Montag, 12. Mai 2014

Im Zwischenreich


Es gibt diese Tage, wo der Himmel grau ist und ferne. Tag für Tag die tiefen hängenden Wolken, der "strichweise" Regen, der Garten so nass, dass es quatscht beim Gehen und die Gummistiefel wieder aus ihrer Ecke im Werkzeugschuppen hervor geholt wurden. 

"Wie innen so außen", oder, andersherum: "Wie außen so innen", so wie die Arbeiten im Garten auf das Nötigste beschränkt wurden, die meisten Arbeiten auf die erwarteten Tage nach der temporären Sintflut verlegt, so verhalten sich auch die inneren Prozesse. Entwicklungen verlaufen sich im Gewirr der Flüsse, ehmals für postiv gehaltene Entwicklungsstränge erwiesen sich als nicht durchfürbar. Dazu Erschwerungen im Handeln auf verschiedenen Ebenen, seelisch, geistig, monetär. Letzteres zeigt sich an der fast zwei Wochen währenden Information des Kontoauszugdruckers: "Keine neuen Auszüge vorhanden". Was nichts anderes heißt, als dass eine Institution, welche ihre Leistung längst erhalten hat, wieder einmal nachlässig ist. Anrufen, nachfassen. Ärgerlich, oder anders, empfunden als Respektlosigkeit vor dem Menschen, welcher in Vorleistung tritt. 

Sicher, das Geld wird kommen, ebenso, wie die Sonne und die wärmeren Tage kommen, und eigentlich wäre es müßig, zu klagen. Doch habe ich gerade keine Lust auf "postiv denken", auf aufgesetzte Glückseligkeit, auf Frustration und Melancholie weg lächeln. 

Dass solche Perioden im Zwischenreich ihren Sinn haben, unbestritten. Dass sie gelebt und angenommen werden wollen, ja. Doch wirklich schön sind sie nicht. 

Später, wenn der Durchgang durch das Zwischenreich beendet ist, zeigt sich, wie not-wendig dieses Innehalten, diese Melancholie, dieses Stocken im Handeln war. Und es zeigt sich, wie wichtig das Mitschwingen in der Zeitqualität war, das sich zurück ziehen, die Abschiede vom Gewohnten, ja, die ganze Ungeduld im Warten auf das wieder handeln dürfen. 

Zum "Das Leben annehmen" gehört für mein Empfinden das gesamte Leben, und nicht "Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heitren Stunden nur".  Eher: "Einjedes Ding hat seine Stunde, / einjede Stunde hat ihr eignes Ding". Die Botschaft dieser Tage ist mir: Noch einmal überdenken, was geschehen möchte, hinein horchen in das Innere der Welt, dort wo unter anderem Kalindi, die Nachtweberin ihre Heimstatt hat. Gärungszeit.

Noch ein Wort zu Abschluss: Dass das Leben auf Heiterkeit und Glück gegründet ist, wird von solcher Art Zeiten im Zwischenreich nicht beeinflusst. So, und nun gehe ich ein wenig spazieren, das kurze Aufhellen im Grau nutzend, und nachher zu einem Freund zum gemeinsamen Kochen und Essen. 

Auch das Zwischenreich hat Türen, hinter denen sich angenehme Räume verbergen. . .





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