherrschend zu sein, denn sie verlassen sie erst mit dem letzten Atemzug."

William Bertram, 1739 - 1823, "Reisen durch Nord- und Süd-Carolina, Georgia, Ost- und West-Florida, das Cherokee Land etc.."

"Willst du denn wirklich zurück zu dem Leben der Indianer?", werde ich oft gefragt. Nein, ich will nirgend wohin zurück, nicht in die Steinzeit, nicht zur Natur, nicht ins Mittelalter und nicht zurück in den Mutterbauch. "Alles Vergangene endete im heute". 

Das obige Beispiel aus historischer Zeit zeigt mir jedoch, dass es auch im Menschen angelegt ist, ein solches Leben zu führen. Ich möchte hier jetzt nicht auf die Frage hinaus, ob der Mensch prinzipiell gut oder böse sei. Ob das "sogenannte Böse" etwa in den Genen angelegt sei. Ich möchte "den Menschen", und damit mich selber auch, nicht auf irgendeine Stereotype festlegen.

Doch dass es so glücklich lebende Menschen wie die Seminolen gab, bezeugt, dass es uns Menschen, und damit auch mir, prinzipiell möglich ist, ein solches Leben zu führen. Glücklichsein in einer Gemeinschaft ist in uns angelegt. 

Das wiederum finde ich beruhigend. Und ich folge dieser Spur lieber, als der des "sogenannten Bösen". Warum? Einfach, weil ich mich damit wohler fühle. 




-  Die anderen Seiten  96  -

Donnerstag, 21. November 2013

Aus dem Tierleben: Schnecken und Regenwürmer


Im Falle eines Falles
für jenes und für alles
gibt es zum Rettungszwecke
Elfriede, unsre Rettungsschnecke.

Sie rettete und ratterte,
dass eine von den Ratten flatterte
und dann verschwand
im Niemandsland.

Das ist ja allerhand!

Sie rettete und ratterte,
dass der Strauß verdattert knatterte.
Wer meint, wir hätten die Wahrheit hier
verlorn,
der lese es nochmal von vorn.

* * *


Ein Regenwurm
ließ sich in echter Eigenliebe
zweiteilen.
Nun kann er voller Liebesglück
bei sich selbst
verweilen.

. . . und wenn er sich vierteilen tut, der Bub,
reichts für ´nen ganzen Swingerclub. . .

* * *


Ein rachsüchtiger Regenwurm
eroberte die Gänge des Gegners im Sturm,
wobei er eine Maulwurfsröhre querte
und dadurch den Maulwurf störte.
Das war fast das Ende vom Regenwurm.

* * *


Ein Regenwurm, der in eine Steckdose kroch
erlebte seine Erleuchtung noch.
Worauf er zum Wattwurm transformierte
und fortan als My sweet Ohm residierte.

* * *


Eine Schnecke und ein Schneckerich,
die liebten sich ganz inniglich.
Oder waren es Schneckerich und Schnecke?
So richtig wussten sie das nicht. . .

Als Zwitterwesen gerieten sie in Streit,
wer den nun Schnecke und wer -erich wäre. . .
und tragisch endet die Geschicht,
die Liebe lief ins Leere. . .



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Montag, 18. November 2013

Farbenfroh. . .

. . . ist sie, unsere kunterbunte Gartenküche. Noch immer gibt es allerhand zu ernten, und auch die Kartoffeln und Äpfel sind noch nicht aufgebraucht. Zur Zeit am prächtigsten jedoch der rotstielige Mangold. Leider verblassen die Farben durch die Zubereitung etwas. 

Wir sind noch keine Selbstversorger an Gemüse, Obst und Kartoffeln, doch jedes Gartenjahr bringt uns diesem Ziele näher. Die Freude über die so frische und einfache Kost aus dem Garten ist jedesmal groß, und allein das ist schon sättigend für die Seele. 




Die anderen Seiten  89  -

Freitag, 15. November 2013

Vom Wünschen

Er sagte sich:
"Ich will hier raus!"
 Und rutschte beim Spaziergang aus.
 Und wachte auf
 im Krankenhaus.

Er schaute auf´s gebrochne Bein
und dachte sich: "Oh nein,
auch das Wünschen will gelernet sein!"

Es ist vielleicht ähnlich wie bei den Fragen und den Antworten: Je genauer die Frage formuliert wird, um so genauer kann die Antwort gegeben werden. Doch manchmal hilft Wünschen wirklich. Das durfte ich einmal erfahren. 

Es  war zu der Zeit, als ich noch in der Nähe von Bremerhaven auf dem Dorf wohnte. Ich hatte zum Samstag Abend einmal wieder zu wenig Geld. Am liebsten wäre ich mit dem Zug nach Bremen gefahren, um in  meine Lieblingsdisco zu kommen. Doch dafür reichte es ganz sicher nicht. Doch hatte ich erfahren, dass es in Bremerhaven ein Deichkonzert gab. Zwar nicht Musik von meiner Lieblingsband, doch immerhin, und es war zu erwarten, dass ich dort alte Schulfreunde treffen könnte.

Also schnappte ich mir mein Fahrrad, gab an der nahegelegenen Tankstelle mein letztes Geld für eine Flasche Wein aus, und machte mich radelnd auf den Weg nach Bremerhaven. Schon nach einer verhältnismäßig kleinen Wegstrecke fand ich rechts auf dem Grünstreifen einen Zehn-D-Mark-Schein (Ja, so lange ist das schon her!). Ich hielt an, nahm ihn auf, und fuhr weiter. 

Kurze Zeit später musste ich schon wieder anhalten. Lag doch rechts auf dem Grünstreifen ein Zwanzig-D-Mark-Schein. Ich musste da schon lachen. Mit nix los gefahren, und nun hatte ich schon dreißig DM.

Manchmal spielen sich im Leben Geschichten ab, die man als Drehbuchautor besser nicht erzählt. Sonst könnte der Kommentar kommen: "Das können wir nicht annehmen. Der Plot ist zu unglaubwürdig!" So war es an diesem Abend. Noch eine kurze Wegstrecke weiter hielt ich erneut an. Lag doch rechts auf dem Grünstreifen ein Fünfzig-D-Mark-Schein. 

Diesmal lachte ich nicht nur, sondern ich staunte. Ich schüttelte den Kopf, und ich wischte mir die Augen, und ich zwickte mich. Es blieb dabei: Dort lag ein Fünfzig-D-Mark-Schein. Ich bückte mich und nahm ihn in die Hand. Er verschwand nicht wie ein Traumgebilde. Also packte ich beherzt zu und steckte ihn in meine Tasche. Dann fuhr ich mit dem Fahrrad noch eine Weile weiter, da ich erhoffte, dass jetzt der Hundert-D-Mark-Schein kommen müsse.

Der kam dann doch nicht. So machte ich dann eilens kehrt und fuhr zur nächtsliegenden Bahnstation. Kaum hatte ich mein Fahrrad abgestellt, fuhr dort der Zug nach Bremen ein. Damals konnte man noch die Fahrkarten im Zug lösen, und so stieg ich ein, fühlte mich wie Krösus und ließ mich nach Bremen fahren. In meiner Lieblingsdisco dann lernte ich eine sehr nette Frau kennen. Doch das ist eine andere Geschichte. . .

Oft frage ich mich seither, was ich mir an diesem Abend eigentlich wirklich wirklich gewünscht hatte. . . 




-  Die anderen Seiten 86  -

Mittwoch, 13. November 2013

Dichterliebe


Und auch das Spiel will gelobt werden. . .


"Und wenn du schiltst, und wenn du tobst,
 Ich werd´ es geduldig leiden;
 Doch wenn du meine Verse nicht lobst,
 Laß ich mich von dir scheiden."

Heinrich Heine 


Das ist es wohl: Man muss im Leben Prioritäten setzen. Alles Schelten und alles Toben lässt sich zur Not noch in Verse auskleiden, ebenso wie alles Liebesleid und aller Herzschmerz. Doch die Kritik am Verswerk selbst, das trifft. Nein, nicht nur die Kritik trifft, das mangelnde Lob als solches schon ist ein Scheidungsgrund. Da sind wir Dichter empfindlich. 

Auch meine Mutter betrachtete die dichterischen Ambitionen ihres Sprösslings kritisch, denn diese passten so gar nicht in das von ihr erwünschte Bild des heranwachsenden Kaufmannes. Da bekam die Liebe zur Mutter ihren ersten Knacks, und das Abnabeln begann.

Doch sind es nur die Dichterinnen und Dichter, welche zum Wohlfühlen des Lobes bedürfen? Ist nicht jedes Ohr empfänglich für die warmen Worte des Behagens am Werk? Ich denke, es steckt noch etwas anderes dahinter. Wir wachsen am Zuspruch, und erst, wenn dieser geschieht, kann auch eine berechtigte Werkkritik ihre segensreiche Wirkung entfalten. Das ist bei Erwachsenen nicht anders, als bei Kindern. 

Wobei die meisten Menschen sehr deutlich unterscheiden können, ob das Lob nun ausgesprochen wurde, weil auf dem letzten Seminar zur Personalführung das Loben ausdrücklich als ertragsfördernde Maßnahme gelernt wurde, oder ob es aus echtem Respekt am gegenüber geschieht. Also aus einer Art Herzensrespekt. Denn die Werke eines Menschen sind auch ein Ausdruck seiner Persönlichkeit, und diese verdient Respekt. 

Ich verstehe es gut, "Schreien und Toben", in Wut geraten und einmal den ganzen Frust jemanden vor die Füße klatschen, das kann durchaus reinigend für eine Beziehung sein. Ob es jetzt eine Liebesbeziehung ist oder eine andere menschliche. Doch das anhaltende Verweigern des Respektes, das verträgt keine Liebe wirklich auf Dauer. "You can´t love me, if you don´t respect me", sang Lyn Collins. 

Ob ich persönlich allerdings mit dem "geduldig leiden" so weit gehen würde, wie Sokrates, der seine Beziehung folgendermaßen verbrämt hatte: "Ich legte mir diese Frau zu, weil ich gewiss war, wenn ich sie ertragen könnte, würde ich mich leicht in alle andere Menschen finden können.“ Das mag auch daran liegen, dass ich mir keine Frau "zulege". In einer befriedigenden Partnerschaft herrscht meiner Meinung nach Augenhöhe und . . .  ja, eben, Respekt. Was nicht heißt, dass es keinerlei Kritik geben darf. Auf der Grundlage von Respekt kann es alles geben. 

Doch erfreut mich Lob immer wieder. Auch Lob über meine Verse. . .




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