Mittwoch, 27. Mai 2015

Zaubergärten




Zaubergarten in Fredelsloh

Zaubergärten

Es gibt Gärten, und es gibt Zaubergärten. Zaubergärten sind für mich die Gärten, in denen die Hand des Gärtners oder der Gärtnerin nicht spürbar ist. In denen das Kultivierte in wohliger Eintracht mit dem Unkultivierten wächst, wo die wenigsten Reihen gerade und die meisten Anpflanzungen bunt durchmischt sind.

Eigentlich ist ein Garten, die Herkunft des Wortes zeigt es, der „mit Gerten umsteckte Raum“, der mit Flechtzäunen (holländisch: „Tuin“ heißt sowohl "Garten“ als auch „Zaun“) von der Umgebung abgetrennte Raum, etwas Menschengeschaffenes. Selbst das Wort „Paradies“, aus dem Altpersischen kommend, bedeutet nichts anderes als „Wall“, Steinwall.

Nun sind diese Gertenzäune und Steinwälle, aus Lesesteinen gebildet, nicht starre herzlose Grenzziehungen, sondern eher wieder eigene Biotope, durchlässige Membranen zur Außenwelt, nicht Gefängnisse für was auch immer.

Nur aus einem Paradies, aus diesem behüteten Raum konnten Eva und Adam vertrieben werden. Und für dieses Paradies hatten sie den Auftrag zu „bebauen und bewahren“. Was immer auch die Erkenntnis war, welche dem zürnenden Gott Anlass war, das Paradies zu schließen, das „Bebauen und Bewahren“ ist danach gänzlich abhanden gekommen, wie der Zustand der heutigen Welt zeigt.

Nun glaube ich weniger an einen zürnenden Gott, mir ist eine Göttin, wenn schon, herzensnäher, und die „Hagazussa“, die Heckenwohnende, die Zaunreiterin, ergo, die Hexe, gefällt mir besser als schwarzgerockte Priester und bärtige Propheten. Zeigt doch die Zaunreiterin, dass die Membran trotz alledem noch durchlässig ist, dass es keine geschlossenen Paradiese gibt.

Sie ist sicherlich auch die Hüterin der Bauerngärten, die eigentlich Bäuerinnengärten heißen müssen, denn dort waltete die Frau. Während die Männer auf den Allmendeäckern arbeiteten oder auf den Lehnäckern für den Fronherrn schufteten, waren diese Gärten sozusagen privat. (von privatus, von privare, „abgesondert, beraubt, getrennt“, privatum, „das Eigene“ und privus, „für sich bestehend“). Sicher nicht im Sinne vom männlichen Privaten, dem Geraubten, sondern vom gärtnerischen Privaten, dem von der Umgebung abgesonderten.

Hier, in diesem Krautgarten, wuchsen der Gärtnerin die Hauptbeigaben zu den Mahlzeiten zu, hier war auch ihre Hausapotheke, Heilkunst und Ernährung vermischten sich. Und wenn es einmal nicht reichte, oder eine Krankheit gar zu hartnäckig war, konnte sie immer noch über den Zaun und die Hecke fliegen und in der Landschaft das Fehlende sammeln.

In diesen Gärten wurden die Schätze gehütet, fremdländische Gewächse oft. Schon der aus China kommende Schlafmohn fand bereits in der Bronzezeit Einzug in die Gärten, das belegen Samenfunde nach Ausgrabungen.

Sicherlich waren diese Krautgärten nicht die generalstabsmäßig geplanten Gemüsegärten, wie sie in den Kleingartenkolonien oft bevorzugt werden. Wohl eher sahen sie so aus wie die irokesischen Maisgärten, in denen Mais, Bohnen und Kürbis in trauter Eintracht wuchsen, nach dem Säen wurde noch zweimal gehackt und dann wurde wachsen gelassen. Was da zusätzlich aufkam waren bis zu 300 Arten nutzbarer Pflanzen. Eben das, was wir oft als „Unkraut“ verzweifelt fern halten wollen. Da wir nicht mehr um die Nutzbarkeit wissen, um die Heilkraft. Den „Tuin“ bildeten dort übrigens die hochaufwachsenden Tabakpflanzen, heiliges Kraut und schädlingsabweisende Hecke in einem.

Also: lasst uns mehr Zaubergärten kreieren, dann sind wir dem Paradiese bestimmt ein Stücklein näher gekommen. Und ab und zu fliegen wir dann über den Zaun. . .


Alter Bauerngarten

Ganz Seele – so stand ich
und sah
Sonnenlicht und Luft sich verweben
zu einem glänzenden Blütentraum.
Falter - bunt hingegeben,
Lavendelduft,
Duft von Melisse,
Elfen sah ich darinnen schweben.

Ein Engelwesen war dieser Garten mir,
Verwoben mit allem Lebendigen hier.
Verwoben mit all den Sternensphären,
Ach, wenn doch alle Gärten so wären!


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Donnerstag, 14. Mai 2015

Blütenschätze

Gestern waren wir in der Umgebung von Fredelsloh auf Pflanzenpirsch. Es blüht allenthalben, doch das, was ich entdecken durfte, verschlug mir schier den Atem. Knabenkräuter flächendeckend, dazu Katzenpfötchen, Anemonen, Zitronenquendel, und immer wieder wilde Orchideen, diese filigranen Geschöpfe, an deren Blütenzeichnungen ich mich nicht satt sehen konnte. 

Nein, ich werde nicht verraten, wo diese Schönheiten zu finden sind. Doch wer mich einmal besuchen kommt. . .



Fliegenragwurz (Ophrys insectifera), diese Wildorchidee ist eine echte Seltenheit. Ihre Blüten täuschen die Gestalt einer weiblichen Fliege dar. (Und die Männlein versuchen diese zu kopulieren, und verbreiten so die Pollen. Anscheinend sind nicht nur menschliche Männlein in Punkto Sexualität mit Dummheit gesegnet.)




Das Purpurknabenkraut (Orchis purpurea) ist eine der größten heimischen Orchideen, es kann bis zu 80 cm hoch werden, da war dieses Exemplar mit ca. 40 cm eher klein. Der Standort wurde mir von einer Einheimischen Kräuterkundigen verraten, und ich durfte die Pflanze wirklich entdecken. Knabenkräuter haben ihren Namen von den unterirdischen Knollen, jeweils eine ältere und eine junge, so dass immer zwei zu finden sind. In früheren Zeiten wurden die jungen Knollen der Knabenkräuter gesammelt und zu einem stärkenden Getränk verarbeitet, dem Salep. Ob ihrer Seltenheit ist heute davon abzuraten.

Ganz in weiß. . .


Das Große Zweiblatt (Listera ovata), Blüte, eine eher unscheinbare Orchidee, es lohnt sich aber, genauer hinzuschauen.


Das große Zweiblatt im Knospenstadium

Mittwoch, 15. April 2015

Veilchenzeit und Strohballenkasten

Veilchenblüten zum Trocknen
Während ich in Bremen in der Nähe der Gärten mir meine Veilchenblüten fast mühsam zusammensuchen musste, wachsen sie mir hier in Fredelsloh an allen Ecken zu. So war ich denn auch mit der Liebsten und Besuch auf Veilchenjagd. Die Veilchensaison ist für mich auch der Beginn der Kräutersammelsaison. Einige der gesammelten Blüten werden getrocknet und dann Bestandteil meines "Tee der Landschaft und der Jahreszeiten", andere werden eingezuckert und somit zu Veilchenzucker verarbeitet, der Rest wird mit Essig aufgesetzt zu Veilchenessig. 

Ansatz Veilchenessig
Den Veilchenzucker möchte ich alsbald verbrauchen, habe ich doch ein Rezept für Veilchen-Apfel-Gelee gefunden, und Äpfel habe ich noch im Keller. Äpfel (mit Schale) aufkochen, durchseihen und den in einer dieser alten elektrischen Kaffeemühlen zu Veilchenpuderzucker vermahlenen Veilchenzucker zusetzen, vielleicht etwas Geliermittel, fertig. In dieser recht arbeitsamen Zeit, die Gärten wollen bedient werden, sind schnelle Rezepte von Vorteil. 

Veilchenzucker
So hoffe ich, etwas vom Frühjahrsveilchenduft mit in den Sommer zu tragen. Was ich später mit dem Veilchenessig anstellen werde, weiß ich noch nicht. Erst einmal berausche ich mich an der wundervollen Farbe, welche dieser entwickelt. 






Veilchenkäsekuchen, von der Liebsten gebacken

Dann kamen kürzlich die Frühbeetfenster an, schöne alte Holländer Fenster, wie ich sie aus meiner Lehrzeit noch kenne. Auch hier musste es schnell gehen, die Zeit, eine aufwändige Holzkonstrution zu erstellen habe ich nicht. Also improvisieren. Strohballen gekauft und daraus einen kuschelig aussehen provisorischen Kasten gebaut. Zwar ist der Neigungswinkel der Fenster etwas schwach, selbst wenn ich die Strohballen an der Nordseite hochkant stellen würde, doch weitaus besser als die Jungpflanzen am Zimmerfenster zu belassen, ist es allemal. 

Erstaunlich wie schnell ein Frühbeetkasten aus zwei Fenstern mit Jungpflanzen vollgestellt ist. Die nächsten Strohballen liegen schon bereit. . .

Dienstag, 24. März 2015

Texte und Töne in Fredelsloh

 Freundinnen und Freunde sind etwas Schönes. Besonders, wenn sie mich und uns hier besuchen kommen. Und auch noch etwas mitbringen.

Am 9. April kommt Ana Lopez nach Fredelsloh um mit mir um 19:30 in der Alten Schule eine wunderbare Lesung zu gestalten. Das Meer, die Heimat und die Heimatlosigkeit werden unsere Themen sein, und wir werden nicht nur sprechen sondern auch klingen. 





                                                Verhinderte Poetin

                                 Manchmal sind Verse auf meinen Lippen,
                                 doch das Essen steht noch nicht auf dem Tisch.

                                 Manchmal sehe ich innere Bilder,
                                 wie sich die Dinge von innen nach aussen entfalten,
                                 schreiben will ich sie.

                                 Es sagt dazu mein Stift:
                                 Zeit nun für den Bericht.

                                 Und in der Zeit verflüchten sie ins unbekannte Morgen.

                                 Manchmal sind meine Worte wie Zaubersprache,
                                 aber wer will heute schon Zaubersprache hör´n?

                                 Manchmal denke ich mir die Welt besonders.
                                 Ich betrachte von ganz weit unten
                                 und von ganz weit oben;

                                 dann packt mich der Mut
                                 und meine Schreibader
                                 füllt sich mit Blut.





Am 10. Mai kommt dann Barbara Naziri ins Töpferdorf. Sie und ich werden mit einer Lesung des Jahrestages der Bücherverbrennung 1933 gedenken. Auf die einzig richtige Weise: Dass wir Gedichte dieser Dichterinnen und Dichter lesen, deren Bücher verbrannt wurden. Wir werden Gertrud Kolmar, Erich Mühsam, Ernst Toller und viele andere zu Gehör bringen. Zwischendurch gibt es Klänge auf Gitarre und Querflöte. Beginn ist 18:30. Wir treffen und im Café Klett






Barbara Naziri, Autorin, Dichterin und Herausgeberin, geb. in eine multikulturelle Familie, deren Spuren man von Israel über den Iran, die Krim bis nach Skandinavien verfolgen kann. Soziales Engagement hat für sie Priorität. Bereits in den 1980er und 1990er Jahren engagierte sie sich auf dem Gebiet der kulturellen und gesellschaftlichen, besonders aber der sozialen Konflikte ausländischer Mitbürger. So war sie Mitbegründerin des Hamburger Flüchtlingsrats sowie des deutsch-ausländischen Vereins AGDAZ und der Menschenrechtsinitiative IMUDI. Unter dem Pseudonym Maryam Djoun schrieb sie, ’Der Granatapfelbaum’ (Kinderbuch über ein iranisches Flüchtlingsschicksal und Anfang der 1990er Jahre Schullektüre) sowie ’Leben im Kalten Paradies’, das kritische Fragen zum Ausländergesetz und einer immer mehr wachsenden Parallelgesellschaft stellt. Als Menschenrechtsaktivistin unterstützt sie regelmäßig die Gruppe Madaran-e Irani. Sie veröffentlichte als Mitautorin Gedichte und Kurzgeschichten in mehreren Anthologien, ihre Geschichte ’Lam, der Kindersoldat’ wurde in der Zeitschrift MediaMania als bester Beitrag veröffentlicht zum Thema Krieg und Terror. Mitautorin in „Vielfalt – Bereicherung oder Bedrohung“ zum Thema multikulturelle Gesellschaft (Ed. Tandem – Salzburg). Herausgeberin von ’antastbar – die Würde des Menschen’ (Geschichten zur Menschenwürde – Dr. Ronald Henss Verlag). Ihr autobiografischer, mitunter recht abenteuerlicher und informativer Roman über den Iran „Grüner Himmel über schwarzen Tulpen“, erschien 2011 im Christel-Göttert-Verlag. Über sich selbst sagt die Autorin: Wäre ich eine Pflanze, würde ich mich so beschreiben: jiddische Wurzeln in persischer Erde mit Blütestandort Norddeutschland



Am Samstag, 16. 5. sind wir wieder im Café Klett in Fredelsloh.  Da stellen Anna Markova und Gennady Kuznetsov ihr Frühlingsprogramm vor. 

Um 20:00 Uhr wird ein bunter Maienabend beginnen. . .

Alle Veranstaltungen basieren auf freier Spende. Danke auch an das Bildungswerk Leben und Umwelt e. V., dass es uns so tatkräftig unterstützt.


 
Frühling, Liebe, Musik

„Musisch-lyrisch ein Genuss“ Südwest Presse

Dieses stimmungsvolle musikalisch-lyrische Frühlingsprogramm bietet Ernsthaftes und Unterhaltsames von Komponisten wie J. S. Bach, Niccolò Paganini, Jacques Féréol Mazas, Eugène-Auguste Ysaÿe u.a., sowie von Dichtern wie J. von Eichendorff, C. Brentano, H. Heine, T. Storm, E. Mörike, W. Busch, Chr. Morgenstern, D. von Liliencron u.a. Die weißrussische Ausnahmegeigerin Anna Markova übernimmt in diesem Programm recht ungewöhnliche Rollen als Improvisatorin, Rezitatorin und Sängerin. Ihr zur Seite steht der russische Dichter, Übersetzer und Liebhaber der klassischen deutschen und russischen Dichtung Gennady Kuznetsov, der Gedichte und Lieder auf Deutsch und Russisch vorträgt sowie Anna Markova auf der Gitarre begleitet.