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Samstag, 8. Februar 2025

Aus Dingefinders Büchergarten: Heimekenbrinks Engelchristine

 



"Heimekenbrinks Engelchristine" - Das war meine Lektüre die letzten Tage, die Geschichte der Kindheit und Jugend einer Bauerntochter aus dem Solling, von 1922. Ein anrührender Blick in eine vergangene Welt. Engelchristine (eigentlich Friederike von Ohlen, geb. Hagedorn) lebte von 1838 bis 1923 in dem kleinen Dorf Fredelsloh im Solling. Wenige Jahre vor ihrem Tod hielt ihr jüngster Sohn August (Pseudonym: Hanshenderk Solljer) die Lebenserinnerungen seiner Mutter fest. So tauche ich auch in die Vergangenheit meiner Wahlheimat ein.

Engelchristine erzählt:

Als ich noch klein war und von meiner Mutter zum erstenmal das Märchen von Frau Holle gehört hatte, bin ich heimlich zu unserm Hausborn geschlichen und habe trotz strengsten Verbot über den Rand in die Tiefe gelugt und - denkt euch - auch richtig das Spinnemädchen mit dem Flachshaar und den großen Augen gesehen. Auch der blaue Himmel war da und von der Blumenwiese ein paar Grasbüschel und grüne Zweige.

Ich habe mich zuerst ein wenig erschrocken, nickte dann aber dem armen Kinde einladend zu, es solle doch herauskommen und mit mir spielen. Da winkte es ebenso freundlich wieder, kam aber nicht und verschwand, als ich mich zurückzog.

„Nun wird es bei unserm `Säutjebaum` sein und die reifen Äpfel schütteln“, dachte ich und lief in den Garten.

Wie ich aber auch wartete, das Mädchen ließ sich nicht blicken, und der Apfelbaum tat auch seinen Mund nicht auf.

Unterwegs konnte das Mädchen unmöglich mehr sein, dazu war der Brunnen zu nahe. „Also,“ folgerte ich, „waren die Äpfel noch nicht alle miteinander reif, oder der Baum ist überhaupt noch nicht geschüttelt.“ In diesem Falle war die im Born nicht die Fleißige, sondern die Faule gewesen.

Das musste ich rauskriegen! Ich grapschte also geschwind einen „Säutjen“ unter dem Baume auf und lief, in den Apfel beißend, spornstreichs zu unserm Backofen, der weitab vom Hause unter allerhand Obstbäumen im Garten stand und gerade den würzigen Geruch frischbackenen Brotes verbreitete. Aber ich erlebte eine neue Enttäuschung. Statt eines jungen Mädchens zog eine gebückte Greisin dort Brote heraus.

„O, Frau Holle!“ rief ich erschreckt aus und blieb wie angewurzelt auf der Schwelle stehen.

„Nä, Duiwels Lottewase!“ erwiderte die Alte mit feiner Beberstimme und wandte ihr Gesicht der hellen Tür zu. Da erkannte ich denn auch die alte Freundin unseres Hauses und schämte mich meiner Dummmheit.

Aber die Lottewase, die bei uns Kindern manchen Winterabend auf der Ofenbank und zur Sommerzeit manche Schummerstunde vor der Tür gesessen und mit ihrer dünnen, weinerlichen Stimme schöne Geschichten erzählt hat, zog mich freundlich zu sich ins Backhaus und hatte bald heraus, was mich bewegte und hertrieb.

„Die Spinnerinnen suchst du, Engelstine?“ sagte sie teilnahmsvoll. „Da bist du wohl zu spät gekommen, die sind schon längst bei der Frau Holle in der Drakenhöhle.“

Damit brach sie mir ein Stück von ihrem Brotkuchen ab und führte mich vor das Backhaus, zeigte nach einer tiefen dornbewachsenen Schlucht hinten an der Wakelburg, wo im Frühjahr der Schnee immer solange liegen blieb, und sagte: „Dort wohnt sie.“

Ich schaute angestrengt nach dem geheimnisvollen Orte und fragte dann: „Da, wo es so glitzert?“

„Glitzert es dort, Kind?“ fragte Duiwels Lottewase zurück. „Meine Augen reichen nicht mehr so weit, aber,“ setzte sie, bedeutsam den Finger hebend, hinzu, „wenn es da blinkert und glitzert, dann sind die Hänselmännchen wieder mal dabei und sonnen der Frau Holle ihr vieles, vieles Gold.“

Ich lief hinten ans Ende unseres Gartens, um von dort aus die gesonnten Schätze zu sehen. Aber da waren sie verschwunden. Nun zwängte ich mich durch eine schadhafte Stelle der Hecke. Dabei riß ich mir ein Loch ins Kleid und die Hände blutig, achtete es aber nicht sonderlich, sondern lief querfeldein immer geradeaus auf die Drachenhöhle zu. Da meine Augen und Gedanken aber den Füßen voraneilten, stolperte ich einige Male und füllte mir obendrein in einem schlammigen Graben die Schuhe voll.

Ganz erhitzt und matt stand ich endlich vor der Drachenhöhle, von dem Gold und feinen Hütern war nichts zu sehen. Nur ein paar blanke Topfscherben fielen mir in die Augen.

Es jackert eben jeder einmal und mancher sein ganzes Leben hinter Glanz und Golde her; und was findet er schließlich? Nichts als wertlose Scherben.

Mir ist es mein Lebtag mit allen Geschichten so ergangen wie damals mit dem Märchen von Frau Holle. Meine Gedanken hatten stets nichts Eiligeres zu tun, als die Begebenheiten an mir bekannte und vertraute Örtlichkeiten in oder um Dießeloh zu verlegen, selbst wenn hundertemal andere Orte in der Erzählung genannt wurden. Denn Dießeloh ist mir zeitlebens mein Ein und Alles gewesen, und in diesen lieben Erdenwinkel stelle und rahme ich in meiner Einfalt die ganze Welt und ihre Geschehnisse ein.

Freitag, 1. März 2024

Aus Dingefinders Büchergarten: Praktisches Kochbuch

 



Am 1. März 1801 wurde Henriette Davidis in Wengern (Ruhr) geboren. Sie ist die berühmteste deutsche Kochbuchautorin, und wird auch „die Erfinderin des Kochbuches“ genannt. Ihr Buch „Praktisches Kochbuch“ mit dem Untertitel „Zuverlässige und selbstgeprüfte Recepte der gewöhnlichen und feineren Küche. Practische Anweisung zur Bereitung von verschiedenartigen Speisen, kalten und warmen Getränken, Gelees, Gefrornem, Backwerken, sowie zum Einmachen und Trocknen von Früchten, mit besonderer Berücksichtigung der Anfängerinnen und angehenden Hausfrauen“ wurde von 1845 bis 1963 in 76 Auflagen herausgebracht. Ich selber habe eine Ausgabe von 1904 (die auf dem Foto). Dieser Ausgabe sind dem Untertitel folgende Sätze beigefügt: „Nebst einem Anhange »Die Kunst gut und billig zu essen« 130 Speisezettel für billigen und kräftigen Mittagstisch, mit Anleitung zur leichten Berechnung der Herstellungskosten!"

Das Kochbuch enthält eine umfangreiche Rezeptsammlung, die Henriette Davidis nicht nur zusammengestellt, sondern, wie sie im Vorwort betont, auch selbst erprobt und modifiziert hatte. Das Buch entwickelte sich zum Standardwerk seiner Gattung, doch die Autorin hatte Anfangs nichts von dem Erfolg ihres Buches, da sie von ihren Verlegern regelrecht über den (Ess-) Tisch gezogen und mit geringen Honoraren abgespeist wurde. Erst im Laufe der Jahre entwickelte sie einen Geschäftssinn, und verhandelte für weitere von ihr erschienene Bücher bessere Konditionen.

Nicht alle Rezepte in diesem Buch sind heute noch brauchbar, wir kochen heute anders. Doch manchmal greife ich gerne danach, besonders, wenn es darum geht, wieder einmal „wie bei Muttern“ (beziehungsweise Großmuttern) zu kochen. Auch schätze ich es als ein Zeitdokument. Henriette Davidis starb 3. April 1876 in Dortmund. 

Hier ein Rezept daraus für Stockfisch, portugiesisch Bacalhau, den ich schätzen gelernt hatte, als ich in Nordwestspanien lebte, in Sichtweite zur portugiesischen Grenze:

Stockfisch gesotten

"Der Stockfisch heißt im frischen Zustande Kabeljau, gesalzen und auf den Klippen getrocknet Klippfisch, nur gesalzen Laberdan. Wird der Kabeljau ungesalzen getrocknet, so ist es Stockfisch. Langfisch ist dem Rundfisch Vorzuziehen und solcher der beste, der ans Tageslicht gehalten, einen rötlichen Schimmer erhält.

Vielfach bekommt man in Delikatessgeschäften größerer Städte den Stockfisch fertig aufgeweicht zum Kochen; eine sparsame Hausfrau wird ihn aber gern getrocknet kaufen und selbst vorbereiten.

Um den Stockfisch weich und ansehnlich zur Tafel zu bringen, richte man sich nach folgender Vorschrift: Man legt ihn ½ Stunde in Wasser, damit er ein wenig aufweicht, klopft ihn mit einem hölzernen Hammer, anfangs nicht zu stark, nach und nach derber und zwar so lange, bis er locker geworden ist, jedoch darf er nicht zerfetzt werden. Danach legt man ihn in weiches Wasser, womit er nur gerade bedeckt sein darf, damit die Pottasche, welche auf den Fisch gestreut wird, besser einwirken kann. Zu ½ kg trockenem Stockfisch nimmt man 100 g nicht gereinigte Pottasche. Diese Menge Fisch ist eine Portion für 7-8 Personen. So läßt man ihn volle 48 Stunden liegen. Hierauf schuppt man den Fisch, schneidet die Flossen ab und zerlegt das Fleisch nach Größe des Kochtopfes in 3-4 Stücke, legt sie aufeinander, schlägt sie in ein Tuch ein und bringt sie so in einem Topf, auf dessen Boden man einen Teller gelegt hat, mit kaltem weichen Wasser aufs Feuer. Durch das Einlegen in das Tuch bleiben die Stücke ansehnlicher und durch das Unterlegen des Tellers wird das Ansetzen des Tuches verhindert. So läßt man den Stockfisch ganz langsam heiß werden und dann ziehen, aber nicht kochen, worauf man im ganzen 3 Stunden rechnen muß. Beim Anrichten nimmt man die Stücke aus dem Tuch, legt sie auf eine heiß gemachte Schüssel und streut fein geriebenes Salz darüber. Der Fisch muss mit den Kartoffeln sehr heiß angerichtet werden.

Zur Sauce ist den meisten geschmolzene Butter und guter Senf am angenehmsten, indes sind auch billigere Saucen nicht zu verwerfen. Es eignen sich zum Stockfisch sehr gut Travemünder Sauce oder folgende Sauce: Man bringt 1/3 Wasser, 1/3 Milch und 1/3 Fischbrühe zusammen zum Kochen, schmeckt die Sauce mit Salz ab und kocht sie mit Kartoffelmehl bündig, worauf man frische Butter und Senf dazwischen rührt. – Was Vom Stockfisch übrig bleibt, kann in der Stockfischbrühe, die man langsam heiß werden lässt, gewärmt werden."

Was mir noch fehlt in meinem Büchergarten ist ihr Ergänzungsband zu dem Kochbuch:

Der Gemüsegarten

Dieses Buch erschien 1850 als Band I eines geplanten vollständigen Haushaltungsbuches mit dem Untertitel „Praktische Anweisung einen Gemüse-Garten mit Berücksichtigung der Schönheit und des reichlichsten Ertrages zu besorgen; sowie das Nöthige über Lage, Boden, Umzäunnung, Einrichtung, Dünger, Garten-Geräthschaften, Kultur der Pflanzen und fruchtbringenden Sträucher, Samenziehung, Dauer der Keimkraft, die erforderliche Quantität der Sämereien und wie mit den Gemüsen am Zweckmäßigsten abzuwechseln ist“, der das inhaltliche Programm des Buches bereits umfassend beschreibt. Ein Anhang befasste sich zudem mit Schädlingsvernichtung und dem Konservieren von Gemüse.

Ab der fünften Auflage 1863 erschien das Buch unter dem neuen Titel Der Küchen- und Blumengarten für Hausfrauen. Die Neuauflage war um drei Kapitel erweitert worden, die sich insbesondere dem Gemüseanbau zum Verkauf widmeten, eine weitere Auflage enthielt 1866 auch noch ein Kapitel über Heilkräuter und ihre Verwendung.

Samstag, 17. Februar 2024

Aus Dingefinders Büchergarten: Der neugierige Gärtner

 



Die beiden Bücher „Nachrichten aus dem Garten - Praktisches, Nachdenkliches und Widersetzliches / aus einem Garten für alle Gärten“ (1987) und „Neue Nachrichten aus dem Garten“ (1987) des 2001 verstorbenen Autors Jürgen Dahl sind mittlerweile Gartenbuchklassiker. Wahre Augenöffner für den Blick auf den Garten. Beide waren lange Jahre in meinem Besitz, bis - ja bis ich sie verliehen hatte. . .

Geblieben ist in meinem Bestand der von der Manuscriptum Verlagsbuchhandlung 2002 herausgegebene Sammelband „Der neugierige Gärtner“, der die drei Bücher „Vom Geschmack der Lilienblüten. Neueste Nachrichten aus dem Garten“ (1995), „Der neugierige Gärtner“ (1998) und „Der Stinkgarten oder die Faszination des Gegenteils“ (2002) in sich vereint.

Ich habe dieses Buch heuer wieder hervorgekramt, um mich an den doch etwas trüben Februartagen auf die Gartenfreuden im Zaubergarten vorzubereiten. Sicher, einiges tat ich schon, doch eine Bänderdehnung am rechten Knöchel gebietet mir noch etwas Ruhe. Nicht einmal mit dem Hufe zu scharren vermag ich, und so reicht es gerade mal für ein paar Aussaaten am Küchentisch (eine bunte Basilikummischung war heute dran) und eben für das Lesen von Gartenbüchern.

Dieses, wie auch die anderen Bücher von Jürgen Dahl, habe ich schon oft in der Hand gehabt und darin gelesen, doch es lohnt, es alle Jahre wieder zur Hand zu nehmen. Obwohl so oft gelesen, entdecke ich immer wieder Neues darin. Je nachdem wo meine Aufmerksamkeit gerade haften bleibt. So bin ich zum Beispiel diesmal im Kapitel „Winter“ des Bandes „Der neugierige Gärtner“ hängengeblieben, in dem so viel Nachdenkenswertes über die Eiche steht. Dieses Jahr möchte ich das Verarbeiten von Eicheln vertiefen, mit dem ich vor einiger Zeit mit dem Backen von Eichelwaffeln begonnen hatte (link dazu weiter unten), außerdem möchte ich mich der Produktion von Eichengallustinte annehmen, um als Dichter einmal mit selbstgemachter Tinte handgeschriebene Gedichte auf handgeschöpften Papier (meiner Lebensgefährtin) weiterzugeben. Die Herstellung von Gallustinte ist in diesem Kapitel vom Autor gut beschrieben.

Doch Jürgen Dahl wäre nicht Jürgen Dahl, wenn er nicht auch immer zeitkritische Betrachtungen unter die Nachrichten aus den Gärten gemischt hätte. „Natürlich ist es niemand gewesen, und niemand hat es gewollt, niemand etwas gewusst. Aber der Satz ´Was für ein Ende soll die Ausbeutung der Erde in all ihren künftigen Jahrhunderten noch finden, bis wohin soll unsere Habgier noch vordringen?´ - dieser Satz stammt nicht von heute, sondern den schrieb der alte Plinius in Rom vor fast zweitausend Jahren im Anblick kahlgeschorener Berghänge. Er jedenfalls und manche nach und sogar vor ihm haben etwas gewusst, gespürt zumindest, und sie haben auch die Beweggründe beim Namen genannt. Angesichts dessen liegt eine feine weltgeschichtliche Ironie darin, dass wir unser Geld gelegentlich mit einem Eichenblatt dekorieren, ihm damit den Stempel der Dauerhaftigkeit aufdrücken wollen und doch zugleich symbolisch dasjenige miteinander verbinden, wonach wir gejagt haben - ohne das lange Gedächtnis der Natur in Rechnung zu stellen - , und dasjenigen, was wir damit um seine Fortdauer gebracht und einem langsamen Sterben überantwortet haben.

Diese ernste Mahnung versteckt zwischen Gallustinte und der Winterernte von Pastinaken und Topinambur, diese Mischung, zusammen mit der Sprachgewandtheit des Autors, das ist es, was seine Bücher ausmacht.

Das Buch „Der Stinkgarten“ in diesem Sammelband habe ich erst einmal überblättert, um mich gleich dem „Geschmack der Lilienblüten“ zuzuwenden. Lilienblüten selbst würde ich zwar nicht essen (wie es in China wohl Brauch ist), doch hab ich mir zwei Sorten wohlschmeckender Taglilien beschafft, bei einer sollen sogar die jungen Triebe schmackhaft sein. Dieses Jahr wird das ausprobiert.

Schmunzeln muss ich über Jürgen Dahls Schilderung über seine Anbauversuche mit der Knollen-Platterbse: „Das hartnäckigste aber, was ich je erlebt habe, war die Knollen-Platterbse (Lathyrus tuberosus), ein zartes, betörend duftendes Wesen aus Westasien, vor langen Zeiten eingeschleppt oder sogar als Kulturpflanze ins Land geholt, weil nämlich die unterirdischen Knollen, aus denen sie erwächst, essbar sind. . . . So etwas reizt natürlich die Neugier, und die ersten Triebe, die sich über die Nachbarpflanzen legten, haben wir noch freudig begrüßt, die Blüten bewundert und die bescheidene Ernte des ersten Jahres verkostet. Im nächsten Jahr hatte sich der kleine Bestand trotz der Ernte vervielfacht, und im dritten Jahr stand fest: Die . . . müssen raus, so bald als möglich, denn weithin war nichts anderes mehr zu sehen als Platterbsentriebe . . . Zwei Jahre hat es gedauert, bis alle . . . aus dem Boden geklaubt waren.

Schmunzeln musste ich darüber unter anderem, weil ich selber einmal Knollenplatterbsen ansiedeln wollte, immer auf der Suche nach neuen Leckereien aus dem Selbstversorgergarten. Also besorgte ich mir Saatgut, doch anscheinend sagte ihnen der sehr feuchte und anmoorgige Boden, auf dem ich damals wirtschaftete, nicht so zu. Heute lese ich, was mir da wohl erspart geblieben ist.

Und so lese ich denn weiter und versinke in zukünftige Gartenträume. Und kann dieses Buch nur uneingeschränkt weiterempfehlen. Noch ist ja Februar . . . (Und die beiden Bücher von Jürgen Dahl „Nachrichten aus dem Garten“ werden wieder besorgt, soviel steht fest.)

Ach ja, und hier der link zu den Eichelwaffeln: Wilde Küche - Pikante Eichelwaffeln

Sonntag, 14. Januar 2024

Aus Dingefinders Büchergarten: Perfekt Kochen

 



Aus Dingefinders Büchergarten: Perfekt Kochen

Kochbücher gibt es wie Sand am Meer. Und jedes Jahr erhebt sich ein erneuter Sandsturm, und der Stapel der Kochbücher erhebt sich in Höhen wie einst die Wunderbohne, mit der man zum Monde gelangen konnte.

Dass bei dieser Menge nicht alles Gold sein kann, was da zu glänzen versucht, liegt auf der Hand. Meine persönliche Neugier auf weitere Koch- und Rezeptbücher ist ziemlich geschrumpft, zumal sich im Laufe der Jahre eine kleine Auswahl herauskristallisiert hat, mit der ich durchaus zufrieden sein kann. Ergänzend sei erwähnt, dass ich gerne „aus der Hüfte“ koche.

Bei der alljährlichen Durchsicht meiner Bücher zum Jahresbeginn (das kann in die Tonne, das kann verschenkt werden, das kann in die Bibliothek der Alten Schule, das bleibt. . .) bin ich wieder auf ein Schätzchen gestoßen, das schon länger in meinem Besitz ist, und das ich heute vorstellen möchte: Perfekt Kochen - gewusst wie; Der Basisratgeber für die Küche; von James Peterson; erschienen 2007 als deutsche Ausgabe bei h. f. ullmann als ein Reprint der Tandem Berlag GmbH.

„Manchmal, wenn ich in einer Buchhandlung stehe und Kochbücher durchblättere, habe ich das ungute Gefühl, dass da etwas fehlt, dass bestimmte Dinge unerklärt bleiben, die mir wichtig erscheinen. Dieses Gefühl ähnelt der Enttäuschung über gewisse Gespräche beim Abendessen, bei denen man keinerlei gemeinsamen Nenner findet, und es war für mich der Ansporn, dieses Buch zu schreiben.

Ich beschloss, eine Art Handbuch oder Nachschlagewerk für Leute zu schaffen, die gerne nach Rezept kochen, sich aber mehr Sicherheit und `Bewegungsfreiheit´ beim Kochen wünschen. Rezepte können hinderlich und verunsichernd sein, und auch, wenn ich selbst bereits viele veröffentlicht habe, bezweifle ich, dass Kochbücher entscheidend dazu beitragen, die Kochkünste des Lesers zu verbessern. Küchentechniken lehren uns, wie man aus einer Zutat das Maximum herausholt, sie fördern unsere Kreativität und unseren Geschmackssinn.“
, so schreibt der Autor in seiner Einführung zu dem Buch, und dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Und wirklich, was hier so vollmundig versprochen wird „Perfekt Kochen“, „Der Basisratgeber für die Küche“, das wird gehalten. Es beginnt mit dem Kapitel „Gemüse schälen“ und endet mit „Große Kaninchen vorbereiten und schmoren“ auf Seite 257.

Dazwischen können wir lernen, wie Fonds zubereitet werden, oder eine Sauce Hollandaise, wie Butter geklärt wird, ein Kapitel handelt von Pommes Frites und Kartoffelchips, eines hat den Titel „Eier kochen“. Auch für letzteres Kapitel werden zwei Seiten beansprucht, und es ist schon erstaunlich, was über diese simple Alltäglichkeit zu erfahren ist.

Insgesamt gibt es 104 Kapitel, und jedes ist reich und anschaulich bebildert nach dem Motto „Schritt für Schritt“. Allein für das Thema „Gemüse schälen“ lässt sich der Autor fünf Seiten Zeit. Um dann auf drei Seiten mit „Gemüse entstielen, vorbereiten und entkernen“ fortzufahren.

Also, kurz: Ein wirklich vortreffliches und uneingeschränkt zu empfehlendes Grundlagenwerk.

Nur eine Erwähnung noch: „bezweifle ich, dass Kochbücher entscheidend dazu beitragen, die Kochkünste des Lesers zu verbessern.“, schreibt der Autor in der Einführung. Da möchte ich doch Einspruch erheben. Es gibt einige Kochbücher aus der Feder des 2016 verstorbenen Journalisten, Gastrokritikers und Autors Wolfram Siebeck, die ich genauso uneingeschränkt empfehlen kann, wie das hier besprochene, und aus denen ich viel gelernt habe. Meine Auswahl aus dem umfangreichen Werk des Autors wäre: „Aller Anfang ist leicht“, „Eine Prise Süden“, „Nicht nur Kraut und Rüben“, „Frisch gewürzt ist halb gewonnen“ und „Das leckere Dutzend“, alle erschienen im Heyneverlag,

Heute ist so ein grauer Wintertag, draußen ist es grisselig, manchmal fliegen ein paar Schneeflocken vorbei. Was gibt es da schöneres, als ich Kochbüchern zu stöbern, sich auszumalen, was es leckeres zum Abend gibt und nachher entspannt in die Küche zu gehen?

Samstag, 4. März 2023

Aus Dingefinders Büchergarten: Das verlorene Geheimnis

 



Ein grauer Tag im Spätwinter - Vorlesezeit, zumal, wenn ein Kind im Hause ist. Immer wieder schön, märchenhafte Kinderbücher zu finden, die ich auch selber als Erwachsener mit Genuss lesen kann. Manchmal kommt da noch der Zufall zuhilfe: Vor Jahren zog ich aus einem Stapel Sperrmüll das Buch "Das verlorene Geheimnis" von Anniki Setälä aus dem renommierten Cecilie Dressler - Verlag (1961); das ich hier einmal wärmstens empfehlen möchte.

"An einem wunderschönen Maitag springt Trollchen mit dem glitzernden Bach um die Wette über die Hänge Lapplands. Hoch über ihr ziehen Kraniche am Frühlingshimmel ? ach, es ist einfach eine Lust zu leben! Sie muß doch einmal sehen, was ihr die alte Patentante für ein geheimnisvolles Päckchen in die Tasche gesteckt hat. . . nanu ?! Wo ist es denn hingeraten? So ein Jammer: Das Geschenk ist verschwunden! Trollchen macht sich auf und sucht und sucht, sucht und . . . kommt dabei zu dem einsamen Hof, auf dem Lasse wohnt. Plötzlich hat sie einen großartigen Gedanken: Wie wäre es, wenn sie für eine Weile mit dem kleinen Jungen tauschte? Lasse ist einverstanden, und nun lebt Trollchen mit Menschengeschwistern im Bauernhaus. Da ihr Herz in gleicher Liebe für alles Lebendige schlägt, entstehen viele unvorhergesehene Schwierigkeiten: Einmal schenkt sie den gefangenen Fischen im Netz des Vaters die Freiheit, ein andermal erlaubt sie einem jungen Bären, sich an der mühsam eingebrachten Multebeerenernte satt zu fressen, oder sie beherbergt heimliche Gäste in der abgelegenen Scheune. Unterdessen lernt Lasse das Land der Gufittaren kennen. Er schließt Freundschaft mit dem Ältesten der großen weißen Rentiere, und es gelingt ihm sogar, Trollchens verlorenes Geheimnis zu entdecken, ehe er heimkehrt. Die tiefe Naturverbundenheit der Menschen im hohen finnischen Norden und das enge Verwobensein mit einer freundlichen Geisterweit werden in diesem reizenden Buch eindrucksvoll lebendig, und Ingrid Schneider hat sich davon zu vielen entzückenden Zeichnungen anregen lassen."

Aus dem Klappentext

Montag, 13. Februar 2023

Von den Gärten der Erde - Elisabeth Dauthendey

 



Kinder weinen.
Narren warten.
Dumme wissen.
Kleine meinen.
Weise gehen in den Garten.


Joachim Ringelnatz, aus: Kinder-Verwirr-Buch, 1931

Ich möchte Auszüge aus einem Buch vorstellen, dessen Titel mich sofort ansprach, zumal mir die Schriftstellerin bekannt war: Von den Gärten der Erde - Ein Buch der tiefen Stille, von Elisabeth Dauthendey, Schuster & Loeffler, Berlin 1917

Spannend für mich ist auch das Erscheinungsjahr dieses Buches: 1917 - Es ist ein Kriegsbuch, auch wenn der Weltkrieg (damals wussten sie es noch nicht, dass es der erste sein sollte) dort nicht vorkommt. Es ist sowohl Sehnsuchtsbuch, das sich von der unerträglichen Welt abwendet, zugunsten eines kleinen, stillen Paradieses. Es ist jedoch auch ein Buch, das Stimmungen beschreibt, die ein Garten auslösen vermag, unabhängig von den Zeitläuften. Gerade ich als Gärtner weiß das. So mein Tipp: Dieses Buch mit in einen realen Garten nehmen, und zwischen den Gartenarbeiten sich ab und zu auf die Banke zu setzen, um darin zu lesen. Dann kann geschehen, was in diesem Buch beschrieben steht:

„Hier steht die Zeit still. Vor den Pforten deines Gartens lässt du sie zurück.“

Elisabeth Dauthendey, geboren am 19. Januar 1854 in Sankt Petersburg; gestorben am 18. April 1943 in Würzburg. Erfolgreich war sie vor allem mit ihren Märchen und Novellen, die eine mythische bis mystische Phantasiewelt entwarfen. Ihr Halbbruder war der Dichter Max Dauthendey.

Als „Halbjüdin“ drohten Elisabeth Dauthendey ab 1933 Berufsverbot und Verfolgung durch die Nazis. Sie versuchte dieser Gefahr mit konsequenter schriftstellerischer Enthaltsamkeit zu begegnen, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Die letzten Lebensjahre waren deshalb von erheblicher finanzieller Not gekennzeichnet. Sie starb in ihrem neunzigsten Lebensjahr.

Das Foto zeigt eine Malerei an der Einfahrt des Verein der Gartenfreunde am Mittelwischweg e. V. Bremen, aufgenommen 2011

Verschiedene Kapitel und Gedichte aus diesem Buch werden nach und nach auf meinem Blog Die anderen Seiten eingestellt und sind dort nachzulesen. Hier sind  die links: 








Samstag, 14. Januar 2023

Aus Dingefinders Büchergarten: 365 Tage im Gourmetgarten

 


2006 ist dieses Buch heraus gekommen, und fast genauso lange habe ich davon eines in meinem Besitz: 365 Tage im Gourmet-Garten  -  Genuss, Rezepte, Inspirationen von Kathrin Hofmeister und Christa Brand, erschienen in der Deutschen Verlags Anstalt, DVA.

Aus dem Vorwort: "Immer mehr Menschen entdecken, wie der Garten über die Schönheit der Pflanzen mit uns kommuniziert. Viele Nutzpflanzen sind weitgereiste Passagiere, welche die Weltgeschichte in blumiger Sprache nacherzählen: Spannende Geschichten von Wikinger-Erbsenbrot bis zu neu entdeckten Asia-Salaten. Führt sie die Frühlingsernte der Wildkräuter in mittelalterliche Zeiten, erinnert die herbstliche Kürbisschwemme an Meisterleistungen der Kalebassen, von denen erste Exemplare bereits um 7000 v. Chr. schwimmend den Seeweg von Afrika nach Amerika schafften. Während vergessen geglaubte Gemüse wie die Rote Melde sich fasst ohne Ihr Zutun im Garten versamen, bedarf die Tomate, bis ins 18. Jahrhundert als reine Zierpflanze gehalten, besonderer Pflege. Kulturanleitungen und Praxistipps werden Sie über das Jahr verteilt ebenso finden wie Geschichtlich-Literarisches."

Das ist nicht übertrieben. Für jeden Tag des Gartenjahres sind zwei Seiten im Querformat reserviert, eine Seite Text, eine Seite mit einem geschmackvollen (sic!) Foto versehen. Da ich nicht nur gelernter Gärtner bin, der in Baumschulen, besonders in einer Rosenbaumschule, in biologischen Gemüsegärtnereien und in einer Kräutergärtnerei sein Handwerk verfeinern durfte, sondern auch leidenschaftlich Koche, so leidenschaftlich, dass ich schließlich Kochkurse gab und immer noch der Fokus der Gemeinschaftsküche jeden Donnerstag in der Alten Schule Fredelsloh bin, ist für mich ein Garten auch immer ein Nutzgarten. Zierde ist er ohnehin.

Ich habe im Laufe der Jahre dieses Buch lieben gelernt, als täglichen Begleiter. Aufgeschlagen für den jeweiligen Tag hat es seinen Platz in der Wohnstatt. Sozusagen als Morgenmeditation und gedanklicher Vorbereitung auf den Garten weitergeblättert, Morgen für Morgen.

So habe ich es auch wieder hervorgekramt, und verstehe einmal mehr, dass das Gartenjahr keinen Anfang und kein Ende hat. Heute, am 14. Januar wird zum Beispiel darauf hingewiesen, dass es an der Zeit wäre, Obstbäume mit einem Kalkanstrich gegen Frostschäden zu wappnen. Die gefürchteten Frostrisse entstehen dadurch, dass sich durch die schon wärmende Wintersonne die dunkle Rinde tagsüber zu stark erwärmt, und dann durch die im Dunkelwerden schnell fallenden Temperaturen zu schnell erkalten, dass diese Schädigung entstehen kann, besonders bei jungen, relativ frisch gepflanzten Bäumchen. Der Kalkanstrich reflektiert das Sonnenlicht, und die Baumrinde erwärmt sich nicht so stark. Das ist mir alles bekannt, doch es ist nett, daran erinnert zu werden. 

Nun ist dieses Jahr der Januar nicht gerade mit einem sonnigen Januarhoch mit trockener Kälte gesegnet. Doch hat dieses Buch auch für den jeweiligen Tag eine Bauernregel aufgelistet und so lese ich für heute: "Ist der Paulustag gelinde, folgen im Frühjahr rauhe Winde". Na, dann bin ich einmal gespannt auf das Frühjahr. . . 

Kurz: Ich kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen, und es ist im Internet gebraucht auch günstig zu erstehen. So freue ich mich schon auf das Gartenjahr in unserem Zaubergarten am Kapellenbrunnen. Vorfreude ist reinste Freude, heißt es. Ab jetzt wieder jeden Tag. . .


Dienstag, 7. Juni 2016

Hefeblätterteig (oder: Die Entdeckung der Langsamkeit)

Hier entsteht ein Osterzopf. Aus Hefeteig.

Hefeblätterteig (oder: Die Entdeckung der Langsamkeit)

1.) Die Zubereitung von Hefeteig. „Für einfaches Hefegebäck rechnet man auf 500 g Mehl 15 bis 20 g Hefe. Sobald jedoch dem Teig schwere Zutaten wie Butter, Mandeln, Sultaninen etc. zugesetzt werden, dann erhöht sich die Hefemenge auf ca. 30 g. Wird mehr Hefe als nötig beigegeben, kann das Gebäck grobporig und strohig werden. Je schwächer und gleichmäßiger der Trieb ist, desto zarter wird das Backwerk.“

Ich selber arbeite am liebsten mit frischer Hefe und mit Vorteig. Auch für einen Vorteig gibt es verschiedene Herangehensweisen. Ich bevorzuge meist die schnelle. Mehl in die Schüssel (am besten sieben), Kuhle in das Mehl, Hefe, etwas Zucker und warmes Wasser in die Kuhle, oben noch etwas Mehl darauf, ca. ½ - 1 Stunde warm stellen, bis sich eine Art Hefevulkan aus der Kuhle gebildet hat. Nun die restlichen Zutaten bei (ich nehme gerne Quark und Olivenöl, habe aber auch schon gute Fladenbrote gebacken, wo warme Milch und sogar 2 Eier auf 500 g dazukamen).

Fertig gezopft. . .
Dann gut kneten, und den Teig noch einmal die gleiche Zeit warm stellen. Vor dem endgültigen Verarbeiten noch einmal gut durchkneten.

Doch da niemand nie nicht auslernt, habe ich auch Neues erfahren, und zwar aus einem alten Buch, „Kochbuch der Koch- und Haushaltungsschule“ von E. Wundt, A. Rothmund und M. Künzler, in der zehnten Auflage von 1925. In diesem Buch wird sich ausgiebig des Hefeteiges angenommen. (Auch obige Mengenangaben stammen daraus).

Dort heißt es unter anderem: „Die wichtigsten Lebensbedingungen der Hefepilze sind Wärme und Feuchtigkeit. Soll also ein Hefeteig gehen, so müssen alle dazu nötigen Zutaten erwärmt werden. Das Mehl wird am besten in eine irdene, nicht zu große Schüssel gesiebt und warm gestellt. Durch das Sieben des Mehles wird dem Teig die ebenfalls nötige Luft zugeführt.“

Schön finde ich die extra Erwähnung der irdenen Schüssel. Ich selber benutze am liebsten eine ebensolche für den Teig, und, wenn keine zur Hand, dann eine aus Glas. Dann folgen in meiner Beliebtheitsskala Emalieschüsseln (wie sie früher in Waschtischen verwendet wurden) und schließlich, ungern, Edelstahlschüsseln. Kann sein, dass da auch eine gute Portion Aberglauben bei ist, doch ich fühle mich einfach wohler damit, den Teig in Ton- oder Glasschüsseln gehen zu lassen. Das Mehl zu sieben, habe ich in einigen Rezepten gelesen, doch jeweils ohne Begründung, und da mir Mehl immer fein genug vorkam, habe ich nicht darauf geachtet. Doch ich werde mir den Tipp jetzt zu Herzen nehmen.

Fertig gebacken
Weiter: „Die Hefe wird in lauwarmer Milch aufgelöst. Ist die Milch zu warm, so verliert sie ihre Wirkung, da durch die Hitze die Pilze getötet werden. Zucker und / oder Salz gibt man dem Mehl zu, ebenso die klein zerschnittene Butter. Diese kann auch schaumig gerührt oder zerlassen aber nicht zu heiß dem Teig zugegeben werden. Bei Zugabe von Eiern erwärme man diese in lauwarmem Wasser.

Um das Aufgehen des Hefeteiges zu beschleunigen und in zweifelhaften Fällen die Güte der Hefe zu erproben, macht man häufig einen so genannten Vorteig. Zu diesem Zweck löst man die Hefe mit etwa der Hälfte der nötigen, erwärmten Milch auf und rührt damit in der Mitte des warmen Mehles ein dünnes glattes Teigchen an. Dieses bestäubt man mit Mehl und lässt es an warmem Orte aufgehen. Der Vorteig kann am Abend zuvor oder erst ½ - ¾ Stunde bevor der Hauptteig gemacht wird, angerührt werden. Ist er genügend gegangen, das heißt, hat er sich anscheinend verdoppelt, so schiebt man ihn etwas zur Seite, gibt zu dem Mehl unter Rühren Milch, Eier usw., mengt alles gut durcheinander und schlägt nun den Teig mit dem Kochlöffel oder mit der Hand, bis er Blasen wirft. Je mehr Luft in den Teig eingeschlagen wird, desto besser geht er, denn die Hefepilze brauchen auch Luft zum Wachstum. Der fertige Teig wird glatt zusammengearbeitet, so dass der Rand der Schüssel vollständig rein ist, um die Krustenbildung zu verhüten, mit etwas Mehl bestäubt, mit einem erwärmten reinen Tuch bedeckt und zum Gehen an einen mäßig warmen, möglichst zugfreien Ort gestellt. Die richtige Temperatur, welche während des Gehens auf den Teig wirken muss, beträgt 28 – 30° C. Steht kein Wärmeofen zur Verfügung, dann stellt man die Teigschüssel gut zugedeckt auf einem mit heißem Wasser versehenen Kochtopf, der auf der Seite des Herdes stehen soll“.

Nicht nur zum Teig zubereiten hatte man wohl in der „guten alten Zeit“ genügend derselben, sondern auch genug Zeit, solcherlei Vorgänge genauestens zu beschreiben. Während ich das lese, beschleicht mich das Gefühl, ein kompletter Hefeteig-Barbar zu sein. Und es geht noch weiter. . . : „Beim Gehen des Teiges wird durch die Einwirkung der Hefe Kohlensäure gebildet. Diese sucht aus dem Teig zu entweichen, wird jedoch durch die Beschaffenheit desselben daran verhindert und durch diese Weise wird der Teig aufgetrieben. Sobald er sich scheinbar verdoppelt hat, wird er weiter verarbeitet. Lässt man ihn zu lange gehen, so wird das Gebäck rauh und leicht säuerlich. Zum Gehen eines nicht zu schweren Teiges rechnet man in der Regel 2 – 3 Stunden. Einfacher Brotteig ist gewöhnlich nach 1 ½ - 2 Stunden schon genügend gelockert.

Der gegangene Hefeteig wird auf dem warmen, mit Mehl bestäubten Wellbrett leicht verarbeitet, nach Wunsch geformt und auf das vorgerichtete Backblech oder auch in eine Form gegeben und zum Gehen nochmals 20 – 30 Minuten an die Wärme gestellt.  . . .  „

Ich habe auch Empfehlungen gehört, Hefeteig kühl gehen zu lassen, sogar im Kühlschrank über Nacht. Dieses Vorgehen soll ihm eine besondere Feinheit geben. Ich werde das einmal ausprobieren und Vergleiche anstellen. Ich selber bin ja nicht so der Kuchenbäcker, ich brauche Hefeteig als Pizzateig, für Fladenbrot und Brötchen, seltener für Brotlaibe, da ich da Sauerteig als Treibmittel bevorzuge. Doch weiter im Text, denn auch zum Thema „Hefeteig richtig backen“ kann ich noch etwas von den Autorinnen lernen: „Beim Backen braucht Hefeteig anfangs eine schwächere Hitze, damit er noch aufgehen kann und erst, wenn das Gebäck halb gar ist, muss stärker gefeuert werden. Ist die Hitze anfangs zu stark, so bildet sich sofort eine harte Kruste, die das weitere Aufgehen des Teiges verhindert. Für einen Hefekranz und dergleichen rechnet man etwa 1 Stunde; Kleingebäck ist nach 20 – 30 Minuten schon gar.   . . .   „

Nun, bei einem freigeschobenen Dinkelhefebrot, wie es hier in Fredelsloh noch dann und wann in einem Holzofen gebacken wird, ist die Temperatur anfangs hoch und fällt dann langsam ab. So habe ich das für Brot gelernt (wo eine Kruste ja erwünscht ist). Nun werde ich einmal ausprobieren, wie sich das bei anderem Hefegebäck verhält.

Angeschnitten. . .
Dass in dem Buch nun eine Parade von Hefegebäck folgt, welches dieses ausführliche Grundrezept variiert, das sei hier nur erwähnt, sehr vieles süßes Zeug darunter. Eines hat mich dann doch verblüfft, und dieses reizt mich, es einmal auszuprobieren: ein Hefeblätterteig. Nun habe ich mich auch einmal daran gemacht, Blätterteig für Pasteten selbst herzustellen. Das ist recht aufwändig, doch geschmacklich ist ein solcher Blätterteig dem gekauften Tiefgefrorenen weit überlegen. Da pendle ich immer wieder zwischen Faulheit und gutem Geschmack. Doch wenigstens lässt sich der Gekaufte mit Butter verfeinern, das wäre dann eine Tour mehr, die sich lohnt. Jetzt kribbelt es mir wieder in den Fingern, einmal den Hefeblätterteig zu machen:

2.) Hefeblätterteig Zutaten: Zum Hefeteig: 300 g Mehl, eine Prise Salz, 1/8 l Milch, 60 g Butter, 1 kleines Ei, 40 g Hefe  -  Zum Einwellen: 200 g Butter

Mit den angegeben Zutaten wird nach oben genannten Grundrezept ein Hefeteig gearbeitet, den man nach tüchtigem Schlagen in der Wärme so lange gehen lässt, bis er sich scheinbar verdoppelt hat. Nun stellt man ihn gut kalt; er muss vollständig kalt sein. Alsdann wird der Teig mit der inzwischen ausgekneteten Butter weiter verarbeitet wie Blätterteig. Der weitere Unterschied besteht nur darin, dass man den Teig zwischen den einzelnen Touren nicht ruhen lässt.“ (Zu der „ausgekneteten Butter“: „Nun wird die Butter in kaltem Wasser so lange geknetet bis alle Buttermilch entfernt und die Butter ebenfalls geschmeidig ist“)

„Hiernach wellt man den sogenannten Grundteig auf dem mehlbestäubten Wellbrett zu einem 40 cm großen Quadrat aus, legt die mit wenig Mehl zu einem 10 cm großen Quadrat ausgewellte Butter darauf und schlägt die darüber stehenden Teigenden so über die Butter, dass letztere gut eingeschlossen ist, aber beim Auswellen noch Platz findet, sich etwa 1 cm nach allen Seiten auszubreiten. Man wellt sodann den Teig leicht der Länge nach aus und zwar so, dass man einen Streifen von etwa 15 cm Breite und 40 – 50 cm Länge erhält. Diesen schlägt man dreifach zusammen und dreht ihn so, dass die offene dreifache Kante dem Arbeitenden zuschaut. Nun wird er wieder gewellt und nochmals zusammen geschlagen.  . . .   Dieses wiederholt man so oft, bis der Teig 3 mal je 2 Touren hat.

Beim Gebrauch wird der Teig je nach Art des Gebäcks ausgewellt und auf einem mit kaltem Wasser begossenen Blech gebacken. Der Backofen muss gut heiß sein und darf die ersten 10 – 15 Minuten nicht geöffnet werden.“

Dienstag, 24. Februar 2015

Aus Dingefinders Büchergarten: Frühtreiberei und Melonenträume


Ich liebe diese alten Gartenbücher, und je älter, um so besser, denn mit weniger Schnickschnack wurde da gearbeitet. Ein Schätzchen besonderer Art ist das Buch "Die Frühtreiberei der Gemüse im Frühbeet und Glashause" von Johannes Böttner (3. 9. 1861 -  28. 4. 1919), einem Gärtner von altem Schrot und Korn. Ebenso handfest sind auch die Tipps in diesem Buch. Besonders, was die Beschreibungen der Arbeit mit den Frühbeetfenstern angeht, ist dieses Buch Gold wert. Ich selber hatte ja noch das Glück, dass ich in der Lehre mit diesen Frühbeetfenstern hantieren durfte. 

Es hat ja seinen Grund, dass ich gerade dieses Buch wieder ausgegraben habe: Bekomme ich doch in Kürze wieder Frühbeetfenster für meinen / unseren neuen Garten. Und Pferdemist ist auch erreichbar, so dass ich die Hoffnung hegen darf, dieses Jahr Melonen anbauen zu dürfen. Davon träume ich schon lange. Und so geht das laut Johannes Böttner, Ökonomierat:

 
Melonen

Die Melonenkultur gelingt in südlichen, sehr warmen Gegenden Deutschlands mit Hilfe von Düngerpackung und Glasglocken gelegentlich noch im Freien.

Feine edle Sorten in guter Beschaffenheit werden nur im Mistbeet und dauernd unter Glas gewonnen. Es werden für die Melonenkultur eigene Mistbeete angelegt; doch kann man auch die Frühbeetkasten, die im Frühjahr zur Anzucht der Gemüse- und Blumenpflanzen gedient haben, noch zur Kultur benutzen.

Die Melonen müssen aus Samen in Töpfen herangezogen werden. Die Aussaat geschieht Anfang März. Jeder Topf wird nur zur Hälfte mit guter, etwas sandiger Mistbeeterde gefüllt und ein Samenkorn hineingelegt, darauf angegossen und ins Mistbeet gestellt. Bis zum Aufgange muss das Fenster geschlossen gehalten werden; später wird nur ganz wenig gelüftet. Damit es im Beet nicht zu warm wird, legt man oft Schatten. (Es werden Strohmatten bei Sonne über die Fenster ausgerollt).

Sobald die jungen Pflanzen über den Topfrand hervorgewachsen sind, werden die Töpfe bis unter die Keimblätter mit Erde angefüllt. An dem mit Erde angehäufelten Stengel bilden sich neue Wurzeln, welche den Pflanzen viel Nahrung zuführen und sie zu früherem Blühen veranlassen. Die im Gewächshaus oder in einem besonderen Mistbeet derart herangezogenen Pflanzen werden in das Melonenbeet ausgepflanzt.

Es wurde schon gesagt, dass die abgeräumten Mistbeetkasten als Melonenbeete dienen können. Es wird sofort nach dem Leerwerden die Erde tüchtig mit vergorener Jauche übergossen und, wenn sie hierauf wieder abgetrocknet ist, umgespatet; dann fülle man frische, gute Melonenerde handhoch ein und pflanze die Melonen. Das gibt, da die Wärme der Düngerpackung schon verbraucht war, immerhin ziemlich spät Erträge.

Sicherer und früher erhält man Melonen aus den Beeten, die noch im März eigens angelegt sind. Man packt sie gut mit Pferdedünger 50 Zentimeter hoch. Dieser Pferdedünger muss abdampfen, denn der scharfe Dunst des Pferdemistes ist der Melone schädlicher als irgend einer anderen Pflanze. Auf die Pferdemistpackung kommt eine 6 Zentimeter hohe Lage strohfreien Kuhmistes; dadurch wird die Hitze des Pferdemistes gemildert und der schädliche Dunst wird von der Erde abgehalten. Die Melonenwurzeln, welche später in den Kuhmist einwachsen, befinden sich viel wohler darin, als wenn sie in die oberen Schichten des Pferdemistes eindringen würden. Erst auf den Kuhmist kommt die Melonenerde. Gute Melonenerde wird bereitet aus zwei Teilen verrotteten Rindermist, zwei Teilen bester Rasenerde und einem Teil grobkörnigen Flußsand. Hat man alten Lehm von Abbruch – Scheunen, so kann man auch diesen als wertvollen Zusatz der Erde beigeben.

Es werden zwei Pflanzen unter jedes Fenster gesetzt. Die Pflanzen werden mit dem Rohre vorsichtig angegossen; man gießt nie direkt an den Stengel, sondern ringsherum. Wenn die Melonen das dritte Stengelblatt gemacht haben, werden sie über dem zweiten Blatt geköpft. Es bilden sich nun zwei Triebe, welche nach beiden Seiten hin recht gleichmäßig ausgebreitet werden. Sobald die neuen Triebe das vierte Blatt machen, werden sie wiederum geköpft, und zwar jeder über dem dritten Blatt. Nun entsteht wiederum aus jedem Auge ein Trieb; wir haben also sechs an jeder Pflanze. Von diesen sechs Trieben müssen zwei, drei oder vier je eine Frucht bringen.

Nachdem an einem Triebe eine Frucht gebildet ist, soll der Trieb noch so lange weiterwachsen, bis die Frucht etwa Hühnereigröße hat; dann wird der Trieb über dem dritten Blatte hinter der Frucht abgeschnitten. Jeder andere der sechs Triebe wird ebenso behandelt. Würde man den Trieb zu früh abschneiden, so würde die Gefahr eintreten, dass die Frucht abgestoßen wird. Es dürfen aber nur zwei, höchstens vier Früchte an jedem Stock bleiben, alle anderen werden ausgebrochen. Triebe, welche üppig wachsen und keine Frucht bilden, sind bis aufs unterste Blatt fortzuschneiden.

Dieses ist das Schema zum Melonenschnitt. Ohne regelrechtes Beschneiden könnten die Melonen nicht fruchtbar werden; sie würden endlose Ranken machen, für die im Mistbeete gar kein Platz vorhanden sein würde. Man kann übrigens vorstehendes Schema beliebig abändern: z. B. beim zweiten Schneiden vier Ranken lassen, was für starkwüchsige Sorten vorteilhaft ist. Weiterhin kann man sämtliche sechs oder acht Ranken, nachdem sich nahe am Stamm keine fruchtbare Blüte zeigt, auf die zwei untersten Blätter zurücksetzen und
von den jedesmal zwei neuen Trieben nur einen zum Fruchttragen belassen. Der erfahrene Melonenzüchter findet für die Behandlung im Schnitt verschiedene Abweichungen, mit denen er sich den Verhältnissen anpasst. Melonen gebrauchen viel Wärme. Die Fenster müssen dauernd, besonders aber in der ersten Zeit, ziemlich fest aufliegen. Es wird bei starker Sonne Schatten gegeben und wenig gelüftet.

Bei der ferneren Behandlung ist es notwendig, möglichst feuchte Luft im Kasten zu haben. Durch trockene Luft bekommen die Melonen fast augenblicklich Ungeziefer (Rote Spinne) und verkommen. Begießen und Spritzen der Bretterwände trägt besonders dazu bei, die Luft feuchter zu machen. Wenn die Pflanzen größer werden, wird ihnen allmählich mehr Luft und Licht zugeführt.

Zur Zeit der Blüte muss am fleißigsten gelüftet werden, denn die Luftbewegung trägt wesentlich dazu bei, guten Blütenstaub zu gewinnen. In gespannter, feuchter Luft bildet sich kein reifer Blütenstaub; die Befruchtung der Blüten misslingt dann, selbst wenn der Versuch gemacht wird, künstlich zu befruchten. Herrscht während der Blüte bedecktes, trübes Wetter und es fliegen keine Bienen und anderen Insekten, so muss immer künstlich befruchtet werden. Wenn die kleinen, halb ausgebildeten Melonen abwelken und faulen, so ist das fast immer die Folge ungenügender Befruchtung. Unter jede Frucht wird eine Schieferplatte gelegt. Die Reife der Früchte ist daran erkennbar, dass sie eine leuchtende Farbe annehmen, sich weich anfühlen und einen deutlich bemerkbaren Melonenduft ausströmen.

. . .

 
Wenn Melonenkultur erfolglos ist, so liegt es nicht selten an der Sorte. Es gibt sehr viele Melonensorten und die sind in ihrer Güte, in ihren Ansprüchen und in ihrer Fruchtbarkeit sehr verschieden: Netzmelonen mit feinen, netzartigen Narben oder flachen Sprüngen über die ganze Frucht, Cantalupen (geriefte Melonen); dann gibt es noch glatte Melonen und Wassermelonen.

 

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Soweit also der Herr Oekonomierat. Sicherlich wirft der Text einige Fragen auf, bezüglich der Materialbeschaffung. Schiefertafeln . . .  woher nehmen? Rasenerde? Jauche?

Wenigsten bezüglich der Jauche weiß ein anderes Buch Rat: "Winke übern Gartenzaun  -  praktischer Ratgeber für den Gemüse-, Obst-, und Ziergarten" (1934) von H. Neuhaus: 

"Wie stellt man Jauche her?

Wir geben ins Jauchefass Kuhmist, Geflügelmist, Ruß, Holzasche, Abortdünger, Schaf-, Ziegen-, oder Kaninchendung, füllen mit Wasser auf und rühren täglich um, damit die Mischung ins Gären kommt. Bei warmen Wetter ist das nach 14 Tagen geschehen. Zum Düngen schöpft man etwas Flüssigkeit ab und verdünnt sie, bis sie schwach trübe aussieht, etwa wie schwacher Tee. Kuhmist ist ein besonders milder Dünger; man kann die daraus gewonnene Jauche sofort gebrauchen. Man gibt auf 1 Pfund reinen Kuhmist 8 Liter Wasser und rühret gut um. Diese Lösung ist beim Gebrauch so weit zu verdünnen, dass sie wie dickes Schmutzwasser aussieht"






Dann steht sommerlichen Genussbildern wie diesem ja nichts mehr im Wege. . . :


Bartolomé Esteban Murillo: Trauben- und Melonenesser