"Ein gutes Leben leben" - das könnte mein Motto sein. Ich berichte hier von meinem Leben als Dichter, Dingefinder und Gärtner im schönen Töpferdorf Fredelsloh von Garten, Topf und Magen und von der Kunst, den Alltag alltäglich zu genießen. Das geschieht auch immer mal wieder in Reimform. Manchmal lasse ich auch andere life durch Lesungen und Kräuterwanderungen an meinen Erfahrungen teilhaben. Viel Spaß auf diesem Blog wünscht: Jörg Krüger
Montag, 12. Dezember 2022
Blütenspaziergang rund um Fredelsloh
Sonntag, 11. Dezember 2022
Impressionen in und um Fredelsloh
Donnerstag, 8. Dezember 2022
Die Stillen in den Landen
sagt nicht, dass deren Furcht unbegründet sei,
nur weil sie nicht laut sind.
Es sind die Stillen in den Landen,
die Gärten wollen gepflegt sein,
die Bäume wollen gepflanzt werden,
die Früchte geerntet,
das Brot gebacken, die Felder bestellt.
Die Bedürftigen wollen versorgt sein,
die Stillen fragen nicht
nach der Herkunft.
Sie tun das Not-wendige.
Es sind die Stillen in den Landen,
derer Landen sind Mutterländer.
Es sind die Stillen in den Landen.
Sie tun das Not-wendige.
Aber die Lauten, die Lauten,
sie werden gehört.
Sie töten mit Worten
sie töten mit Waffen,
Gewalt ruft nach Gewalt,
Gewalt schreit nach Gewalt,
Gewalt, Gewalt,
das Echo: Gewalt.
Wer aber baut die Wohnstätten,
pflanzt die Bäume, erntet die Früchte,
pflegt die Gärten, backt das Brot,
bestellt die Felder, versorgt
die Bedürftigen, ohne
nach der Herkunft zu fragen?
Es sind die Stillen in den Landen.
Das obige Gedicht tauchte in einer Ausgabe von Franz Pfempferts Zeitschrift Die Aktion von 1917 auf, gefolgt von der Rubrik Verse vom Schlachtfeld.
Mittwoch, 7. Dezember 2022
Eine etwas aus dem Rahmen gefallene Rückmeldung
Ich melde mich einmal zurück nach einer langen Pause. Das Jahr 2022 hatte schon seinen eigenen Charakter. En gros und en detail. Kaum dachte ich, es könne wieder vorwärts gehen, nach den Lockdowns der Coronazeit, kam die Nachricht am 24. Februar, dass Russland die Ukraine angriff. Zu beiden, Corona und Ukrainekrieg, möchte ich mich im Augenblick nicht äußern, zu letzterem nur soviel: Schon im März dieses Jahres trafen bei uns in der Alten Schule Fredelsloh die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine ein, die letzten blieben bis Oktober, bis sie endlich eine Wohnung fanden.
Die Gemeinschaftsküche mussten wir pausieren lassen, und auch Lesungen und Konzerte konnte ich dieses Jahr nicht organisieren. Letzteres auch aus Gesundheitsgründen, im August dieses Jahres musste ich mich einer Herzoperation unterziehen (Mitralklappenrekonstruktion), und noch bin ich in der Rekonvaleszenz. Auch die Arbeit im Zaubergarten am Kapellenbrunnen ruht noch.
Doch so langsam finde ich mich in das Leben zurück, in der Alten Schule wird donnerstags wieder geschnibbelt und gekocht, ich mache mir Gedanken über die Pflanzen- und Saatgutbestellung und auch über Veranstaltungen, die ich im nächsten Jahr wieder anbieten möchte.
Zu letzterem: Da ist vieles noch nicht spruchreif, doch werden wir unter dem Titel "Texte und Töne in Fredelsloh" wieder Lesungen (mit Musik) anbieten, ich denke, dass es ab etwa Mitte Februar damit losgeht. Ich habe auch erste Kontakte zu Künstlerinnen und Künstlern aufgenommen.
Auch einen festen Wochentermin plane ich, auch ab Mitte Februar, jeden Dienstag Abend in der Alten Schule in der Bibliothek, ab 19:00 Uhr. "Ich spreche mich frei" wird es heißen an diesem Abend. Menschen, die Lyrik schreiben, können dann in einem geschütztem Rahmen ihre eigenen Gedichte vortragen. Auf Wunsch auch musikalisch begleitet. Ich persönlich halte das laut sprechen von Gedichten für das Schreiben als sehr hilfreich, um im eigenen Schreiben voran zu kommen.
Selbstverständlich tauschen wir uns dann auch über die gesprochenen Gedichte aus. Für die ganz mutigen dann wird es ein oder zweimal im Jahr die Möglichkeit geben, die Gedichte öffentlich vorzutragen. Auch wenn ich das noch extra bewerben werde, gibt es ab jetzt die Möglichkeit für Interessierte sich bei mir schon anzumelden dafür, via Mail bei dingefinder@gmx.de
Genaueres wird hier noch eingestellt, jetzt ist ja erst einmal Adventszeit, und da ist der Kopf bei vielen mit anderen Dingen gefüllt. In der Hoffnung, dass am gestrigen Nikolaustag nicht nur der Kopf sondern auch die Stiefel gefüllt waren, grüße ich alle ganz herzlich, mehr wollte ich eigentlich hier und heute sowieso nicht machen. Und da es heute auch ums Gedichteschreiben ging, gibt es hier auch noch eines,
liebe Grüße und eine besinnliche Weihnachtszeit wünscht Dingefinder Jörg
Samstag, 22. Januar 2022
Empfehlung: Aus Dingefinders Lesebuch
Winter und Lockdown, eigentlich genau die richtige Mischung, um einmal wieder in Ruhe zu lesen. So habe denn auch ich reagiert, und in meinem Blog "Dingefinders Lesebuch" ganz viele schöne Gedichte eingestellt (der link dahin folgt unten).
Seit Anfang dieses Jahres sind dort Gedichte zu finden von: Karl Henckell, Fritz Mangold, Alfred Mombert, Walter Rheiner, Maria Eichhorn-Fischer, Jakob van Hoddis, Hellmuth Wetzel, Ernst Toller, Heinrich Lautensack, Lessie Sachs, Max Herrmann-Neiße, Isaac Schreyer, Hans Schiebelhuth, Ernst Balcke, Georg Heym, Emmy Hennings, Franziska Stoecklin, Else Lasker-Schüler, Hans Ehrenbaum-Degele, Leo Sternberg, Victor Wittner, Maria Stona, Elsa von Freytag-Loringhoven, Joseph Willomitzer, Anna Louisa Karsch, Rosa Mayreder, Bruno Frank, Gertrud Kolmar, Jakob Loewenberg, Margarete Eloesser, Gertrud Epstein, Marianne Dora Rein, Albin Zollinger, Ernst Blass, Marie Luise Weissmann, HaHu Baley (das sind Hans Leybold und Hugo Ball), Friedrich Adler, Alfred Wolfenstein, René Schickele, Konrad Weichberger.
Die meisten der Gedichte sind aus der Zeit zwischen 1895 und 1945, von deutschsprachigen Autorinnen und Autoren. Dieses halbe Jahrhundert war eines der einschneidensten unserer Geschichte, und das spiegelt sich auch in den Texten wieder. Es sind einige bekannte Namen dabei, doch auch viele unbekannt(er)e. Viele, deren Werke verbrannt wurden 1933, und die drohen, immernoch dem Vergessen anheim zu fallen, was sehr schade wäre. Zu vielen der Dichterinnen und Dichter gibt es denn auch ausfführlichere Infomationen, und, wo ich es für nötig erachtete, weiterführende links.
Die Auswahl der Gedichte ist streng subjektiv und folgt dem, was ich persönlich gerne lese. Doch denke ich, dass für jede und jeden etwas dabei ist, die Lyrik lieben und schätzen. Außerdem habe ich versucht, zu den Werken adäquate Bilder zu finden. Das Einstellen von Gedichten auf diesem Blog wird fortgesetzt, das war mein guter Vorsatz für dieses Jahr. Viel Spaß beim Stöbern und Lesen wünscht Dingefinder Jörg.
Hier noch das Gedicht, welches zu dem Bild oben von Michael Peter Ancher (1849 - 1927) gehört. Und, wie versprochen, der link zum Blog:
http://dingefinders-lesebuch.blogspot.com/
Samstag, 1. Januar 2022
Frohes Neues, oder: Jetzt kommen wieder die goldenen Zwanziger
Auf ein Neues in ein neues Jahr. Da möchte ich mich doch einmal wieder melden, dieses Mal mit einem neuen Lied von mir. Ansonsten: Ich wünsche Euch allen ein gutes neues Jahr, auf dass wir uns bald wieder treffen können, in der Gemeinschaftsküche in der Alten Schule Fredelsloh, bei Texte und Töne und bei anderen Gelegenheiten. Toi toi toi
Jetzt kommen wieder die goldenen Zwanziger
Jetzt kommen wieder die goldenen Zwanziger
die letzten sind gerade hundert Jahre vorbei,
Tanz und Sekt und Koks im Ballhaussaal
bis zum dritten Hahnenschrei.
Jetzt kommen wieder die goldenen Zwanziger,
die letzten hatten wir vor hundert Jahren schon,
nach Krieg und Krise, Abdankung, dann Republik
und ein bisschen Inflation.
Jetzt kommen wieder die goldenen Zwanziger,
doch denkt daran, was dann geschieht,
nach den letzten, den letzten, den letzten dann
sangen sie folgendes Lied:
„Es holt der Franz das Fräuln Marie
Zu einer Überlandpartie.
Doch sie steht verweint in der Küchel.
»Herr Franz, ham's schon ghört?
's is aus mit der Erd!«
So schluchzt sie ins patschnasse Tüchel.
Der Franz aber lacht:
»Was mir das schon macht?
Ich weiß mir dazu ein Sprüchel!
Ob ich auch das kleine Cafe
In Hernais nimmer seh –
Sag ich trotzdem ganz lustig ade!«
Gehn ma halt ein bisserl unter,
Mit Tsching-tsching in Viererreihn
Immer lustig, fesch und munter,
Gar so arg kann's ja net sein.
Erstens kann uns eh nix gschehen,
Zweitens ist das Untergehen
's einzige, was der kleine Mann
Heutzutag sich leisten kann.“
Was kommen mag, ich weiß es nicht,
ich habe nicht die Gabe der Prophetie,
die Erde kommt zwar ohne Menschen aus,
doch wir Menschen nicht ohne sie.
Der Text ist von mir, bis auf die Teile in "Gänsefüßchen", die sind von dem österreichischen Dichter Jura Soyfer, aus "Der Weltuntergang", sein erstes Stück, das im Frühsommer 1936 uraufgeführt wurde.
Jura Soyfer wurde am 8. Dezember 1912 in Charkow, Ukraine, geboren und starb am 16. Februar 1939 im KZ Buchenwald an Typhus. Er ist einer der bedeutendsten politischen Schriftsteller Österreichs in den 1930er Jahren.
Freitag, 27. März 2020
Aus aktuellem Anlass: Termine 1. Halbjahr 2020
Aus aktuellem Anlass: Da in der Klosterkirche Fredelsloh bis Ende Mai keine Konzerte und Lesungen stattfinden dürfen, muss ich die folgenden Veranstaltungen für den Monat Mai leider absagen: 8. Mai zum Thema "Frieden", 10. Mai, Lesung mit Musik, "Die verbrannten Dichterinnen und Dichter", und das Abschlusskonzert mit Klaus der Geiger am Sonntag den 24. Mai.
Ob das Sommerfest "Texte und Töne" vom 19. - 21. Juni stattfinden kann, ist noch nicht gewiss.
Liebe Grüße @ all und trotzalledem gute Frühlingstage wünscht Dingefinder Jörg
Das Bild ist von Vilhelm Pedersen (1820 - 1859), "Frontispiece of Andersen's "Fairy Tales and Stories" (Eventyr og historier )", gefunden auf der Seite "Old Book Illustraions".


