Samstag, 21. Dezember 2024

Fredelsloher Sessions - Klaus der Geiger: Morgenandacht

 



Workshop Musikimprovisation, Alte Schule Fredelsloh, 24. bis 26. September 2024. Das war die Aufgabe, die Klaus als Leitender uns Teilnehmenden stellte: Er hatte sechs kurze Texte geschrieben, die wir reihum vorlasen, nach jedem Text folgte eine etwa eineinhalbminütige Musikimprovisation, in die wir das Gelesene einfließen ließen. Heute der zweite Text, gelesen von Klaus: Morgenandacht


Ich wohn direkt gegenüber einer Grundschule
und meine Fenster stehen möglichst auf Kipp
für meine Morgenandacht,
die beginnt zehn vor acht,
nämlich wenn die Kinder zur Schule kommen,
und endet kurz nach acht,
wenn die Kinder in der Schule drin sind.
Das heißt für mich,
jeden Morgen himmlische Musik.


Klaus der Geiger, Geige, Sprecher, Text
Erd Ling Judith, Perkussion
Susanne Bartens, Gitarre
Dingefinder Jörg Krüger, Ziehflöte


Die verwendeten Bilder sind von Ethel Spowers (1890 - 1947)

Freitag, 29. November 2024

HerbstLese: Dagmar Herrmann - Es herbstet

 




Es herbstet. . .

Es herbstet um mich
herum dunkeln die tage
nach licht lechze ich
nicht

Der abend herab senkt
sich auf die gemüter
die mit losen blättern
fallen, immer länger werden
die schatten auf dem pflaster
schritte verlangsamen
sich, wenn die sonne ihre
kraft entzieht

Es bleibt die schönheit
auf dem wasser, wenn die
dunstigen schleier auf
den grauen spiegelflächen
des stromes sich legen
und die kormorane ihre
gefieder spreizen den
wärmenden strahlen
entgegen

Dort sitze ich am fluss und trage
in mein büchlein die kostbarsten
momente mit hastigen zeilen ein
damit es nicht verlorengeht auf
vorgezeichneten linien einer
schäbigen kladde

geborgtes leben
vergangenheit
gegenwart
zukunft und
was ich noch
erhoffe

Dagmar Herrmann, freischaffende Malerin und Autorin, 28237 Bremen

Sprecher und Musik (Loop-programming und Querflöte) Dingefinder Jörg Krüger

HerbstLese: Amina Anja Amelal - wie ich allmählich ein fisch wurde. . .

 



wie ich allmählich ein fisch wurde im großen gewoge der fische
eine vom ergebenen fall des laubes erfasste
gespielin des windes

griff ich zum halm

einer der auf meinem scheitel
einer der auf meiner brust
überlebte

und ließ sie mit dem lachen
zu krücken verbauen
jetzt können wir immerhin
schon vorwärts humpeln
welche lust mit der last
‚vorwärts
vorwärts‘
treibe ich den widersinn hoch
das karge gebirge stößt wohl
in den himmel
dünne luft
doch
die augen weiden sich satt
abwärts zur sohle des tales
hin

Amina Anja Amelal 2024


Gelesen vom Dingefinder, Musik: Querflöte von demselben, gespielt in der Klosterkirche Fredelsloh

Samstag, 23. November 2024

Ab 30: November in der Klosterkirche Fredelsloh : 10 Jahre Fredelsloher Krippe

 



Wie alles begann: Hier ein Artikel vom 4. 12. 2017 auf Leinetal24.de

FREDELSLOH (sth) Im nördlichen Querschiff der Klosterkirche ist ein Stall aufgebaut, in dem der Ochse, mehrere Schafe und die drei Hirten stehen. Im Mittelschiff sind Maria und Josef mit ihrem Esel auf der Reise und im südlichen Querschiff versammeln sich die drei heiligen Könige. Was bei der außergewöhnlichen Krippenausstellung in der Klosterkirche Fredelsloh bisher noch fehlt ist das Christkind.

„Wir befinden uns noch in der Adventszeit, da war Jesus noch nicht geboren“, erklärt Janne Klett-Drechsel von der Kunsttöpferei Klett. Aus diesem Grund befindet sich auch der Verkündungsengel noch nicht am Stall sondern daneben. Erst zur Andacht an Heiligabend werden die Figuren zusammengeführt. „Vor drei Jahren kam ein Bürger Fredelslohs auf uns zu und fragte, wieso es in der Klosterkirche keine schöne Krippe gebe und wollte diese dann stiften“, erläutert Klett-Drechsel weiter. Nach und nach arbeiteten mehrere Töpfer dann in den vergangenen zwei Jahren daran, immer mehr Figuren aus Ton zu fertigen und der Krippe hinzuzufügen. Mehrere erfahrene Töpfer und Laien haben sich unter der Leitung von Janne und Hannes Klett-Drechsel an die mühevolle Arbeit gemacht. Über einige Tage hinweg müssen die fertiggestellten Figuren im Ofen gebrannt werden und erst nachdem dieser über drei Tage abgekühlt ist, kann das Ergebnis betrachtet werden. Bei unvorsichtiger Arbeit können Blasen im Material eingeschlossen werden, die Figuren platzen lassen. Auch die Farben werden erst nach dem Brand sichtbar. Um die viele Arbeit angemessen zu würdigen, sei in diesem Jahr die Entscheidung getroffen worden anders vorzugehen: Anstatt die Krippe nur zu Heiligabend aufzubauen, werden die Figuren in der Adventszeit auf ihrem Weg nach Bethlehem dargestellt und können ab Sonntag, 3. Dezember, bis voraussichtlich Sonntag, 31. Dezember, täglich von 11 bis 16 Uhr besichtigt werden. Fortsetzung auf Seite 6 Obwohl mit den bisher gefertigten Figuren die Krippenszene schon gut dargestellt werden kann, sei das Projekt noch nicht abgeschlossen, so Klett-Drechsel. Neben den zahlreichen Schafen in vielen verschiedenen Stilrichtungen sei das Projekt „noch lange nicht ausgebrannt“ und werde in den kommenden Jahren mit mehr Figuren weitergeführt. Mit besonderer Freude erwartet auch Pastor Peter Büttner die Zusammenführung der Figuren am Heiligabend. Besucher der Ausstellung können die Gemeindearbeit mit dem Erwerb von Magneten für Kühlschrank und Pinnwand, Weihnachtskarten und Kalendern unter­stützen. Auch das neue Fredelsloher Heft, das am Sonntag, 3. Dezember, erscheint, widmet sich unter anderem der Fredelsloher Krippe.
















Montag, 18. November 2024

Gemeinschaftsausstellung im Café Klett ab 18. 11. 2024

 


Ab heute dem 18. November bis zum 12. Januar 2025 stellt die Gruppe „Farbenkreis" aus Göttingen, Landschaften im Café Klett, Fredelsloh aus.

Diese Gemeinschaftsausstellung zeigt Landschaften in Variationen, nicht nur in der Darstellung, auch wurden unterschiedlichen Techniken eingesetzt: Acryl, Collage, Mix Media, Gouache, Textil (Filzen), Kaltwachs und Öl.

Landschaft – fast noch realistisch, stark vereinfacht, abstrahiert, verfremdet – ist das überhaupt noch eine Landschaft? Dieser Frage haben sich die sieben verschiedenen teilnehmenden Künstlerinnen des Atelierhauses Göttingen gestellt.

Seit mehr als 20 Jahren arbeitet der Farbenkreis im Atelier 13 des Atelierhauses Göttingen, Hagenweg 2b in unterschiedlichen künstlerischen Methoden und Stilrichtungen und Besetzung zusammen.

Mit Malerei in Aquarell, Acryl oder Öl, Zeichnungen, Installationen, Objekten und Collagen hat sich die Gruppe im Laufe der Jahre auseinandergesetzt und erprobt.
Der Farbenkreis, von derzeit 10 Frauen, blickt auf zahlreiche kuratierte Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen zurück, trifft sich regelmäßig zum künstlerischen Austausch sowie zu Weiterbildungen.

Am Mittwoch, dem 20. November um 17:00 Uhr findet die Vernissage im Café der Kunsttöpferei, Galerie & Café Klett statt.
Die Ausstellung ist täglich von 13 bis 18:00 Uhr geöffnet, Geschlossen am 24./25. Dezember und 31. Dezember/1. Januar.

Samstag, 16. November 2024

10 Jahre Gemeinschaftsküche in der Alten Schule Fredelsloh - Hier das Menü

 


Am Donnerstag dem 14. November dieses Jahres feierten wir das zehnjährige Bestehen der Gemeinschaftsküche in der Alten Schule. Dies wurde mit einem festlichen Menü begangen, und ich versprach, die Rezepte dazu hier einzustellen. Also denn: 

Menü zum 10 Jährigen

Das klassische Menü ist eine sinnvolle Aneinanderreihung von Speisen. Begonnen wird mit leichten „Happen“ (Amuse-Gueule oder französisch mise en bouche), die das Menü einleiten. Dann folgen Vorspeisen oder Suppe. Gehaltvollere Speisen, also Fleisch- und Fischgerichte, stellen den Hauptteil des Menüs dar, Dessert.


1 Amuse Gueule: Kleine Quark-Ölteig-Brötchen

Für das Grundrezept brauche ich ca. 400 g Dinkel- oder Weizenmehl, 500 g Quark, 100 ml Öl, einen Block frische Hefe bzw. (das ist bekömmlicher) etwas flüssige Wildhefe, etwas Zucker und Salz.

Der Vorteig wird am Vortag angesetzt, und er darf eine Nacht im Kühlschrank gehen. Dazu das Mehl in eine Schüssel geben, eine Mulde formen, in welche die Hefe gebröckelt wird, die Hefe mit etwas Zucker füttern, ein, zwei Esslöffel Wasser dazu (bei flüssiger Wildhefe nicht notwendig) und gut durchkneten, zum Gehen in den Kühlschrank.

Am nächsten Tag kommen der Quark, das Öl und das Salz hinzu. Dieses Rezept ist ein „Ca. – Rezept“. Wie viel von genau von jeder Zutat richtet sich nach der Tagesform. Die Masse wird zu einem geschmeidigen, sich gut formbaren, sich etwas fettig anfühlenden Ball geknetet.

Da diesmal die Brötchen als Amuse Gueule gereicht werden, kommen vor dem Kneten noch getrocknete Tomaten (kleingeschnitten und eingeweicht), entsteinte und gehackte schwarze Oliven, etwas Knoblauch, die Zehen mit dem Messerrücken mit etwas Salz auf einem Holzbrettchen zerdrückt, und etwas geriebener Cheddarkäse dazu.

Der Teig muss jetzt noch einmal abgedeckt etwa zwanzig Minuten gehen. Der Ofen wird auf 200 Grad vorgeheizt und ein Backblech eingefettet.

Es werden dann mehr oder weniger große Kugeln aus dem Teig geformt, wie groß die einzelnen Kugeln sind, spielt keine Rolle, sie sollten nur gleichmäßig groß sein.

Die Brötchen werden dann bei 200 Grad je nach Größe zehn bis zwanzig Minuten gebacken. Sie sind Fertig, wenn sie aussehen, als hätten sie einen Strandurlaub auf Mallorca gehabt. Zum jetzigen Anlass forme ich sie etwas kleiner.

Der Geschmack dieser Brötchen richtet sich sehr stark danach, welches Öl ich verwende. Meistens nehme ich ein fruchtiges Olivenöl. In diesem Fall habe ich das Öl zum Teil durch Olivenpaste ersetzt. Am besten schmecken sie, wenn sie noch (lau)warm sind.


2 Vorsuppe: Spinatsuppe a la Siebeck

Für 5 Liter Rinderkraftbrühe (Bouillon):

7 ½ Liter Wasser

2 kg Rinderknochen (Keine Markknochen)

1,2 kg Beinscheibe vom Rind

1 kg Suppengemüse - Möhre, Lauch, Sellerie, Zwiebel (Petersilienwurzel)

40 gr Salz

2 Knoblauchzehen

Um eine tadellose Brühe zu erhalten müssen die Knochen kurz blanchiert werden und das Fleisch gewaschen. Dann wird beides zusammen in kaltem Wasser aufgesetzt und bei mittlerer Hitze zum Kochen gebracht. So werden Knochen und Fleisch am besten ausgelaugt. Bei 70 °C gerinnt das Fleischeiweiß, umschließt die Trübstoffe und setzt sich beim Sieden an der Oberfläche ab. Die Brühe muss nun langsam weiterkochen. Der Schaum ist sorgfältig zu entfernen. Es ist auch ständig zu entfetten, da die Brühe sonst trüb wird.

Nach dem Entfetten wird das Salz zugegeben und die Brühe ca 4 Std bei kleiner Hitze weitergekocht, so dass sie gerade so am Sieden ist. Erst jetzt wird das, ohne Fett angebräunte, Gemüse dazugegeben. Bei den Zwiebeln nur die äußere Pelle entfernen. Die Brühe ist fertig, wenn das Gemüse gar ist. Die Brühe möglichst durch ein Tuch passieren. sie sollte glasklar sein und eine kräftige Farbe haben.

Klären von Brühe

In die kalte Brühe gibt man pro Liter Flüssigkeit 1 Eiweiß und verrührt dieses kräftig.

Nun wird die Brühe langsam unter Rühren langsam aufgekocht. Im ersten Moment scheint sich nicht viel zu tun, aber plötzlich entsteht eine ganze Menge grauer Schaum. Das ist das Eiweiß das durch die Hitze stockt. Die graue Färbung sind die Trübstoffe, die feinen Schwebeteilchen, die bisher immer noch durch das Sieb gerutscht sind und die die Brühe trüb haben aussehen lassen. Jetzt muss man nur noch den Schaum abheben.

Die abgeschäumte Brühe durch ein Passiertuch gießen.  Fertig ist eine glasklare Brühe. Nochmals abschmecken .

Variante, vegetarisch:

Für dieses Suppenrezept brauche ich wieder Suppengrün: Porree, Sellerie, Möhren, Petersilienwurzel. Die Gemüse werden nicht geschält, sondern nur mit der Gemüsebürste geputzt, kleingeschnitten und in Olivenöl angedünstet und mit heißem Wasser abgelöscht und ca. eine Stunde köcheln gelassen. Das Wasser leicht (!) salzen.

Die Gemüsebrühe wird durch ein Haarsieb geseiht, sie soll möglichst klar sein, also nicht zuviel mit dem Kochlöffel nachhelfen. Die Brühe wird mit Ume Su (das ist eine salzige Ume-Aprikosen-Würze aus Japan) abgeschmeckt. Wahlweise geht auch Tamari (Sojasauce), doch Vorsicht, das bringt einen Eigengeschmack mit. Sie darf ruhig recht kräftig schmecken.

Spinatsuppe:

Der möglichst grobblättrige Spinat wird gewaschen und kurz blanchiert. Dann werden einige junge (!) Knoblauchzehen gepellt und in hauchfeine Scheibchen geschnitten und Parmesan gehobelt. In vorgewärmte Suppentassen kommen jetzt jeweils einige Knoblauchscheibchen und ein Esslöffel Parmesanspäne. Dazu eine Handvoll der blanchierten Spinatblätter. Mit der jeweiligen heißen Brühe auffüllen und sofort servieren.


3 Rote-Bete-Carpaccio auf Feldsalat

Ein herbstliches Festessen braucht eine festliche Vorspeise! Dieses Rote-Bete-Carpaccio ist ein gutes Entree zu einem leckeren Menü. Zum Feldsalat: Wenn es irgend geht, versuche ich festen, dunkelgrünen Feldsalat aus dem Freiland zu bekommen. Leider wird er meistens aus Gewächshauskultur verkauft, und ist dann etwas anämisch. Allein dafür lohnt es sich, einen eigenen Garten zu haben.

Der Feldsalat wird gewaschen, trocken geschleudert und in einzelne Blättchen gezupft. Pro Person brauche ich eine gute Handvoll Blättchen. Diese werden als grünes Bett auf einem hübschen Teller drapiert.

Dann schäle ich eine rohe Rote Bete und schneide mit einem scharfen Messer sehr (!) dünne Scheiben davon. So dünn, dass sie durchscheinend sind. Diese Scheiben werden fächerförmig auf den Feldsalat gelegt.

Dann kommt das Dressing: Dafür brauche ich etwas dunklen Balsamico-Essig, der mit dem Saft einer Orange (oder mit Orangenmarmelade) und etwas Akaziensirup vermischt wird. Dahinein gerührt wird frisch geriebener Ingwer und getrocknete Apfelringe, die vorher eingeweicht und in feine Würfel geschnitten wurden. Dann wird es mit Walnussöl zu einer Vinaigrette verrührt, die großzügig über Feldsalat und Rote-Bete-Scheiben verteilt wird. Zum Abschluss wird das Ganze mit trocken gerösteten Sonnenblumenkernen oder gehackten Walnüssen bestreut und ca. zwei Stunden marinieren gelassen. An dieser Stelle zeigt sich die Qualität des Feldsalates. Feldsalat aus dem Freiland bleibt fest und grün.


4 Zwischengang: Mini – Quiches

Der Teig ist eine Art Quark-Mürbeteig. Für diesen Teig brauche ich 300 g Mehl, davon 2/3 Vollkorn-Dinkel und 1/3 weißes Weizenmehl, 200 g Butter (kalt), 250 g Quark (40 % Fett), 1 Ei, Salz.

Die Zutaten mischen und zu einem Teig verkneten. Der Teig kann sofort ausgerollt und verarbeitet werden.

Für die Mini - Quiches werden aus dem dünn ausgerollten Teig mittels einer kleinen Glasschüssel oder ähnlichem 8 cm runde Teigfladen ausgestochen. Diese werden in den Mulden einer eingefetteten Muffinform drapiert, so dass kleine Törtchen entstehen. Diese können dann nach Belieben gefüllt werden.

Zum Ausrollen: Als mir der ganze Klumpatsch trotz Mehl auf dem Nudelholz und der hölzernen Arbeitsplatte mal wieder auf der letzteren festpappte, bekam ich von der Liebsten einen Tipp: Nach jedem mal Rollen das Teigstück aufnehmen und umdrehen und mit gegebenenfalls noch etwas Mehl weiter ausrollen, wieder aufnehmen und so weiter. Da klappte es dann wunderbar. Denn die Teigfladen für die Törtchen müssen wirklich sehr dünn sein. Beim ersten Versuch waren sie mir etwas zu dick geraten, und darunter hat der Genuss sehr gelitten, besonders am nächsten Tag, als sie abgekühlt gereicht worden sind.

Die Menge der oben angegeben Zutaten reicht bei wirklich dünnen Ausrollen für etwa 36 Mini-Quiches.

Für die Füllungen ist allerhand möglich, hier einmal eine Spinat – Pilzfüllung.

Dafür brauche ich 300 g Frischkäse und ca. die gleiche Menge Spinat, frische Blätter ohne Stiel, blanchiert und ca. 200 g frische Pilze (Champignons, Mairitterlinge, Waldpilze wie Maronen, Steinpilze oder Pfifferlinge). Die Pilze werden gereinigt und in gleich große Stücke geschnitten und mit etwas Knoblauch in Butter angebraten, bis die Butter „aufgesogen“ ist und die Pilzstückchen etwas geschrumpft. Habe ich eher milde schmeckende Pilze vor mir, wie etwa Zuchtchampignons oder Mairittelinge, dann werden sie in dem Augenblick, wo die Pilze in der Pfanne beim Anbraten etwas zu „wässern“ beginnen mit Pilzpulver bestreut. Das Pilzpulver kann ich mir in einer elektrischen Kaffeemühle aus getrockneten Steinpilzen schnell selbst herstellen.

Spinat, Pilzstückchen und zwei Eier mit dem Frischkäse mischen und etwas Muskat gemahlen beimischen, eventuell salzen. Ein Zusatz von trocken gerösteten Walnusskernen, kleingehackt, oder trocken gerösteten Pinienkernen wäre eine Option. Auch ließe sich in diese Füllung 50 g geriebener Parmesan zufügen.

Mit einem Esslöffel die Teigförmchen füllen und ca. 20 Minuten bei 200° backen.

Diese Füllung habe ich insofern abgewandelt, dass ich die Pilze fortließ und durch vorgekochte Berglinsen ersetzte die mit Knoblauch und Zwiebeln angebraten wurden und mit Muskat und Majoran gewürzt. Auch wurde noch geriebener Cheddarkäse zugefügt.


5 Hauptgericht: Wildgulasch zu Fredelsloher Eiernudeln

Für vier Personen benötige ich (das ist das Grundrezept, wenn es als sättigendes Hauptgericht gereicht wird, in der Menuefolge reicht das für sechs Personen):

Etwa 1 kg Wildfleisch, wir hatten Wildschweinekeule und Reh zur Verfügung

Zwei Zwiebeln, mittelgroß

Ein bis zwei Zehen Knoblauch

Drei Esslöffel Tomatenmark

Ein Liter Rotwein trocken, bzw. (wenn ich zum Beispiel für und mit Kindern koche, was hier der Fall wäre) ein Liter roten Traubensaft (bio), dem ich etwas frisch gepressten Orangensaft und dunklen Balsamicoessig zugefügt habe

100 ml Sahne (oder, bei mir bevorzugt, Schmand)

600 ml Gemüsebrühe (siehe oben)

Einige Zweiglein frischen Rosmarin (optional)

Salz und Pfeffer, grob gemörsert

Die Zwiebeln und den Knoblauch in feine Würfel schneiden. Das Fleisch in einer großen Pfanne scharf anbraten, dabei mit Salz und Pfeffer würzen. Wenn das Fleisch schon leicht braun ist, die Zwiebeln und den Knoblauch dazu geben und mitbraten, bis alles gut angeröstet ist. Das Tomatenmark dazu geben, verrühren und mit 1/3 des Rotweins ablöschen.

Den Wein einkochen lassen bis nur noch ein dickflüssiger Sirup vorhanden ist. Diesen Vorgang noch zweimal wiederholen, dann die Gemüsebrühe dazu geben und erst eine Stunde bei kleiner Flamme mit Deckel köcheln lassen. Dann den Deckel runter nehmen und noch mal 15 Minuten leicht köcheln lassen. Den Rosmarin beim Köcheln mit dazu geben. Am Ende die Sahne (den Schmand) dazu geben. Das lässt sich zum Schluss noch mit weiterem Tomatenmark, etwas braunen Zucker und Orangenmarmelade abschmecken.

Die Fredelsloher Eiernudeln sind Nudeln, die hier regional hergestellt, die Eier kommen aus einem Hühnermobil.

Für die Vegetarier hatten wir eine einfache Pilz-Sahne-Sauce zu den Nudeln gereicht, bestehend aus eingeweichten getrockneten Steinpilzen, Champignons, Butter und Schmand. Veganerinnen und Veganer hatten wir an dem Abend nicht dabei, doch auch für diese wäre und auch noch etwas eingefallen. 


6 Dessert: Mousse au Chocolate

Die Mousse sollte am Vortag zubereitet werden

Für vier bis sechs Portionen benötige ich:

200 g Bitterschokolade mit mindestens 50% Kakaoanteil (Ich verwendete eine mit 80 % Kakaoanteil, da musste ich noch eine geringe Menge Zucker zugeben)

3 Eier, Größe L, möglichst nicht älter als zehn Tage (hier auf dem Dorf kein Problem)

250 ml Schlagsahne, geschlagen und kühl gestellt.

Die Eier trennen, das Eiweiß zu Eischnee schlagen und kalt stellen

Die Schokolade in Stücke teilen und im Wasserbad zum Schmelzen bringen. Darauf achten, dass kein heißes Wasser in die Schokolade schwappt. Die Eigelbe schaumig schlagen und die lauwarme Schokoladenmasse zügig da hinein rühren. Als nächstes wird die steif geschlagene Sahne darunter gehoben, dann der Eischnee. Nicht zu stark rühren, sondern nur vorsichtig vermischen. Die fertige Mousse über Nacht abgedeckt kühl stellen.

Samstag, 2. November 2024

HerbstLese: Pan Matti Dora - Oktoberschatten

 



Oktoberschatten

Golden quillt über das warme Herz
im blauen Schatten einer Kastanie,
die noch einmal blüht - jetzt im Herbst -
und gleichzeitig ihr Laub abwirft.

Eine silberne Locke kitzelt die heiße Stirn
im lauen Oktoberwind.
Sehnsüchtig schweift inwendig der Blick
in vergangenes Sommerglück zurück.

Kühl streift die Dämmerung
die Haut des Gesichts.
Die kurzen Tage nähern sich.
Dem weit entfernten Wanderer,
der einsam seinen Hunger auf Abenteuer stillt,
der vergebliche Gedanke gilt.


Pan Matti Dora, das ist Sabine Rahe, Autorin aus Berlin. 

Autorinnenportrait,  Website Die Dorettes

Sprecher: Dingefinder Jörg Krüger, Musik ebenso, Querflöte, gespielt in der Klosterkirche Fredelsloh.

Es wurden im Video Bilder verwendet von Vincent van Gogh, Henry Farrer, Peter Carlsen, Bruce Robert Crane, William Arnold Jr. Eyden, Thomas Fernley, Jervis Mc Entee


Dienstag, 8. Oktober 2024

Ab heute - Eine neue Ausstellung im Café Klett, Bilder von Leena Krüger

 


Leena Krüger „Anhören und Täler“ Malerei auf Papier und Leinwand ab heute bis zum 17.11.2024 täglich in der Kunsttöpferei Galerie und Café Klett, Fredelsloh.

Die vielschichtigen, zarten, fast dreidimensional anmuten Landschaften der Göttinger Künstlerin können täglich 13 bis 18 Uhr erkundet werden.
Am Sonntag, den 13. Oktober um 12:00 Uhr findet eine Vernissage statt, zum gemeinschaftlichen Erleben der Landschaften im Gespräch mit der Künstlerin.

Leena Krüger ist geboren und aufgewachsen in Jyväskylä / Finnland, sie lebt und arbeitet als bildende Künstlerin in Göttingen.


Sonntag, 29. September 2024

Sven Panne am 5.10.2024 um 19 Uhr im Café der Kunsttöpferei Klett, Fredelsloh

 


Sven Panne spielt Rock-Chansons am Piano am 5.10.2024 um 19 Uhr im Café der Kunsttöpferei Klett, Fredelsloh!

Seine Stimme, die so klingt, als wäre sie ihre eigene Zerreißprobe zwischen Jubelschrei, verzweifelter Traurigkeit und aufmüpfiger Verschmitztheit, ist charismatisch rau und dabei doch sehr gefühlvoll. In seiner Art zu texten kristallisieren sich tendenziell Leitmotive wie Verlust und Sehnsucht, aber auch Unbeschwertheit heraus. Panne vermag es, Texte zu schreiben, die in ihrer Bildlichkeit und Knappheit stets ein paar Fragen offen lassen, sich nicht immer so richtig reimen und in Kombination mit der manchmal fast poppig-melodischen Klavierbegleitung unheimlich berührende Songs ergeben.

Neben seinen eigenen Liedern spielt  Panne seit 2022 ein Programm, das sich dem Leben und Schaffen von Rio Reiser verschrieben hat und veröffentlicht im selben Jahr auf dem Label WaldinselRekords eine Vinyl/CD mit dem Titel „Sven Panne singt Rio Reiser“.  

Sein neuestes Programm beschäftigt sich  mit Tom Waits, dessen Lieder der Künstler Marc von Henning ins deutsche übersetzt hat.

Am diesem Abend wird Sven Panne eine bunte, oft auch überraschende Mischung aus allen drei Programmen spielen, Lieder gegen Hass, Diskriminierung und für die Liebe.

Das Konzert findet im Rahmen der Interkulturellen Wochen im Landkreis Northeim zur Finnisage der Bilderausstellung von Martin Veit statt.

Der Eintritt ist frei / Spenden sind erwünscht Platzreservierungen unter Tel: 05555-416 oder per mail: info@kunsttoepferei.de

Montag, 16. September 2024

Ein sehr persönlicher Nachruf - Barbara Naziri ist gestorben

 



Ein sehr persönlicher Nachruf - Vor Kurzem ist die Dichterin und Menschenrechtsaktivistin Barbara Naziri, die sich als Lyrikerin auch Aramesh nannte, verstorben. Wenn ich lese, dass dieser oder jene Dichter, Dichterin, Musiker, Musikerin verstarb, dann fühle ich eine gewisse Trauer, und gedenke indem ich die Werke nachvollziehe, und auch, auf welchen Stationen in meinem Lebensweg sie mich begleiteten.

In diesem Fall ist es nun anders, und ich trage den ganzen Morgen Tränen in den Augen. Barbara war nicht nur eine begnadete Dichterin, sondern auch eine sehr geliebte Freundin. Als persische Jüdin, nach schmachvollen Erlebnissen in iranischen Gefängnissen, von denen sie immer wieder einmal erzählte, nach Deutschland emigriert und in Hamburg ansässig geworden, so sehr, dass sie sich als Hamburgerin mit persischen Wurzeln fühlte, engagierte sie sich vor allem für die Rechte der Iranischen Frauen. Hier war sie unerbittlich in ihrem Urteil und ihre tiefe Verachtung der frauenfeindlichen Islamisten ließ sie deutliche Worte finden.

Doch das alles, auch ihr Engagement für Amnesty International, ist für uns hier in Fredelsloh, die um sie trauern, nur ein Teil dessen, an das wir uns erinnern. Ich lernte Barbara etwa 2012 in Internetforen über Lyrik kennen, und schnell merkten wir, dass wir in verschiedener Hinsicht gemeinsam ticken, so dass ich sie zu einer Lesung nach Bremen einladen wollte. Dazu ist es nicht mehr gekommen, doch zu meiner Abschlusslesung mit Musik im März 2014, die ich im Lokal Quadrat in Bremen gab, um mich nach Fredelsloh zu verabschieden, reiste sie mit ihrem Mann extra aus Hamburg an. So lernten wir uns persönlich kennen.

Im Mai 2015 war es dann so weit, wir bestritten unsere erste gemeinsame Lesung, in Fredelsloh. Es wurde ein Baumgepflanzt, eine Esskastanie, zum Gedächtnis an das Kriegsende 1945, ein Friedensbaum. Sie hielt eine bewegende Rede anlässlich dieses Ereignissen, mit dem Tenor, alle Kriege zu ächten. Dieser Baum ist mittlerweile zu beachtlicher Größe herangewachsen, und heut morgen schaute ich ihn noch einmal mit ganz anderen Augen an. Irgendwie mein persönlicher Barbara-Naziri-Gedächtnisbaum.

Vor meinem inneren Auge ziehen Bilder vorbei, und auch Erinnerungen, die mich schmunzeln lassen. Seit 2015 war sie oft in Fredelsloh, und sozusagen ein fester Bestandteil von Texte und Töne in Fredelsloh. Und so gibt es viele Facetten ihrer Persönlichkeit, die wir hier erleben durften, insgesamt war sie fünf Mal hier.

Die eine Facette ist ihre „Schnodderschnut“, die ihr hamburgerisches Temperament zeigte, zum Beispiel, wenn sie mal eben ihren Liebsten, den sie wirklich sehr liebte und schätzte, „Du Wurstgesicht“ nannte. Judith und ich amüsierten uns noch Jahre später darüber. Sie hatte eine gesunde Art von Ironie und Humor, doch sie konnte auch anders, etwa wenn sie mich einmal wieder ins Gebet nahm, da meine Organisation von Veranstaltungen eine chaotische Komponente hatte.

Und auch feiern konnte sie, unvergessen für mich und uns, der Samstagabend nach der Texte und Töne Veranstaltung auf dem Glockenborn nahe Fredelsloh, 2018, als es nach offener Bühne in eine Art Bacchanal überging, wie sie da tanzen und trommeln konnte. Noch eine andere Erinnerung, bei einer gemeinsamen Lesung 2015 hier im Ort sagte ich während des Geschehens, dass sie einen Text singen solle. Ich begleitete sie zur Gitarre, und sie sang. Später sagte sie mir, dass es das erste Mal für sie gewesen sei, dass sie vor Publikum gesungen hätte.

Meine letzte Erinnerung an sie ist aus dem letzten Jahr, wo sie für eine Veranstaltung in der Klosterkirche Fredelsloh zu uns kam. Ich durfte sie auf ihrer Lesung musikalisch begleiten. Im Anschluss hatten wir noch zu viert, Barbara, Darioush, Judith und ich einen dermaßen heiteren Abend, gefüllt mit Anekdoten, Geschichtchen und spannenden Erlebnisberichten, der so lustig war, dass ich einmal fast mein Gebiss vor Lachen verlor. Was selbstverständlich für weitere Erheiterung sorgte.

Heute morgen habe ich für sie eine Kerze in der Klosterkirche entzündet. Ich und wir gedenken ihrer mit Wärme im Herzen. Hier noch ein Gedicht von ihr, das wir mit ihrem Einverständnis vertont haben. Auch da trifft mich wieder die Erinnerung, denn auf meine Bitte hin, dem Werk doch noch eine positive Wendung zu geben, änderte sie die letzten vier Zeilen. Wir werden es als Lied einspielen, versprochen.

Freiheit, goldener Vogel

Ach, ich hör Dein Weinen
hinter Eisengittern,
nichts kann uns mehr einen,
muss nun um Dich zittern.

Freiheit, goldener Vogel,
man nahm Dich gefangen,
stahl Dir Deine Lieder,
muss nun um Dich bangen.

Müde starr ich im Verzicht
auf gebundene Hände,
schon erlischt das letzte Licht,
nur noch nackte Wände.

Freiheit, goldener Vogel,
bist mir treu ergeben,
doch nun kämpfst Du selber
um das Überleben.

Dunkelheit in Ewigkeit,
wenn der letzte Vorhang fällt,
dann stirbt mit Dir,
Freiheit, unsere schöne Welt.

Freiheit, goldener Vogel,
hast gestutzte Schwingen,
Blut und Hass bedecken Dich,
kannst vom Licht nicht singen.

Freiheit, goldener Vogel,
hilf, das Blatt zu wenden,
um mein Lied der Freiheit
in die Welt zu senden.


Das Foto zeigt uns bei einer gemeinsamen Lesung in Fredelsloh im Mai 2015

Sonntag, 8. September 2024

24. 9. - 26. 9. 2024 Workshop Musikimprovisation mit Klaus der Geiger

 



Dienstag 23. 9. bis Donnerstag 26. 9 2024:
Workshop Musikimprovisation mit Klaus der Geiger
in der Alten Schule Fredelsloh


Es ist wieder einmal soweit: Wir haben einen Termin gefunden, an dem Klaus der Geiger wieder zu einem Workshop nach Fredelsloh kommt. Am Dienstag Vormittag wird er anreisen, so dass wir zwei Tage Zeit haben, uns dem freien Musizieren zu widmen. Für diejenigen, welche keine Instrumente mitbringen wollen oder können, wir haben hier in der Alten Schule einiges zur Verfügung, von Perkussioninstrumenten, Gitarren, Handharmonium, Flöten bis hin zu Gamben und einer Ventilposaune. Vorkenntnisse sind nicht vonnöten, die Bereitschaft einfach loszulegen ist jedoch hilfreich.

Verpflegen werden wir uns selbst, es ist eine gut ausgestattete Küche zur Verfügung, auch Übernachtungsplätze sind da. Kosten? Einjede und Einjeder gibt in das dicke fette Sparschwein, was es ihr oder ihm wert ist.

Da am Donnerstag immer in der Alten Schule unsere Gemeinschaftsküche ist, werden wir den Workshop mit einem guten Essen ausklingen lassen, und im Anschluss noch in der Bibliothek der Alten Schule präsentieren, was wir uns erarbeitet haben. So dass der Wahlspruch der Gemeinschaftsküche "Cibo, Vino, Musica, Incontri", in etwa "Essen, Wein, Musik, Tagungen" mit Gehalt erfüllt wird.

Im Video oben ist Musik zu hören, die wir auf einem Workshop mit Klaus 2020 spielten.

Donnerstag, 5. September 2024

Café Klett: Ausstellung mit Bildern von Martin Veit

 



Café Klett: Ausstellung mit Bildern von Martin Veit

Starke, farbintensive neue Bilder im Café der Kunsttöpferei Klett!

Noch bis zum 6. Oktober können die Bilder des Künstlers Martin Veit im Café der Kunsttöpferei Klett in Fredelsloh täglich von 13-18 Uhr betrachtet werden.

Die Bilder des in Leipzig geborenen Malers verkörpern eine dynamische und kraftvolle Form der abstrakten Kunst. Die Werke zeichnen sich durch den intensiven Einsatz von Farbe und Textur aus, wobei kräftige Pinselstriche und tropfende Elemente eine energetische und lebendige Atmosphäre schaffen. Die Bilder scheinen verschiedene Emotionen und Stimmungen auszudrücken, während sie gleichzeitig eine gewisse Unberechenbarkeit und Spontanität vermitteln. Die kräftigen Kontraste zwischen den Farben und die ausdrucksstarken Formen lassen Raum für Interpretation und laden den Betrachter ein, sich in die Tiefe der Kompositionen hineinzuversetzen.

Veits Kunst fängt die Essenz des Abstrakten ein und präsentiert eine visuelle Reise, die sowohl faszinierend als auch herausfordernd ist. Das obige Bild trägt den Titel "Fuchs"

Wir freuen uns sehr, zur Finissage der Ausstellung am 5. Oktober um 19 Uhr ein Konzert des Pianisten Sven Panne mit Rock-Chansons am Klavier ankündigen zu können! Sven Panne wird im Rahmen der Aktionswochen der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Northeim Lieder gegen Hass, Diskriminierung und für die Liebe singen. Selbstverständlich wird auch Martin Veit anwesend sein.

Samstag, 24. August 2024

Heute ist der 2. Fredelsloher Klostertag

 


Heute ist der 2. Fredelsloher Klostertag, und auch ich leiste wieder einen Beitrag, um 14:30 Uhr in der Klosterkirche: "Fredelsloher Sagen neu erzählt", wo ich unter anderem diese kleine Geschichte vortragen möchte:

Es ist nun schon einige Zeit her, dass ich neu hier im Dorfe bin, also, so ganz neu, denn „noch neu“, also Zugereister, ist man hier auch nach vierzig Jahren Ansässigkeit. Einmal in der ersten Zeit meines Hierseins, begab es sich, dass ich bei meinen Erkundungswanderungen in der schönen Landschaft rund um meiner neuen Wahlheimat den steilen Weg die Weper hinaufstieg. Es war schon Sommers Mitte, die Hundstage hatten begonnen, und flirrende Hitze stand über den kargen Wiesen auf dem Muschelkalk des Hügels. Etwas schimpfte ich über mich selbst, an so einem heißen Tage ausgerechnet um die Mittagsstunde mich auf diesen Weg zu machen.

Oben auf dem Kamm der Weper angekommen, wanderte ich einen schmalen Fußpfad Richtung Nienhagen weiter. Hier hatte ich einen weiten Ausblick auf die Landschaft ringsum und das Dorf unter mir, oben kreiste ein Milan, und die Sommersonne ließ den Zitronenthymian, der ringsum in flachen Hügeln wuchs, duften. Etwas weiter weideten Schafe und Ziegen. Idylle. . .

Als ich zu einer aus rohem Holze gezimmerten Sitzbank kam, saß darauf ein Wanderer, ein älterer Herr, der mich freundlich grüßte. Er saß entspannt, doch etwas steif da, mit grauem gepflegten Bart, der sein Gesicht einrahmte, und trotz der Hitze einen grauen Hut auf dem Kopfe, an dem er eine Hahnenfeder befestigt hatte, die bei jeder Bewegung seines Kopfes lustig winkte. Nicht nur sein Hut war grau, auch seine Jacke und seine Hose, beide aus einem schweren lodenähnlichem Stoffe geschneidert, die wie der Hut so gar nicht zu den sommerlichen Temperaturen passten. Es schien wohl an dem Flirren in der heißen Luft zu liegen, dass es mir schien, als würde das grau seiner Kleidung und seines Hutes mal zu einem dunkleren anthrazitton changierten, mal zu einem dunklen Grün.

Linker Hand neben ihm auf der Bank befand sich ein kleiner Wanderrucksack nach Jägerart aus grauem Leinenstoff und Leder gefertigt, rechts neben ihm war an die Bank ein Wanderstab gelehnt, schmal und aus hellem Holze, der jedoch ähnlich den Knütteln der wandernden Handwerksburschen einige schlangenartige Windungen in der Mitte aufwies. Diesen Stab nahm er und stellte ihn vor seinen Rucksack, so dass auf der hölzernen Bank auch für mich Platz wurde, und lud mich mit einer Handbewegung ein, mich zu setzen. Ich dankte und nahm das Angebot an. So aus dieser Nähe neben ihm konnte ich auch seine Augen erkennen, die vorher vom Schatten der Hutkrempe bedeckt waren. Es waren tiefdunkle Augen wie Bergseen, und ich könnte auch heute noch nicht sagen, von welcher Farbe. Mal schienen sie so grau wie seine Kleidung, dann wieder mitternachtsblau und unergründlich, dann konnten sie, besonders wenn er lächelte, in einem strahlenden Blau aufblitzen, in dem sich gar das Türkis des Meeres erahnen ließ.

Nachdem ich mich neben ihn gesetzt hatte, holte er eine Feldflasche aus dem Rucksack und zwei kleine tönerne Trinkkrüge, die er zwischen uns auf die Bank stellte und mit einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit aus der Feldflasche füllte und sagte: „Trinken sie, junger Mann, bei dieser Hitze wird es sie erfrischen.“ Seltsamerweise nannte er mich „junger Mann“, wo doch auch mein Haar schon das Grau des Endfünfzigers angenommen hatte. Wie dem auch sei, schon nach dem ersten Schluck aus dem mir angebotenen Trinkkrug fühlte ich mich erfrischt und erheitert.

Eine Weile saßen wir schweigend neben einander, und schauten von unserer Warte hinunter auf das Dorf Fredelsloh, das mit seiner mächtigen Kirche und deren zwei Türmen friedlich im Tale lag. „Fridessele“, sagte er nach einer Zeit, das Gesicht mir zugewandt, „Friedenseele, kennen sie das Dorf?“ Ich erklärte ihm, dass ich noch neu hier wäre, doch begierig wäre, mehr von meiner Wahlheimat zu erfahren, denn schließlich könne man nur dort heimisch sein, wo man auch etwas über die Geschichte weiß. Er nickte:

„Warum das hier ein Friedensort ist, wissen nur noch wenige, und nicht alle Geschichten, die sich um diesen Ort ranken, entsprechen diesem Namen. Sehen sie die Kirche?“

Ich bejahte. „Es gibt da eine Geschichte aus dem früheren Klosterleben, die ich ihnen, junger Mann, gerne erzählen möchte“. Ich nickte und lauschte, und so begann er:

„Sie stammt aus der Zeit, als das Kloster und die Kirche noch von den Nonnen unterhalten wurde, das ist schon einige hundert Jahre her. Schon immer wurde das Tal, in dem das Kloster mit seiner Kirche gebaut war, von Unwettern heimgesucht, das ergab sich aus seiner Lage zwischen dem Hainberge, der Ahlsburg und dem Höhenzug der Weper, auf dem wir uns jetzt befinden.

Doch damals war das nicht nur ein Gewitter, dass sich über dem Friedensort entlud, sondern, so heißt es in der alten Geschichte: `Einst entlud sich über dem Kloster Fredelsoh ein furchtbares Unwetter. Schon zwei Tage zuckten unaufhörlich die Blitze, rollte furchtbar der Donner und gossen wolkenbruchartige Regen hernieder`“

Während der alte Herr erzählte, sah ich, wie unten im Tale sich der Himmel um die Türme der Klosterkirche verdunkelte, als würde eine schwarzblaue Wolke herabsinken. „Und obgleich die frommen Klosterjungfrauen heiße Gebete gen Himmel sandten, so zeigte sich noch immer keine Hoffnung auf das Weichen des Unwetters, und den Frauen schien es, als sei die Hölle auf sie herab gekommen. Am Morgen des zweiten Tages trat eine der Nonnen, es war die jüngste von allen, vor die Äbtissin und sagte:

`Mir träumte in der tiefen Nacht,
ich sei zum Opfer dargebracht,
mich in des Himmels Licht zu stellen,
um mich herum des Tages Nacht erhellen,
und werd´ durch diese tiefe Treue
entführt in des hohen Himmels Bläue`

Und die Nonne bat, hinaus aus den Mauern des Klosters geführt zu werden. Doch die Äbtissin wollte davon nichts wissen. Als dann die zweite Nacht anbrach, trat die Nonne wieder hervor:

`Mir träumte in der tiefen Nacht,
ich sei zum Opfer dargebracht,
mich in des Himmels Licht zu stellen,
um mich herum des Tages Nacht erhellen,
und werd´ durch diese tiefe Treue
entführt in des hohen Himmels Bläue`

Und so harrten die frommen Frauen in den klammkalten Klostermauern eine weitere Nacht aus, singend, murmelnd, betend. Um das verdüsterte Kloster pfiffen und kreischten die Winde, rauschten die Regenfälle, zuckten die Blitze. Als auch diese Nacht mehr schlecht als recht überstanden war, trat am im Morgengrauen die Nonne abermals vor die Äbtissin:

`Mir träumte in der tiefen Nacht,
ich sei zum Opfer dargebracht,
mich in des Himmels Licht zu stellen,
um mich herum des Tages Nacht erhellen,
und werd´ durch diese tiefe Treue
entführt in des hohen Himmels Bläue`

Als die Äbtissin wieder davon absah, dem Gesuch der Jungfrau nachzukommen, und die Klostertüren verschlossen hielt, da gelobte die junge Nonne bei der Jungfrau Maria selbst, sich hier und jetzt im Kloster zu entleiben. Da endlich erteilte die Äbtissin der jüngsten Schwester ihre Genehmigung zu dem Vorhaben, aber sie tat es nur mit schwerem Herzen, denn sie hielt sie besonders lieb und wert. Feierlich ward die Arme jetzt am Altar dem Himmel geweiht. Nachdem dies geschehen, führten zwei der Schwestern sie hinaus in den Klostergarten. Noch waren sie nicht weit gegangen, als auch schon ein Blitzstrahl hernieder fuhr und die Auserkorene augenblicklich tötete, während die anderen beiden unversehrt blieben. Noch ehe diese heimgekehrt waren, hatten sich auch schon die Wolken geteilt und verzogen, nach dem grausen Unwetter zeigte sich jetzt das reine, blaue, im Sonnenstrahl herrlich schimmernde Himmelszelt.“



Sonntag, 28. Juli 2024

Sonntag 28. 7. 24 um 18:00 Uhr in der Klosterkirche Fredelsloh: Liquid Soul - Musik aus Luft & Wasser

 



Sonntag 28. 7. 24 in der Klosterkirche Fredelsoh: Liquid Soul  -  Musik aus Luft & Wasser

Liquid Soul - Musik aus Luft & Wasser Gert Anklam Saxophone, Aquarion, Wasserstichorgel Beate Gatscha Wasserstichorgel, Hang, Gong, Aquarion, Gesang

Wasser – diesem alltäg lichen Symbol des Le bens verdanken die Künstler von ihre musikalischen Inspirationen, die sie in ihren Kompositionen zum Ausdruck bringen. Im Mittelpunkt steht die Wasserstichorgel – ein instrumentales Novum, kombiniert mit Saxophon und anderen Instrumenten.

Der Eintritt ist frei, eine Spende wäre nett


Sonntag, 14. Juli 2024

Ausstellung im Café Klett vom 8. 7. - 25. 8. 24: "Frieden - Freiheit - Liebe"

 


Ausstellung im Café Klett: "Frieden - Freiheit - Liebe"

Im Cafè der Kunsttöpferei Klett in Fredelsloh ist vom 8. 7. 24 bis zum 25.8.24 (täglich von 13-18 Uhr) eine neue Ausstellung zu sehen.

Die in Südniedersachsen geborene Künstlerin Annette Ottens, jetzt in Holzminden lebend, reflektiert in ihren Collagen unsere Gegenwart. Dabei versteht sie sich selbst als wachsame Chronistin und setzt Vergangenheit und Gegenwart mittels der darstellenden Kunst in Beziehung zueinander.
Ihr anspruchsvoller Blick auf die Realität ist dabei oft liebevoll, gleichzeitig aber auch wütend oder kritisch, oft voller Humor.

Die Vernissage der Ausstellung "Frieden - Freiheit - Liebe" von Annette Ottens findet am Sonntag, 14. Juli 2024, um 17 Uhr statt. Jean Goldenbaum aus Holzminden, begleitet die Vernissage, spielt Gitarre und singt dazu; ein Lied auf Hebräisch, eins auf Jiddisch und eins auf Spanisch.

In der Gemeinschaftsausstellung "Chiaroscuro" 2024 in der Klosterkirche Fredelsloh war Annette Ottens mit 3 Arbeiten vertreten. Das Bild oben hat den Titel "Tanz der Frauen" und ist von 2023.



Sonntag, 7. Juli 2024

Pilzhüte - Mandalas

 



Pilzhüte - Mandalas

Bilder von Pilzen, im Solling bei Fredelsloh gefunden. Unter anderem Riesenschirmling, Sternschuppiger Schirmling, Hallimasch, Täublinge, Fliegenpilz, Ziegenlippe, Strubbelkopfröhrling, Schwefelporling, Bovist(e), Fichtenbraunporling.


Musik von Kaputter Hamster - Behind the Universe (Ausschnitt) (1974)


Freitag, 28. Juni 2024

Original und "Fälschung"

 


Am 16. Juni war unser Kinderaktionstag in der Alten Schule Fredelsloh. Unter anderem boten wir "Pizzagemälde" an. Da von 14: 00 bis 15:30 Uhr zeitgleich eine Vernissage mit Bildern der 2017 verstorbenen Fredelsloher Künstlerin Andrea Rausch in den oberen Räumen der Alten Schule stattfand, ließen wir es uns nicht nehmen, ein Ölbild der Künstlerin in ein Pizzagemälde umzusetzen. Dafür, dass wir nur Farben aus verschiedenen Gemüsen verwendeten, Blumenkohl (mit Gelbwurz), Spinat, Kartoffeln der Sorte "Blauer Schwede", Spinat, Möhren, Süßkartoffeln und Tomaten, sind wir mit unserer essbaren Kunst dem doch sehr nahe gekommen, finde ich. Besonderer Dank gilt hier dem künstlerischen Team von Luna, Ines und Ella, die auch das Kinderschminken übernahmen.

Judith übernahm das Gestalten und Binden von kleinen Büchern, auch dieses kreative Programm wurde gut angenommen.

Unsere Farbpalette 




Dienstag, 4. Juni 2024

Kinderaktion(en) in Fredelsloh am 16. 6. 2024

 


Kinderaktion(en) in Fredelsloh am 16. 6. 2024

(Letzte Station vor den Sommerferien) Für Kinder im Grundschulalter (jüngere Geschwister sind willkommen)

Das findet statt:


Gottesdienst in der Klosterkirche 9:30 Uhr

Alte Schule Fredelsloh, Am Kapellenbrunnen 4: Bunte Gemüsepizzas, Buchbinden, Kinderschminken, ab 11:00 Uhr bis 17:30 Uhr

Naturwerkstätten Fredelsloh, Schafanger 6: Holzarbeiten für Kinder, ab 11:00 Uhr bis 17:30 Uhr

Musikzug Fredelsloh: Einweisung in Instrumente für Kids, ab 14:00 Uhr, bis 15:30 Uhr (Fällt leider aus)

Für die Erwachsenen: Konzert mit dem Liederschreiber Fährmann im Kaffeelino, Sollingstraße 15:30 Uhr. Für die Zeit des Konzertes kümmern wir uns in der Alten Schule gerne um die Kinder.

Die Teilnahme ist frei, Spenden sind willkommen. 

Veranstalter: Bildungswerk Leben und Umwelt e. V. Alte Schule Fredelsloh, with a little help - Besonderen Dank an Heinz für die großzügige Spende.

Bunte Gemüsepizzas? Die gehen so: https://dingefinder.blogspot.com/2023/03/pizzakunst-bunte-gemusepizzas.html

Mittwoch, 27. März 2024

Kräuterspaziergang in und um Fredelsloh 13. April / 4. Mai 2024

 


Kräuterspaziergang in und um Fredelsloh


Samstag, 13. April und am Samstag dem 4. Mai

bieten wir wieder Kräuterspaziergänge in und um Fredelsloh an. Start ist jeweils um 10:00 Uhr bei der Alten Schule Fredelsloh, Am Kapellenbrunnen 4. Es werden Frühjahrskräuter gezeigt, dazu gibt es Tipps für die Anwendung in Küche und häuslicher Heilkunde. Im Anschluss bereiten wir zusammen ein Kräuterbuffet, und so endet der Vormittag an einer grünen Tafel. Referent: Jörg Krüger, Fredelsloh

Die Teilnahme ist frei, doch eine Spende wäre nett, und auch ein Kostenbeitrag zum Buffet. Kinder sind willkommen, der Rundgang wird etwa zwei Stunden dauern. Um wetterfeste Kleidung wird gebeten, und auch eine Anmeldung wäre nett, wenn auch nicht zwingend erforderlich. Diese kann geschehen unter der Telefonnummer 05555 / 522 (AB Alte Schule) oder per mail: dingefinder@gmx.de



Donnerstag, 14. März 2024

Holunderbären und Veilchenblau

 



Warum eigentlich Bären? „Der Gummibär wurde 1922 von dem Bonner Unternehmer Hans Riegel erfunden. Sein Unternehmen Haribo brachte den sogenannten „Tanzbären“, das erste Mal auf den Markt. Die ursprünglichen „Tanzbären“ waren nicht nur größer als die heutigen Gummibärchen, sondern auch weicher, da zu ihrer Herstellung statt Gelatine noch Gummi arabicum verwendet wurde.“, weiß wiki

Der kleine Mann, der mich „Opa“ nennt, und ich wollten auch Bären herstellen, Gummibären, doch ohne Gelatine (und ohne Gummi arabicum). Also suchten wir nach Rezepten und probierten einiges aus. Für vegane Gummibärchen wird Agar Agar verwendet, und als Grundrezept lässt sich in etwa sagen: Drei Gramm (das ist ein gehäufter Teelöffel voll) auf 100 ml Flüssigkeit.

Als erstes verwendeten wir eine Mischung jeweils zur Hälfte aus rotem Traubensaft und Holunderbeersaft (den wir letztes Jahr im Herbst im Dampfentsafter selbst hergestellt hatten), dem wurden noch frischgepresster Zitronensaft (auf 200 ml vier Esslöffel) und zwei Esslöffel Zucker hinzugefügt. Und die entsprechende Menge Agar Agar. Das Ganze wurde vier Minuten lang geköchelt und dann auf Körpertemperatur abgekühlt.

Als Formen hatten wir Stempel, die in Speisestärke gedrückt werden mussten, und in die so entstandene Form konnte der abgekühlte angedickte Saft gegossen werden. Nach etwa drei Stunden im Kühlschrank konnten die „Gummibären“ dann entnommen werden.

Mit Agar Agar haben sie nicht die Gummikonsistenz wie mit Gelatine, so viel vorweg. Doch sind sie fest geworden und lecker. Etwas gestört hat uns, dass die anhaftende Stärke auch mit einem Pinsel nicht ganz entfernt werden konnte, und so immer etwas Puder haften blieb. Auch waren uns die gewählten Formen zu groß.

Ein Tipp war dann hilfreich: Irgendwo hatte ich gelesen, dass bei höherem Säuregehalt auch die Menge an Agar Agar erhöht werden sollte. Also unternahmen wir einen zweiten Anlauf, zumal die duftenden Märzveilchen gerade blühen, und wir Veilchenbären herstellen wollten.

Zunächst besorgte ich mir Silikonformen mit kleinen Bären (und Schlangen), etwa zwei Zentimeter groß. Diese müssen nur leicht mit Speiseöl bepinselt werden und können dann befüllt werden. So sammelten wir eine ordentliche Menge Veilchenblüten an einem sonnigen Vormittag, auf Nachbars Wiese am Haus wachsen die reichlich, und dieses Jahr ist außerdem ein besonders reichhaltiges Veilchenjahr.

Die Blüten wurden lagenweise in einer Porzellanschüssel eingezuckert und mindestens einen Tag stehen gelassen. Diese eingezuckerten Veilchenblüten wurden schließlich aufgekocht, mitsamt dem Zucker. Wir nahmen in etwa so viel Wasser, dass sie knapp bedeckt waren. (Bei unserer Menge war das ein halber Liter). Erst einmal sah das Ergebnis scheußlich aus, eher bräunlich denn farbig. Doch als wir 100 ml Zitronensaft (frisch gepresst) dazu gaben, wurde das wirklich bunt.

Es gibt eine Rosensorte, eine Ramblerrose, mit dem Sortennamen Veilchenblau. Ich hatte mich immer gefragt, wie sie zu diesem Namen gekommen war, denn „Blau“ war da wirklich nichts, eher ein sattes Rosa mit lilarosa Schlieren, im Verblühen zu einer hellen Veilchenfarbe tendierend. Genau diese Farbe fand sich jetzt in unserem Sirup wieder.

Aufgekocht hatte ich das Ganze etwa fünf Minuten, und da der Zuckergehalt verhältnismäßig hoch war, hatte es schon eine Sirupkonsistenz, also zähflüssiger als der beim ersten Versuch verwendete Saft. Dazu kam dann die entsprechende Menge Agar Agar, ich nahm hier etwas mehr, so fünf Gramm auf 150 ml.

Nach dem Abkühlen auf Körpertemperatur wurde das in die gefetteten Formen gefüllt, und schon nach einer Stunde im Kühlschrank konnten wir sie herauslösen. Das Ergebnis: Veilchenbären, etwas weicher als die gekauften Gummibärchen, lecker süßsauer mit Blütenaroma, und von einer hübschen Farbe. Davon werden wir mehr herstellen, ganz sicher, zumal wir noch Veilchenblütensirup haben. Doch wollen wir auch noch Waldmeister (der kommt demnächst) und Ingwer-Zitrone probieren. Nächstens mehr.

Donnerstag, 7. März 2024

9. / 10. März 2024 - Tag der offenen Töpferei, auch in Fredelsloh

 



Der Geschichts- und Heimatverein Töpferdorf Fredelsloh e.V. lädt ein in die Geschichte der Keramik

Der Tag der offenen Töpferei findet einmal jährlich am zweiten Märzwochenende statt. An diesem Tag können Besucher in den Werkstätten vor Ort das Töpferhandwerk kennenlernen. Daran beteiligt sind bundesweit knapp 500 hauptberufliche Keramiker, die alle Bereiche der Keramik vertreten. In Fredelsloh ist dies die Kunsttöpferei Klett (Sa. & So. 13-18 Uhr), die zum Mitmachen in der Werkstatt einlädt. Der Tag der offenen Töpferei wird ehrenamtlich organisiert und hat ein gemeinsames Logo und eine gemeinsame Internetseite 

Tag der offenen Töpferei

Wie jedes Jahr beginnt auch im KERAMIK.UM die Saison an diesem Wochenende. Am Samstag und Sonntag von 13 bis 17 Uhr können Gäste in die fast 1000jährige Geschichte des Töpferdorfes eintauchen sowie die Bedeutung des Tons als vielfältig einsetzbaren Werkstoff kennenlernen. Neben den Ausstellungsstücken kann auch über eine App digital das Töpferhandwerk und die Geschichte kennen gelernt werden. Neue und bekannte Gäste sind herzlich willkommen.

Das KERAMIK.UM öffnet bis Dezember an den Sonntagen von 13 bis 17 Uhr seine Pforten. Für Besichtigungen und Führungen, auch wochentags, bitten wir um vorherige telefonische Anmeldung.

Auch die Klosterkirche in Fredelsloh wird ab diesem Wochenende wieder verlässlich (tägl. 11-17 Uhr) zur Besichtigung und Besinnung geöffnet sein.

Bei weiteren Fragen, bitte melden: Kunsttöpferei Klett – 05555 416

Freitag, 1. März 2024

Aus Dingefinders Büchergarten: Praktisches Kochbuch

 



Am 1. März 1801 wurde Henriette Davidis in Wengern (Ruhr) geboren. Sie ist die berühmteste deutsche Kochbuchautorin, und wird auch „die Erfinderin des Kochbuches“ genannt. Ihr Buch „Praktisches Kochbuch“ mit dem Untertitel „Zuverlässige und selbstgeprüfte Recepte der gewöhnlichen und feineren Küche. Practische Anweisung zur Bereitung von verschiedenartigen Speisen, kalten und warmen Getränken, Gelees, Gefrornem, Backwerken, sowie zum Einmachen und Trocknen von Früchten, mit besonderer Berücksichtigung der Anfängerinnen und angehenden Hausfrauen“ wurde von 1845 bis 1963 in 76 Auflagen herausgebracht. Ich selber habe eine Ausgabe von 1904 (die auf dem Foto). Dieser Ausgabe sind dem Untertitel folgende Sätze beigefügt: „Nebst einem Anhange »Die Kunst gut und billig zu essen« 130 Speisezettel für billigen und kräftigen Mittagstisch, mit Anleitung zur leichten Berechnung der Herstellungskosten!"

Das Kochbuch enthält eine umfangreiche Rezeptsammlung, die Henriette Davidis nicht nur zusammengestellt, sondern, wie sie im Vorwort betont, auch selbst erprobt und modifiziert hatte. Das Buch entwickelte sich zum Standardwerk seiner Gattung, doch die Autorin hatte Anfangs nichts von dem Erfolg ihres Buches, da sie von ihren Verlegern regelrecht über den (Ess-) Tisch gezogen und mit geringen Honoraren abgespeist wurde. Erst im Laufe der Jahre entwickelte sie einen Geschäftssinn, und verhandelte für weitere von ihr erschienene Bücher bessere Konditionen.

Nicht alle Rezepte in diesem Buch sind heute noch brauchbar, wir kochen heute anders. Doch manchmal greife ich gerne danach, besonders, wenn es darum geht, wieder einmal „wie bei Muttern“ (beziehungsweise Großmuttern) zu kochen. Auch schätze ich es als ein Zeitdokument. Henriette Davidis starb 3. April 1876 in Dortmund. 

Hier ein Rezept daraus für Stockfisch, portugiesisch Bacalhau, den ich schätzen gelernt hatte, als ich in Nordwestspanien lebte, in Sichtweite zur portugiesischen Grenze:

Stockfisch gesotten

"Der Stockfisch heißt im frischen Zustande Kabeljau, gesalzen und auf den Klippen getrocknet Klippfisch, nur gesalzen Laberdan. Wird der Kabeljau ungesalzen getrocknet, so ist es Stockfisch. Langfisch ist dem Rundfisch Vorzuziehen und solcher der beste, der ans Tageslicht gehalten, einen rötlichen Schimmer erhält.

Vielfach bekommt man in Delikatessgeschäften größerer Städte den Stockfisch fertig aufgeweicht zum Kochen; eine sparsame Hausfrau wird ihn aber gern getrocknet kaufen und selbst vorbereiten.

Um den Stockfisch weich und ansehnlich zur Tafel zu bringen, richte man sich nach folgender Vorschrift: Man legt ihn ½ Stunde in Wasser, damit er ein wenig aufweicht, klopft ihn mit einem hölzernen Hammer, anfangs nicht zu stark, nach und nach derber und zwar so lange, bis er locker geworden ist, jedoch darf er nicht zerfetzt werden. Danach legt man ihn in weiches Wasser, womit er nur gerade bedeckt sein darf, damit die Pottasche, welche auf den Fisch gestreut wird, besser einwirken kann. Zu ½ kg trockenem Stockfisch nimmt man 100 g nicht gereinigte Pottasche. Diese Menge Fisch ist eine Portion für 7-8 Personen. So läßt man ihn volle 48 Stunden liegen. Hierauf schuppt man den Fisch, schneidet die Flossen ab und zerlegt das Fleisch nach Größe des Kochtopfes in 3-4 Stücke, legt sie aufeinander, schlägt sie in ein Tuch ein und bringt sie so in einem Topf, auf dessen Boden man einen Teller gelegt hat, mit kaltem weichen Wasser aufs Feuer. Durch das Einlegen in das Tuch bleiben die Stücke ansehnlicher und durch das Unterlegen des Tellers wird das Ansetzen des Tuches verhindert. So läßt man den Stockfisch ganz langsam heiß werden und dann ziehen, aber nicht kochen, worauf man im ganzen 3 Stunden rechnen muß. Beim Anrichten nimmt man die Stücke aus dem Tuch, legt sie auf eine heiß gemachte Schüssel und streut fein geriebenes Salz darüber. Der Fisch muss mit den Kartoffeln sehr heiß angerichtet werden.

Zur Sauce ist den meisten geschmolzene Butter und guter Senf am angenehmsten, indes sind auch billigere Saucen nicht zu verwerfen. Es eignen sich zum Stockfisch sehr gut Travemünder Sauce oder folgende Sauce: Man bringt 1/3 Wasser, 1/3 Milch und 1/3 Fischbrühe zusammen zum Kochen, schmeckt die Sauce mit Salz ab und kocht sie mit Kartoffelmehl bündig, worauf man frische Butter und Senf dazwischen rührt. – Was Vom Stockfisch übrig bleibt, kann in der Stockfischbrühe, die man langsam heiß werden lässt, gewärmt werden."

Was mir noch fehlt in meinem Büchergarten ist ihr Ergänzungsband zu dem Kochbuch:

Der Gemüsegarten

Dieses Buch erschien 1850 als Band I eines geplanten vollständigen Haushaltungsbuches mit dem Untertitel „Praktische Anweisung einen Gemüse-Garten mit Berücksichtigung der Schönheit und des reichlichsten Ertrages zu besorgen; sowie das Nöthige über Lage, Boden, Umzäunnung, Einrichtung, Dünger, Garten-Geräthschaften, Kultur der Pflanzen und fruchtbringenden Sträucher, Samenziehung, Dauer der Keimkraft, die erforderliche Quantität der Sämereien und wie mit den Gemüsen am Zweckmäßigsten abzuwechseln ist“, der das inhaltliche Programm des Buches bereits umfassend beschreibt. Ein Anhang befasste sich zudem mit Schädlingsvernichtung und dem Konservieren von Gemüse.

Ab der fünften Auflage 1863 erschien das Buch unter dem neuen Titel Der Küchen- und Blumengarten für Hausfrauen. Die Neuauflage war um drei Kapitel erweitert worden, die sich insbesondere dem Gemüseanbau zum Verkauf widmeten, eine weitere Auflage enthielt 1866 auch noch ein Kapitel über Heilkräuter und ihre Verwendung.

Mittwoch, 21. Februar 2024

Beim Nüsseknacken

 

Walnüsse (Foto Erd Ling Judith)

Beim Nüsseknacken

Unsere „Energiebällchen“ sind wieder einmal alle. Unsere so leckere selbstgemachte Süßigkeit. Und auch die Haselnüsse, die wir letztes Jahr gesammelt hatten, sind zur Neige gegangen. Doch gibt es noch Walnüsse, teilweise aus dem Jahr vor dem letzten Jahr. Doch gut gelagert, und daher noch knack- und essbar. Also machen uns wir beide, der kleine Mann, der mich „Opa“ nennt und ich, ans Werk.

Haselnüsse sind die süßeren, die „lieblicheren“ der beiden Nussarten, die hier in der Region zu sammeln sind. Und das seit alters her. Am Rande erwähnt: Bei der heiligen Hildegard von Bingen war die Hasel nicht in hohem Ansehen: „Der Haselbaum ist ein Sinnbild der Wollust, zu Heilzwecken taugt er kaum.“ Nüsse wurden nämlich mit Sexualität und Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht. (Wiki)

In der Mythologie der Römer war der Haselstrauch ein Symbol des Friedens, auch der Caduceus, der Merkurstab, soll ursprünglich aus Haselholz gewesen sein.

Haselnüsse sind hier heimisch, und das wohl schon seit langen Zeiten. „Hasel, Corylus avellana: Die letzte Eiszeit (diese ging vor etwa 11700 Jahren zu Ende) überdauerte sie in einem Rückzugsgebiet in Südwest-Europa, unter anderem im Norden Portugals. Zu Beginn der Frühen Wärmezeit (Borea, 8690 bis 7270 v. Chr) wanderte sie von dort nach Mitteleuropa ein. Sie verdrängte hier die Kiefer und die Birke. Ihre schnelle Wiederverbreitung wird von einigen Wissenschaftlern mit der Einwanderung des Menschen in Verbindung gebracht, für welche die Nüsse ein wichtiger Nahrungsbestandteil waren. Von 7000 bis 6000 v. Chr., während der Mittleren Steinzeit, war die Hasel das dominierende Gehölz in Mitteleuropa. Danach wurde sie in Mitteleuropa von Eichenmischwäldern zurückgedrängt.“ (Wiki)

. . . heute wissen wir, dass die frühen Ökonomien die Umwelt stärker beeinflusst und verändert haben, als gemeinhin angenommen wird. Die Menschen im mesolithischen Britannien holzten im Themsetal Wälder ab oder brannten sie nieder, um auf diese Weise das Wachstum von Haselnussträuchern zu fördern.

Gary Snyder, aus: Lektionen der Wildnis, Matthes & Seitz, Berlin 2011, S. 131

Walnüsse sind dagegen als „Welsche Nüsse“ wohl mit den Römern zu uns gekommen. Die Bäume sind hier im Norden seltener, da immer noch empfindlich gegen Spätfröste. Auch tragen sie nicht jedes Jahr, auf jeden Fall nicht so üppig. 2022 gab es sie in solchen Mengen, dass wir noch dieses Jahr ausreichend haben. So sind wir am Ende der Haselnussvorräte immer noch mit Walnüssen gesegnet. Dafür machten sie im letzten Jahr Pause.

Diese Nüsse knacken wir, in der Menge die wir gerade verbrauchen können (in der Schale sind sie besser haltbar). Die Nusskerne werden ohne Öl angeröstet in einer nicht beschichteten Pfanne. Dadurch bekommen sie mehr Aroma. Dann werden sie in der Küchenmaschine zu feinem Mehl gemahlen, mit Rosinen, Honig und Haferflocken verfeinert noch einmal in der Küchenmaschine gemust, und zum Schluss mit den Händen gerollt und in gemahlenen Haferflocken gewälzt, damit sie beim Lagern nicht aneinanderkleben.

Walnusskernmehl

Das ist unser Wanderproviant auf unseren Gängen in unserem Revier, wenn wir nach Kräutern, Pilzen, Nüssen und Beeren Ausschau halten. Dazu gibt es unseren „Tee der Landschaft und der Jahreszeiten“, mit etwas Honig gesüßt lauwarm in einer Thermoskanne gehalten. Mit dabei habe ich dann meinen Wanderstab, dreifach gewunden (eine Je-länge-je-lieber – Ranke hat dabei geholfen), und selbstverständlich aus - Haselholz.

Samstag, 17. Februar 2024

Aus Dingefinders Büchergarten: Der neugierige Gärtner

 



Die beiden Bücher „Nachrichten aus dem Garten - Praktisches, Nachdenkliches und Widersetzliches / aus einem Garten für alle Gärten“ (1987) und „Neue Nachrichten aus dem Garten“ (1987) des 2001 verstorbenen Autors Jürgen Dahl sind mittlerweile Gartenbuchklassiker. Wahre Augenöffner für den Blick auf den Garten. Beide waren lange Jahre in meinem Besitz, bis - ja bis ich sie verliehen hatte. . .

Geblieben ist in meinem Bestand der von der Manuscriptum Verlagsbuchhandlung 2002 herausgegebene Sammelband „Der neugierige Gärtner“, der die drei Bücher „Vom Geschmack der Lilienblüten. Neueste Nachrichten aus dem Garten“ (1995), „Der neugierige Gärtner“ (1998) und „Der Stinkgarten oder die Faszination des Gegenteils“ (2002) in sich vereint.

Ich habe dieses Buch heuer wieder hervorgekramt, um mich an den doch etwas trüben Februartagen auf die Gartenfreuden im Zaubergarten vorzubereiten. Sicher, einiges tat ich schon, doch eine Bänderdehnung am rechten Knöchel gebietet mir noch etwas Ruhe. Nicht einmal mit dem Hufe zu scharren vermag ich, und so reicht es gerade mal für ein paar Aussaaten am Küchentisch (eine bunte Basilikummischung war heute dran) und eben für das Lesen von Gartenbüchern.

Dieses, wie auch die anderen Bücher von Jürgen Dahl, habe ich schon oft in der Hand gehabt und darin gelesen, doch es lohnt, es alle Jahre wieder zur Hand zu nehmen. Obwohl so oft gelesen, entdecke ich immer wieder Neues darin. Je nachdem wo meine Aufmerksamkeit gerade haften bleibt. So bin ich zum Beispiel diesmal im Kapitel „Winter“ des Bandes „Der neugierige Gärtner“ hängengeblieben, in dem so viel Nachdenkenswertes über die Eiche steht. Dieses Jahr möchte ich das Verarbeiten von Eicheln vertiefen, mit dem ich vor einiger Zeit mit dem Backen von Eichelwaffeln begonnen hatte (link dazu weiter unten), außerdem möchte ich mich der Produktion von Eichengallustinte annehmen, um als Dichter einmal mit selbstgemachter Tinte handgeschriebene Gedichte auf handgeschöpften Papier (meiner Lebensgefährtin) weiterzugeben. Die Herstellung von Gallustinte ist in diesem Kapitel vom Autor gut beschrieben.

Doch Jürgen Dahl wäre nicht Jürgen Dahl, wenn er nicht auch immer zeitkritische Betrachtungen unter die Nachrichten aus den Gärten gemischt hätte. „Natürlich ist es niemand gewesen, und niemand hat es gewollt, niemand etwas gewusst. Aber der Satz ´Was für ein Ende soll die Ausbeutung der Erde in all ihren künftigen Jahrhunderten noch finden, bis wohin soll unsere Habgier noch vordringen?´ - dieser Satz stammt nicht von heute, sondern den schrieb der alte Plinius in Rom vor fast zweitausend Jahren im Anblick kahlgeschorener Berghänge. Er jedenfalls und manche nach und sogar vor ihm haben etwas gewusst, gespürt zumindest, und sie haben auch die Beweggründe beim Namen genannt. Angesichts dessen liegt eine feine weltgeschichtliche Ironie darin, dass wir unser Geld gelegentlich mit einem Eichenblatt dekorieren, ihm damit den Stempel der Dauerhaftigkeit aufdrücken wollen und doch zugleich symbolisch dasjenige miteinander verbinden, wonach wir gejagt haben - ohne das lange Gedächtnis der Natur in Rechnung zu stellen - , und dasjenigen, was wir damit um seine Fortdauer gebracht und einem langsamen Sterben überantwortet haben.

Diese ernste Mahnung versteckt zwischen Gallustinte und der Winterernte von Pastinaken und Topinambur, diese Mischung, zusammen mit der Sprachgewandtheit des Autors, das ist es, was seine Bücher ausmacht.

Das Buch „Der Stinkgarten“ in diesem Sammelband habe ich erst einmal überblättert, um mich gleich dem „Geschmack der Lilienblüten“ zuzuwenden. Lilienblüten selbst würde ich zwar nicht essen (wie es in China wohl Brauch ist), doch hab ich mir zwei Sorten wohlschmeckender Taglilien beschafft, bei einer sollen sogar die jungen Triebe schmackhaft sein. Dieses Jahr wird das ausprobiert.

Schmunzeln muss ich über Jürgen Dahls Schilderung über seine Anbauversuche mit der Knollen-Platterbse: „Das hartnäckigste aber, was ich je erlebt habe, war die Knollen-Platterbse (Lathyrus tuberosus), ein zartes, betörend duftendes Wesen aus Westasien, vor langen Zeiten eingeschleppt oder sogar als Kulturpflanze ins Land geholt, weil nämlich die unterirdischen Knollen, aus denen sie erwächst, essbar sind. . . . So etwas reizt natürlich die Neugier, und die ersten Triebe, die sich über die Nachbarpflanzen legten, haben wir noch freudig begrüßt, die Blüten bewundert und die bescheidene Ernte des ersten Jahres verkostet. Im nächsten Jahr hatte sich der kleine Bestand trotz der Ernte vervielfacht, und im dritten Jahr stand fest: Die . . . müssen raus, so bald als möglich, denn weithin war nichts anderes mehr zu sehen als Platterbsentriebe . . . Zwei Jahre hat es gedauert, bis alle . . . aus dem Boden geklaubt waren.

Schmunzeln musste ich darüber unter anderem, weil ich selber einmal Knollenplatterbsen ansiedeln wollte, immer auf der Suche nach neuen Leckereien aus dem Selbstversorgergarten. Also besorgte ich mir Saatgut, doch anscheinend sagte ihnen der sehr feuchte und anmoorgige Boden, auf dem ich damals wirtschaftete, nicht so zu. Heute lese ich, was mir da wohl erspart geblieben ist.

Und so lese ich denn weiter und versinke in zukünftige Gartenträume. Und kann dieses Buch nur uneingeschränkt weiterempfehlen. Noch ist ja Februar . . . (Und die beiden Bücher von Jürgen Dahl „Nachrichten aus dem Garten“ werden wieder besorgt, soviel steht fest.)

Ach ja, und hier der link zu den Eichelwaffeln: Wilde Küche - Pikante Eichelwaffeln