Donnerstag, 27. Februar 2025

Eröffnung der Bilderausstellung zum Fotowettbewerb „Fredelsloh“ am 06. März 2025

 

Gabriele Astfalk-List: Erste Sonnenstrahlen


Eröffnung der Bilderausstellung zum Fotowettbewerb „Fredelsloh“ am 06. März 2025

Am 06. März 2025 eröffnet die lang erwartete Bilderausstellung des vom Ortsrat Fredelsloh veranstalteten Fotowettbewerbs „Fredelsloh“, der im vergangenen Jahr von Juni bis August stattfand. Über 60 spannende Aufnahmen von 26 regionalen Fotograf:innen wurden eingesendet und spiegeln die Vielfalt und Schönheit des Ortes und der Region rund um Fredelsloh wieder.

Das Organisations-Team zeigt sich begeistert vom großen Zuspruch und betrachten den Wettbewerb als vollen Erfolg.

Auf dem Klostertag 2024 hatten um die 100 Besucher:innen die Möglichkeit, ihre Favoriten zu wählen, ergänzend dazu nahm eine Fachjury die Bilder unter die Lupe. Gemeinsam wurden 42 herausragende Bilder ausgewählt, die nun in der Ausstellung in Groß auf Leinwand gedruckt präsentiert werden. Außerdem wurden vier Siegerbilder gekürt, die besondere Blickwinkel präsentieren.

Kathrin Henne: Fredelsloh mit dem Mohnfeld 

Zwei Standorte – Eine Eröffnung

Die Vernissage startet um 17:00 Uhr im Café Klett, mit einem kleinen Empfang und einer Laudatio. Im Café Klett wird die erste Hälfte der ausgewählten Bilder zu sehen sein, im Anschluss geht es gemeinsam zum Kaffeelino, wo die zweite Hälfte der Fotografien präsentiert wird.

Bis zum 21. April werden die Bilder ausgestellt sein. Im Café Klett täglich von 13 bis 18 Uhr mit Ausnahme von Karfreitag und im Kaffeelino Mittwoch bis Freitag von 9 bis 18.00 Uhr und Samstag & Sonntag von 11 bis 18 Uhr.


Alexander Hoffmann Schöttel: Kloster bei Nacht 

Dank an die Unterstützer:

Eine Veranstaltung in dieser Größenordnung wäre ohne tatkräftige Unterstützung nicht möglich. Das Organisationsteam (Bernd Henne, Janne Klett-Drechsel, Till Pahmeier und Kathleen Römmer) bedankt sich herzlich bei den beiden Cafés für die logistische Hilfe sowie bei der Hedi Kupfer Stiftung und der Kreissparkasse Northeim für die finanzielle Unterstützung.

Ganz besonderer Dank geht natürlich an die Mitglieder der Fachjury, namentlich Bernd Sommer, Ulrich Paeslack, Nico Weppner, Zsuzsanna und Peter Bényei-Büttner, Roland Schrader und Oona Brinkhoff.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, die Ausstellung zu besuchen und sich von den faszinierenden Aufnahmen inspirieren zu lassen.


Florian Schröder: Fredelsloher Auenland

Sonntag, 16. Februar 2025

Die Freude am Selbstgemachten in der Küche

 


Die Freude am Selbstgemachten in der Küche

Küche durch das Jahr

Von Apfelkraut bis Zitronenkonfitüre - Selber machen mit haushaltsüblichen Geräten

Ab 11. 3. 25 jeden Dienstag treffen wir uns von 15:00 bis 18:00 Uhr in der Küche der Alten Schule Fredelsloh, um neue und alte Rezepturen auszuprobieren. Ob es um Brotbacken mit Natursauerteig oder selbst gemachter Wildhefe geht, um einfache Käseherstellung, um das milchsaure Haltbarmachen von Gemüse, um Sammeln und Verarbeiten von Wildkräutern, Marmeladen und Fruchtaufstriche herstellen, Nussnougatcreme selber machen oder auf althergebrachte Weise einwecken - bei unseren Treffen geht es sowohl um Basics als auch um Ungewöhnliches. Dabei werden wir jahreszeitlich abgestimmt werken, schauen, was Saison, Natur und Garten bieten. Gemeinsam macht es mehr Spaß!

Geplant sind auch Spaziergänge in der Umgebung von Fredelsloh um zu schauen, was je nach Jahreszeit dort wächst. Doch auch die Anzucht von Kräutern für die Fensterbank sind Thema. Kinder können gerne mit gebracht werden.


Alte Schule Fredelsloh, Am Kapellenbrunnen 4, 37186 Fredelsloh, Anmeldung unter 05555 / 522 (AB) oder dingefinder@gmx. de

Kosten: Umlage für die Lebensmittel, Spende für die Alte Schule nach Selbsteinschätzung

Ansprechpartner und Leitung: Jörg Krüger

Samstag, 8. Februar 2025

Aus Dingefinders Büchergarten: Heimekenbrinks Engelchristine

 



"Heimekenbrinks Engelchristine" - Das war meine Lektüre die letzten Tage, die Geschichte der Kindheit und Jugend einer Bauerntochter aus dem Solling, von 1922. Ein anrührender Blick in eine vergangene Welt. Engelchristine (eigentlich Friederike von Ohlen, geb. Hagedorn) lebte von 1838 bis 1923 in dem kleinen Dorf Fredelsloh im Solling. Wenige Jahre vor ihrem Tod hielt ihr jüngster Sohn August (Pseudonym: Hanshenderk Solljer) die Lebenserinnerungen seiner Mutter fest. So tauche ich auch in die Vergangenheit meiner Wahlheimat ein.

Engelchristine erzählt:

Als ich noch klein war und von meiner Mutter zum erstenmal das Märchen von Frau Holle gehört hatte, bin ich heimlich zu unserm Hausborn geschlichen und habe trotz strengsten Verbot über den Rand in die Tiefe gelugt und - denkt euch - auch richtig das Spinnemädchen mit dem Flachshaar und den großen Augen gesehen. Auch der blaue Himmel war da und von der Blumenwiese ein paar Grasbüschel und grüne Zweige.

Ich habe mich zuerst ein wenig erschrocken, nickte dann aber dem armen Kinde einladend zu, es solle doch herauskommen und mit mir spielen. Da winkte es ebenso freundlich wieder, kam aber nicht und verschwand, als ich mich zurückzog.

„Nun wird es bei unserm `Säutjebaum` sein und die reifen Äpfel schütteln“, dachte ich und lief in den Garten.

Wie ich aber auch wartete, das Mädchen ließ sich nicht blicken, und der Apfelbaum tat auch seinen Mund nicht auf.

Unterwegs konnte das Mädchen unmöglich mehr sein, dazu war der Brunnen zu nahe. „Also,“ folgerte ich, „waren die Äpfel noch nicht alle miteinander reif, oder der Baum ist überhaupt noch nicht geschüttelt.“ In diesem Falle war die im Born nicht die Fleißige, sondern die Faule gewesen.

Das musste ich rauskriegen! Ich grapschte also geschwind einen „Säutjen“ unter dem Baume auf und lief, in den Apfel beißend, spornstreichs zu unserm Backofen, der weitab vom Hause unter allerhand Obstbäumen im Garten stand und gerade den würzigen Geruch frischbackenen Brotes verbreitete. Aber ich erlebte eine neue Enttäuschung. Statt eines jungen Mädchens zog eine gebückte Greisin dort Brote heraus.

„O, Frau Holle!“ rief ich erschreckt aus und blieb wie angewurzelt auf der Schwelle stehen.

„Nä, Duiwels Lottewase!“ erwiderte die Alte mit feiner Beberstimme und wandte ihr Gesicht der hellen Tür zu. Da erkannte ich denn auch die alte Freundin unseres Hauses und schämte mich meiner Dummmheit.

Aber die Lottewase, die bei uns Kindern manchen Winterabend auf der Ofenbank und zur Sommerzeit manche Schummerstunde vor der Tür gesessen und mit ihrer dünnen, weinerlichen Stimme schöne Geschichten erzählt hat, zog mich freundlich zu sich ins Backhaus und hatte bald heraus, was mich bewegte und hertrieb.

„Die Spinnerinnen suchst du, Engelstine?“ sagte sie teilnahmsvoll. „Da bist du wohl zu spät gekommen, die sind schon längst bei der Frau Holle in der Drakenhöhle.“

Damit brach sie mir ein Stück von ihrem Brotkuchen ab und führte mich vor das Backhaus, zeigte nach einer tiefen dornbewachsenen Schlucht hinten an der Wakelburg, wo im Frühjahr der Schnee immer solange liegen blieb, und sagte: „Dort wohnt sie.“

Ich schaute angestrengt nach dem geheimnisvollen Orte und fragte dann: „Da, wo es so glitzert?“

„Glitzert es dort, Kind?“ fragte Duiwels Lottewase zurück. „Meine Augen reichen nicht mehr so weit, aber,“ setzte sie, bedeutsam den Finger hebend, hinzu, „wenn es da blinkert und glitzert, dann sind die Hänselmännchen wieder mal dabei und sonnen der Frau Holle ihr vieles, vieles Gold.“

Ich lief hinten ans Ende unseres Gartens, um von dort aus die gesonnten Schätze zu sehen. Aber da waren sie verschwunden. Nun zwängte ich mich durch eine schadhafte Stelle der Hecke. Dabei riß ich mir ein Loch ins Kleid und die Hände blutig, achtete es aber nicht sonderlich, sondern lief querfeldein immer geradeaus auf die Drachenhöhle zu. Da meine Augen und Gedanken aber den Füßen voraneilten, stolperte ich einige Male und füllte mir obendrein in einem schlammigen Graben die Schuhe voll.

Ganz erhitzt und matt stand ich endlich vor der Drachenhöhle, von dem Gold und feinen Hütern war nichts zu sehen. Nur ein paar blanke Topfscherben fielen mir in die Augen.

Es jackert eben jeder einmal und mancher sein ganzes Leben hinter Glanz und Golde her; und was findet er schließlich? Nichts als wertlose Scherben.

Mir ist es mein Lebtag mit allen Geschichten so ergangen wie damals mit dem Märchen von Frau Holle. Meine Gedanken hatten stets nichts Eiligeres zu tun, als die Begebenheiten an mir bekannte und vertraute Örtlichkeiten in oder um Dießeloh zu verlegen, selbst wenn hundertemal andere Orte in der Erzählung genannt wurden. Denn Dießeloh ist mir zeitlebens mein Ein und Alles gewesen, und in diesen lieben Erdenwinkel stelle und rahme ich in meiner Einfalt die ganze Welt und ihre Geschehnisse ein.

Dienstag, 4. Februar 2025

Kartoffelpizza mit Petersilienpesto

 


Kartoffelpizza? Ja, Kartoffelpizza - Wird das gegoogelt, dann kommen viele Rezepte mit einem Boden aus einer Art Kartoffelbrei und einer Auflage, die so von Pizza bekannt ist, Tomatensauce, irgendeine Salami, Käse und so weiter.
Die originale italienische Kartoffelpizza gibt es übrigens, auch wenn sie nicht so bekannt ist wie beispielsweise Pizza margherita, doch in Italien durchaus üblich, wie ich von einer Italienerin erfuhr, die in Deutschland lebt, und seinerzeit die Vorsitzende von Slow Food Bremen war.

Also, die Kartoffelpizza, die ich meine, ist eine Pizza mit Teigboden und Kartoffelauflage, wobei der Pfiff an der Sache an der Würzung liegt.

Am Vortag habe ich einen Pizzateig zubereitet, mit Wildhefe und einem Schuss Olivenöl. Der übernachtete im Kühlschrank und wurde kurz vor der Zubereitung noch ein- zweimal durchgeknetet und gehen lassen.

Stampfkartoffeln (Kartoffelbrei mag ich das nicht nennen, es ist etwas gröber): Für ein Blech etwa 1kg (darf ruhig etwas mehr sein) mehlig kochende (etwa Agria) oder vorwiegend festkochende (ich bevorzuge die rotschalige Laura) Kartoffeln nehmen, schälen, kochen. Abdampfen lassen auf der noch heißen Platte, Milch, Sahne zufügen. Eigentlich würde jetzt noch Butter dazukommen, doch für dieses Rezept Olivenöl. Den Topf von der Herdplatte nehmen, noch ein bis zwei Eier, Salz und etwas frisch geriebene Muskatnuss beigeben, und mit dem Kartoffelstampfer zu einem Brei zerstampfen. Die Mengen von Milch, Sahne, Öl richten sich nach der gewünschten Konsistenz, klein anfangen und bei Bedarf weiteres zufügen.

Nun reibe ich 200 g Cheddar (die gröbere Seite der Reibe), gebe sie in die Kartoffelmasse, dazu Knoblauchzehen, durchgedrückt (nach Bedarf, kann ruhig viel sein, ich nahm sechs Zehen), und Gewürze, mediterran: Thymian, Oregano, Rosmarin. Das alles wird untergerührt.

Diesen Kartoffelbrei verstreiche ich auf dem auf einem eingeölten Backblech ausgerollten Pizzateig. ich hatte noch von irgendwoher eine Zucchini, die habe ich in feine Scheiben geschnitten, diese dann so auf der Pizza verteilt, dass auf jedem späteren Stück Pizza eine Scheibe platziert war. Die Scheiben wurden leicht gesalzen und mit Olivenöl eingepinselt.

Bei 250 Grad etwa 20 Minuten im Backofen backen, nach dem Herausnehmen bekommt jede Zucchinischeibe einen Klecks Petersilienpesto obenauf. Letzteres stellte ich aus frischer Petersilie, angerösteten Walnusskernen, Knoblauch, Rapsöl und Salz in der Küchenmaschine her. (Mörser wäre auch gegangen, doch es waren Gäste da, und so brauchte ich eine größere Menge davon, da war ich dann der Bequemlichkeit erlegen). Auch hier richten sich die Mengen nach Geschmack und Belieben. Ich bin kein großer Freund von genauen Mengenangaben bei solchen Sachen, ich selber nahm recht viele Walnusskerne, so dass das Pesto etwas heller wurde. Ich hätte auch noch Parmesan hineinreiben können, leider hatte ich gerade keinen zur Hand, doch es schmeckte auch in der veganen Variante ausgezeichnet.


Freitag, 31. Januar 2025

Die zweite Ernte des Jahres

 


Heute, am letzten Tag des Januar, lockte mich die Sonne heraus. Sie schien gar zu verlockend durch die Fenster meines Zimmers. Ich lenkte meine Schritte in Richtung Solling und ging einen Weg am Waldrand ab, klar, auch um zu schauen, was der Winter so zu bieten hat. Mich fragte einmal jemand, mit dem ich auf Waldspaziergang war, vorwurfsvoll, ob ich denn nicht einmal zweckfrei durch den Wald gehen könne, und nur die Schönheit genießen. Also so ganz romantisch-verschwärmte Waldeslust in etwa.

Ich bin von Kindesbeinen an mit Eltern und Großeltern im Wald, sie zeigten mir Pilze, Beeren, Kräuter, und wie sie gesammelt und verwertet werden. Bei meiner Großmutter lernte ich die Taubnesselblüten auszuzupfen, da ich so feine Finger hatte, mein Großvater zog mit seinem Spazierstock Lindenzweige herab, damit ich an die Blüten kam; Blaubeeren waren ein Teil unseres Wintervorrates, wenn es Pfannkuchen gab, gab es vorher eine Blaubeerensuppe (mit Grießklößchen); und an den Duft gebratener Pfifferlinge und Maronen erinnere ich mich gerne; tief in meinem Gedächtnis verankert sind auch die Gerüche auf Großmutters Dachboden, wo Weißdornblüten, Heidekrautblüten und Lindenblüten beim Trocknen miteinander wetteiferten, meine Nase als erste zu erreichen. Ist doch das olfaktorische Gedächtnis das prägenste, das, mit dem sich Erinnerungen quasi automatisch wiederherstellen lassen.

Später wurde ich Gärtner, Pädagoge und Dichter, doch das Sammeln wilder Kräuter, Beeren, Nüsse, Pilze war immer Teil meines Lebens, und ich lernte dazu, genügend, um später selbst Kräuterwanderungen und Kochkurse anzubieten. Das ist Teil meines Wesens, und wenn ich im Wald bin, auch in einem mir unbekannten, dann geht es mir so, dass, wenn sich die Vegetation verändert, der Graswuchs unter den Bäumen ein anderer wird, die Moosbänke andere Farben annehmen; dass sich ohne dass ich das willentlich zu steuern vermag, mein Blick ändert - ich bekomme den Pilzblick.

Doch auch der Krautwuchs am Wegrand interessiert mich, und die meisten kenne ich mit Namen (und Anwendung). Was jedoch nicht heißt, dass ich die Schönheit des Waldes, der Landschaft, der Sonneneinstrahlung durch die Baumwipfel, dass ich das Smaragdgrün der bemoosten Stämme, das leise Singen von scheuen Vögeln nicht wahrnehme und mich daran erfreue. Denn beides gehört zu meinem Wesen. Jener Kritiker übrigens redete die ganze Zeit irgendetwas Wichtiges und Salbungsvolles, dass ich ganz abgelenkt wurde von der mich umgebenden Schönheit.

Heute war ich allein unterwegs, und ich wurde, wie erhofft, fündig. Oben auf dem Foto der Holunderschwamm (Auricularia auricula), einer seiner vielen deutschen Namen, die ich nicht alle hübsch finde. Am besten gefällt mir die chinesische Bezeichnung Wolkenohrpilz. Als Chinesische Morchel oder Mu-Err getrocknet zu kaufen, ist er in China sehr beliebt in der Küche.

Der Geruch ist mild - erdig, und der Geschmack sanft pilzig, manche sagen, er wäre geschmacklos. Auch gilt er als Heilpilz, unter anderem bei Bluthochdruck und zur Vorbeugung eines Herzinfarktes angewendet. Meine heute von mir gefundenen Exemplare kommen morgen mit in meine Wurzelsuppe, eine Brühe, bestehend aus Porree, Sellerie, Karotten und Petersilienwurzeln, abgeschmeckt mit Miso, der japanischen Sojapaste.


Manche verwechseln den Holunderschwamm mit einem der Drüslinge, zum Beispiel den hier abgebildeten Abgestutzten Drüsling (Exida truncata), einem Gallertpilz, der auch gerne im Winter wächst. Dieser soll geschmacklich und geruchlich neutral und ungenießbar sein. Er gilt als ungiftig, also eine Verwechslung wird sich überleben lassen.



Ein weiterer Gallertpilz, nur weitaus auffälliger, ist der Goldgelbe Zitterling (Tremella mesenterica), auch er häufig im Winter zu finden, geschmacklich und geruchlich neutral, auch er soll essbar sein, aber keine kulinarische Offenbarung. Also erfreue ich mich an der erfrischenden Farbe und lasse ihn im Wald.




Ein paar Austernseitlinge fand ich auch noch - drum sage mir niemand, dass der Winter außer Schönheit nichts zu bieten hätte.


(Wild-) Hefe selber machen

 



(Wild-) Hefe selber machen

Es gibt nicht die eine Hefe, sondern verschiedene Hefestämme. Am häufigsten wird der Hefestamm Saccharomyces cerevisiae genutzt, der auch als Back- oder Bierhefe bekannt ist. Doch in der Natur kommen Hefen an sehr vielen Orten vor, unter anderem auch auf den meisten Obstsorten. Für den Wildhefeansatz lassen sich unter anderem Trockenfrüchte wie Pflaumen, Datteln oder Aprikosen nutzen. Hauptsache ist, dass sie ungeschwefelt sind.

Um Hefe selber zu machen, werden lediglich diese drei Zutaten gebraucht:

Ca. 500 ml lauwarmes Wasser
2 - 3 getrocknete und ungeschwefelte Trockenfrüchte
1 EL Honig (Zucker ginge auch)

Als Gefäß nutze ich eine Milchflasche, die einen Liter fasst. Dahinein kommt mein Trockenobst, ich hatte mich für Datteln (entsteint) entschieden, auch, da sie gerade zu Hand waren. Drei Stück davon habe ich halbiert und in die Flasche getan. Dann habe ich einen halben Liter Wasser erhitzt und den Honig darin aufgelöst, dann mit kaltem Wasser auf handwarm herabgekühlt und zu den Datteln ab in die Flasche. Die Flasche darf nicht randvoll sein.

Die kommt jetzt an einen warmen Ort (bei mir steht sie auf einem Schieferbrett auf der Heizung, jetzt im Winter), dabei darauf achten, dass der Deckel nur aufgelegt ist und nicht zu geschraubt, damit die entstehenden Gase entweichen können. Zwei- bis dreimal am Tag wird das jetzt geschüttelt (dafür den Deckel selbstverständlich verschließen), ich selber schüttle immer so lange im Kreis, bis eine Trichterspirale entsteht. Das sieht hübsch aus, finde ich.

Nach etwa fünf bis zehn Tagen ist die wilde Hefe fertig zur Verwendung. Die genaue Dauer hängt von vielen Faktoren ab – unter anderem von der Temperatur. Dass die Hefe fertig ist, lässt sich am typischen Hefegeruch feststellen. Außerdem sollten viele kleine Blasen im Gefäß aufsteigen. Wenn das Hefewasser verdorben riecht oder Schimmel angesetzt hat, dann weg damit. Das ist mir aber noch nicht passiert.

Wenn die wilde Hefe soweit ist, lässt sie sich wie die gekaufte Hefe verwenden, ich ersetzte einfach die für den Teig nötige Flüssigkeit durch meinen Ansatz. Dafür die Flasche noch einmal kräftig schütteln, da sich die meiste Hefe am Boden abgesetzt hat. Sie lässt sich für jedes gängige Hefeteigrezept verwenden. Die eingeweichten Datteln werden jetzt entfernt. Ich lasse übrigens immer einen Teil meines Hefewassers in der Flasche, für die Weitervermehrung.

Die selbst gemachte Hefe hat eine geringere Triebkraft als industrielle Hefe. Daher lasse ich meine Teige besonders lange gehen, was auch den Vorteil hat, das die Inhaltsstoffe des Getreides besser aufgeschlossen werden, ähnlich wie bei Natursauerteig. Das macht das entstandene Brot oder Pizza oder anderes wesentlich bekömmlicher. Viele Menschen, die keine normalen mit Hefe gebackenen Brote vertragen, können diese Backwaren ohne Beschwerden verzehren.

Ich selber bereite am Vortag einen Vorteig zu, nur mit der Wildhefe und dem Mehl, Weizen oder Dinkel. Den Vorteig lasse ich eine Weile an einem warmen Ort gehen, etwa eine Stunde, dann knete ich ihn durch, und er verschwindet im Kühlschrank, um am nächsten Tag weiter verwendet zu werden. Am nächsten Tag nehme ich einen kleinen Teil meines Vorteiges ab, der verschwindet auch wieder im Kühlschrank. Den kann ich für den nächsten Vorteig verwenden, ohne meine Wildhefe erneut anzurühren.

Nun kann ich die weiteren erwünschten Zutaten beigeben, Mehl, Butter, Öl, Ei, Salz usw., was eben so gebraucht wird. Teig wieder durchkneten, und weiterhin gehen lassen, so lange, bis er beginnt Fäden zu ziehen, Zwischen durch ruhig noch einmal durchkneten. Am Schluss das gewünschte Gebäck fertigstellen, noch einmal gehen lassen, bis das Backwerk sichtlich gegangen ist und dann ab in den vorgeheizten Ofen damit.

Mit wenigen Schritten kann die wilde Hefe weiter vermehrt werden. Ein Teil des angesetzten Hefewassers wird zurück gelassen und die Trockenfrüchte entfernt, dann können erneut Früchte und Honig zugegeben und mit Wasser aufgefüllt werden.

Ich selber lasse immer einen Teil des Vorteiges zurück und halte ihn im Kühlschrank bereit, dieser lässt sich dann, ähnlich wie Sauerteig, wieder als Starter nutzen. (Der selige Hermann lässt grüßen, wer kennt ihn noch?). Das funktioniert, weil ich regelmäßig backe. Einmal die Woche sollte es schon sein. Sonst lieber auf die Wildhefe aus dem Glas zurück greifen, die länger haltbar ist.

Das Foto zeigt meine ersten mit Wildhefe selbst gebackenen Brötchen.


Die Anregung, mich mit der Herstellung von Wildhefe zu befassen, bekam ich von meiner Partnerin Judith. 

Dienstag, 21. Januar 2025

Ein Salat für den Winter

 


Ein Salat für den Winter

Mein liebster Wintersalat ist der Feldsalat, und der am liebsten aus dem Freiland, doch den gibt es so gut wie nicht mehr zu kaufen. Mit ein bisschen Glück kommt der aus einem unbeheizten Gewächshaus. Das hellgrüne Zeug, das in Berührung mit einem Dressing in sich zusammenfällt, kaufe ich nicht.

Die nächste Alternative wären Endivien, oder Radicchio, beide sehr fest und verhältnismäßig bitter. Endiviensalat hält es sogar aus, mit warmen Speckstückchen, die zusammen mit Zwiebeln in Öl angebraten wurden, übergossen zu werden.

Angeboten wird auch Romansalat, eigentlich sind das recht mächtige, lockere Köpfe, von Struktur und Geschmack kräftiger als andere Salate, die in Österreich sogar wie Spinat oder Grünkohl gekocht werden. Eine andere Variante wären die Kasseler Strünkchen, eine alte Sorte, von der die Blütenstiele geerntet und zubereitet werden. Die habe ich noch nicht auf Märkten gesehen. Die großen Köpfe des Romansalates werden auch selten angeboten, in Supermärkten zu finden sind meistens die Salatherzen, die frischgrüner und zarter sind und nicht so bitter.

Ermangelns anderem kaufte ich letztere für einen Wintersalat. Verlockend waren auch Granatäpfel (aus der Türkei), dabei verhältnismäßig bezahlbar. So kamen davon zwei in den Einkaufskorb.

Zuhause angekommen rupfe ich zwei von den Salatherzen auseinander, ich mach das lieber mit den Händen, statt mit einem Messer. Dann kam einer der beiden Granatäpfel dran. Die können übrigens eine rechte Sauerei in der Küche auslösen, und Granatapfelsaft geht aus der Wäsche kaum wieder heraus. Also wird er in der Spüle zerteilt: Als erstes um den Strunk herum ein wenig einschneiden, der lässt sich dann relativ einfach wie ein Deckel abnehmen. Darunter sind die sechs Kammern erkennbar. Zwischen jeweils zwei Kammern mit Granatapfelkernen ist ein weißes Häutchen. An diesem schneiden wir bis zum Boden entlang. Aber nur die Schale des Granatapfels und nicht in die Frucht hinein. An den Schnittlinien kann man jetzt den Granatapfel aufbrechen und erhält so einzelne Sektoren mit den roten Kernen. Die brauche ich jetzt nur noch vorsichtig herauslösen (wirklich vorsichtig, dass sie nicht spritzen). Die Kerne mit dem Fruchtfleisch kommen zum Salat in die Schüssel.

So haben wir das frische (herzliche) Grün und das aktivierende Rot zusammen. Hellen wir das ganze etwas auf, auch um dem Ganzen eine italienische Note zu geben. Dafür rasple ich von einem Stück Grana padano zwei drei Handvoll Späne.

Zum Dressing: Dafür benötige ich zwei sehr fein gewürfelte Schalotten, einen Teelöffel Senf, ein Esslöffel Orangenmarmelade (oder mehr, nach Belieben), einen Schuss Essig, ich hab einen Holunderblütenessig genommen, etwas Salz, das alles wird mit einer Gabel fein verrührt, dann kommt Öl dazu. Zuerst hatte ich vor, ein mildes Olivenöl zu nehmen, doch schließlich entschied ich mich für das etwas neutralere Distelöl. Das Dressing kommt etwa eine halbe Stunde vor dem Servieren mit den Zutaten für den Salat vermischt.

In der Zwischenzeit habe ich noch Walnusskerne in eine Pfanne gegeben, sie kurz angeröstet und dann Ahornsirup dazu, den so lange erhitzt, bis er karamellisierte und die Nusskerne umschloss. Diese mischte ich dann noch unter. Damit wäre ein Salat fertig, der fröhlich stimmt. Auch an grauen Tagen.

Er trägt mit dem Romansalat, der ja auch Römersalat genannt wird, und seinen Ursprung in den Mittelmeerländern hat, mit dem Grand padano und den Orangen in der Marmelade für das Dressing etwas von mediteraner Leichtigkeit in den Winter; unterstützt durch die Granatapfelkerne, einem Obst, das zuerst in Jordanien und Persien angebaut wurde. Auch die Schalotten für das Dressing haben südöstliche Herkunft, ihr Herkunftsgebiet liegt bei Usbekistan / Tadschikistan / Afghanistan. Der Ahornsirup mit dem ich die Walnüsse karamelisiere wiederum stammt aus Kanada, und er wurde von den Irokesen entdeckt, wie die Legende geht: „Der Überlieferung nach soll einem Jäger der Irokesen bei der Heimkehr der süße und aromatische Duft über der Kochstelle aufgefallen sein. Seine Frau hatte offenbar Regenwasser aus einem ausgehöhlten Stamm unterhalb eines Ahornbaumes verwendet. Als auch die Speise süß schmeckte, erkannte man den Zusammenhang. Fortan hackten die Irokesen ihre Tomahawks in die Rinde der Ahornbäume und fingen den herausrinnenden Saft auf. Sie legten erhitzte Steine (Kochsteine) in den Saft und erzeugten so den dickflüssigen Sirup.“ (Wiki) Hier vereinigen sich dann zwei Kontinente: Plinius berichtet in seiner Naturalis historia, dass die Griechen den Walnussbaum im 7. bis 5. Jahrhundert vor Christus nach Europa brachten. Nach Deutschland gelang sie vermutlich erst durch die Römer.

Auch der Senf für das Dressing wurde durch die Römer hier etabliert, doch entstammt er ursprünglich dem Industal. Und die Färberdistel, aus deren Samen das Öl für das Dressing gewonnen wird? Die Färberdistel kommt heute nirgends mehr ursprünglich vor; sie ist ein Neophyt in Süd-, Mittel- und Osteuropa, in Nordafrika, auf Madeira und den Kanaren, in Syrien, im Libanon, in Armenien und China, in Nord- und Südamerika und in Australien. Ihr Ursprungsgebiet die Türkei und der Iran.

Damit auch das originär Heimische nicht zu kurz kommt, wurde das Dressing mit Holunderblütenessig verfeinert. Die Walnüsse haben wir übrigens hier in der Umgebung gesammelt.

So vereint dieser Salat einige Jahrhunderte Kultivierungsgeschichte und gleichzeitig eine Vielzahl von Kulturen und Herkünften. Mit jedem Mundvoll vereinen wir uns mit verschiedenen Regionen dieser Welt.