Freitag, 21. März 2014

Steckhölzer und eine Wette

Steckhölzer werden transportfähig verpackt

Gestern bin ich einmal wieder in meinem alten Garten gewesen und diesmal habe ich es wahr gemacht, was ich schon lange tun wollte: Ich habe mir von einigen meiner Lieblinge Steckhölzer geschnitten. Steckhölzer sind etwa zwanzig Zentimeter lange Abschnitte von einjährigen, möglichst gerade Zweigen von Gehölzen. Bevorzugt werden sie von den Gehölzen geschnitten, die leicht bewurzeln: Liguster, Holunder, Duftjasmin. Sie werden unterhalb von Augen (Nodien) geschnitten, der Zapfen unterhalb der Augen sollte nicht länger als ein viertel Zentimeter sein, da er sonst zu faulen beginnen kann und so die Wurzelbildung gefährdet. 

Über der Nodie, die in die Erde gesteckt wird, sollten sich zwei, höchstens drei weitere Augen befinden. Diese dürfen, was zur Zeit durch die Wärme meist schon der Fall ist, schon getrieben haben. Zum Transport wickle ich die unteren Enden meiner Steckhölzer in feuchtes Küchenpapier und dann werden sie in eine Plastiktüte gehüllt. 

"versandfertig"

Die Steckhölzer können direkt in lockere Gartenerde gesteckt werden. Dieses Mal möchte ich jedoch einen kleinen Versuch starten. In einem Internetforum wurde ich daran erinnert, dass Weidenwasser die Wurzelbildung fördern soll (vielen Dank für die Erinnerung!). So schäle ich eine gute Handvoll Rinde von einem jungen, einjährigen Zweig der Salweide und koche diese auf und lasse sie mindestens zehn Minuten ziehen. Weidenrinde ist dank des Gehaltes einer Vorstufe der Salicylsäure ein mildes "Naturaspirin" und hilft als Tee getrunken gegen Kater und Kopfschmerz, ohne auf den Magen zu schlagen. Die Salicylsäure soll auch die Wurzelbildung fördern.

Da ich heute weder Kater noch Kopfschmerz habe, stelle ich in diesen Weidenrindentee, nachdem er abgekühlt ist, meine Steckhölzer. Dort bleiben sie über Nacht. Dann wird die eine Hälfte wie gewohnt gesteckt, die andere bekommt täglich frisches Wasser oder Weidenwasser, und ich möchte einmal die Wurzelbildung beobachten. 

An Steckhölzern habe ich bis jetzt geschnitten: Rose "Königin von Dänemark", eine einmalblühende Albarose, die ich gerne wurzelecht ziehen möchte, den "Sieben-Söhne-des-Himmels"-Strauch,  Heptacodium miconioides, ein Geißblattgewächs aus China, das bis zu drei Meter hoch werden kann und von August bis Oktober weiße, siebenzählige duftende Blüten trägt. Durch die späte Blüte ist dieser Strauch ein Segen für die Bienen. Doch allein schon der märchenhafte Name verleitet mich dazu, dieses Gehölz hier anzusiedeln.

Des weiteren möchte ich die Lonicera x purpusii "Winter Beauty" vermehren,  eine etwas großblütigere Sorte der wundervollen Winterheckenkirsche, die Duft in den "Wintergarten" trägt. Die sollte hier auf keinen Fall fehlen. Nach weiteren möglichen Neulingen wird noch gefahndet. (Noch habe ich ja die Rosen nicht geschnitten zum Beispiel).

 

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Eine Wette, die ich schon letztes Jahr mit meinem Sohn eingehen wollte, wurde wegen des langen Winters 2013 verschoben auf dieses Jahr: Also, ab Anfang Juni bis Anfang Januar werde ich laut Wette kein frisches Obst und Gemüse mehr kaufen, sondern dieses vollständig dem Garten entnehmen. Ausnahmen sind nur Früchte wie Aprikosen und Erdbeeren zur Marmeladenbereitung für den Winter. Topp, die Wette gilt, spornt sie mich doch zur Selbstversorgung an, und der Wetteinsatz ist auch nicht ohne:



Ein hochwertiger Lederfussball und ein Kaktus gegen eine Säckelblume, drei Rosen meiner Wahl und zwei Kräuterpflanzen oder fünf Samentütchen.

Wenn das kein Ansporn ist. . .  Dass mein Sohn durchaus generös mit dieser Wette umgeht zeigt sich daran, dass ich zu meinem Geburtstag von ihm eine Tomaten- und eine Gurkenpflanze geschenkt bekam, zwei Erdbeer- und zehn Eichblattsalatjungpflanzen. (Eigentlich wollte ich dieses Jahr nur Pflücksalat im Garten haben, doch Eichblatt ist sehr gut, denn der lässt sich lange von außen nach innen Blatt für Blatt beernten, bis kurz vorm Schießen der "Kopf" fällig ist). 


Kommentare:

  1. Eine schöne Wette und die Geburtstagsgeschenke deines Sohnes finde ich klasse. Gutes Gelingen wünscht die Grete

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  2. da kann ich mich Frl. Grete nur anschließen. Boah, ich bin baff, was mensch alles wissen muss und kann über Pflanzen und wie sie sich fortpflanzen oder unter Mithilfe von Jörg und anderen mit dem "grünen Daumen" fortgepflanzt werden.

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  3. Stecklinge & Baumschüler

    Weil ihn Vermehrung interessiert
    und alle Methoden, die man ihn lehrt,
    hat sich der Gärtner nie geniert
    und auch das Kamasutra ausprobiert.

    Zwar ist die Stellung wichtig
    und auch der Standort wohl,
    am wichtigsten jedoch der Partner,
    der zum Pfropfen dienen soll.

    Ganz anders war der Schnitt,
    den er gern seinen Lieblingen gab,
    gleich unterhalb der Augen,
    dem Zapfen darüber wars egal.

    Doch diesmal hat er geschnitten,
    die Stecklinge ganz fein,
    gewässert mit dem Wasser der Weide,
    für die Bildung der Wurzeln ganz allein.

    Dann wickelt er die Lieben
    in Küchenpapier ein
    und stülpt noch ne Plastiktüte drüber,
    zum Transport in sein Heim.

    Erwählt hat er jetzt zur Geliebten,
    Holunder, Liguster und den Duftjasmin,
    die steckt er in die Erde, beäugt von Augen,
    getrieben von der Wärme, bis zum Blühn.

    So hat ein jeder Gärtner
    seine Methode beim Liebesspiel,
    mitunter gibt es Tote,
    die reden nicht mehr viel.

    Die Schule lehrt in täglich,
    problemlos obs gelingt,
    doch nicht bei jeder klappt es,
    davon dies Verschen singt.

    Der Gärtner hat einen Traum
    beim Wohnen auf dem Baum
    von Schulen nur für Bäume,
    die züchten ihre Bäume -

    jedoch - das war ein Traum.

    (c) Alle Rechte vorbehalten
    Floy Dy Ra, 21.03.2014
    gewidmet Gärtner & Dingefinder Jörg Krüger

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  4. Die Schule lehrt "IHN" täglich...

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  5. Da muss ich ja doch laut lachen, da ich allein bin, hört es keiner. . .

    Wir Gärtner lernen ja tatsächlich lebenslang, und wir brauchen auch große Zeiträume zum lernen, denn all das, was ich dieses Frühjahr aus sogenannten Fehlern lerne, kann ich erst nächstes Frühjahr wieder anwenden, um dann. . .

    So entwickelt sich bei uns ganz natürlich eine Altersweisheit.

    Danke sagt der Dingefinder Jörg

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  6. Was manche Pflänzchen doch so für Triebe zeitigen...Da wird aus einem bodenständigen bremischen Holunder schon mal eine indische (Alters)Weisheit...Salweide sei Dank!
    Immer wieder interessante kleine Lerneinheiten frei Gartenlaube - vielen Dank:))))

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  7. Ich habe zu Danken, Euch beiden,

    liebe Grüße vom Dingefinder

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