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Sonntag, 16. August 2026

Die Wilde Sollingküche lädt ein: Kräuterspaziergang am Sonntag, dem 6. 9. in und um Fredelsloh

 


Die Wilde Sollingküche lädt ein: Kräuterspaziergang am Sonntag, dem 6. 9. in und um Fredelsloh

Treffpunkt ist die Alte Schule Fredelsloh, Am Kapellenbrunnen 4, wir treffen uns um 10 Uhr.

Dieser Termin liegt in den Tagen der so genannten Frauendreißiger, die vor allen in katholischen Gegenden traditionell ihren Stellenwert hatten. Das sind dreißig Tage, beginnend am Vorabend des 15. August, dem Fest Maria Himmelfahrt und endend am 15. September, dem Gedenktag der Schmerzen Mariens. In dieser Phase sollen die gesammelten Heilpflanzen besonders wirksam sein. In diesen Tagen wurde auch der Dreißigerstrauß gesammelt, der am 8. September, dem Fest der Mariä Geburt, geweiht wurde.

In den Dreißigerstrauß wurden, je nach Region, meistens sieben oder neun verschiedene Kräuter gebunden. Auch andere Zahlen waren möglich, doch diese beiden waren die häufigsten. Zu den oft verwendeten Kräutern in diesem Strauß zählten: Beifuß, Baldrian, Rainfarn, Schafgarbe, Himbeerlaub, Farnkräuter, Thymian (Quendel), Gundermann, Mutterkraut, Johanniskraut, Goldrute, Dost, Eisenkraut, Königskerze, aber auch Gartenkräuter wie Liebstöckel und Dill. Meistens bildete eine hohe, blühende Königskerze die Mitte des Straußes.

Ob Ihr Euch bei unserem Spaziergang einen Dreißigerstrauß sammeln wollt, oder einfach nur Spaß am Streifen durch die Natur habt, es wird auf jeden Fall Wissen über die Verwendung der Kräuter in Küche und Hausapotheke vermittelt. Zum Beispiel, wie Senf aus Knoblauchraukensamen zubereitet werden kann. Und da unser Weg uns an diesem Tag in den Solling führt, kann es auch sein, dass wir zu der Zeit dem einen oder anderen Pilz begegnen. Auch darüber werden dann Informationen für den Hausgebrauch vermittelt.

Im Anschluss an unseren Spaziergang um etwa 12:30 Uhr bieten wir einen kleinen Kräuterimbiss an. Auch Kinder sind willkommen, bitte auf dem Wetter angepasste Kleidung achten. Über eine Spende der Teilnehmenden würden wir uns freuen.

Das Foto zeigt unsere Maskottchen der Wilden Sollingküche, Peter Pateter und die Waldlilli, gut beschirmt mit einem Parasol; eine Filzarbeit von Judith Zahn-Dahlen aus Fredelsloh. Veranstalter: Bildungswerk Leben und Umwelt (BLU) e. V., Alte Schule Fredelsloh. Kontakt: Jörg Krüger, Telefon 05555 522 (AB Alte Schule) oder Mail dingefinder@gmx.de



Sonntag, 3. Mai 2026

Kräuterspaziergänge 17. Mai und 21. Juni 2026

 


Die Wilde Sollingküche lädt ein: Kräuterspaziergang jeweils am 17. Mai und am 21. Juni 2026

Kräuter für die Küche und Hausapotheke

Der Mai ist gekommen und mit ihm der Waldmeister als Bestandteil der klassischen Maibowle. Das wirft die Frage auf, ob am 17. Mai, wenn unser Kräuterspaziergang stattfindet, der Waldmeister noch gesammelt werden sollte. Es heißt ja oft, dass er, wenn er blüht, nicht mehr genutzt werden solle, ja sogar, dass er dann giftig wäre. Und blühen tut er jetzt schon an exponierten Stellen am 1. Mai, an dem ich dieses schreibe.

In manchen Jahren blüht der Waldmeister mit einer Geschwindigkeit auf, dass es fast unmöglich ist, nichtblühende Triebe zu sammeln. Für das Aroma, welches wir lieben, sind die Cumarine zuständig, Der Wirkstoffgehalt ist kurz vor der Blüte am höchsten und schwindet nach dem Blühen recht schnell. Wenn das Frühjahr sehr warm ist, dann fallen Blütenbildung und Cumarinproduktion zusammen. Werden diese Cumarine in zu hohen Dosen eingenommen, kann das zu Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Druckgefühl im Oberbauch führen. Gleichzeitig ist dieser Stoff aber auch für das Aroma zuständig, welches wir so schätzen, und dass die Maibowle so lecker macht. Also sollten wir von den blühenden Pflanzen, beziehungsweise von den kurz vor der Blüte stehenden Pflanzen mit Knospen dementsprechend weniger nehmen, um den gleichen aromatisierenden Effekt zu haben. Übrigens sollte der Waldmeister anwelken, um sein volles Aroma zu entfalten, frisch riecht er nach fast nichts.

Auch lässt sich Waldmeister für Sirup sammeln. Dazu zuckern wir die gesammelten Triebe, die in einer Glasschüssel geschichtet werden, lagenweise ein. Auf die letzte Lage legen wir einen Teller, den wir mit einem Stein beschweren, dass die weichen Triebe mit dem Zucker zusammengepresst werden. Das lassen wir dann mindestens 24 Stunden ziehen, etwas länger schadet nicht. Schließlich diese Triebe mit dem Zucker in einem Topf geben und mit Wasser auffüllen, dass sie gut bedeckt sind. Aufkochen lassen, etwas Zitronensaft bei geben, und dann noch etwa drei Minuten köcheln lassen, schließlich abseihen und noch heiß in sterilisierte Flaschen abfüllen. Fertig.

Diesen Sirup kann man dann jederzeit mit Mineralwasser aufgießen und genießen. Besonders lecker ist das, wenn noch zur Hälfte Apfelsaft dazu kommt. So erhält man auch eine alkoholfreie Maibowle. Wenn der Waldmeister schließlich am Verblühen ist, ist auch die Sammelsaison vorbei, dann nämlich treten die Cumarine zurück und das Kraut schmeckt zunehmend herbe und bitter.

Doch Waldmeister ist nicht das einzige Kraut, welches im Mai zu finden ist. Und später im Jahr, im Juni, hat die Vegetation einen Wechsel vorgenommen. Was dann jeweils zu finden ist für Küche und Hausapotheke, möchten wir ihnen auf unseren Kräuterspaziergängen näher bringen. Jeweils Sonntag 17. Mai und 21. Juni (dem Tag der Sommersonnenwende, an dem wir sicher auch Johanniskraut finden werden). Treffpunkt Alte Schule Fredelsloh, Am Kapellenbrunnen 4, 10:00 Uhr. Um an den Exkursionen teilzunehmen, müssen sie kein Mitglied der Wilden Sollingküche sein. Kinder sind willkommen. Jeweils im Anschluss bereiten wir eine Kleinigkeit (Kräuterquark etc.) aus gesammelten Kräutern zu und verköstigen diese. In die Welt der Kräuter führen Sie ein Jörg Krüger aus Fredelsloh und Jutta Kramer aus Oldenrode. Kosten: Über eine Spende würden wir uns freuen. Bitte auf dem Wetter angemessene Kleidung achten.

Veranstalter: Wilde Sollingküche im Bildungswerk Leben und Umwelt BLU e.V., Alte Schule Fredelsloh, Am Kapellenbrunnen 4, 37186 Moringen, das Foto zeigt die Maskottchen der Wilden Sollingküche, Peter Pateter und die Waldlilli; eine Filzarbeit von Judith Zahn-Dahlen aus Fredelsloh, inmitten von Waldmeister und anderen Kräutern.


Samstag, 14. März 2026

Sonntag 22. März, Fredelsloh: Kräuterspaziergang mit der Wilden Sollingküche


Am Sonntag, dem 22. März machen wir einen Kräuterspaziergang rund um die Klosterkirche und dem Hainberg. Treffpunkt Alte Schule Fredelsloh, 10:00 Uhr, im Anschluss bereiten wir einen kleinen Imbiss mit gesammelten Kräutern. Gäste sind herzlich willkommen, Kinder ebenso. Für die fachliche Begleitung bin ich zuständig. Wer mich (noch) nicht kennt: Gärtner, Pädagoge, Dichter; ich biete seit Anfang der 90 er Kräuterwanderungen für verschiedene Bildungsträger an. Kosten: Eine Spende wäre nett.

Donnerstag, 15. Mai 2025

24. 5. 2025: Kräuterspaziergang für Eltern mit Kindern

 


BUND lädt ein zu einem Kräuterspaziergang für Eltern mit Kindern

Am Samstag, dem 24. Mai lädt die BUND Kreisgruppe zu einem Kräuterspaziergang für Großeltern / Eltern mit Kindern im Grundschulalter in und um Fredelsloh ein. Start ist um 14:30 Uhr bei der Alten Schule Fredelsloh, Am Kapellenbrunnen 4.

Es werden Kräuter der Saison gezeigt, dazu gibt es Tipps für die Anwendung in Küche und häuslicher Heilkunde. Was kann man essen, und was besser nicht? Auch können Pflanzen bei kleinen Wehwehchen helfen. Im Anschluss bereiten wir zusammen ein Kräuterbuffet zu und so endet der Nachmittag an einer grünen Tafel.

Bitte auf wetterangepasste Kleidung achten. Über eine Spende für Zutaten des Kräuterbuffets freuen sich die Veranstalter. Anmeldung erwünscht unter 05555 / 522 (AB Alte Schule) oder dingefinder@gmx.de. Referent: Jörg Krüger


Mittwoch, 27. März 2024

Kräuterspaziergang in und um Fredelsloh 13. April / 4. Mai 2024

 


Kräuterspaziergang in und um Fredelsloh


Samstag, 13. April und am Samstag dem 4. Mai

bieten wir wieder Kräuterspaziergänge in und um Fredelsloh an. Start ist jeweils um 10:00 Uhr bei der Alten Schule Fredelsloh, Am Kapellenbrunnen 4. Es werden Frühjahrskräuter gezeigt, dazu gibt es Tipps für die Anwendung in Küche und häuslicher Heilkunde. Im Anschluss bereiten wir zusammen ein Kräuterbuffet, und so endet der Vormittag an einer grünen Tafel. Referent: Jörg Krüger, Fredelsloh

Die Teilnahme ist frei, doch eine Spende wäre nett, und auch ein Kostenbeitrag zum Buffet. Kinder sind willkommen, der Rundgang wird etwa zwei Stunden dauern. Um wetterfeste Kleidung wird gebeten, und auch eine Anmeldung wäre nett, wenn auch nicht zwingend erforderlich. Diese kann geschehen unter der Telefonnummer 05555 / 522 (AB Alte Schule) oder per mail: dingefinder@gmx.de



Freitag, 16. Februar 2024

Die Kräuterzeit hat begonnen

 

Huflattich (Tussilago farfara)

Die Kräutersammelzeit hat begonnen

Heute bei uns auf dem Gelände vor der Alten Schule beginnt das Blühen. Neben den Winterlingen zeigt sich auch der Huflattich wieder mit seinen gelben Strahlenblüten. Jedes Jahr nehmen beide Pflanzenarten mehr Platz ein, bei den Winterlingen absolut erfreulich, beim Huflattich schon etwas kritischer beäugt, denn was da so harmlos beginnt mit den zarten Blüten endet in einem Blättermeer, das sich ausbreitet.

Die Pflanze wird seit altersher bei Bronchitis genutzt, gesammelt wurden sowohl Blüten als auch die Blätter zum Bereiten von Hustentee. Mittlerweile wird davon abgeraten, die Pflanze als Hausmittel aus wilden Beständen zu sammeln, denn es hat sich herausgestellt, dass sie neben den wünschenswerten Inhaltsstoffen auch Pyrrolizidinalkaloide enthält, wenn auch in sehr geringen Mengen. Diese Alkaloide können sich schädigend auf die Leber auswirken. Käufliche Huflattichpräparate werden von Zuchtpflanzen gewonnen, aus denen diese Stoffe herausgezüchtet wurden.

Früher hatten meine Großmutter, und auch ich, jeden Spätwinter Huflattichblüten gesammelt und getrocknet. Aus Tradition nehme ich immer noch eine kleine Anzahl, diese werden dann meinem Tagestee „Tee der Landschaft und der Jahreszeiten“ zugefügt, in der Menge gehen die paar unter, doch es ist nett für mich, zu wissen, dass sie dabei sind. (Ich bin sowieso der Meinung mittlerweile, dass solche Frühblüher möglichst gar nicht gesammelt werden sollten und die Blüten den Hummeln überlassen, die jetzt schon unterwegs sind, wenn die Sonne genügend scheint)

Immerhin hat damit die Saison begonnen für meinen „Tee der Landschaft und der Jahreszeiten“, im Laufe des Jahres kommen immer weitere Sammelgüter hinein, Blätter von Minzen und vom Andorn, von Salbeiarten und vom Gundermann, dazu Blüten von Veilchen, Schlüsselblumen, Linden, Ringelblumen, Johanniskraut, Mädesüß; Kraut vom Beifuß und vom Eisenkraut, von Schafgarbe, von Melisse und von der Römischen Kamille und was sich sonst noch so findet im Garten und der Natur. Enden wird das Sammeln dafür im Herbst mit beispielsweise Weißdorn- und Eschenfrüchten. Alle Zutaten werden schonend getrocknet und dann in mit Pergamentpapier ausgekleideten Blechdosen gelagert.

Huflattichblüten neben Apfelschalen zum Trocknen ausgelegt

Streng genommen hat seine Produktion schon längst begonnen, denn die Schalen von im Winter geschälten (Bio-) Äpfeln wurden auch getrocknet, ebenso Schalen von Quitten und Birnen. Auch Zesten von Zitronen- und Orangenschalen lassen sich trocknen und hinzufügen, sowie die Schalen von Ingwerwurzeln, wenn ich diese einmal schälen musste fürs Kochen.

Diese Tee ist ein Gebrauchstee, sicher auch mit heilenden Qualitäten, doch ist er, gerne auch mit Honig gesüßt, einfach lecker. Und beim Trinken erinnere ich mich gerne an meine Streifzüge durch den Garten und die Landschaft, und ich nehme diese sozusagen zu mir.

Die Kräuter für Heilzwecke sammle ich extra und verwahre sie ungemischt, dazu zählen für mich Weißdorn-, Kamillen-, Linden-, Mädesüß- und Johanniskrautblüten, Bachminze (wenn ich sie denn finde, die Bestände hier in der Umgebung vielen einer Graben“säuberung“ zum Opfer), aus dem Garten kommen dazu Ringelblume, Salbei, davon gerne die Blüten, Griechischer Bergtee und Einjähriger Beifuß (Artemisia annua), um die wichtigsten zu nennen.


Apropos Winterling. Ich werde dieses Jahr dem Rat eines Gartenbuches folgen, und nach der Blüte einige Pflanzen ausgraben und auf unsere Streuobstwiese umsiedeln. Dort dürfen sie sich dann weiter ungestört ausbreiten, wie sie wollen und Hummeln anlocken, auch zum Segen unserer Obstbäume.


Auch die Gartensaison hat begonnen, mit den ersten Aussaaten auf dem Fensterbrett.

Ausgesät: Italienische glatte Petersilie, Koriander, davon die Sorten Cilantro, ein Blattkoriander, der erst spät zu blühen beginnt und damit eine lang anhaltende Blatternte garantiert, die noch dadurch verlängert werden kann, indem die Blütenstände herausgebrochen werden (diese können übrigens auch verwendet werden). Die zweite Sorte ist eine Neuheit für mich, die ich das erste Mal ausprobiere, mit dem Namen „Dwarf Lemon“. „Ein Blattkoriander mit einer frischeren Note, deutlich mehr in Richtung Zitrone“ heißt es in der Sortenbeschreibung. Ich lasse mich überraschen. Für die Körnergewinnung habe ich auch Saatgut, doch die Pflanzen ziehe ich nicht vor, sie werden direkt im Garten ausgesät, demnächst.

Die Petersiliensorte, die ich gewählt habe, „Prezzemolo gigante d´Italia“, ist groß und glattblättrig, mit einem kräftigen Aroma. Die Pflanzen werden später sowohl im Garten als auch in Kästen auf der Terrasse ausgepflanzt, nahe der Küche, denn frische Petersilie sollte man immer zur Hand haben.



Ausgesät habe ich in kleinen Plastiktöpfen, die Größe, die sich häufig in den Abfallkästen an Friedhöfen finden lassen, und die vorher Stiefmütterchen und ähnliches beherbergten. Ich gehe dort gerne vorbei, wenn ich in der Nähe bin, und jetzt beginnt die Zeit, in der man fast immer fündig wird. Mit etwas Glück sind auch runde Pflanzschalen aus Ton dort entsorgt, die ich mit Freuden mitnehme. Ich pflanze dann dort hinein kleine Thymiangärtchen und ähnliches.

In der Küche in der Alten Schule hat die Heizung eine Nachtabsenkung, und so bekommen die Töpfchen ein „Gewächshaus“ übergestülpt, um die Wärme zu halten. Jetzt heißt es, täglich einmal vorbei zu schauen und zu Lüften.

Pro Töpfchen habe ich etwa zwanzig Samen gelegt. Die Sämlinge werden später pikiert, wenn sie beginnen, das erste Laubblatt zu entwickeln. Nach dem Pikieren wird es denn auch Zeit für eine zweite Aussaat.

Dann hatte ich noch Saatgut von der Süßdolde, Myrrhis odorata, auch diese Samen kamen in ein Töpfchen in die Erde, doch bekamen sie ihren Platz draußen auf der Terrasse. Ich hoffe, dass es doch noch einmal etwas Nachtfrost gibt, denn die Süßdolde ist ein sogenannter Kaltkeimer, das heißt, sie begehren niedrige, frostige Temperaturen, um keimhemmende Stoffe abzubauen. Wenn sich in dem Töpfchen in den nächsten Wochen nichts zeigt, dann wandert es noch einmal in die Kühltruhe.

Letztes Jahr stand noch eine große Pflanze davon im Garten, doch gelten sie als zwei- bis mehrjährig, und augenscheinlich hat sie sich verabschiedet diesen Winter. Besteht die Hoffnung, dass sie durch Selbstaussaat für eigenen Nachwuchs gesorgt hat.

Süßdolde benutze ich gerne wo Kerbel, der der gleichen Pflanzenfamilie angehört,  benutzt wird, ihre Blätter haben ein ähnliches anisiges Aroma, auch wenn sie etwas derber sind. Klasse sind auch die bis zwei Zentimeter großen noch grünen Früchte, die sich so wegknabbern lassen.

Zuguterletzt sei noch erwähnt, dass ich dieses Jahr wieder Kräuterspaziergänge im Dorf und rund um das Dorf anbieten werde. Zwei Termine stehen schon fest, das sind Samstage 13. April und 4. Mai. Wir werden uns dann um zehn Uhr in der Alten Schule Fredelsloh treffen, unseren Rundgang machen, und zum Abschluss ein Kräuterbuffet genießen. Genaueres wird noch bekanntgegeben, doch wer Interesse hat, darf sich die Termine gerne schon eintragen. 

Mittwoch, 21. Juni 2023

Sommersonnenwende - Johanniskraut

 



Sommersonnenwende


Sag, was kündest du mir, Sonnenwendkraut, leuchtender Busch du?
Nicht Johanniskraut, nein, Lichtheiliger mögest du heißen!
Sommerverkünder, so weit das Auge erfasset die Landschaft.
Lichthell stehet der Rain und sommerlich glühet der Wegsaum,
Borget den Nächten sogar ein mitternachtsonniges Dämmern.

Stets sich steigert die Glut, daß glitzern die Blätter des Eichwalds
Wie in metallischem Glanz. - Gott! Rosen, ja Rosen in Menge!
Rot und röter und weiß. - Ach, wie ermüdet die Fülle!
Silbrig flimmert die Luft und goldgleich zittert der Sonnball.

Christian Friedrich Wagner, geboren am 5. August 1835 in Warmbronn, Baden-Württemberg; gestorben am 15. Februar 1918 ebenda, Kleinbauer und Dichter.


Seine Stellung zur Kriegslyrik war eindeutig, wie aus einem Brief an Hermann Hesse hervorgeht: Nachdem er schon mehrfach „um Kriegslieder angegangen worden“ sei, schreibt er weiter: „das Heldentum des Nitroglyzerins erkennen wir [Dichter] nicht an!“ Als der befreundete Dichter und Kriegsdienstverweigerer Gusto Gräser aus Deutschland ausgewiesen werden sollte, setzte er sich für ihn ein. Der spätere Dadaist Johannes Baader besuchte ihn 1916 in Warmbronn und hielt daraufhin begeisterte Vorträge über Wagner.

Er leidet sehr unter dem fortgesetzten Kämpfen und Töten und wünscht sich, Eremit zu werden. „Ich beklage, dass es in Deutschland keine Wälder mehr gibt, wie im Mittelalter, zur Zeit der Eremiten, in die hinein ich mich verkriechen könnte, um dort nur noch mit frommen Tieren zu leben.“

„Lieber ein barmherziger Heide als ein unbarmherziger Christ“

Im Winter 1884 nutzte Wagner die freie Zeit zum Sichten seiner poetischen Versuche und stellte sein Manuskript Märchenerzähler, Bramine und Seher zusammen, das im Frühjahr 1885 in einem Stuttgarter Verlag erschien, nachdem er die Herstellungskosten des Buches übernommen hatte. In diesem Werk sah er sich selbst als Bramine, der „alles Lebendige schonend und achtend durch die Fluren wandelt“, er versicherte jedoch, nie buddhistische Schriften gelesen zu haben.

Dienstag, 6. Juni 2023

Mauerritzenexkursion: Die Belebung der Klostermauer


Nichts währt ewig - und wenn sie komplett der Natur überlassen würde, dann wäre irgendwann die Klostermauer des ursprünglichen Fredelsloher Klosters wieder Teil eines Waldes. Die Erstbesiedler sind Flechten in verschiedenen Arten und Formen (je größer hier die Artenvielfalt, um so sauberer dürfte die Luft in der Umgebung sein); dann siedelt sich gerne die Mauerraute (Asplenium ruta-muraria) an, ein genügsamer Farn, auf dem Foto oben zu sehen. Die Blätter ähneln die der Weinraute, daher der Name, doch sind sie nicht aromatisch. Früher wurde die Mauerraute als Heil- und Zaubermittel gesammelt und zum Beispiel bei Schwellungen und Entzündungen angewendet. Für Gartenliebhaberinnen und Liebhaber, ich las dazu folgenden Satz auf einer Heilkräuterseite im Web: "Die Mauerraute ist schwierig in der Anzucht". Das wiederum empfinde ich nicht so, sondern es ist ganz einfach: Man nehme eine etwas über 800 Jahre alte Klostermauer, aus Rotsandstein geschichtet, der Rest ergibt sich von selbst.

Auch von selbst geht die weitere Besiedelung, es kommt, was Wind und Tiere so herantragen. So ziemlich immer dabei ist das Schöllkraut (Chelidonium majus):


Dass dieses Mohngewächs so häufig in Mauerritzen wächst, hat seinen Grund: Die ölhaltigen Samen haben ein eiweißhaltiges Anhängsel, und das ist begehrtes Futter für die Ameisen. Diese sammeln die Samen ein und bringen sie als Vorrat in ihren Bau. Ameisen sind wärmeliebend und bauen ihre Nester gerne in Lücken in durchwärmten Mauern.

Das Schöllkraut ist, wie die meisten Mohngewächse, alkaloidhaltig, und zählt zu den (milden) Giftpflanzen. Aus dem frischen Kraut, das einen gelben Milchsaft führt (der recht lange an den Fingern haften bleibt) lässt sich ein Wein ansetzen, der bei Gallenkoliken hilft. Mit getrocknetem Kraut geht das nicht mehr.

Doch auch größere Tiere als Ameisen helfen der Mauer dabei, sich dem Wald anzunähern:


In diesem Falle dürfte wohl das Eichhörnchen beteiligt gewesen sein, das im Spätsommer / Frühherbst immer in dem Haselstrauch bei uns vor der Alten Schule Fredelsloh zugange ist. Dieser große Haselstrauch ist rotblättrig, und so ist wohl die Herkunft klar. Doch auch andere Sträucher siedeln sich gerne an, wenn sie gelassen werden:


Eine Weigelie hat es geschafft, sich einen Platz an der Mauer zu sichern. Bei "Weigelie" muss ich immer schmunzeln, denn als ich noch in einer Baumschule als Verkaufsgärtner arbeitete, kam eine Kundin öfter, und wenn sie von dem genannten Strauch sprach sagte sie immer: "Weigele", und jedesmal, wenn ich eine Weigelie sehe, danke ich: Weigele". Das klingt ja auch nett.

In diesem Falle steht die Mutterpflanze gleich unterhalb an der Mauer. Interessant ist, dass deren Blüten wesentlich blasser ausfallen. Das mag vielleicht auch daran liegen, das der trockenwarme Standort der Mauer die Blütenfarbe intensiviert.

Wohl von Vögeln hierhergetragen wurde ein anderes Gehölz, das einzige Nadelgehölz mit roten Früchten, deren Fruchtfleisch süßlich schmeckt und das ungiftig den giftigen Kern umgibt, die Eibe:


 
Auf der Mauerkrone in der Nähe von Gebäuden kommt der Bewuchs dem Walde schon sehr nahe:


Hier haben sich Birken angesiedelt, deren Samen durch den Wind herangetragen wurden. Diese kommen an solchen Standorten recht häufig vor, wenn sie gelassen werden. Auch Holunder und sogar Eschen können zu finden sein, und in Bremen hatte ich auf einer Mauerkrone eine fruchtende rote Johannisbeere gesehen. Da machte sie ihrer Zugehörigkeit zu den Steinbrechgewächsen alle Ehre.

Apropos Bremen: Dort bot ich für die Volkshochschule Bremen einmal eine Mauerritzenexkursion an. Es ging darum, einmal zu schauen, was sich so in Fugenspalten, auf Abbruchmauern und in Mauerritzen alles so an Pflanzen ansammelt. Treffpunkt war die Endhaltestelle Gröpelingen, besagtes Depot. Als wir uns dort trafen, zwölf Personen, wurden wir als erstes unterhalb eines Lichtmastes eben eine ähnliche Zusammenstellung wie oben gewahr. Nur, dass da statt des Natternkopfes eine prächtige violett blühende Phönizische Königskerze wuchs.
Da standen nun zwölf Menschen um einen Peitschenmast mitten zwischen den an- und abfahrenden Straßenbahnen und schauten konzentriert nach auf den Boden. Die erstaunten Gesichter der Fahrgäste in den Bahnen waren köstlich. Noch Jahre später traf ich die eine oder den anderen Teilnehmer dieser Exlursion, und wir mussten bei der Erinnerung immer noch lächeln.

Das zeigt, dass Mauerritzen eine spannende Sache sein können. Und dass wir dort an die Vergänglichkeit gemahnt werden: "Marmor, Stein und Eisen bricht. . .", und die Pflanzen helfen dabei.

Sonntag, 21. Mai 2023

Ponderosa auf der Fensterbank und andere Blütenträume

 



Ponderosa auf der Fensterbank und andere Blütenträume

Ponderosa? Da war doch was? Ja, in meiner Kindheit saß Sonntags die ganze Familie vor dem Fernseher und wir schauten (in schwarz-weiß) „Bonanza“, die Westernserie um die Familie Cartwright, lauter Männer, deren Farm Ponderosa hieß. (Wenn ich daran denke, habe ich sofort wieder die Titelmelodie im Ohr).

Doch diese Ponderosa ist hier nicht gemeint, sondern eine Zitronensorte, von der ich eine Pflanze besitze, und die ausgerechnet diesen Sortennamen trägt, Cirtus x lemon „Ponderosa“. Es ist eine wirklich robuste Sorte mit großen Früchten, die einen milden Zitronengeschmack haben. Diese Sorte hat den Vorteil, dass sie sich ganzjährig auf dem Fensterbrett hält. Also eine echte Zimmerzitrone. Nun blüht sie wieder und verteilt ihren Blütenduft in der Küche der Alten Schule. Was mich wiederum an etwas erinnert, nämlich an die Zeit, in der ich auf Teneriffa wohnte, und wo wir abends oft unter einem Orangenbaum saßen, der gerade blühte und mit dem betörenden Duft die Dämmerung veredelte. Ich habe mir diese Sorte angeschafft, um dem Traum von eigenen Zitronen zur Selbstversorgung näher zu kommen.
Und kleine Früchte angesetzt hat die Pflanze auch schon. Das lässt hoffen. Die Blätter dieser Sorte lassen sich übrigens auch verwenden, sie sind aromatisch, und es wurde früher daraus ein Petitgrain-Oel gewonnen.

Nicht nur drinnen, auch draußen blüht es allenthalben. Unterhalb der Klosterkirche wurden in den Rasen seitens der Stadt Moringen kleine Inseln mit Zwiebelgewächsen gepflanzt. Eine Idee, die ich unbedingt nachahmenswert finde. Unter den nun blühenden Pflanzen befinden sich zwei Favoriten meinerseits, die ich auch für nächstes Jahr in unserem Zaubergarten pflanzen möchte.

Zum einen ist das die Camassia quamash, die essbare Prärielilie. Diese Prärielilie kommt ursprünglich im westlichen Nordamerika vor. Der Name Quamash stammt aus der Sprache der Nez Perce, und bedeutet etwa „essbare Zwiebel“. Die Zwiebeln dieser Prärielilie wurden von den Angehörigen des genannten Volkes gesammelt und dienten der Ernährung. Dazu wurden sie gedörrt, geröstet, gedünstet oder gekocht, wie etwa bei den Cree und Blackfoot, vor allem aber bei den Küsten-Salish-Stämmen. Getrocknet ließen sie sich lange aufbewahren und dienten als Wintervorrat. Die Zwiebeln können allerdings auch roh gegessen werden. Getrocknet und gemahlen dienten sie außerdem als Bindemittel für Teige.

Zum anderen ist es die Weiße oder auch Poeten-Narzisse, Narcissus poeticus, meine Lieblingsnarzisse, schon alleine wegen des Namens. Aber auch wegen ihres sehr feinen Duftes. Vor allem im Aubrac im französischen Zentralmassiv werden die weißen Blüten wildwachsender Narzissen abgeerntet und zur Parfümherstellung verwendet. Ich möchte mich jedoch „nur“ einfach an ihrem Duft erfreuen.



Gestern führte mich mein Weg dann noch weiter hinaus, denn der Weißdorn (Crataegus) blüht gerade, und ich wollte meinen Jahresvorrat der Blüten sammeln. Gerade heuer, nach meiner letztjährigen Herzoperation (Mitralklappen-Rekonstruktion) brauche ich eine Herzstärkung, und dafür ist Weißdornblütentee das Mittel der Wahl. Zweigriffeliger und Eingriffeliger Weißdorn steigern einerseits die Kontraktionskraft des Herzens, man spricht hier von einem positiv inotropen Effekt, andererseits erweitern diese Weißdornarten die Gefäße, insbesondere Herzkranzgefäße, und verbessern so die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels. Hier ist die Anwendung in der Phytotherapie wissenschaftlich untersucht und beglaubigt worden.

Allerdings muss Weißdornblütentee kurmäßig angewendet werden, um den gewünschten Effekt zu bekommen, das heißt: Über mindestens sechs Wochen morgens und abends jeweils eine Tasse von diesem Tee. Es lohnt, Weißdornblüten selbst zu sammeln, gerade hier in der Gegend kommt er in Mengen vor. Früher wurden Weißdornhecken zur Umfriedung von Weiden angepflanzt, und an einigen Stellen ist das hier noch sichtbar. 

Eine befreundete Apothekerin erzählt mir einmal, dass Weißdornblüten für Tee teilweise geerntet werden, indem kurz vor dem Verblühen Planen unter die Sträucher gelegt werden, und die Äste dann geschüttelt. Das so gewonnene Erntegut hat immer noch genügend Inhaltsstoffe, dass es dem Arzneimittelvorschriften in den Apotheken genügt. Doch wenn ich jetzt die gerade aufgeblühten sammele, ist die Qualität ungleich höher, was sich nicht nur auf die Inhaltsstoffe positiv auswirkt, sondern auch auf das Aroma. Weißdornblüten haben ohnehin eine etwas „fischige“ Beinote in ihrem Duft, diese tritt bei den schonend geernteten Sammelgut nicht so hervor. Von meiner Liebsten bekam ich noch den Tipp, dem Tee Zitronenmelisse beizumischen, die ja auch herzwirksam ist. Das macht Sinn, denke ich, auch wegen des Aromas. Eine Kräuterkundige aus Polen erzählte mir, dass man den Tee aus den Blüten mit Rapshonig süßen solle, denn dieser würde die Herzwirksamkeit unterstützen. Das gebe ich hier einfach einmal so weiter.

Mit den Weißdornblüten ist auch eine Kindheitserinnerung meinerseits verbunden: Meine Großmutter war passionierte Kräutersammlerin, und Weißdorn wurde von ihr jedes Jahr gesammelt. Getrocknet wurden die Blüten ausgebreitet auf dem Dachboden, das war noch einer dieser nicht totisolierten Dachböden, einfach Dachpfannen auf die Dachlatten geschichtet, an einigen Stellen schaute sogar die Sonne durch die Ritzen. Das ideale Klima zum Trocknen von Kräutern, luftig und warm. Wenn ich Weißdorn rieche, erscheinen sofort die Bilder von diesem Dachboden vor meinem inneren Auge, ich bin wieder im Kinderreich von Wärme und Duft gefangen, schließlich war ich jede Sommerferien bei meinen Großeltern. Das olfaktorische Gedächtnis ist übrigens das beständigste.

Dieses Jahr habe ich zum Experimentieren für den Garten eine Pflanze einer anderen Crataegusart erstanden, C. mexicana. In Mexico, wo diese Art beheimatet ist, wird sie wegen ihrer großen, essbaren Früchte angebaut, die dort unter dem Namen Tejocote, Manzanita oder Tejocotera bekannt sind. Die Früchte sind etwa so groß wie Kirschen, gelb in der Farbe, und werden roh oder gekocht gegessen. Das ist ein Experiment für mich, die Art ist sicher frosthart bis -17 Grad, inwieweit darüber hinaus, wird sich zeigen. Das von mir erworbene Exemplar ist für ein Spalier an einer warmen Hauswand gedacht, so könnte das klappen, bin gespannt. Jung braucht sie auf jeden Fall Winterschutz. Die Früchte dieser Art sollen übrigens auch herzwirksam sein.

Zuguterletzt noch ein weiteres Rosengewächs, zu denen auch die Crataegus gehören, das hier wild vorkommt: Der Kleine Wiesenknopf, Sanguisorbe minor, auch Pimpinelle genannt. Um hier die Verwandtschaft zu den anderen Rosengewächsen zu entdecken, muss man schon genauer hinschauen. Die kleinen Blüten auf den kugeligen Blütenständen sind nämlich vierzählig, normalerweise haben Rosengewächse fünf Blütenblätter. Eine Ausnahme davon ist die Blutwurz, der Tormentill, Potentilla erecta, die hier in der Gegend auch wild vorkommt. Die gelben Blüten dieser fingerkrautverwandten sind auch vierzählig.

Die Blätter und die jungen Triebe des Wiesenknopfes haben ein angenehmes Gurkenaroma und können als Wildsalat gesammelt werden. Doch auf den Kalkmagerrasen hier in der Umgebung sind die Pflänzchen so klein und zäh, dass sich ein Sammeln kaum lohnt (zumal hier Naturschutzgebiete sind). Also lieber im eigenen Garten anbauen. Dort wird das Kraut größer und zarter, so dass es sich leicht ernten lässt, unter anderem als Bestandteil der Frankfurter Grünen Sauce.

Als Schlusswort noch ein paar Verse aus eigener Feder:

Kennst du das Land wo die Zitronen blühn?
Vielleicht ist es mein Zimmergarten.
Ich kann dort alles, auch Petersilie, ziehn,
Nur keine Diplomaten.

Mittwoch, 17. August 2016

Kräuterbuschen und andere Ernten

Doros Kräuterbuschen und andere Fundstücke (Foto: Dorothea Frank)



Kräuterbuschen und andere Ernten

Zwischen Organisation vom ersten Fredelsloher Apfelfest, Küchenarbeiten und anderen Dingen, welche getan werden wollten, sind Dorothea und ich doch noch dazu gekommen, an Mariä Himmelfahrt, dem Kräuterweihfest am 15. August, unsere Kräuterbuschen zu sammeln. Ich denke, an einem Ort wie Fredelsloh, dessen Ursprung die Errichtung einer der Maria geweihten Kapelle an einer heiligen Quelle ist, gehört es wohl dazu, sich dieser alten Bräuche zu erinnern. Die Tradition des  Kräuterweihfestes an diesem Termin ist uralt, der Ursprung verliert sich in der Dunkelheit der so genannten „Vorgeschichte“.

Viele Orte, welche früher der dreigestaltigen Göttin geweiht waren, wurden später, nach der Christianisierung zu Marienweihstätten umgedeutet. Auch die Feiern und Feste, an welchen die Göttin gefeiert wurde, waren dann später halt. . .  Marienfeste. Um 745 n. Chr. wurde die Kräuterweihe erst verboten, dann unter den Segen Marias gestellt, seitdem feiert man die Kräuterweihe an Mariä Himmelfahrt. Ursprünglich war das Kräuterweihfest eines der variablen Feiern im Jahreskreis, an den Mondstand um einen Zeitpunkt herum begangen, im Gegensatz zu den „Festen“, die fest an ein Datum gebunden waren: Frühlings- und Herbsttag- und Nachtgleiche, Sommersonnenwende, Wintersonnenwende. Das Kräuterweihfest zu Ehren der dreigestaltigen Göttin fand an einem Vollmond um den 15. August statt.

Wie dem auch sei, Dorothea und ich begaben uns am Stichtag, eben dem 15. 8. mittags auf den Hainberg oberhalb von Fredelsloh, um unsere Kräuter für die Kräuterbuschen zu sammeln. Sicher, es gibt einige traditionelle Kräuter, die dabei sein sollten, wie etwa der Beifuß oder der Dost. Doch nicht alle ließen sich finden, hier wächst kein Alant in der Umgebung, als Beispiel, auch bin ich der Meinung, dass wir bei dem Sammeln von wirkkräftigen Kräutern an einem solchen Datum ruhig unserer Intuition folgen dürfen (wie eigentlich immer. . . )

So fielen unserer beiden Kräuterbuschen auch unterschiedlich aus: Dorothea hatte viel Schafgarbe darin, Dost, Rainfarn, Königskerze, Johanniskraut, Beifuß, Labkraut und Holunderblätter und –beeren und Wegwarte. Bei der Schafgarbe hatte Doro das Glück, einige rosablühende zu finden, die als besonders heilkräftig gelten.

In meinem Buschen war das Hauptkraut der Beifuß, dazu Dost, Johanniskraut, Schafgarbe, Rainfarn, Odermennig, Wegwarte, Königskerze und Holunderblätter. Auf dem Hainberg wuchs an einer Stelle eine Beifußsorte mit stark geschlitztem Blatt und sehr kräftigem, fast schon eberrauteartigem Aroma. Der hatte es mir angetan, und von dem sammelte ich ordentlich. Die Wegwarte kam bei mir spontan dazu, die blauen Blüten hatten es mir angetan, auch wenn sie nicht in der Literatur zum Kräuterweihfest erwähnt wird. Das wird der Holunder auch nicht, doch als Doro damit begann, Blätter und Früchte davon ihrem Buschen hinzu zu fügen, leuchtete mir das ein, schließlich ist der Holunder die Pflanze von Hel, der Göttin der Helle und der Hölle, unserer guten alten Frau Holle, welcher der Busch hold ist.

Doro pflückte ihre Kräuter von Hand, während ich sie mit meinem neuen hölzernen Messer schnitt. So kamen die Kräuter während der Ernte mit keinerlei Metall in Berührung. Nach dem Sammeln brachten wir unsere großen Kräuterbuschen in die Klosterkirche Fredelsloh und legten sie dort auf den Altar. Zwar wurden sie nicht geweiht, unser Pastor ist sowieso gerade in Urlaub, doch so konnten sie etwas von der Atmosphäre dieses Kraftortes aufnehmen. Am frühen Abend holten wir sie dann ins Haus und teilten sie auf: Doro flocht ein Sträußlein für ihre Mutter, zwei weitere wurden in der Alten Schule zum Trocknen aufgehängt, ich band mir zwei Buschen, jeweils mit einem Stengel Königskerze in der Mitte, wovon der eine in unserem Zimmer am Fenster seinen Platz fand, der andere auch in der Küche der Alten Schule.

Die Kräuterbuschen dienen für sich als „Glückszauber“, sie schaffen eine wohltuende Atmosphäre. In besonderen Fällen können Kräuter davon auch zum Räuchern genommen werden, zum Beispiel, wenn Krankheiten auftreten. Die Kräuter für Heiltees können wir noch bis zum 12. September sammeln, so lange dauert der „Frauendreißiger“, der sich Mariä Himmelfahrt anschließt, in dieser Zeit sind die gesammelten Kräuter besonders heilkräftig.

Dass Doro und ich zum Abschluss des Tages, bei einem Rundgang auf der Weper, noch Birnen und Pflaumen einsammeln konnten, und etwas Quendel, und dass Doro dann bei einer Nachbarin noch einige der Birnen gegen Augustäpfel und eine Flasche Holunderblütensirup eintauschen konnte, rundete den Tag ab. Er hatte auch eine feierliche Note für mich, so, als würde etwas Neues beginnen.

Sonntag, 14. August 2016

Mariä Kräuterweihe

Die Fredelsloher Maria



Mariä Kräuterweihe

Der 15. August ist ein besonderes Datum: Es ist der Tag der Mariä Himmelfahrt, dass wohl älteste kirchliche Marienfest. Es ist auch das Kräuterweihfest, an dem die „Kräuterbuschen“  gesammelt werden, welche zur Abwehr der „bösen Geister“ in Haus und Hof aufgehängt werden. Die Kräuterbuschen enthielten verschiedene Kräuter in ungerader Zahl, es sollten sieben verschiedene Kräuter sein, oder auch neun. Aus der kirchlichen Tradition sind noch andere Zahlen bekannt, die einen Bezug zur christlichen Lehre haben. Auch die ursprünglichen Zahlen wurden in diese Richtung umgedeutet, so sollen sieben Kräuter die sieben Schöpfungstage bedeuten, und die neun steht für dreimal drei, als die heilige Dreifaltigkeit. Da jedoch der Ursprung dieses Festes älter ist als die christliche Religion, denke ich, dass die Zahlen einen anderen Sinn inne haben. 

Mit der Kräuterweihe beginnt auch der Frauendreißiger, fast dreißig Tage, vom 15. August bis zum 12. September, in dem die besonders heil- und zauberkräftigen Kräuter gesammelt werden. Also nicht nur die, welche die Küche und die Hausapotheke bereichern, sondern auch die, mit denen der Schutz von Haus und Hof gewährleistet wird, und mit denen zum
Mein hölzernes Erntemeser
Beispiel geräuchert werden kann, um die Atmosphäre zu klären. Sowohl die Kräuter für die Kräuterbuschen am Kräuterweihfest als auch die Kräuter, die im Frauendreißiger gesammelt werden, dürfen nicht mit Metall in Berührung kommen, also auch nicht mit einem eisernen Messer geschnitten werden. Wie gut, dass ich letztens ein Erntemesser aus Eschenholz geschenkt bekam, sozusagen genau zum richtigen Zeitpunkt.

In der Überlieferung werden viele Kräuter erwähnt, die den Kräuterbuschen zugefügt werden können. Immer wieder Alant, der hier in der Umgebung von Fredelsloh leider nicht wächst, dann Beifuß, Kamille, Dost, Johanniskraut, Schafgarbe, Bachminze, Eisenkraut, Thymian und andere. In die Mitte des Kräuterbuschens wurde oft ein Stängel Königskerze drapiert, außerdem bekamen Ähren von Weizen, Roggen und Gerste ihren Platz. 

Welche Kräuter morgen meine Kräuterbuschen komplettieren werden, weiß ich noch nicht, ich werde mich da ganz von meiner Intuition leiten lassen. Doch bin ich mir sicher, dass am Abend an den Türen zur Alten Schule und in meinem Zimmer Kräuterbuschen hängen werden und uns daran erinnern, das Fredelsloh ein Ort ist, der Maria geweiht ist. Und diese Orte waren vor der Christianisierung die heiligen Stätten der Göttin.

Montag, 11. Juli 2016

Fünferlei Kräuter

Eisenkraut, Odermennig, Echter Steinklee, Apfelminze in der Küche der Alten Schule Fredelsloh (Auf dem Tisch Doros Blüten und Kräuter ausgebreitet)




Fünferlei Kräuter

Nun habe ich sie beisammen, meine Lieblingskräuter: Bachminze, Mädesüß, Odermennig, Johanniskraut und zu meiner großen Freude das Eisenkraut dazu. Schon im ersten Jahr meines Hierseins im schönen Dorf Fredelsloh fand ich in der Umgebung eine Pflanze der Verbena officinalis, wie das Eisenkraut botanisch genannt wird. Dann war es verschwunden, nun habe ich an einem anderen Ort es wieder entdeckt. Sei bedankt. . . Selbstverständlich habe ich nicht die ganze Pflanze herausgerupft, sondern mir nur ein paar blühende Stängel mit genommen.

Eisenkraut
Jetzt kann ich meinen Fünfkräutertee für den Winter zusammen stellen. Die Bachminze mit ihrem Aroma empfinde ich als klärend für Seele, Geist und Atmosphäre. Das macht sich schon beim Trocknen der Kräuterbüschel bemerkbar. Zusammen mit dem Mädesüß und dem Eisenkraut zählt sie zu den „Druidenpflanzen“, sie wurden von diesen verehrt und genutzt. Das Mädesüß gibt dem Tee eine duftige Note, da ich davon fast nur die Blüten sammle. Es gilt als eine Art „Naturaspirin“, doch darum geht es mir nicht als Zusatz für meine Teemischung.

Ich habe meinen eigenen Zugang zu den Kräutern, und Aufzählungen von Inhaltsstoffen langweiligen mich. Ich bin kein Heiler, der für andere Menschen die Kräuter erntet, es geht mir um mein eigenes Wohlbefinden, und so sammle ich die Kräuter, mit denen ich mich wohl fühle. Auch vom Odermennig, der ebenso wie das Mädesüß zur Familie der Rosengewächse gehört, nehme ich das blühende Kraut, mit wenig Blattwerk daran. Der Odermennig mit seinen kleinen gelben Blüten riecht schon etwas herber, bitterer. Er stärkt den Körper über die Leber, mit der unser Leben erhalten wird.

Das Johanniskraut, Hypericum perforatum,  ist eigentlich ein Johanniskraut, denn es gibt derer mehrere, die zu Johanni, zur Sommersonnenwende, zum Räuchern genutzt werden. Auch Artemisia vulgaris, der Beifuß, gehört dazu. Doch Sammeln für meinen Tee tu ich den nicht, er ist mir zu bitter. Allenfalls zum Räuchern trockne ich mir ein paar Zweige. Das gelbblühende Johanniskraut hingegen ist mir sehr wertvoll. Es ist ganz Sonne, und es bringt Sonne ins Herz, und Sommerlicht. Das ist für die dunkle Jahreszeit passend. Es „photosesibilsiert“ die Haut, und während einer Johanniskrautteekur sollte man sich nicht zu sehr der Sonne aussetzen, da man leichter einen Sonnenbrand bekommen kann.

Nun noch das Eisenkraut. Die wissenschaftliche Medizin nutzt es nicht mehr, doch früher hatte es einen hohen Rang im Arzneischatz, worauf schon der botanische Artname „officinalis“ hinweist. Im Offizium der Apotheke wurden früher die Kräuter über den Tresen gereicht. Es ist für mich ein unspezifisches Stärkungsmittel, früher wurde es in der Gesundungsphase nach schweren Krankheiten verabreicht.

Odermennig
Wie schon erwähnt, sind das meine fünf mir liebsten Kräuter, ich habe zu jeder Art eine eigene Beziehung. Sie sind eher zu mir gekommen, als ich zu ihnen. Am längsten begleitet mich das Johanniskraut, welches ich schon lange Zeit jedes Jahr wieder sammele. Einmal sah ich in dieser Pflanze wahrlich die Elfen tanzen. Eine Aura von Hellig- und Heiligkeit hatte sie um sich. Ausgerechnet in der Nähe des Bremer Flughafens fand ich diesen Elfentanzplatz.

Der Odermennig kam zu mir als eine Karte, die ich aus einem Kartenset mit den Bachblüten zog. „Agrimony“. Nun wächst er in meiner neuen Wahlheimat in den Hügeln ringsum, und ich darf ihn sammeln. Mädesüß und Bachminze habe ich für mich entdeckt, als ich mein KleinHäuschen in einer Kleingartenanlage am Rande von Bremen zur Verfügung hatte. Sie wuchsen dort in und an den Gräben ringsum. Bachminzebüschel habe ich auch gerne einfach nur im Zimmer hängen. Sie vertreiben „böse Geister“, ebenso wie das Johanniskraut. Nun kommt noch das Eisenkraut hinzu.

Ich habe noch eine zweite Teemischung, den „Tee der Landschaft und der Jahreszeiten“, da kommt hinein, was das Jahr so mit sich bringt: Es beginnt im Vorfrühling mit den Märzveilchen, dann kommen Schlüsselblumen hinzu, Minzen verschiedener Art aus dem Garten, Melisse, Zitronenkatzenminze, Thymian und Quendel, Kornblumen- und Malvenblüten, und später im Jahr getrocknete Apfelschalen, die bei der Herstellung von Apfelmus anfallen. Daraus entsteht eine Art „Tagestee“, während ich den Fünfkräutertee eher für besondere Zeiten vorbehalte.

Für spezifische Heilzwecke habe ich dann noch Kamilleblüten und Salbei aus dem Garten getrocknet, letzteren auch zum Räuchern. Leider habe ich dieses Jahr einmal wieder die Ernte der Weißdornblüten verpasst, sonst habe ich die auch im Repertoire, ebenso wie Lindenblüten. Diese Tees werden jedes Jahr erneuert.

Odermennig und Mädesüß
Das für mich wichtigste jedoch ist, dass ich mich meinen Kräutern annähere, sie „zu mir nehme“, und es müssen nicht die eurigen sein. Jede/r hat die Kräuter für sich, die ihm oder ihr behagen. Ich weise bei meinen Kräuterwanderungen immer wieder auf diesen Punkt hin. Das Wissen um die Inhaltstoffe nutzt uns im Umgang mit Kräutern nur wenig. Sicher ist es gut, die für mich giftigen Pflanzen zu kennen, doch damit hat es sich auch. Das Gelb des Johanniskrautes weist auf die Sonne hin, das Gelb der Blüten des Odermennig auf die gelbe Galle, wenn ich hingegen die Blüten des Johanniskrautes zerreibe zwischen den Fingern, bekomme ich eine purpurrote Farbe. Purpur als Farbe ist die Farbe der Herrscher gewesen, so zeigt mir diese Pflanze in ihrer Gestalt, in ihren Unformungsprozessen, wobei sie mir hilft. Das Luftige, Duftige des Mädesüß hat einen Bezug zu den Lungen, und das etwas steife, starre der Gestalt des Eisenkrautes zeigt die Zähigkeit zum Leben, die es unterstützt. Die Bachminze wiederum hat etwas freundliches, venusisches, etwas anmutiges in ihrer Duftgestalt. Das alles „nehme ich zu mir“, wenn ich mich diesen Pflanzen anvertraue.

Zuguterletzt möchte ich den Chippewa-Heiler Sun Bear zitieren: „Das einzige, was die Menschen wird schützen können, ist eine Annäherung an das Land und die Ausgewogenheit mit den Naturkräften. Es gibt überall Kräuter innerhalb eines Umkreises von achtzig Kilometern gegen nahezu jede Erkrankung, die vorkommen kann. Wenn die Zeit kommt, dass man Kräuter nicht mehr über weite Entfernungen erhalten kann, wird es gut sein, jene zu kennen, die in der Umgebung wachsen.  . . .  Kräuter wirken sowohl auf unsere geistige als auch auf unsere körperliche Verfassung ein. In alten Zeiten gaben Medizinmänner nicht immer dasselbe Kraut für dieselbe Erkrankung, auch wenn es so aussah, als ob es sich um die gleichen Symptome handelte.  . . .  Die meisten Leute werden sich darauf besinnen müssen, wirkliche Erfahrung zu sammeln und die Lehren zu beachten, wie ein Kraut tatsächlich wirkt. . . . Aber wenn man in harmonische Ausgewogenheit zurückkehrt und Pflanzen wieder zu schätzen beginnt und sie in guter Art und Weise verwendet, dann werden sie euch auch wieder dienen.  (Zitiert nach Heinz J. Stammel  -  Die Apotheke Manitous – Das Heilwissen der Indianer)

Und welches sind „Deine“ Kräuter?



Freitag, 24. Juni 2016

Philosophischer Morgenspaziergang mit kleinen Köstlichkeiten

Zeit für Juninüsse


Je-länger-je-lieber

Jetzt ist in Fredelsloh der Sommer wirklich angekommen, und ich tue gut daran, meine Wanderungen in die Umgebung möglichst früh zu beginnen. In der Morgenkühle. So bin ich denn heute kurz nach halb sechs in der Früh losgezogen und durfte einen schönen Streifzug durch "mein Revier" machen. Der erste Weg führte mich in den Wald, ich wollte einmal wieder schauen, wie weit denn wohl die Pilze sind. Doch außer einigen Perlpilzen zeigte sich noch nichts. Doch schon am Wegesrand zum Walde hin war einiges zu entdecken: Das Johanniskraut beginnt mit dem Blühen, das Mädesüß ebenso, und das Je-länger-je-lieber zeigt sich in voller Pracht. Die filigranen Blüten sind immer wieder bestaunenswert, Anmut in Duft und Form. In der Vergangenheit hatte ich schon einige Versuche gestartet, den lieblichen Duft einzufangen. Am einfachsten geht das als so genannte Pommade. Die Blüten werden abends gepflückt, dann duften sie als Blüten, welche Nachtfalter anlocken wollen, am stärksten. Eine flache Glasschale wird mit einem leichten Olivenöl befüllt, so, dass es etwa kleinfingerbreit steht. Eine Jenaer Form eignet sich am besten dafür. In diese Öl werden die vom Kelch befreiten Blüten eingelegt, und das Ganze am nächsten Tag mit einem Glasdeckel zu gedeckt der Sommersonne preisgegeben. Nah einem Tag werden die Blüten entfernt und neue eingelegt. Das kann man so lange wiederholen, bis ein blütenduftendes Öl entstanden ist.

Esskastanienblüten

Auch die Esskastanie blüht, und da lohnt es sich schon, genauer hinzuschauen. In ihrer Einfachheit haben sie auch ihren Charme. Die Walnüsse dagegen sind mit dem Blühen längst durch und haben grüne Nüsse angesetzt, die aromatisch duften. Davon habe ich heute einige eingesammelt. Sie werden mit einer Kuchengabel "eingepiekt" (dabei Handschuhe anziehen, die Dinger färben fulminant!) und in kaltes Wasser eingelegt (Ich nutze dafür das Wasser aus der Fredelsloher Klosterquelle, Ehrensache). Über Nacht kühl stellen, das Wasser abgießen und neu aufsetzen. Das lässt sich einige Male wiederholen und dient dazu, die Gerbstoffe aus den grünen Früchten zu lösen. Ich selber mache das nur zwei- dreimal, denn ich mag die gewisse Herbheit der Juninüsse, andere lassen die Nüsse bis zu zwei Wochen ausziehen, mit täglichem Wasserwechsel. 

Auch für die weitere Verarbeitung gibt es verschiedene Vorlieben. Ich nehme auf ca. ein Pfund grüner Nüsse einen halben Liter Wasser, mit Obstessig und Zucker vermengt und mit Kardamom, Nelken und Zimt gewürzt heiß über die Nüsse gegossen. Kurz aufgekocht das Ganze und in Twist-off-Gläser abgefüllt. Die Juninüsse sollten mindestens ein halbes Jahr reifen, besser ein Jahr, sie werden mit der Zeit immer besser und können als pikante Beilage zu allerhand "Wilden Gerichten" genutzt werden. Doch schon das Pflücken lohnt sich, sie duften wirklich würzig gut.

Immerhin ein gutes Pfund Walderdbeeren. Aroma pur. . .

Doch mit den grünen Nüssen nahm mein wilder Erntemorgen noch nicht sein Ende. Endlich durfte ich nennenswerte Flächen mit Walderdbeeren entdecken, wo sich das Bücken und Pflücken wahrlich lohnte.

Diese kleinen roten Dinger einzusammeln, dafür braucht es Geduld. Doch das Schnuppern am Sammelbehälter lohnt das allemal. Das nach einiger Zeit dem Sammler ein gutes Pfund leckerer Früchte in den Behälter wanderten, das lohnt allemal. Die Dinger werden zuhause eingezuckert und dürfen über Nacht ziehen. Gleichzeitig mit einigen in einer anderen Schüssel eingezuckerten Rosenblätter, die am nächsten Morgen mit etwas Wasser aufgekocht werden. (Dass ich auch hierfür das Wasser der Fredelsloher Klosterquelle nehme, ist Ehrensache, soviel augenzwinkernder Lokalpatriotismus sollte schon sein. Außerdem gilt das Wasser der Klosterquelle als Heilwasser. Wenn das nicht ein gesundes Fruchtmus gibt. . .) Wenn die gezuckerten Rosenblätter ausgekocht sind, dann werden sie durch ein Sieb geschickt, damit ich den Sirup habe, der dem Erdbeermus beigefügt werden soll. Es kann geschehen, dass der Sirup eine grünliche Farbe angenommen hat, und nicht die rosige, die ich erwartete. Dann genügen einige Spritzer Zitronensaft in den Sirup vor dem abseihen, und augenblicklich kommt der rosa Farbton zum Vorschein. (Wenn ich jetzt dem heißen Sirup etwas Geliermittel zusetzen würde, hätte ich ein leckeres Rosengelee).

Nun kommen die eingezuckerten Walderdbeeren mit dem Rosensirup zusammen in den Topf und auf den Herd. Ich lasse es nur kurz aufkochen, püriere dann mit dem Zauberstab, füge das Geliermittel hinzu, noch einmal aufkochen, ab in die sterilisierten Twist-Off-Gläser. Die Mischung Walderdbeere / Rose ist unschlagbar. Lothar hier aus dem Dorf meint sogar, es wäre ein Suchtstoff. 

Blüte der Fredelsloher hundertjährigen Rose

Diese feine Marmelade hat ein sehr ausgeprägtes Aroma, welches durch die Rosenbeimengung noch unterstützt wird. Es braucht nicht viel davon, um eine Quarkspeise oder einen Fruchtjoghurt, oder gar ein ErdbeerRoseJoghurt – Eis zu aromatisieren. Da lohnt sich das Sammeln geringster Mengen der Walderdbeeren. So eine Marmelade (oder, besser: Fruchtmus), ist auch nicht zu kaufen, und wenn, dann müsste ich sicher mindestens zehn Euro für ein 180 ml – Glas nehmen, die Sammelzeit einmal gerechnet. (Beim Rosentag in Fredelsloh hatte ich welche abgegeben, weit unter Preis. Das war aber auch dem Fest geschuldet). Wenn ich in der Saison meine zehn bis zwanzig Gläschen zusammen bekomme ist das schon in Ordnung. Ich bin der Meinung, es solle auch im Kapitalismus noch einige Nischen unverkäuflicher Dinge geben. Das Erleben und Schmecken der Landschaft, das Wandern und Sammeln, der frühe Vogelsang und die Nebel über den Wiesen, der Waldboden und die gesamte Stimmung und Schwingung, das alles kann man schmecken, wenn so ein Gläschen aufgemacht wird. Wer es also probieren möchte: Selber sammeln, und die Andacht des Sammelns und Herstellens genießen, oder sich mit mir gut stellen, und sich von mir zum Speisen einladen lassen. . . Fredelsloher wilde Küche mit Menüzutaten, welche die Landschaft und das Dorf auf der Zunge erfahrbar machen. 

Noch ein Wort zu der Rose, zur Zeit verwende ich Blütenblätter unserer hundertjährigen Fredelsloher Rose für meine Gelees und Marmeladenzusätze. Es ist eine Albarose, die als uralter Strauch in der Nähe der Klosterkirche steht. Die hellrosa Blüten duften intensiv, die Blütezeit ist jedoch begrenzt. Diese Rose lässt sich durch Wurzelausläufer sortenecht vermehren, und ich vermute, dass sie ursprünglich mit den Klosterfrauen nach Fredelsloh gekommen ist. Rosenduft und Rosenessenz wirkt nachweislich antidepressiv. Also wird meine Walderdbeer-Albarosen-Klosterbrunnenwasser-Marmelade sicherlich sehr positive Wirkungen entfalten. . . 

Ich freue mich schon auf ein Wintermenü, wo es im Hauptgang Espoler Kartoffeln gibt (möglichst die Blauen Schweden, lecker als Kartoffelklöße), gepaart mit einer deftigen Pilzsauce, in welcher die getrockneten Steinpilze den Ton angeben und die eingelegten Juninüsse die Begleitung abgeben, einen Salat vorneweg mit einem Dressing von Veilchenessig und gutem Öl, dazu Ziegenkäse mit Honig von der Liebsten und Thymian aus dem Garten warm angemacht, ein Kürbis-Apfelsüppchen mit frischem Koriander, und zum Dessert eine Walderdbeer-Rosencreme. . .  So schmeckt dann Region. . .

Mit diesen aromatischen Träumen, die durch das Duften der Walderdbeeren und der Rosenblüten angefacht wurden, kam ich dann heut morgen so um neune zurück in das Dorf. Allerorts blühen und duften hier jetzt die Linden. Das sind die warmen, gelinden Lüfte, welche Linderung geben. . .