Dienstag, 17. November 2015

Zeit-Seeing (update 2015)





           Zeit-Seeing  

Es war wieder einmal heute,
als das Ungemach ihm dräute,
als die Mamsel Ampfer mampfte
und der Drucktopf fauchend dampfte,
wo herinnen Mangold garte,
weil sie am Spinate sparte.

Während sie so wiederkäute
Ihre vegane Grünzeugbeute,
dabei den garen Mangold stampfte
während im Radio Roger klampfte,
sah er nur schlanke und aparte
wohlgeformte Beine, so aus seiner Warte.
(Auf die er hingegeben starrte). . .

Nur den Rest, den sah er nicht.
(Hinterher machte er ein lang´ Gesicht
als er im Bimbam vom Geläute
der Hochzeitsglocken reichlich spät bereute)


                               Zeit-Seeing  II

Netzwerkzeitüberschreitung  - ich erreiche Dich nicht.
Welch neue Worte muss ich kennenlernen,
Wortungetüme, so prosaisch, zu sperrig eigentlich
Für lyrische Gefühle. Ach, ich muss das trennen lernen,
Hier meine Ungeduld und meine Emotion für Dich,
Der Wunsch nach Deinen Augensternen,
Dort der Netzwerkunterbrecherich,
. . . und der Himmel ist mit weißen Wölkchen zart betupft. . .
Das Gras wächst nicht schneller, auch wenn man dran zupft.

Auch dem Willi wollte ich noch etwas schreiben
Bevor das Jahr endgültig seiner Wege geht,
Ihm endlich einmal sagen: „Das kann ich nicht leiden!“,
So deutlich, dass auch er den Sinn versteht.
Doch bin ich jetzt dabei, die Zeit hier zu vertreiben,
Während der Computer lädt und lädt.
Manchmal denk ich schon, ich lass es bleiben. . .
So bleibt so manches Hühnchen ungerupft.
Das Gras wächst nicht schneller, auch wenn man dran zupft.

Vor lauter Langeweile beginne ich zu Schnibbeln und zu Kochen.
So viel Warterei geht nicht nur auf den Geist, auch in den Bauch.
Eine Instanz in mir fragt sich: „Was habe ich verbrochen?“,
Derweil zerteil ich Möhren, Pastinaken, Knoblauchwurst und Lauch.
Das Telefon ist ohne Anschluss, schon seit Wochen.
Julienne zu schneiden hilft oft gegen Frust und auch
ein gutes Sößchen wird dann gern gerochen.
So kommt es, dass der Koch, statt zu schreiben, wieder mal den Deckel lupft.
Das Gras wächst nicht schneller, auch wenn man dran zupft.


               Zeit–Seeing III

Die Zeit hatte sich ganz schick gemacht
und ging um siebene nach acht
in ein Büro für Zeitarbeit.
Sie hätt es gern zu Geld gebracht.

Sie hatte einen Job als Uhrzeitzeiger anvisiert.
Dafür war sie  überqualifiziert.
So ist sie weiter arbeitslos. Das tut ihr leid.
Über Zeitarbeit nachzudenken hat die Zeit jetzt Zeit.

              Zeit-Seeing IV: Bist du immer pünktlich?
Körper, Seele, Geist,
so bin ich schon zu dritt.
Mein inneres Kind
spielt auch noch mit.

Unter-, Über-Ich, ein Ego und das Selbst.
Das Ganze dann noch mehr
als die Summe seiner Teile.
Alles tummelt sich in mir,
während ich mich so beeile.
Du erwartest mich so um halb vier.

Ganz in sich versunken spielt
das innere Kind still in seiner Ecke.
Der Körper liegt lang hingestreckt
faul auf der Tagesdecke.
Das geht der Seele auf den Geist.
Das Über-Ich und das Selbst sind mit dem Ego
derzeit nach Übersee verreist.

Ich schicke eine Mail an alle,
da es schon nach drei und wirklich dringlich ist.
Ich weiß, wie wenig Freude ich an Dir habe,
wenn Du so richtig sauer auf mich bist.

Doch einmal ehrlich:
Wie kann ich mit dem ganzen Verein
pünktlich sein?


             Zeit-Seeing V

Mit Gelassenheit sich Zeit zu lassen,
das ist jetzt an der Zeit.
Zu wissen von den Kleinigkeiten.
Zu Großem sind so viele schon bereit.

Kein Speigelfechten mehr mit Worten,
keinen neuen Ismus als Systemkritik.
Wer bebauen und bewahren möchte,
tu das besser Stück für Stück.

Schnelligkeit, das ist der Zug der Zeit.
Die Zeit, die Geld ist in den Kassen.
Doch ich bin nun gereift bereit
mit Gelassenheit mir Zeit zu lassen.

Und dann
zünde ich mir eine Kerze an.

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