Posts mit dem Label Lesebuch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Lesebuch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 5. Februar 2023

Jeden Tag ein Gedicht? Warum nicht

 


Jeden Tag ein Gedicht?  -  Warum nicht. Auf Facebook mache ich das schon seit längerer Zeit, dass ich jeden Morgen ein Gedicht für den Tag poste. Nicht eigene, sondern Gedichte, die mir gefielen, meist von Dichterinnen und Dichtern der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts geschrieben, und jeweils mit einer Illustration oder einem Foto versehen. 

Seit Januar dieses Jahres habe ich mir nun angewöhnt, dieses Gedicht für den Tag auch auf meinem Blog Dingefinders Lesebuch einzustellen, genauso bebildert. (Die Illustration oben ist übrigens von dem amerikanischen Künstler Coles Phillips, der von 1880 bis 1927 lebte). 

Vielleicht hat die eine oder der andere ja auch hier Interesse an einem Gedicht für den Tag? Daher füge ich einmal den Link zum Lesebuch-Blog an und hoffe, dass es Menschen gibt, die daran gefallen finden. 

Heute war übrigens folgendes Gedicht zu finden: 

Suleika

Nicht im Rosenschmuck der Jugend
fand ich dich und liebt ich dich,
grau schon ringelten die Locken
um der Stirne Weisheit sich,
doch in deinem Kusse lodert
ungezähmte Jugendkraft,
stimmt die Harfe meiner Seele
zur Musik der Leidenschaft. -

Deine grauen Haare bergen,
was in deiner Seele ruht,
wie die Asche des Vulkanes
Zeuge ist der innern Glut,
und aus deiner Augen Tiefen,
sprühet blitzend, göttlich rein,
ewig junges Leben kündend,
deines Geistes Feuerschein.

Aus: Clara Müller-Jahnke: Gedichte, herausgegeben und illustriert von Oskar Jahnke, Berlin: Buchhandlung Vorwärts (Hans Weber) [1910]

Hier geht´s zum Dingefinders Lesebuch

Samstag, 22. Januar 2022

Empfehlung: Aus Dingefinders Lesebuch

 

Winter und Lockdown, eigentlich genau die richtige Mischung, um einmal wieder in Ruhe zu lesen. So habe denn auch ich reagiert, und in meinem Blog "Dingefinders Lesebuch" ganz viele schöne Gedichte eingestellt (der link dahin folgt unten). 

Seit Anfang dieses Jahres sind dort Gedichte zu finden von:  Karl Henckell, Fritz Mangold, Alfred Mombert, Walter Rheiner, Maria Eichhorn-Fischer, Jakob van Hoddis, Hellmuth Wetzel, Ernst Toller, Heinrich Lautensack, Lessie Sachs, Max Herrmann-Neiße, Isaac Schreyer, Hans Schiebelhuth, Ernst Balcke, Georg Heym, Emmy Hennings, Franziska Stoecklin, Else Lasker-Schüler, Hans Ehrenbaum-Degele, Leo Sternberg, Victor Wittner, Maria Stona, Elsa von Freytag-Loringhoven, Joseph Willomitzer, Anna Louisa Karsch, Rosa Mayreder, Bruno Frank, Gertrud Kolmar, Jakob Loewenberg, Margarete Eloesser, Gertrud Epstein, Marianne Dora Rein, Albin Zollinger, Ernst Blass, Marie Luise Weissmann, HaHu Baley (das sind Hans Leybold und Hugo Ball), Friedrich Adler, Alfred Wolfenstein, René Schickele, Konrad Weichberger. 

Die meisten der Gedichte sind aus der Zeit zwischen 1895 und 1945, von deutschsprachigen Autorinnen und Autoren. Dieses halbe Jahrhundert war eines der einschneidensten unserer Geschichte, und das spiegelt sich auch in den Texten wieder. Es sind einige bekannte Namen dabei, doch auch viele unbekannt(er)e. Viele, deren Werke verbrannt wurden 1933, und die drohen, immernoch dem Vergessen anheim zu fallen, was sehr schade wäre. Zu vielen der Dichterinnen und Dichter gibt es denn auch ausfführlichere Infomationen, und, wo ich es für nötig erachtete, weiterführende links. 

Die Auswahl der Gedichte ist streng subjektiv und folgt dem, was ich persönlich gerne lese. Doch denke ich, dass für jede und jeden etwas dabei ist, die Lyrik lieben und schätzen. Außerdem habe ich versucht, zu den Werken adäquate Bilder zu finden. Das Einstellen von Gedichten auf diesem Blog wird fortgesetzt, das war mein guter Vorsatz für dieses Jahr. Viel Spaß beim Stöbern und Lesen wünscht Dingefinder Jörg. 

Hier noch das Gedicht, welches zu dem Bild oben von Michael Peter Ancher (1849 - 1927) gehört. Und, wie versprochen, der link zum Blog: 

http://dingefinders-lesebuch.blogspot.com/


 

 

Mittwoch, 26. März 2014

Aus Dingefinders Lesebuch: Dierk Schmitz - Wortgold
















                                                                 Wortgold


                                                    Wort, das sich ausspinnt
                                                    Wort, das verbindet
                                                    gesprochene Worte, Namen
                                                    unter den Hiesigen
                                                    und
                                                    Grüße,
                                                    Umgang belohnt mit dem Küsschen

                                                    Schöne Geste, Umarmung
                                                    Wort unter der Laube
                                                    mehr als ein Sommerabend:
                                                    fremder Geschichte aufziehender Grat –
                                                    Wolkenhände und Horizont. . .
                                                    aus der Feder fließender Tinte Blau
                                                    gefloßene Striche über den Dächern
                                                    und bis in die Schwellen klingelnden Besuchs:

                                                    mehr als Klienten und Management
                                                    eine lebendige Währung, Wortgold



                                                    Raschelnder Stoff auch
                                                    und leise geschobene Schritte –
                                                    und junge Mütter vor dem Atem,
                                                    Suche nach Wegen und fließende,
                                                    zähe Bahnen. . .
                                                    . . . unter Lärm und geklopften Steinen –
                                                    Im Schweißerlicht früheren Schiffbaus

                                                    unter Klinkern die schwere Zeit –
                                                    und Riesenzeit –
                                                    wo Werften und Arbeit Heimat schufen. . .
                                                    Heute die hingeworfene Zeitung und Rotz.
 
                                                    Wie das Aufsprießen von zartem Frühling –
                                                    von Grün und Sonnenlicht
                                                    so junges  Gewächs und an den Mauern
                                                    eingesessenes Efeu hier

                                                    Bröckeln, und der Versuch den Farbton
                                                    der Mauern zu treffen dort:
                                                    wo manchmal zu langsam die Zeit
                                                    neu hervorgeholt werden will. . .



 
                                                   Dem Aufstand der Tüchtigen
                                                   und der bröckelnden Zeit aufwartend
                                                   heißt es
                                                   neuen Mut und neuer Reigen,
                                                   dass neues Wort und Geschichte
                                                   im lebendigen Interesse die Kurve kriegt:

                                                   Westend, Heimatstraße und Lindenhof.



© Dierk Schmitz 2013

Donnerstag, 3. Oktober 2013

König ist der Hirtenknabe. . . (Heinrich Heine)




König ist der Hirtenknabe,
Grüner Hügel ist sein Thron,
Über seinem Haupt die Sonne
Ist die schwere, goldne Kron.

Ihm zu Füßen liegen Schafe,
Weiche Schmeichler, rotbekreuzt;
Kavaliere sind die Kälber,
Und sie wandeln stolz gespreizt.

Hofschauspieler sind die Böcklein
Und die Vögel und die Küh,
Mit den Flöten, mit den Glöcklein,
Sind sie Kammermusizi.

Und das klingt und singt so lieblich,
Und so lieblich rauschen drein
Wasserfall und Tannenbäume,
Und der König schlummert ein.

Unterdessen muss regieren
Der Minister, jener Hund,
Dessen knurriges Gebelle
Widerhallet in der Rund.

Schläfrig lallt der junge König:
„Das Regieren ist so schwer,
Ach, ich wollt, dass ich zu Hause
Schon bei meiner Kön´gin wär!

In den Armen meiner Kön´gin
Ruht mein Königshaupt so weich,
Und in ihren lieben Augen
Liegt mein unermesslich Reich!“


Heinrich Heine