"Ein gutes Leben leben" - das könnte mein Motto sein.
Ich berichte hier von meinem Leben als Dichter, Dingefinder und Gärtner im schönen Töpferdorf Fredelsloh von Garten, Topf und Magen und von der Kunst, den Alltag alltäglich zu genießen. Das geschieht auch immer mal wieder in Reimform.
Manchmal lasse ich auch andere life durch Lesungen und Kräuterwanderungen an meinen Erfahrungen teilhaben. Viel Spaß auf diesem Blog wünscht: Jörg Krüger
Fremd blicken mich Vergangenheiten an - Dichter August 1914
Es war die Zeit der Gärung, und es hatte letztlich in den Krieg gegärt, Heldenpathos war die neue Währung, Heldenpflicht der neue Wert.
Die Wenigen, die nicht verehrten, bekamen Kerker und Zensur und Wandervögel, die einst unbeschwerten, fielen aus den Himmeln auf blutige Flur.
Verse aus dem Schützengraben, aus den Abseiten der Literatur, und die, welche, ach so jung, dann starben blieben Fußnote nur.
So viele, die Erneuerung träumten, Prinz Vogelfrei war dann doch Kriegernatur, so viele, welche die Verweigerung versäumten hinterließen eine blutige Spur.
Und Wildgänse rauschten durch die Nacht, trotzdem alles so sinnlos war. Was hat denn das falsche Pathos gebracht? Und wer war letztendlich der Narr?
Das eigentlich war der Beginn der neuen Zeit: Senfgas und Massensterben. . . und noch immer sind so viele nicht bereit, noch immer sind wir die Erben.
Nachlese zum 1. Klostertag in Fredelsloh am 9. Juli dieses Jahres: Im Programmpunkt "Fredelsloher Sagen neu erzählt" haben wir die Gründungslegende Fredelslohs aufgenommen, vom Grafen (von Dassel), oder, in anderer Lesart, von einem Jägersmann, der sich im Wald von Solling verirrte, und dem, als er vor Erschöpfung und Durst einschlief, im Traume eine Frau erschien. Als er erwachte, fand er sich an einer Quelle wieder, die heute am Kapellenbrunnen immer noch plätschert. Als Dank für seine Errettung ließ er eine Marienkapelle errichten. Das war der Beginn von Fredelsloh.
Es gibt verschiedene Variationen dieses Themas. Wir haben in dichterischer Freiheit diesen besagten Traum beschrieben, und ihn mit der Sage um die Schlangenkönigin verwoben, letztere war auch in Fredelsloh ansässig, darüber gibt es eine Geschichte. Über beide Sagen hier nächstens mehr, hier der Text von Kalindi, der Schlangenkönigin, wie sie dem Grafen oder Jägersmann im Traume erschienen sein mag. Musikalische Begleitung: Erd Ling Judith: Didgeridoo, Daniel M. Ladner, Cajon und Dingefinder Jörg Krüger Gitarre . Ich habe auch den Text dazu geschrieben. Leider gibt es keine Tonaufnahme, daher nur obiges Bild und den Text hier:
Es war die samtene Schwärze ihrer Augen, es war das Singen ihrer nachtschwarzen Stimme, es waren die Milchstraßen, welche in ihre Brauen geflochten, er stand und schaute und lauschte.
Und sie nahm seine Waffen und seine Rüstungen und seine eisernen Panzer und all die Spielzeuge der Männer und sagte: Diese brauchst Du nicht mehr. Wo aber das Vertrauen klein ist, ist gar kein Vertrauen. Und sie gab ihm den dreifach gewundenen Stab in die Hand.
Und er blickte in die samtene Schwärze ihrer Augen, und er lauschte dem Singen ihrer nachtschwarzen Stimme, und es waren die Regenbögen, welche in ihre Brauen geflochten.
"Ich webe das Jetzt in die Zeit, ich webe Frau Welt ein neues Gewand, ich webe der Mutter ein farbiges Kleid, ich nehme die Kinder bei der Hand, ich webe das Jetzt in die Zeit"
Und sie nahm seine fein gewirkten Kleider und seine zierlichen Schuh und gab ihm dafür die Kleider der einfachen Leute. Und er griff in die Tasche, und fand darin drei Kupfermünzen. Und sie sagte ihm: Nun gehe, dir Fischlein zu kaufen.
Und er blickte in die samtene Schwärze ihrer Augen, und alle Nacht war darinnen, und ein Spiegel war darinnen, und er lauschte dem Singen ihrer nachtschwarzen Stimme, und alle Flüsse der Welt waren in ihre Brauen geflochten.
Und er schaute in den Spiegel, und er erblickte das Antlitz des Vaters, und es war ein trauriges Antlitz, gebeugt in Schmerz und Gram. Und er schaute in den Spiegel, und er erblickte das Antlitz seines Sohnes, und es war ein wissendes Antlitz.
"Ich webe das Jetzt in die Zeit, ich webe Frau Welt ein neues Gewand, ich webe der Mutter ihr farbiges Kleid, ich halte darüber die schützende Hand, ich webe das Jetzt in die Zeit"
Und sie sagte zu ihm: Wem ich Schmerz schenke, dem schenke ich auch die Kraft und die Würde diesen zu tragen. Und sie legte die Hand auf das Traumsiegel auf seiner Stirne, und es war eine wissende und wärmende Hand. Eine nährende Hand.
Und in ihm waren all die sterbenden Wesen, und sie klagten die Totenklage, und es war eine große Trauer in ihm. Und er blickte in die samtene Schwärze ihrer Augen, und alle Nacht war darinnen, und ein Weiher im Mondenlichte war darinnen, und ein verschwiegener Waldpfad war in ihre Brauen geflochten, und als seine Füße den Pfad begingen, hörte er das Singen ihrer nachtschwarzen Stimme.
"Ich webe das Jetzt in die Zeit, ich webe Frau Welt ein neues Gewand, ich webe der Mutter ihr farbiges Kleid, ich halte darüber die schützende Hand, ich webe das Jetzt in die Zeit"
Lass dir den Morgen nicht nehmen und nicht die Dankbarkeit, dein Menschsein ist es, welches dich Lieder singen lässt, so wie die Amsel im Amselsein den neuen Tag begrüßt
Wir kommen Wir gehen enge Pforte weites Tal, lass dir das Morgen nicht nehmen, und nicht die Dankbarkeit für das Heute, wenn du ein Lied hast, lass es erklingen
II
Doch sei auch die Nacht unser, wenn sich die Düfte mischen, und der Rosen zartes Hell aus den Ahnungen des graugrünen Laubes winkt, als seien Sterne gesunken
So wie der Mond steht als geöffnete Schale am Himmel, und wie Perlen die Sterne, welche sich in diese Schale senken
Sei auch die Nacht unser, legen wir uns in die sanft geöffnete Schale des Mondes, sie wird unsere Barke unter den Sternen sein
III
Keine Urzeit beschwören keinem Vergangenem nachträumen, den Meeren längst entstiegen, den Wanderungen dem Unsteten
noch nie halfen die alten Rezepte nicht scheuen, vor dem, was ist nicht wissen von dem, was kommt Tagwerk-Gebete, Zeit, des Morgens die Rosen zu sammeln, in stillem Gedenken die Wanderer zu grüßen den Rosenkelch reichen
sub rosa
IV
Himmelstänzerin im Rosenhag, so still die Morgenfrühen, so sanft der beginnende Tag, schon verblassen die Sterne, die Wolken beginnen zu glühen
Wer in die Himmel tanzend Verglühen vermag, in derer Herzen senkt sich eine Freiheit hinein, es grüßen noch die letzten Hollerdolden, tauchen in auferblühenden Lindenduft ein, so, ja, so doch zeigt sich auch dieses Leben, wenn wir, zeitvergessen, uns im Tanze in diese Himmel bewegen, und auch die Weltalter bewegen sich still -
Ein Verlangen erblüht Ein „Ich will!“ - woher wir kommen, wohin wir gehen, das bleibt unerfragt - - - Wir tanzen - - - wir tanzen - - - während es tagt
Es liegt Segen über dem Land, Wolkenfederschwingen, darin eine Hand, uns gereicht, sie zu erfassen, sich beieinander zu halten während sich die Rosenknospen entfalten - - -
V
Am Ende der Nacht stellte ich selber die letzte Frage: „Was ist das für ein Lied, welches du singst?“ Sie öffnete die Tür dem beginnenden Tage: „Es duftet nach Rosen“, sagte die Sphinx
Das Foto zeigt eine Blüte der "Hundertjährigen", wie sie hier genannt wird, eine Albarose, die gerade wieder über und über blüht. (Und von deren stark duftenden Blüten ich, wie jedes Jahr, einige ernten durfte, um Rosensirup zu bereiten.)
Das also ist der Sommer nun, der so lang erwartet war. Das Jahr hält inne, sich vom Frühling auszuruhn, die Sonne kocht die Früchte gar.
Es flattern Federgeistchen auf am Wegesrand. Mädesüß verteilt den Duft von Marzipan. Der Himmel - lichtblau mit Sammet überspannt: Alles, so scheint´s, läuft wie gewohnt in seiner Bahn.
Frauen gebären, Säufer saufen, Bauern bauen an. Nur ich, ich bin der Ungläubige im Dorfidyll. Krieg ist immer. Nur dieser ist jetzt näher dran. Im Traume hör ich manchmal einen Schrei. Noch bin ich still.
Krieg und Hunger: Das ist die eigentliche Pandemie, der Menschheit Weisheit steckt noch in den Kinderschuhn. Wer weiß, denk ich, vielleicht kommt sie ja nie. Bin traurig: Das also ist der Sommer nun. . .
Dieses Gedicht schrieb ich vor einem Jahr (2022), viel geändert hat sich wohl seitdem nicht.
Das Bild „Sommer“ ist von Vincent van Gogh (1853 - 1890)
Das ist nicht vererblich, so auf die generative Art, das ist auch nicht verderblich, und sicher keine Blasphemie: dieser Sänger ist unsterblich so auf seine Art.
Ich sag dir wie: Immer dann, wenn ich lebe ganz in der Gegenwart.
Das gelingt mir nicht so häufig, doch wenn, dann ist das so. Allem Glauben gegenläufig, und ohne Grund so lebensfroh.
Regen tropft auf die dunklen Blätter des Hasels vor dem Fenster, Maienregenwetter wäscht von den Blättern die Gespenster der Vergangenheit. Mit einem Augenzwinkern wird die Welt gleich netter, gerade jetzt, wo Regen rauscht ist alle Weltunbill so weit entfernt.
Ich bin es, der dem Regen lauscht, und meine Seele ist besternt.
Das lässt sich nicht übertragen auf irgendwen auf irgendwas, drum stellt mir keine Fragen, die Haselblätter sind vom Regen nass. . .
(Das Foto ist von einer alten Postkarte aus Fredelsloh)
Die Blüten und die Bienen, die Bienen und die Blüten. Was wissen wir davon, welche Geheimnisse sie hüten? Vielleicht ist das nicht so statisch, wie wir immer dachten, und sie machen wirklich Liebe, glücklich und ekstatisch.
Sturm treibt Regentropfen wie Gischt an meine Fensterscheiben, der Wetterfrosch verdrückte sich, er zog die Jalousien hoch, draußen biegen sich die Äste und die Balken, und immernoch bin ernstlich ich dabei, diesen Tag sattsam zu vergeigen.
Das Lotterbett schwankt wie ein Schoner in Novemberdünung, draußen fliegt ´ne Kuh vorbei, ein Storchennest mit einem Krokodil darin, es raschelt in den Zimmerecken wie von großen Mäusen, und ich bin noch gar nicht wirklich aufgewacht, schwebe zwischen Sünd und Sühnung
all meiner Sünden, halb schuldbewusst, halb traumverloren. Noch einmal kuschle ich die Decke, bin noch nicht ganz geboren, mittlerweile flatschen draußen dicke Flocken Schneematschbrei,
Ende März, April April, noch einmal dreh ich mich anders rum, hin zu der Wand, in meine Höhle, und ich stell mich schlaf und stumm, was heut auch in der Welt geschieht, ich bin heute nicht dabei.
Das Bild „Märzsturm (Schneeschmelze)" ist von Otto Modersohn (1865 - 1946)
Erbsen zählen, Bohne, Linse, diese Weisheit ist ´ne Binse, willst du sie verstehen musst du in die Binsen gehen.
Manche alte Weisheit hat was Schales, verloren ist da Malz und Hopf, da schenk ich meine: Wenn ein Brett vorm Kopf dann wenigstens kein schmales.
Wie man(n) in den Wald schallt ruft´s heraus: Coitus interruptus auch im Hirn, ach wie schön es im eigenen Wald hallt, das wirft keine Wellen hinter der Stirn.
In der Birne sanfte Leere, und das Leichte ist gewiss das Schwere, man(n) sollte Äpfel und Birnen nicht vergleichen, doch für Pflaumen sollt´ es reichen.
Weit ins Weite eröffnen sich die Räume, im Wald, da gibt es viele Bäume, ein Rabe rabt, erquickliches Geräusch, an manchen Tagen leb ich keusch.
Mancher träumt von Konzerten in den richtig großen Hallen, versucht dafür auch Diktatoren zu gefallen. Ach, leck mich doch am Werten.
So bin ich jener, der an nichts mehr glaubt, den Glauben hat mir der Vogel „Namenlos“ geraubt und in seinem Schnabel mitgenommen in sein Nest, damit füttert er jetzt seine Brut und lässt
dafür Gesang und Kot auf diese Erde fallen, das eine, um den Frühling zu beschallen, das andre ist der Dung für bunte Pflanzen, für Blüten, die im Lichte tanzen.
Ich such auch nicht nach neuen Reichen, drei Reiche haben wohl gereicht, mir Reiche und die Reichen aus dem Geist zu streichen, weil Reich um Reich dem andren gleicht.
Es murmeln die Bäche die alte Weise, es singen kleine Vögel ganz ganz leise von der Ahnung eines Frühlings, so mild ist der Tag: Das ist es, was gilt.
Keine großen Worte, keine neuen Manifeste, einfach das Singen in den Dingen finden, vor dem Hause sind noch kahl die Linden, doch singen erste Vögel im Geäste.
Wenn ich hier nun um mich schaue, dabei erstes Seidenweich der Lüfte spüre, und diese Zeit zum Frühjahr küre, dann vermag ich zu vergessen all das Rauhe,
und so bin ich nicht mehr elegisch gestimmt, auch wenn es für eine Hymne noch nicht reicht, so doch das Lamentoso dem Allegro weicht, das Leben ist so, wie man´s nimmt.
Sicher, es ist die Luft noch kühl. Doch die Tage bleiben wieder länger hell. Ich verliere schon mein Winterfell Und verspüre erstes Hochgefühl.
Weidenkätzchen steigen flaumig im Geäst. Der Himmel ahnt schon des Frühjahrs Überfülle, Und die Bauern fahren Gülle, Und ich fahre heut zu dir, wenn du mich lässt.
Das Bild "Vorfrühling, zwei kleine Faune" ist von Pierre Bonard (1867 - 1947)
Auf dem kleinen Stücklein Nachbars Wiese hinterm Haus, dies Flecklein grün, da blühn gelb und bunt Kroküsschen, und ich spitze meinen Wundermund und atme aus und pfeif´ und sing und brabble ein paar Stüsschen.
An den Haselsträuchern baumeln schon die Kätzchen rum, und auch mir ist tatenarm gedankenlos nach Hängen, nach Ausdehnen in der Wärme, und es treibt mich um, dass es die Männerblüten sind. Ich kann es nicht verdrängen.
Die Frauen, scheinbar unscheinbar, verstecken sich als rote Narben im Astgewirr, ich muss schon genauer schauen, sie zu entdecken. Doch einmal gefunden, ist das Rot so kussmundfarben,
und ich passiv und windbestäubend möchte sie erwecken, um mich an das hinzugeben, was da gerade ist, beziehungsweise das hinzunehmen, dieses Sein. „Selig, selig“, sag ich weise leise.
Ich schau vom Fenster meiner Klause aus auf des Dorfes schneebedeckte Dächer, weit in den Süden greift mein Blick hinaus, Sonnenstrahlen, gleißend bunte Fächer
breiten sich über die Wellen der Haine, ein Ort der Ruhe, zu hören nur das Krähen von Hähnen, und der antwortenden Hähne von weiter fort. Einzelne Wolken beginnen sich auszudehnen,
behäbig wie schwere Nachen durch das Azur gleiten sie als schwangere weißwollige Schafe, als Sinnbild von Stille über die sich öffnende Flur. Es ist ein Morgen jenseits von Strafe
und dem „aus den Gärten vertrieben sein“. In die wandernden Schatten der Wolken gleitet eine Weihe, die Flügel ausgebreitet, mühlos hinein, und ich schwebe mit ihr, und meine Seele weitet
sich und vertraut den eignen Schwingen, und gibt sich der steigenden Brise hin, und eine Gewissheit lässt mich singen: Dass ich all dieses, Schnee, Stille und Weihe bin.
Rotmilane (Weihe) ziehen bei Tag und zumeist einzeln oder in kleinen Trupps. Auf dem Wegzug sind die Zuggemeinschaften in der Regel individuenstärker als auf dem Heimzug. Auf Grund der relativ kurzen Zugdistanzen verlassen Rotmilane erst spät das Brutgebiet, selten vor Mitte September, die meisten in der ersten Oktoberhälfte. Die Weibchen ziehen etwa ein bis zwei Wochen vor den Männchen fort. Umgekehrt erscheinen sehr früh, schon in der Februarmitte, die ersten ziehenden Rotmilane wieder im Brutgebiet, die Mehrheit folgt Ende Februar und in der ersten Märzdekade.In den Jahren mit wärmeren Wintern, wie sie vermehrt auftreten, ziehen die Rotmilane gar nicht mehr fort.
Für die Auswärtigen: Die Weper ist ein Höhenzug oberhalb von meiner Wahlheimat Fredelsloh.
Ach, was sind das denn für Herrschaftszeiten, Circe liebte Männer nur als Schweine, als Kassler und als Bregenwurst, um damit den Grünkohl zu bereiten.
Aus welchem Garn sind die Sagen gesponnen? Wer weiß es genau? Vielleicht war eine Furcht zur Sage geronnen, und Circe war nur eine Bauersfrau, zog ihre Lehren aus dem, was sie sah und spürte, gab den Männern einen Trank, der jeden zu sich selber führte, so ein Zauber, der wirkt zielgenau, versteht ihr, was ich meine?
Jeder bekommt seinen Teil, einige verwandeln sich in Schweine. . . Fühlen sich gleich verzaubert und becirct, oh Hexenwerk!, „Wer mich als Schwein entlarvt, kann nur eine Hexe sein!“ Und all die Kameraden sind auch solche Biester, und Pfarrer und Pastoren allesamt. . . Schweinepriester. . . Und so begab es sich hienieden, dass Patriarchen Schweine mieden, allein nur der Verdacht, der sollte reichen: vielleicht äßen sie sonst ihresgleichen. . .
Ich spreche über Bäume. Es ist an der Zeit, denn jetzt kommen sie wieder, all die großen Vereinfacher, jetzt, wo wir das ernten, was wir gesät auf den Schlachtfeldern der Welt.
Ich spreche über Bäume, mit den Menschen, welche gerade da sind. Woher sie auch kommen, was sie auch begehren. Was die Großen dieser Welt so tun, ich vermag nichts beizutragen, den Weltlauf zu erhellen.
Ich spreche über Bäume. Dort, dieser Apfelbaum, er macht mir Sorgen. Zu dicht sein Geäst, zu lange nicht gepflegt, er entbehrt des Menschen Hand. Gefällt sollte er werden, da nutzlos. Ich bat darum, es nicht zu tun.
Ich spreche über Bäume. Mit dir, der du gerade neben mir stehst, so fern von den warmen Gefilden der Heimat, wenn über dich die Erinnerungen an die Feigenbäume in deinem verlassenen Garten kommen. Auch du weißt, dass sie deiner bedürfen. Darüber spreche ich mit dir.
Ich segne das Zeitliche, indem ich mir Zeit für das Zeitliche nehme. Manches lässt sich nicht halten, und kehrt auch nicht wieder. Ich bin bereit geschehen zu lassen, wenn sich die Dinge entfalten.
Ich segne das Zeitliche vom Bette heraus, wenn es morgens so kuschlig darinnen ist, dann reck ich mich und strecke die Arme aus, und freue mich, dass Du bei mir bist.
Ich segne das Zeitliche als den Sauerteig, der in der Ruhe zu Gehen versteht, ohne Hast und Not, und nehme es als Gleichnis und Fingerzeig: Je mehr Ruhe im Gehen, um so feiner das Brot.
Ich segne das Zeitliche, indem ich Wege gehe, welche verwunschen gewunden sind. Immer schnell und gerade schafft keine Nähe, Blüten und Falter lassen mich staunen als Kind.
Ich segne das Zeitliche, indem ich das Wachsen begleite, was im eignen Zeitmaß wächst, wächst ins Weite, und auch, wenn mir einst sterbend die holden Englein begegnen werd ich das Zeitliche segnen.
Das Bild „Tanz der Stunden“ ist von Gaetano Previati (1852 - 1920)
Schon klopft die Nacht an Tages Türen, Dämmerung, vorm Haus die Linden winterkahl, Regen - zu viel Wasser macht die Suppe schal. So viele gibt es, welche Ängste schüren, Ein Fettauge mehr wäre schon die halbe Miete, Gier ist eine Sünde - Metanoeĩte
Nichts wird in diese Suppe eingebrockt, und es ist immer wieder nur das Gleiche: Ich bin als Filmstatist immer nur die Leiche, statt Brocken nur ein dunkles Haar, gelockt, kein Anwalt, mit dem ich mich beriete, wenn mich die Stunde schlägt - Metanoeĩte
Apropos Stunde, Zeit verrinnt, die Nacht ist da, leider bist es du noch nicht, ich warte, manchmal mutig, setzt ich auf die eine Karte, gerne Dame Kreuz zum Spiel, und ich spar mir nicht vom Munde ab, was ich dir biete: Nur mich selbst - Metanoeĩte
* Metanoeĩte = Denket um! Tut Buße!
Das Bild „Nacht“ ist von Mikalojus Konstantinas Čiurlionis (1875 - 1911)
Mein Herz, der Winter war sehr lang, doch heut liegt Frühlingsahnung über nahen Hügeln, die Sonne trägt im Februar auf ihren goldnen Flügeln diese Ahnung in die Gärten, in die Wiesen dort am Hang.
Ich bin so seltsam unmodern und träum davon dass es für alle immer wieder Frühling werden mag, dass wir aus dunklen Schächten steigen in den Tag, und ein Kind schaut nach dem roten Luftballon,
der sich in blaue Luft erhebt, in der die Sonnenflitter kreisen, und mit dem die kleine Seele schwebt,
in andres Land zu reisen. Mein Herz, der Winter war sehr lang. Mein Herz, es kommt der Frühling, sei nicht bang.
Das Bild ist von S. Hermann & F. Richter auf Pixabay